Ein bleibendes Erbe für Jena und Thüringen
Als das ereignisreiche Leben von Eduard Rosenthal 1926 in Jena zu Ende ging, verlor die Stadt einen ihrer ehrenhaftesten Bürger. Mit tiefer Dankbarkeit blickte man damals auf das Lebenswerk eines Mannes zurück, der als brillanter Rechtsgelehrter, weitblickender Politiker und zutiefst engagierter Stadtbürger unvergessliche Spuren in der Geschichte der Stadt und weit über Thüringens Grenzen hinaus hinterlassen hatte.
Um das Bewusstsein für das außergewöhnliche Lebenswerk von Eduard Rosenthal zu schärfen, ergriff der Kulturhistoriker Dr. Dietmar Ebert im Sommer 2025 die Initiative für die Organisation eines festlichen Symposiums und fand damit beim städtischen Kulturdezernat und bei JenaKultur offene Ohren. In enger Zusammenarbeit mit dem Neuen Lesehallenverein, der Stadtarchivarin Constanze Mann sowie dem Leiter des Universitätsarchivs, PD Dr. Stefan Gerber, reifte ein inhaltliches Konzept heran. Die Vision fand zudem freundliche Unterstützung durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die jenawohnen GmbH.
Ein Abend des ehrenden Gedenkens und Austauschs
Das feierliche Symposium am 18. September 2026 startete mit Grußworten von Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche, gefolgt von anerkennenden Worten des Thüringer Landtagspräsidenten Dr. Thadäus König. Auch Christian Klein, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Justiz, Migration und Verbraucherschutz, sowie Prof. Dr. Andreas Marx als Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena würdigten den historischen Anlass. Den glanzvollen Höhepunkt des ersten Programmteils bildete der Festvortrag von Prof. em. Dr. Dr. h.c. Eberhard Eichenhofer, der tiefgründig der Frage nachging: „Warum und wozu Eigentum verpflichtet“. Den zweiten Teil der Veranstaltung läutete Dr. Dietmar Ebert mit einem Kurzvortrag ein, der Eduard Rosenthal als sozial und kulturell engagierten Stadtbürger porträtierte, woraufhin Constanze Mann interessante Einblicke in Rosenthals Arbeit als Vorsitzender der städtischen Preisprüfungsstelle gab.
Den krönenden Abschluss bildete ein hochkarätig besetztes Podiumsgespräch unter der Moderation von Professorin em. Dr. Christel Köhle-Hezinger. Als intellektuelles Leitmotiv diente ein ergreifendes Zitat aus Justus Wilhelm Hedemanns Trauerrede für Eduard Rosenthal: „Nie hat er eingerissen, sondern immer nur aufgebaut.“ Im lebendigen Dialog beleuchteten der Rechtsgeschichtler Prof. em. Dr. Gerhard Lingelbach, der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Michael Dreyer, die Stadtarchivarin Constanze Mann, der Fachreferent für Rechtswissenschaft Thomas Witzgall und Dr. Dietmar Ebert die unterschiedlichen Facetten von Rosenthals Leben und Wirken.
Die Musiker:innen der Jenaer Philharmonie Christof Reiff (Klarinette), János Mátyás Stark (Violine), Soo-Jin Hirsch (Violine), Hanna-Maria Bormuth (Viola) und Henriette Lätsch (Violoncello) umrahmten die Veranstaltung in ihrer Gesamtheit: Sie brachten das Klarinettenquintett in h-Moll op. 115 von Johannes Brahms in allen vier Sätzen zu Gehör, die jeweils als feierlicher Auftakt und Ausklang vor und nach den beiden Programmteilen erklangen. Dieses musikalische Meisterwerk entstand im Jahr 1891, genau in jener Epoche der Hochkultur, in der auch die geschichtsträchtige Villa Rosenthal erbaut wurde.
Unter den zahlreichen geladenen Gästen und Interessierten, die den feierlichen Stunden beiwohnten, berührte eine Präsenz die Anwesenden ganz besonders: Als geschätzte Ehrengäste konnten der Ururenkel von Eduard Rosenthals ältestem Bruder, Dr. Andreas Obrecht, sowie dessen Tochter Amba Sophie Obrecht herzlich in Jena begrüßt werden.









Wer tiefer in das Festsymposium eintauchen möchte, kann sich die Aufzeichnung in voller Länge in der Mediathek von JenaTV ansehen.
Brückenbauer für Wirtschaft, Recht und Kultur
Anlässlich der Würdigung seines Erbes rückt die Erkenntnis in den Fokus, wie zielführend Eduard Rosenthal unterschiedlichste gesellschaftliche Akteure, Disziplinen und Institutionen zum Wohle der Stadtgemeinschaft miteinander verknüpfen konnte. In den einzelnen Grußworten wurde hervorgehoben, dass er Spitzenforschung kongenial mit bürgerschaftlichem Engagement und einer enormen Bandbreite an Aufgaben verband.
Sein Wirken steht somit beispielhaft für das universitäre Ideal, Wissenschaft, Bildung und soziale Verantwortung als untrennbare Einheit zu begreifen. Als zweifacher Rektor der Universität Jena genoss er nicht nur fachlich höchste Anerkennung, sondern vertrat die Belange der Hochschule ab 1909 auch als gewählter Abgeordneter im Landtag des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, wobei er die Interessen der Universität immer auch als Gewinn für die gesamte Stadt verstand. Weit über den Hörsaal hinaus agierte Eduard Rosenthal als strategischer Vordenker und juristischer Dreh- und Angelpunkt für die prägendsten Köpfe seiner Zeit, geleitet von dem unermüdlichen Bestreben, das Leben der Menschen vor Ort spürbar zu verbessern.
Er gestaltete das urbane Kultur- und Bildungsleben meist ehrenamtlich und über ein dichtes Beziehungsgeflecht mit. Eine tiefe Geistesgemeinschaft verband ihn dabei mit dem Physiker und Stiftungsgründer Ernst Abbe. Gemeinsam bauten sie eine Brücke zwischen moderner Industrie, Recht und sozialer Fürsorge: Rosenthal nutzte seine Expertise im Stiftungs- und Vereinsrecht, um das wegweisende Statut der Carl-Zeiss-Stiftung rechtlich zu verankern. Parallel dazu koordinierte er als Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Jenaer Lesehallenvereins den Aufbau der vereinsgetragenen Lesehalle, setzte städtebauliche Akzente mit der Baugenossenschaft Jena und wirkte als engagierter erster Vorsitzender des Jenaer Kunstvereins.
Dieses dichte, auf seinem Engagement basierende Netzwerk bildet das Fundament, auf dem der Auftrag und das Selbstverständnis von JenaKultur als Betreiberin der Villa Rosenthal, als Initiatorin und Unterstützerin zahlreicher Kulturprojekte sowie die Verantwortung des städtischen Kulturbetriebes für eine historische und demokratische Erinnerungskultur aufbauen.
Ein bleibendes Denkmal: Premiere der Wanderausstellung
Den glanzvollen Höhepunkt des Festsymposiums bildete die feierliche Premiere der Wanderausstellung „Eduard Rosenthal – Zwölf Blicke auf sein Leben“. Realisiert wurde auch dieses bedeutende Projekt durch den Neuen Lesehallenverein mit der freundlichen Unterstützung der Ernst-Abbe-Stiftung sowie der jenawohnen GmbH. Für die inhaltliche Erarbeitung zeichnen Dr. Dietmar Ebert, Constanze Mann und Peter Mühlfriedel verantwortlich.
Auf insgesamt zwölf kunstvoll gestalteten Tafeln beleuchtet die Werkschau die beeindruckende und facettenreiche Aufgabenvielfalt: Vom geschätzten Universitätsprofessor über den leidenschaftlichen Kulturförderer bis hin zum staatspolitischen Architekten.

Herzliche Einladung & ein großes Danke
Um tiefer in das Leben und Wirken von Eduard Rosenthal einzutauchen, sind alle Interessierten herzlich zu einer kostenfreien Führung durch die Ausstellung am Mittwoch, dem 21. Oktober 2026, um 17 Uhr, in die Ernst-Abbe-Bücherei eingeladen. Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Oktober 2026 in den öffentlichen Räumen zu sehen. Im Anschluss wird die Schau als Wanderausstellung an verschiedenen geschichtsträchtigen Orten des Freistaates Thüringen gastieren, um Eduard Rosenthals weitverzweigtes Schaffen auch über die Grenzen Jenas hinaus sichtbar zu machen.
Wir danken allen Akteur:innen, Mitwirkenden und Interessierten für das kraftvolle Bekenntnis zur demokratischen Tradition Jenas. Das gemeinsame Engagement spiegelt den Willen wider, das Andenken an den großen Netzwerker Eduard Rosenthal, der Zeit seines Lebens stets um das Wohl seiner Stadt besorgt war, dauerhaft und lebendig im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

