Allgemein Volkshochschule Jena

Sprachen verbinden! – ¡Las lenguas nos unen! – Languages unite!

Logo Europäischer Tag der Sprachen, 2 Köpfe in kunterbunt ineinandergeschlungen

Nicht nur Gehirnzellen, sondern auch Menschen weltweit!

Alexander von Humboldt sagte einst: „Die Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“ Und tatsächlich: Sprachen verbinden nicht nur Menschen, sondern fördern auch unser Gehirn.

Was hat das Sprachenlernen mit dem 26. September, dem Europäischen Tag der Sprachen, zu tun?

Seit 2001 wird am 26. September auf Initiative des Europarats der Europäische Tag der Sprachen gefeiert. Zum 25. Jubiläum steht er unter dem Motto

„Languages Unite“ – „Sprachen verbinden“.

Dieser Tag würdigt die sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas und macht zugleich sichtbar, wie sehr die Sprachen der Menschen, die in Europa leben, unsere Gesellschaft bereichern. Wer eine neue Sprache lernt, erweitert seinen Horizont und gewinnt neue Perspektiven auf die Welt. Wie Ludwig Wittgenstein sagte: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Es ist ein Appell an das Weiterlernen von Fremdsprachen in schulischen und außerschulischen Kontexten und in jedem Alter.

Ein Japanisch-Kurs in der vhs Jena, Schriftzeichen liegen wir Karten auf einem Tisch, 2 Schüler:innen beschäftigen sich damit
Japnisch in der vhs Jena © JenaKultur, A. Hub

Auch wir an der Volkshochschule Jena feiern diesen besonderen Tag!

Ab 13:00 Uhr erwartet Sie am 26.09.2026 ein abwechslungsreiches, kostenloses Programm mit kulturellen Aktivitäten, einer „kleinen Messe“ verschiedener Sprachen und Kulturen, humorvollen Möglichkeiten, Englisch zu üben, sowie einem Tanzworkshop mit Rena Fritsch zu Musik und Tänzen aus Deutschland, Polen, Tschechien, Griechenland, Frankreich und England.

Kommen Sie vorbei – allein, mit Familie oder mit Freunden – und feiern Sie mit uns die Vielfalt der Sprachen und Kulturen! Weitere Informationen zum Programm finden Sie auf unserer Website.

Warum ist es wichtig, in jedem Alter Fremdsprachen zu lernen?

Wissenschaftliche Studien, unter anderem aus der Neurowissenschaft, zeigen, dass das Erlernen von Fremdsprachen die Neuroplastizität des Gehirns fördern kann – und zwar unabhängig vom Alter. Dabei können sich unter anderem Strukturen des Gehirns verändern, die für Lernen und Gedächtnis wichtig sind. Sprachen schaffen also neue Verbindungen – in unserem Gehirn ebenso wie zwischen Menschen und Kulturen.

eine Grafik eines Kopfes mit Gehirn und Verbindungen innerhalb und außerhalb des Schädels, im Hintergrund ein dunkler Nachthimmel
Neuronale Verbindungen im Gehirn © Canva

Wie beeinflusst das Alter das Lernen von Fremdsprachen?

Zunächst gilt ein wichtiges Prinzip: realistische Ziele setzen! Der Mensch ist grundsätzlich in der Lage, in jedem Alter eine Fremdsprache zu lernen. In der Kindheit und Jugend ist die Neuroplastizität des Gehirns besonders ausgeprägt. Kinder lernen häufig intuitiv und unbefangen, weil sie die Welt ohne die Voreingenommenheit bereits gemachter Erfahrungen entdecken. Sie sind offen für Neues und verfügen meist über weniger Hemmungen, Fehler zu machen. Auch Jugendliche befinden sich in einer besonderen Phase der Gehirnentwicklung. Wie Frances E. Jensen in ihrem Buch The Teenage Brain (2018) beschreibt, durchläuft das Gehirn in dieser Lebensphase umfangreiche Veränderungen und Umstrukturierungen. Diese Entwicklung ist unter anderem wichtig für die Identitätsbildung, das Lernen aus Erfahrungen und die Entwicklung selbstständigen Denkens. Jung zu sein ist beim Sprachenlernen also durchaus ein Vorteil. Wer eine Sprache möglichst intuitiv und ohne bewusstes Nachdenken über grammatische Strukturen erwerben möchte, profitiert häufig von einem frühen Beginn. Dennoch bedeutet es nicht automatisch, jung zu sein, dass man effektiver lernt. Jedes Alter bringt seine eigenen Stärken und Lernmöglichkeiten mit sich.

Was unterstützt Erwachsene besonders beim Erlernen einer Fremdsprache?

Erwachsene lernen anders als Kinder und Jugendliche – und können dabei durchaus sehr effizient und strategisch vorgehen. Sie verfügen über mehr Lebenserfahrung, bereits entwickelte Lernstrategien und Routinen und haben häufig eine bewusste und intrinsische Lernmotivation. All das kann sich positiv auf den Spracherwerb auswirken.

Blick in einen Unterrichtsraum der vhs Jena, ein Sprachkurs mit mehreren Teilnehmer:innen, die Lehrerin in der Mitte zeigt auf einen Schüler
Sprachkurs an der vhs Jena © JenaKultur, A. Hub

Aus meiner mehr als 20-jährigen Erfahrung als Dozentin und Sprachenlernende empfehle ich deshalb: Qualität vor Quantität!

Es ist beispielsweise sinnvoller, Vokabeln in einer fünfminütigen Selbstlernphase mehrmals am Tag zu wiederholen, als einmal eine zweistündige Lerneinheit zu absolvieren und danach längere Zeit nichts mehr zu tun. Erwachsene haben viele Verpflichtungen und müssen täglich zahlreiche Aufgaben bewältigen. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, dass der Kopf bereits „voll“ ist. Nicht das Alter verhindert also das Lernen – Stress und fehlende Erholungsphasen können es erschweren.

In diesem Fall gilt: Weniger kann mehr sein.

Dazu berate ich Sie ebenso gerne wie unsere Dozent:innen im Sprachen- und Integrationsbereich der Volkshochschule Jena. Haben Sie schon von der Pomodoro-Lernmethode gehört? Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass kurze, konzentrierte und regelmäßig wiederholte Lerneinheiten sehr hilfreich sein können.

Eine weitere wichtige Erkenntnis besteht darin, die eigenen Lernvorlieben zu entdecken. Dafür kann es hilfreich sein, sich mit verschiedenen Wahrnehmungs- und Lernstrategien auseinanderzusetzen. Manche Menschen lernen besonders gut mit visuellen Materialien, andere profitieren stärker von auditiven, kinästhetischen, kommunikativen oder logischen Zugängen.

Dabei sollte man sich jedoch nicht auf einen einzigen „Lerntyp“ festlegen. Wir können verschiedene Wahrnehmungskanäle nutzen – manchmal sogar mehrere gleichzeitig. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lernstrategien kann Erwachsenen helfen, passende Routinen zu entwickeln und verschiedene Methoden auszuprobieren.

Neuere Erkenntnisse aus der Lernforschung zeigen zudem, dass Lernen nicht immer linear verläuft, und dass die Wahl einer Lernmethode auch vom Lerninhalt abhängen kann. Deshalb sollte man Lernende nicht in eine bestimmte „Schublade“ stecken. Vielmehr geht es darum, herauszufinden: Wie lerne ich persönlich am besten?

Auch hier können wir von Kindern lernen: eine Sprache möglichst unvoreingenommen und mit Freude zu lernen. Natürlich können negative Erfahrungen unsere Einstellung zum Lernen beeinflussen. Dennoch kann Lernen immer wieder neu beginnen – und es kann Spaß machen!

Denn eines steht fest: Wir alle sind in der Lage, eine Sprache zu lernen. Wir müssen nur unseren eigenen Weg finden.

2 QR-Codes zum Tehma Sprachen: links, wie man Hallo in 20 Sprachen sagt und rechts, 20 Fakten zum Thema Sprachen
Einfach mal austesten! © vhs Jena

Link „Hallo in 20 Sprachen: https://edl.ecml.at/Portals/33/sound/hello.mp3 & Link „20 Fakten zum Thema Sprachen“: https://www.ecml.at/Portals/1/documents/ECML-resources/EDL-infographic-languages-2024-DE.pdf

Wir bedanken uns bei Aglaya Weidner, Fachbereichsleiterin Sprachen und Integration an der vhs Jena, für diesen aufschlussreichen Beitrag.

Wie immer richten wir uns an dieser Stelle an Sie, liebe Leser:innen: Wie geht es Ihnen beim Lernen von Sprachen? Wann haben Sie sich das letzte Mal damit auseinader gesetzt? Vielleicht steht eine bestimmte Sprache zu erlernen schon länger auf Ihrer Liste? Wir freuen uns über Ihr Feedback!

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