Thomas Vogl

Thomas Vogl, langjähriger Kaufmännischer Leiter von JenaKultur, verlässt den Eigenbetrieb

Es gehört zum Leben dazu, dass sich Wege trennen und Dinge verändern. In den letzten beiden Pandemie-Jahren haben wir allerdings so viele markante Kolleg:innen in den Ruhestand verabschiedet, dass sich bei JenaKultur das starke Gefühl von einem Generationswechsel breit macht. Das ist ganz und gar nichts Schlechtes, im Gegenteil: die Jungen sollen und müssen ran, überall in der Gesellschaft, denn sie sind die Zukunft. Gleichwohl haben wir diesmal, offen gestanden, eine Träne im Knopfloch, denn da heißt es einen verabschieden, der diesen Eigenbetrieb sehr stark mitgeprägt und zu dem gemacht hat, was er heute ist, eine Erfolgsgeschichte.

Wir haben mit Thomas Vogl gesprochen.

Lieber Thomas, kaum zu glauben, dass Du JenaKultur verlässt! Du bist, obwohl Du zur Geburtsstunde des Eigenbetriebs ja noch gar nicht dabei warst, sowas wie ein gefühlter Gründungsvater, vielleicht weil Du JenaKultur in den letzten 15 Jahren maßgeblich mit aufgebaut, geformt hast?! Ehe Du Dich nun nur noch den schönen Dingen widmen darfst, möchten wir Deine Zeit bei uns noch einmal ein wenig Revue passieren lassen. Erzähle noch einmal ein bisschen von jenem wunderbaren Anfang (wann genau), dem welcher Zauber innewohnte? Wie bist Du als „Wessi“ – sorry – auf uns aufmerksam geworden? Was hat Dich zu einer Bewerbung bewogen?

Ich war damals in einer Steuerkanzlei im schönen Schwarzwald beschäftigt. Auf eigenen Wunsch hatte ich mein festangestelltes Arbeitsverhältnis in eine Honorarbeschäftigung umgewandelt. Ich wollte einfach noch einmal, damals war ich zarte 48 Jahre alt, etwas dazu lernen und brauchte frei gestaltbare Zeit. Anfang der 2000er Jahre begannen die Kommunen nach und nach von der Kameralistik auf die Doppik umzustellen. Mit der doppelten Buchhaltung kannte ich mich aus (behaupte ich einfach mal), mit der Kameralistik überhaupt nicht.

Zufällig las ich Mitte 2005 in irgendeinem Journal, dass der Kultureigenbetrieb JenaKultur (damals hieß der noch KMJ) eine Leitung der Buchhaltung zur Elternzeitvertretung sucht. Das war es! Ein bezahltes Praktikum in einer Kommune.

Nach dem Vorstellungsgespräch wurde ich von Regina Auerswald (Aui) zu einem Einstellungsgespräch eingeladen. Leider war der TVÖD und/oder der Eigenbetrieb nicht willens, ein Gehalt zu bieten, das meine Kosten, wie 2. Wohnsitz, Heimfahrten und ähnliches, abdecken konnte. Schweren Herzens sagte ich ab. Da ich aber immer noch Kameralistik (hier speziell die Umwandlung von Anlagevermögen aus der Kameralistik in die Doppik) lernen wollte, bot ich Aui an, bei diesem Thema beratend und unterstützend auf Honorarbasis zu helfen.

Im November 2005 rief mich der Eigenbetrieb an und fragte nach, ob ich bereit wäre, für drei Monate eine krankheitsbedingte Vertretung als Kaufmännischer Leiter zu übernehmen. Diesmal war die Bezahlung besser, das war ja auch eine „höherwertige Position“ – wie das so schön heißt, und ich nahm an.

Am 01.12.2005 war mein erster Arbeitstag bei JenaKultur – geplant für ganze 3 Monate. Meine wichtigste Aufgabe sollte die Erstellung der Eröffnungsbilanz des Unternehmens auf den 01.01.2005 sein. Bisschen spät, aber was soll’s. Eine Eröffnungsbilanz ist kein großes Hexenwerk, also war das flott erledigt und der Wirtschaftsprüfer zufrieden. Ende Januar 2006 begann ich mit der Schlussbilanz auf den 31.12.2005. Das war bis zum 28.02.2006, solange lief mein Vertretungsvertrag, nicht zu schaffen, und ich hinterließ die „Unvollendete“.

Am 14.04.2006 wurde ich angerufen und gebeten, die Schlussbilanz für 2005 zu beenden. Die Wirtschaftsprüfer hatten sich für den 2. Mai angekündigt. Zum Glück konnte ich einige andere Termine umbuchen und nahm den Auftrag an. In den folgenden 17 Tagen hatte ich keinen einzigen freien Tag, aber die Bilanz wurde fertig.

Anschließend wurde mir eröffnet, dass JenaKultur eine neue Kaufmännische Leitung sucht und ob ich bis zum Ende des Ausschreibungsverfahrens diese Positionen übernehmen könnte. Ich sagte zum 01.06.2006 zu und blieb – erstmal.

Jena sollte ja gar keine Dauerstation in Deinem Leben werden. Und doch bist Du hier hängen geblieben. Wie kam denn das?

Die „gefühlt“ unmögliche Kombination aus Betriebswirtschaft und Kultur begann mich zu faszinieren, und so habe ich mich kurz vor dem Ende der Ausschreibungsfrist beworben und mich dann auch gegen die Mitbewerber durchgesetzt. Am 01.02.2007 wurde ich als Kaufmännischer Leiter fest angestellt. Selbst damals war mir noch keinesfalls klar, dass dies die letzte Arbeitsstation meines Lebens werden würde. Aber es gab so viel zu tun und, je tiefer ich in die Kultur einstieg, umso spannender wurde es.

Thomas Vogl und andere Gäste bei der feierlichen Eröffnung des Volksbads Jena zur JenaKultur-Zentrale 2007
Eines der Highlights in 16 Jahren JenaKultur: Thomas Vogl (Mitte) bei der feierlichen Wiedereröffnung des Volksbads Jena 2007 | ©JenaKultur, S. Reuter

Du hast einige Dinge bei JenaKultur gerade in kaufmännischer Hinsicht auf den Weg gebracht, neu eingeführt usw. Erzähle mal ein wenig über Motive und Erfahrungen und Projekte! Nicht immer hast Du ja – um es gelinde auszudrücken – Beifallsstürme dafür geerntet. Woher hast Du das Selbstbewusstsein genommen, Dinge auch gegen Widerstände durchzusetzen?

Es waren viele kleine Dinge, wie sie im Laufe eines jeden Unternehmens, insbesondere in Zeiten der Digitalisierung – und die hat nicht erst in den letzten 2 Jahren begonnen –, umgesetzt und umgestellt werden müssen. Zwei Eckpfeiler sind allerdings besonders zu erwähnen.

Am Anfang gab es bei JenaKultur kein Controlling. Man war der Meinung, das schafft die kaufmännische Führung in Personalunion. Klappt aber nicht. Also habe ich begonnen, mich nach einer Software umzuschauen, die Buchhaltung und Kostenrechnung für 10 verschiedene Buchungskreise (= Unternehmen) aus einer Hand abbilden kann. DATEV konnte das damals nicht und SAP war zu teuer. So sind wir bei CSS gelandet. Die Umstellung auf ein ERP-System war für die Kolleginnen der Buchhaltung nicht einfach. Nach Einführung von CSS machte ich mich daran, eine Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung aufzubauen. Ich habe mich drei Tage in mein Büro, damals noch in der Grietgasse, eingeschlossen und die Wände mit großen DIN-A1-Plakaten tapeziert. Fragt mal die Kolleginnen der Buchhaltung. Die haben nur den Kopf geschüttelt. Dieses System besteht im Großen und Ganzen bis heute (sollte jetzt aber mal gründlich überarbeitet werden).

Um das alles auch nutzen zu können, benötigte es auch ein funktionierendes Controlling. Nach einigem Hin und Her, auch mit der Politik, habe ich es dann geschafft, ab 2010 ein zweiköpfiges Team aufzubauen. Hier „half“ auch die einzige finanzielle Krise im Jahr 2009, die der Eigenbetrieb zu überstehen hatte.

Was jetzt noch fehlte, war ein Materialwirtschaftsprogramm. Diese Systeme arbeiten tagesaktuell, während Daten aus der Buchhaltung immer zeitversetzt im Controlling ankommen. Hier erntete ich heftige Kritik. Vom „gläsernen“ Mitarbeiter wurde gesprochen, um mal die heftigen Bezeichnungen mir gegenüber wegzulassen.

Der Erfolg hat mir recht gegeben. Seit der Einführung von Integris im Jahr 2014 haben wir immer die volle Kontrolle über die Budgets und können regulierend eingreifen. Voraussetzung dafür ist natürlich auch, dass sich alle an die Vorgaben halten. Hier ist in letzter Zeit allerdings eine deutlich sinkende Toleranz gegenüber der Transparenz zu erkennen.

Hier hast du auch die Antwort, woher ich das Selbstvertrauen nehme, unangenehme Dinge gegen Widerstand durchzusetzen. Wenn ich von etwas wirklich überzeugt bin, wenn ich weiß, dass alle davon profitieren und es der Sache dient, dann mache ich das auch. Klar, kann sowas auch einmal schief gehen, aber hier hat es ja funktioniert.

Neu für Dich war, denke ich, auch die enge Verzahnung mit der Politik. Wie hast Du die erlebt? Wie bist Du in diese Konstellationen und Erfordernisse hineingewachsen?

Gaaaanz langsam. Ich habe zwar schnell gemerkt, dass die meisten Politiker:innen der Kultur und damit JenaKultur sehr gewogen sind, dennoch hatte ich gehörigen Respekt vor den Ausschüssen. Mit der Zeit wurde ich jedoch immer akzeptierter, und damit stieg dann auch die innere Ruhe.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, allen Ausschussmitgliedern sehr herzlich für die 16-jährige gute Zusammenarbeit zu danken und wünsche ein weiterhin glückliches Händchen und Köpfchen bei den Entscheidungen für die Kultur in Jena und vor allem den Eigenbetrieb.

In den letzten Jahren hat Dich der Bibliotheksneubau stark beschäftigt. Daneben die digitale Bestandserfassung in den Museen. Und etliches mehr. Erzähle mal.

Alles was neu ist, fasziniert mich. Deshalb habe ich auch immer versucht, Dinge anzugehen, die ich noch nie gemacht habe.

Ich war ja auch ca. 18 Monate Direktor der Ernst-Abbe-Bücherei und 6 Monate Direktor der Musik- und Kunstschule Jena. Es gab bei beiden Einrichtungen Probleme bei der Nachbesetzung der Direktor:innen-Stellen. Bevor völliges Chaos entstehen konnte, habe ich mich, neben meinen Aufgaben als Kaufmännischer Leiter, um die interne Leitung gekümmert. Natürlich habe ich mich nie inhaltlich eingebracht, dazu gibt es in beiden Einrichtungen zu viele sehr gute Mitarbeiter:innen. Diese neue Aufgabe und der Einblick in die spannenden Themen haben mir beide Male, neben den anderen Anforderungen, auch viel Spaß gemacht.

Gemeinsam mit den Städtischen Museen waren wir in Thüringen die Ersten, die ihren musealen Bestand digitalisiert haben. Der Anstoß dazu war die Verpflichtung der Erstinventur aus dem Gründungsbeschluss von JenaKultur. Wir haben damals gesagt „wenn schon, denn schon richtig“.

Ja, und im Jahr 2014 schien es plötzlich möglich zu sein, auf dem Engelplatz einen Neubau für die Ernst-Abbe-Bücherei zu errichten. Als ehemaliger Direktor fühlte ich mich irgendwie berufen, das Projekt auf Werkleiterebene zu begleiten. Nach vielen Vorverhandlungen, Gesprächen und Denkprozessen wurde dann im Jahr 2016 der Stadtratsbeschluss zur Errichtung eines neuen Gebäudes für Bürgerservice und Bibliothek gefasst. Seitdem verwendete ich einen nicht zu kleinen Anteil meiner Arbeitszeit, um mithelfen zu können. Baubesprechungen, Konzepterstellungen, Dienstreisen, Personalgestaltungen und vieles mehr gab und gibt es zu erledigen. Es war nicht immer einfach, alle Kritiker („zu teuer“, „wozu braucht es noch eine Bibliothek – es gibt doch Server“, „das Geld wäre woanders besser angelegt“ usw.) von dem, was da entsteht, zu überzeugen. Auch das Bibliothekskonzept stieß bei vielen auf Unverständnis bzw. Unkenntnis. Katja Müller und ich haben aber immer daran geglaubt und auch große Teile davon durchgesetzt. Ich bin überzeugt (siehe Dinge gegen Widerstand durchsetzen), dass die fertige Bibliothek ein Riesengewinn für die Stadt und deren Bürger sein wird. Ich freue mich jetzt schon auf die Eröffnung im Herbst des nächsten Jahres, die ich natürlich auf keinen Fall versäumen werde.

Baustelle am Engelplatz
Die Baustelle am Engelplatz: Nach vielen Kämpfen nimmt der Neubau für die Ernst-Abbe-Bücherei und den Bürgerservice immer weiter Formen an. Thomas Vogl war ein wichtiger „Treiber“ des Großprojekts | ©avocadofilm

Du bist, verzeih, wenn ich das so sage, nicht vordergründig ein Intellektueller und auch niemand, der immer schon in der Kultur arbeitet. Was bedeutet eigentlich Kultur in all ihren Facetten für Dich? Ist sie aus Deiner Sicht lebensnotwendig; warum, warum nicht? Fragen, die uns spätestens seit Corona alle extrem umtreiben.

„Als Intellektueller wird ein Mensch bezeichnet, der wissenschaftlich, künstlerisch, philosophisch, religiös, literarisch oder journalistisch tätig ist, dort ausgewiesene Kompetenzen erworben hat und in öffentlichen Auseinandersetzungen kritisch oder affirmativ Position bezieht. Dabei ist er nicht notwendigerweise an einen bestimmten politischen, ideologischen oder moralischen Standort gebunden.“ (Quelle: Wikipedia)

— Stimmt, das bin ich nicht, aber Kultur ist doch nicht nur für Intellektuelle da, oder? Es gibt die Hochkultur, die Populärkultur, die kulturelle Bildung und noch vieles mehr (Fankultur, Essenskultur, andere Kulturen usw.).

Kurz gesagt: Kultur ist also in all ihren Facetten wichtig und für alle da und darf auch Spaß machen. Deshalb hat auch jeder Mensch eine andere Beziehung zu Kultur. Für mich war und ist vor allem die kulturelle Bildung ein ganz wesentlicher und unverzichtbarer Bereich. Kulturelle Bildung bedeutet Teilhabe, und zwar nicht nur an der Kultur, sondern auch am Leben.

Des Weiteren habe ich gelernt, dass Kultur viel Arbeit macht. Damit meine ich nicht nur die, die auf der Bühne stehen, sondern auch all die anderen, die „Backstage“ arbeiten, um Kultur überhaupt erst zu ermöglichen.

Auch wenn Kultur teuer ist und immer wieder nachgefragt wird, ob das denn wirklich alles sein muss, oder ob man das nicht für weniger Geld haben kann, ist sie aus unserem Leben nicht wegzudenken. Erschwerend oder „Gott sei Dank“ kommt noch hinzu, dass auch hier die oben erwähnte unterschiedliche Betrachtung von Kultur bei den Politikern nicht Halt macht. Je nach Gustus soll bei Philharmonie oder der Bibliothek oder der Volkshochschule oder, oder, oder gekürzt werden. Mal sehen, was die nächste Runde bringt.

Weder habe ich mich bei JenaKultur neu erfunden noch muss man die Kultur nach der Pandemie neu erfinden. Ich bezeichne das als Evolution. So, wie ich mich bei JenaKultur weiterentwickelt habe, so wird sich auch die Kultur nach Corona weiterentwickeln. Da habe ich keine Angst.

JenaKultur ist ohne Übertreibung eine Erfolgsgeschichte geworden. Das ist auch Dein Verdienst. Wo siehst Du dennoch, und das hängt vielleicht stark mit der vorigen Frage zusammen, Entwicklungspotentiale und auch Gefahren, Bedrohungen? Was muss Deine Nachfolgerin aus Deiner Sicht anpacken? Welche Tipps hast Du für sie und die gesamte Führungsriege von JenaKultur?

Jetzt wird es spannend. Ja, du hast vollkommen recht. JenaKultur ist ein Erfolgsmodell. Bei meinen Treffen mit den Reformbetrieben habe ich immer wieder im bundesweiten Vergleich sehen können, wo wir stehen und wie wir teilweise beneidet werden. Zwei Faktoren sind dafür von herausragender Bedeutung. Die vierjährige Zuschussvereinbarung mit der finanziellen Sicherheit der Einrichtungen über eben diesen Zeitraum und die Personalhoheit. Beides tragendende Säulen des Unternehmens, diese müssen unbedingt erhalten werden.

Entwicklungspotentiale sehe ich in allen Einrichtungen. Hier war die Pandemie ein Beschleuniger. Sie hat dazu geführt, dass sich vor allem im digitalen Bereich sehr viel getan hat. Das gilt es weiter auszubauen, denn das ist nun mal die Zukunft. Wie heißt es so richtig? Stillstand ist Rückgang.

Gefahren sehe ich derzeit vor allem in der permanenten Überlastung des Unternehmens durch Projekte und neue Konzepte. Nein, das ist kein Widerspruch zum vorgenannten, sondern es ist einfach zu viel auf einmal. Die Masse an zusätzlicher Belastung überfordert den Eigenbetrieb sowohl in finanzieller als auch in personeller Beziehung. Bitte nicht falsch verstehen. Die meisten Dinge, aber nicht alle, sind durchaus richtig und wichtig, nur nicht alle auf einmal.

Mir ist in den letzten 12 Monaten aufgefallen, dass ich weniger in solche Projekte involviert war als früher. Zuerst dachte ich, das liegt an dem bevorstehenden Abschied, habe dann aber erkannt, dass es andere Gründe haben muss. In vielen Gesprächen wurden mir ähnliche Eindrücke geschildert. Das mag vielleicht an der Überlastung liegen. Man hat einfach keine Zeit, alles detailliert vorzubereiten und alle Beteiligten im Voraus mitzunehmen. Auf jeden Fall muss hier gegengesteuert werden, sonst geht das schief. Ein großer Dampfer fährt nur sicher durch die Weltmeere, wenn die Crew zusammenarbeitet.

Das Wichtigste für meine Nachfolgerin, Jana Gründig, ist das möglichst schnelle Kennenlernen von JenaKultur. Wie tickt das Unternehmen, wo sind die Probleme bei den Finanzierungen, was ist eine notwendige Ausgabe und was nicht. Natürlich haben wir uns darüber schon unterhalten, und ich habe viel erzählt. Aber bei einer „Holding“ wie JenaKultur dauert das entsprechend lange, um in alle Winkel zu sehen. Ich habe dazu auch meine Zeit gebraucht.

Hast Du Abschiedsschmerz oder gehst Du völlig im Frieden, im Reinen mit Dir? Was hast Du nicht geschafft? Gibt es etwas, dass Du bereust? UND: Was wirst Du jetzt machen? Welche privaten Herausforderungen wirst Du noch meistern? Stehst Du uns als Ratgeber gegebenenfalls weiter zur Verfügung?

Natürlich habe ich Abschiedsschmerz, schließlich habe ich JenaKultur als Baby adoptiert. Ich durfte mithelfen beim Wachsen und Gedeihen, habe beim Aufstehen geholfen, wenn es stolperte und war dabei, als es Laufen lernte. Aber nach 16 Jahren ist es dann auch gut loszulassen.

Wenn man bedenkt, dass keiner der damaligen Werkleitung und Einrichtungsleitung noch dabei ist, kommt man sich fast vor wie ein Fossil. Klar sind auch noch eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen da, die bereits am 1. Januar 2005 mit am Start waren, aber nicht mehr viele.

Yvonne Abraham hat für mich mal nachgeschaut: Beinahe 600 Einstellungen gab es während meiner aktiven Zeit, unglaublich. In der gleichen Zeit erhielt JenaKultur über 230 Millionen Euro Zuschuss von der Stadt Jena bei Gesamtaufwendungen in Höhe von rund 390 Millionen Euro. Diese gewaltige Summe hatte die kaufmännische Abteilung zu verwalten, zu verbuchen und zu bilanzieren.

Da ich einen finanziell gesunden Eigenbetrieb übergebe, gehe ich insoweit im völligen Frieden mit mir. Mission erfüllt. Aber klar gibt es im Nachhinein auch genug, was ich heute anders und vielleicht besser machen würde. Aber so ist das nun mal, wenn man Entscheidungen, häufig unter Zeitdruck und externer Beeinflussung, treffen muss. Sollte der Eigenbetrieb einmal einen Rat, der auf langjährige Erfahrung beruht, brauchen, so bin ich natürlich gerne bereit hier zu helfen.

Nicht geschafft habe ich die Eröffnung der neuen Bibliothek. So ein Projekt braucht halt eine lange Zeit von der Idee, über die Planung und die Ausführung bis zur Fertigstellung. Aber ich bin froh darüber und stolz darauf, solange dabei gewesen zu sein. Ich bin mir sicher, das „Bibo-Bauteam“ wird auch weiterhin alles dafür geben, um zu diesem Ziel zu kommen. Ich freue mich schon sehr auf die Eröffnung, denn es wird eine großartige Bibliothek. Ich wünsche allen Beteiligten dafür weiter gute Nerven und viel Erfolg.

Was ich jetzt machen will? Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass ich mir noch etwas von der Welt ansehen möchte. Endlich Zeit, in Ruhe zu reisen, ohne schon beim Losfahren auf das Urlaubsende achten zu müssen. Vielleicht kommt auch noch mal ein Projekt, wenn mir langweilig werden sollte. Im Moment habe ich dazu aber keine Lust.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren hervorragenden Einsatz in den vergangenen Jahren bedanken. Der Erfolg von JenaKultur konnte schließlich nur durch sie gelingen. Macht weiter so und „Andrà tutto bene“.

Bedanken möchte ich aber auch bei den vielen Menschen aus der Stadtverwaltung, den Eigenbetrieben und in der Politik, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Ich denke, alle haben und hatten immer das gleiche Ziel: Erfolg für die Stadt Jena. Und das ist doch auch gelungen, oder?

Und wir bedanken uns bei Thomas Vogl und wünschen ihm von ganzem Herzen einen erfüllten (Un)Ruhestand!

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