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Die Orgel im Volkshaus. Zu Geschichte und Zukunft des historischen Instruments

Während auf Initiative von Ernst Abbe zwischen 1901 und 1903 aus Mitteln der Carl-Zeiß-Stiftung am damaligen südwestlichen Innenstadtrand das Volkshaus Jena für überparteiliche und überkonfessionelle Bildungsarbeit, aber auch für Kunst und Kultur gebaut wurde, weihte man die erste Volkshausorgel im Großen Saal erst drei Jahre später, nämlich am 10. November 1906. Die in Karlsruhe / Durlach ansässige renommierte Orgelbauanstalt Voit & Söhne brauchte etliche Wochen, um das imposante dreimanuale Instrument zu installieren. Es war sagenhafte 8,80 Meter breit und 5,90 hoch und barg 2.886 Pfeifen. Ende der 60er Jahre hatte es dann ausgedient. Nach der Klärung der Finanzierung wurde die alte Orgel 1981 abgerissen, wobei die letzte Konzertnutzung da schon vierzehn Jahre zurück lag.

Am Silvesterabend 1987 konnte dann die neue Sauer-Orgel eingeweiht werden. Sie war größer und vor allem schwerer als ihre Vorgängerin, so dass einige komplizierte bautechnische Maßnahmen beim Einbau nötig wurden. Diese betrafen beispielsweise die Installation einer Klimaanlage, um die notwendigen klimatischen Verhältnisse sicherstellen zu können. Auch diese Orgel – größte Konzertorgel in Thüringen – ist eine dreimanuale Orgel, hat 61 Register und 4.850 Pfeifen, von denen die größte fast sieben Meter, die kleinste nur wenige Zentimeter groß ist.

Sie musste 2001 nach einer Orgelinspektion erneut einer Kur unterzogen werden. Die Firma Sauer aus Frankfurt/Oder baute ein neues Register ein, wechselte das Relais und die Steuerelektronik und stimmte alle Pfeifen nach.*

Blick in den Großen Saal des Volkshauses mit Orgel ©JenaKultur, Foto: Andreas Hub

Nun sind wir weitere 20 Jahre vorangeschritten. Der verdiente Organist, Dr. Hartmut Haupt, ist gestorben, das Volkshaus wird zu einem Kultur- und Kongresszentrum umgestaltet, und es stellt sich die Frage nach dem Wie weiter mit der Volkshausorgel, für deren Erhalt erneut beträchtliche Kosten einzuplanen wären?

Mit der Frage nach der Zukunft der Volkshausorgel befassen sich folgerichtig seit einiger Zeit leidenschaftlich Expert:innen, Kulturpolitiker:innen und Bürger:innen. Die Beschäftigung mit dem Thema kulminiert schlussendlich in zwei extremen Zuspitzungen, nämlich: Soll die Orgel abgerissen und in Einzelteilen verkauft werden oder hat sie genügend Potenzial für die Zukunft?

Am Freitag, 30. April 2021 ist um 18 Uhr ein virtuelles Orgelsymposium geplant, das sich bemühen will, der Beantwortung dieser Frage etwas näher zu kommen. Dabei ist vor allem auch zu klären, welchem künstlerischen Ziel, welchem inhaltlich-programmatischen Zweck soll eine etwaige Sanierung der Orgel dienen? Wie kann künftig (wieder) eine breite Vielzahl an Zielgruppen angesprochen und also vermieden werden, dass die Orgel nur mehr ein Denkmal ist?

Auf dem Podium werden sitzen: Thomas Grubert (Mitarbeiter der katholischen Kirche und leidenschaftlicher Organist), Jonas Zipf (Werkleiter von JenaKultur), Prof. Martin Sturm (Professor für Orgel und Orgelimprovisation in Weimar) sowie Simon Gaudenz (Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie). Es moderiert Claus Fischer vom MDR.

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*vgl: Volkshaus Jena. Versuch einer Chronik 1903 bis 2003, hg. von B. Liebold und M. Franz, Verlag Dr. Bussert und Stadeler, 2003.

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