Allgemein Ernst-Abbe-Bücherei Jena

Die Ernst-Abbe-Bücherei Jena wird 130

Lesehalle im Löbdergraben

Bücher, Menschen, Möglichkeiten

130 Jahre Ernst-Abbe-Bücherei Jena: Das sind 130 Jahre Zugang zu Wissen, Leseförderung und kultureller Teilhabe. Seit ihrer Gründung 1896 hat sich die Bibliothek immer wieder verändert und an die Bedürfnisse ihrer Zeit angepasst. Zum 125. Geburtstag im Jahr 2021 blickten wir auf eine bewegte Geschichte zurück – damals noch aus dem Zwischenquartier in der ehemaligen Augenklinik. Heute, fünf Jahre später, ist aus der Zukunftsvision eines offenen Bildungs- und Kulturzentrums Wirklichkeit geworden. Mit dem Neubau am Engelplatz hat die Ernst-Abbe-Bücherei (EAB) ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Eine Idee, die bis heute trägt

Als 1895 Ernst Abbe, Eduard Rosenthal und Hermann Zeiss die Errichtung einer öffentlichen Lesehalle auf den Weg brachten, stand eine Idee im Mittelpunkt: Bildung und Wissen sollten möglichst vielen Menschen zugänglich sein. Bereits 1896 öffnete die Jenaer Lesehalle am Löbdergraben ihre Türen.

Lesehalle im Löbdergraben
Lesehalle Löbdgergraben © EAB Jena

Seitdem hat die Bibliothek zahlreiche Veränderungen erlebt. Sie zog ins Volkshaus, überstand Kriegszerstörungen und politische Umbrüche, erweiterte ihre Angebote und entwickelte sich von einer klassischen Ausleihbibliothek zu einer vielseitigen Kultur- und Bildungseinrichtung. Auch die Digitalisierung und neue Formen der Vermittlung von Wissen haben die Arbeit nachhaltig verändert.

Zum 125. Geburtstag im Januar 2021 war die Ernst-Abbe-Bücherei noch in der ehemaligen Augenklinik untergebracht. Der historische Standort im Volkshaus Jena lag bereits hinter ihr, der Neubau am Engelplatz aber noch vor ihr. Die Corona-Pandemie erschwerte zudem den Bibliotheksalltag und ließ viele Begegnungen nur eingeschränkt zu. Der Wunsch nach einem offenen, lebendigen Ort für die Stadtgesellschaft war damals bereits formuliert. Seine räumliche Umsetzung stand noch aus.

Fünf Jahre voller Veränderung: Der Weg zum Neubau

Die vergangenen fünf Jahre waren für die Ernst-Abbe-Bücherei eine Zeit des Aufbruchs. Die Planungen für das neue Gebäude wurden konkretisiert, die Baustelle am Engelplatz nahm Gestalt an und das Team bereitete parallel zum laufenden Bibliotheksbetrieb den Umzug in ein völlig neues Arbeits- und Nutzungskonzept vor.

Dabei ging es um weit mehr als neue Regale und zusätzliche Fläche. Das neue Haus sollte den Anforderungen einer modernen Bibliothek gerecht werden: mit Raum für konzentriertes Lernen, gemeinsames Arbeiten, kulturelle Veranstaltungen und spontane Begegnungen. Die Bibliothek sollte nicht nur ein Ort sein, an dem Medien ausgeliehen und zurückgegeben werden, sondern ein Ort, an dem Menschen gerne Zeit verbringen – unabhängig davon, ob sie etwas ausleihen, an einer Veranstaltung teilnehmen oder einfach lesen und lernen möchten.

Im Vorfeld der Eröffnung mussten zahlreiche Entscheidungen getroffen werden. Möbel, technische Ausstattung und ein neues Orientierungs- und Leitsystem wurden geplant und beschafft. Zugleich entwickelte das Team ein neues Leitbild und eine Entwicklungskonzeption für die Jahre 2024 bis 2028. Auch die interne Organisation wurde an die erweiterten Aufgaben und Möglichkeiten angepasst.

Die Vorbereitungen zeigten: Mit dem Neubau veränderte sich nicht nur die Adresse der Ernst-Abbe-Bücherei. Auch ihr Selbstverständnis als offene, zeitgemäße und vielfältige Einrichtung wurde weiterentwickelt.

Ein besonderer Moment am Engelplatz

Am 22. März 2024 war es endlich so weit: Der Neubau für die Ernst-Abbe-Bücherei und die Bürgerdienste der Stadt Jena wurde feierlich eingeweiht. Mehr als 300 geladene Gäste aus Politik, Kultur und Wirtschaft begleiteten diesen besonderen Moment. Nach intensiver Planung, mehreren Umzügen und einer langen Bauphase erhielt eine der ältesten Kultureinrichtungen Jenas ein neues Zuhause im Herzen der Stadt.

Am 25. März 2024 öffnete die Bibliothek erstmals für ihre Besucher:innen. Auf rund 3.800 Quadratmetern entstanden neue Möglichkeiten zum Lesen, Lernen, kreativen Arbeiten und Begegnen. Mehr als 500 Sitzmöglichkeiten bieten Raum für unterschiedliche Bedürfnisse: vom ruhigen Rückzugsort mit einem Buch über Bereiche zum gemeinsamen Lernen bis hin zum Salon mit Kaffeeautomaten.

Einblicke in den Neubau der EAB Jena am Engelplatz

Ein Haus für alle Generationen

Wer heute die Ernst-Abbe-Bücherei Jena betritt, findet deutlich mehr als eine klassische Bibliothek. Das Angebot richtet sich an Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Interessen.

Zwei Kinderbereiche laden zum Entdecken, Vorlesen und Schmökern ein. Der eigene Jugendbereich bietet Teenagern einen Raum, der ihre Interessen und Bedürfnisse aufgreift. Erwachsene finden in der Belletristik gemütliche Leseplätze, während weitere Bereiche Möglichkeiten für konzentriertes Arbeiten und Lernen schaffen.

Auch das gemeinsame Ausprobieren und kreative Gestalten haben ihren Platz. Bei MINT-Angeboten können Kinder und Jugendliche experimentieren, tüfteln und technische Zusammenhänge entdecken. Gaming-Angebote, Workshops und Veranstaltungen erweitern die Bibliothek um Möglichkeiten, die über das klassische Lesen hinausgehen. Veranstaltungsräume bieten Platz für Lesungen, Gespräche und kulturelle Formate.

Besonders wichtig ist dabei die Offenheit des Hauses. Eine Bibliothek muss heute nicht nur Wissen bereitstellen, sondern auch unterschiedliche Menschen zusammenbringen. Die Ernst-Abbe-Bücherei versteht sich deshalb als konsumfreier Ort, an dem man sich aufhalten kann, ohne etwas kaufen zu müssen. Sie ist Lernort, Treffpunkt, Rückzugsraum und Veranstaltungsort zugleich.

Auch der Zugang zu den Angeboten wurde weiterentwickelt. Die längeren Öffnungszeiten am Samstag kommen insbesondere Familien und Menschen entgegen, die unter der Woche wenig Zeit haben. Digitale Lösungen erleichtern bestimmte Abläufe im Bibliotheksalltag, etwa bei der Rückgabe von Medien.

Analog und digital: Lernen in einer sich wandelnden Gesellschaft

Die Bibliothek der Zukunft verbindet Bücher und andere klassische Medien mit digitalen Angeboten. Auch in der Ernst-Abbe-Bücherei ergänzen elektronische Medien und digitale Lernmöglichkeiten den Bestand vor Ort.

Im Rahmen des Projekts „Smarte Ernst-Abbe-Bücherei“ werden neue Lernumgebungen entwickelt, die eigenständiges digitales Lernen ermöglichen und digitale Teilhabe fördern. Moderne Technik soll Menschen dabei unterstützen, neue Kompetenzen zu erwerben und digitale Anwendungen selbst auszuprobieren. Dabei geht es ausdrücklich auch darum, niedrigschwellige Zugänge zu schaffen und unterschiedliche Bedürfnisse zu berücksichtigen.

Die Bibliothek bleibt somit ein Ort, an dem Wissen nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam entdeckt werden kann. Gedruckte Bücher und digitale Medien stehen nicht im Gegensatz zueinander. Sie eröffnen vielmehr unterschiedliche Wege, sich zu informieren, Neues zu lernen und eigene Interessen zu vertiefen.

Zwei Jahre im neuen Haus – und eine besondere Anerkennung

Wie gut sich das neue Konzept mit Leben füllen lässt, zeigte sich bereits nach zwei Jahren am Engelplatz. In den Räumen entstanden neue Routinen: Menschen nutzen die Bibliothek zum Lernen, Lesen, Arbeiten oder für eine kleine Pause im Alltag. Familien entdecken die Kinderbereiche, Jugendliche finden ihren eigenen Raum und Veranstaltungen bringen Menschen zu unterschiedlichen Themen zusammen.

Im Jahr 2024 erhielt die Ernst-Abbe-Bücherei zudem den Thüringer Bibliothekspreis. Die Jury würdigte unter anderem ihre Entwicklung zu einem lebendigen, interkulturellen Ort der Kommunikation, des Lesens und des lebenslangen Lernens. Auch die Verbindung von Raumgestaltung, innovativen Veranstaltungsformaten und digitalen Lernmöglichkeiten fand Anerkennung.

Die Auszeichnung bestätigt den Weg, den die Bibliothek eingeschlagen hat. Sie zeigt zugleich, dass ein Neubau allein noch keinen lebendigen Ort schafft. Entscheidend sind die Menschen, die ihn nutzen, die Ideen des Teams und die Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen, Kulturpartnern und weiteren Akteur der Stadtgesellschaft.

130 Jahre – und die Zukunft bleibt offen

Ein Jubiläum lädt dazu ein, zurückzublicken. Bei der Ernst-Abbe-Bücherei wird dabei besonders deutlich, wie eng ihre Geschichte mit den Veränderungen der Stadt und der Gesellschaft verbunden ist. Aus der öffentlichen Lesehalle von 1896 ist eine moderne Bibliothek geworden, die Bücher und digitale Medien, Bildung und Freizeit, konzentriertes Arbeiten und gemeinschaftliche Erlebnisse miteinander verbindet.

Der Neubau am Engelplatz ist ein wichtiger Meilenstein, aber kein Schlusspunkt. Die Bibliothek entwickelt ihre Angebote weiter, erprobt neue Formate und reagiert auf veränderte Bedürfnisse. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung der Stadtteilbibliothek in Lobeda als wohnortnaher Bildungs- und Begegnungsort.

Der ursprüngliche Gedanke, möglichst vielen Menschen Zugang zu Wissen und geistiger Anregung zu ermöglichen, ist dabei aktueller denn je. Heute bedeutet das, Räume für unterschiedliche Lebenssituationen zu schaffen, digitale Kompetenzen zu stärken, kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und Begegnungen über Generationen und Lebenswelten hinweg zu fördern.

130 Jahre Ernst-Abbe-Bücherei sind deshalb nicht nur Anlass, auf eine lange Geschichte zurückzublicken. Sie sind auch ein guter Grund, neugierig nach vorn zu schauen.

Liebe Leser:innen, am 6. November 2026 feiert die Ernst-Abbe-Bücherei Jena ihr 130-jähriges Jubiläum unter dem Motto „Gestern. Heute. Weiter.“ – und Sie sind eingeladen. Das Programm ist genauso vielfältig wie die Besucher:innen und der Eintritt ist frei! Sehen wir Sie da?

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