Allgemein Jenaer Philharmonie

Vorgestellt: Die drei Chöre der Jenaer Philharmonie

Jenaer Philharmonie zur ArenaOuvertüre 2018 in Jena

Wenn man an die Jenaer Philharmonie denkt, denkt man sicherlich zuerst an das herausragende Philharmonische Orchester unserer Stadt. Und das kann man gerne und oft tun, denn es lohnt sich! Oft wird dabei aber vergessen, dass die Philharmonie nicht nur das Orchester, sondern auch drei Chöre beheimatet: Den Philharmonischen Chor, den Knabenchor und den Madrigalkreis.

Aber was machen die Chöre, was unterscheidet sie und wozu braucht man sie überhaupt?

Der Philharmonische Chor gründete sich 1970 unter der Leitung des damaligen Orchesterdirigenten Gunther Blumenhagen und besteht heute aus ca. 130 Mitgliedern. In enger Zusammenarbeit erarbeiten Philharmonischer Chor und Philharmonisches Orchester zwei bis vier chorsinfonische Werke pro Jahr, also Chorwerke mit Orchesterbegleitung. Dazu gehören z. B. verschiedene Messen und Passionen, aber auch das berühmte Weihnachtsoratorium oder Beethovens 9. Symphonie. Um Mitzusingen muss man kein Gesangsprofi sein! Der Chor steht auch Laien offen, die verantwortungsbewusst einmal pro Woche (Dienstagabend) zu den Proben kommen und engagiert und konzentriert proben und sich im Laufe der Zeit lernwillig verbessern möchten.

Philharmonischer Chor der Jenaer Philharmonie
Philharmonischer Chor der Jenaer Philharmonie ©Jenaer Philharmonie, C. Worsch

Knabenchöre gibt es in Europa schon seit über 1.000 Jahren. Sie gehören zu den ältesten Chortraditionen der europäischen Musikgeschichte. In Jena gibt es den Knabenchor seit 1976. Wie der Name schon sagt, singen in diesem Chor ausschließlich Knaben und Männer. Dabei geht es bereits mit den ganz Kleinen in der ersten Klasse los, die dann die Möglichkeit haben, über mehr als 20 Jahre hinweg in dieser großartigen Gemeinschaft zu singen. Altersgerecht und individuell werden alle neuen Mitglieder über die Vorkurse und den Nachwuchschor langsam herangeführt und von einem Stimmbildner betreut, bis sie irgendwann dem Konzertchor beitreten dürfen. Dort wird dann „SATB“ gesungen, also Sopran, Alt, Tenor und Bass. Das bedeutet, dass die Knaben (vor dem Stimmbruch) die Aufgabe der Frauenstimmen übernehmen und die Männer die Männerstimmen. So entsteht ein voller gemischter Chorklang, mit dem der Knabenchor sich sowohl in der Chorsinfonik zu Hause fühlt, als auch eigene a-cappella-Konzerte gibt, also Konzerte ganz ohne Orchester- oder Instrumentalbegleitung. Hier findet also eine richtige stimmliche und musikalische Ausbildung statt! Über 100 Knaben und Männer in allen Altersklassen fühlen sich dieser Gemeinschaft treu. Geprobt wird dabei in den verschiedenen Chören meistens zwei Mal pro Woche. Im Moment finden Montag bis Donnerstag die verschiedenen Proben statt. Dies ist wichtig, denn der Knabenchor partizipiert immer wieder auch an Konzertreisen ins Ausland und nimmt regelmäßig am Deutschen Chorwettbewerb teil.

Knabenchor der Jenaer Philharmonie, Gruppenaufnahme
Knabenchor der Jenaer Philharmonie ©Jenaer Philharmonie

Der Madrigalkreis wurde 1968 als erster der drei Chöre gegründet und ist so etwas wie der Kammerchor der Jenaer Chorszene, also mit besonders hohen musikalischen Ansprüchen. Er singt überwiegend a cappella und das Repertoire reicht von Madrigalen und Motetten der Renaissance, des Barock, der Romantik und der Moderne zu chorsinfonischen Werken vorwiegend aus dem barocken Bereich. Auch Kantaten und Messen sind fester Bestandteil der Chorarbeit. Die 40 bis 50 Mitglieder proben jeweils am Freitag und geben dabei ebenfalls regelmäßig Konzerte, auch im europäischen Ausland.

Gruppenfoto des Jenaer Madrigalkreises
Madrigalkreis der Jenaer Philharmonie ©Jenaer Philharmonie, T. Peissker

Im Volkshaus herrscht dementsprechend reger Betrieb. Von Montag bis Freitag finden täglich Chorproben der verschiedenen Chöre statt, an manchen Tagen sogar mehrere Proben. All diese Arbeit wird geleitet von Chordirektorin Berit Walther, die die Konzertprogramme zusammenstellt, die Proben leitet und die Planungen über die nächsten ein bis zwei Jahre im Voraus jeweils im Blick hat. Seit 1993 ist sie bereits dabei, seit dem Jahr 2000 ist sie leitend für alle drei Chöre zuständig. So gibt es neben dem Generalmusikdirektor, also dem Dirigenten des Orchesters, auch eine Chordirektorin, die Dirigentin der drei Chöre.

Unterstützt wird sie dabei nun schon seit vielen Jahren von Stefan Puppe, der als Stimmbildner sowohl den Philharmonischen Chor, als auch den Knabenchor betreut und dort Einzelstimmbildung anbietet und die Vorkurse leitet. Für alle Chöre hat Berit Walther Assistenten, die Registerproben übernehmen und gemeinsam mit ihr die Planung übernehmen. All diese musikalischen Fäden laufen im Chorbüro zusammen, das alles organisatorisch umgesetzt: Von der Probenplanung über Raumreservierung, Mailkontakt zu Eltern und Sängern, Notenausleihe, Chorkleidungstausch, Budgetplanung der Projekte, Veranstaltungsplanung, Kontakt zu Jugendherbergen, Kirchen und Konzerthäusern bis hin zur Mitgliederverwaltung. Die Chöre besitzen in der Jenaer Philharmonie demnach keineswegs den Stellenwert kleinerer Hobbychöre, sondern werden mit großem Aufwand und vielen Ressourcen durch JenaKultur unterstützt.

Der Aufwand für die Betreuung der drei Chöre ist hoch, aber er lohnt sich. Fast jeden Monat gibt es von einem der drei Chöre Konzerte zu bestaunen und die unterschiedlichen programmatischen Schwerpunkte decken dabei den musikalischen Geschmack eines jeden Konzertbesuchers ab. Mit dem seit einem Jahr hier arbeitenden neuen Generalmusikdirektor Simon Gaudenz ist zusätzlicher frischer Wind in die Chorszene gekommen, da eine Zusammenarbeit zwischen dem Orchester und den Chören nun noch mehr in den Fokus rücken soll.

Jenaer Philharmonie: Das heißt Sinfonik, Chorsinfonik und Chor a cappella. Kaum eine andere Stadt in Deutschland leistet sich ein so umfassendes und anspruchsvolles musikalisches Angebot!

Berit Walther, Portrait
Berit Walther, Chrodirektorin ©Jenaer Philharmonie, B. Walther

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