Seit einem Vierteljahrhundert läutet die Arenaouvertüre den Kulturarena-Sommer in Jena ein. Von Opernabenden über sinfonische Märchen bis hin zu Sing-Along-Konzerten hat sich das Format dabei immer neu erfunden – und lässt in diesem Jahr unter dem Titel „Soulphonic Adventures“ die Grenzen zwischen den Genres bewusst verschwimmen. Am 19. und 20. Juni vereinen die Jenaer Philharmonie und das Berliner Matti Klein Soul Trio unter der Leitung von Bernd Ruf klassische Orchestermusik mit urbanen Soul-Grooves. Der Schauplatz: der Festplatz in Lobeda-West, wo das Format im Jahr 2000 als EXPO-Außenprojekt seinen Anfang nahm. An beiden Abenden erwartet das Publikum ein festliches Open-Air-Konzert, am Samstag bereichert durch junge Ensembles der Musik- und Kunstschule Jena. Der perfekte Auftakt für die Kulturarena Jena!
Gershwin als Brückenbauer zwischen den Welten
Die Jenaer Philharmonie eröffnet die beiden Konzertabende jeweils solo: Mit George Gershwins funkelnder Ouvertüre zum Musical „Girl Crazy“ – ein Werk des Urvaters des symphonischen Jazz – legt sie das perfekte Fundament für das, was folgt. Sobald das Matti Klein Soul Trio die Bühne betritt, verwandelt sich der Festplatz in ein fließendes Mosaik. Die von Andres Reukauf eigens arrangierten Orchesterstimmen betten die intimen, funkigen Stücke des Trios in einen gewaltigen sinfonischen Teppich ein – ein Dialog, bei dem die Musikerinnen und Musiker der Jenaer Philharmonie ihre klassischen Pfade verlassen und sich voll auf die rhythmischen Muster des Jazz einlassen. Bernd Ruf, der seit drei Jahrzehnten Sinfonik mit populären Genres zusammenführt, ist für genau solche Begegnungen der ideale Architekt – und hat das Programm bewusst so gestaltet, dass es Raum für das Unvorhergesehene lässt.

Diesen Raum füllen die sogenannten „Echos“ – ein Konzept, das das Matti Klein Soul Trio in sein Programm eingebaut hat: Fließende Übergänge, bei denen ein Solist das Thema eines Stücks intuitiv weiterspinnt und das gesamte Ensemble in eine gemeinsame Improvisation zieht. Stücke wie „Left Lane Larry“, „Seraya Blues“ und „Capetown After Dark“, ursprünglich für eine kleine Clubbesetzung geschrieben, erfahren durch den monumentalen Orchesterklang eine völlig neue Dimension. Hinzu kommt, dass das aktuelle Repertoire des Trios bewusst mit Rhythmen spielt, die traditionelle Hörgewohnheiten herausfordern – und dennoch unweigerlich zum Tanzen einladen.
Groove, Wurlitzer und Vintage-Bass: Wer ist das Matti Klein Soul Trio?
Um die Dynamik der diesjährigen Arenaouvertüre zu verstehen, lohnt sich ein genauer Blick auf die musikalischen Gäste aus Berlin. Das Matti Klein Soul Trio hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2017 einen internationalen Ruf als virtuose und extrem spielfreudige Formation erarbeitet. Mit über 400 Konzerten weltweit – von intimen Jazzclubs in London und Tokio bis hin zu großen europäischen Festivalbühnen – haben die drei Musiker bewiesen, dass anspruchsvoller Jazz und mitreißender Soul kein Widerspruch sind.


Die absolute Besonderheit des Trios liegt in seiner unorthodoxen Instrumentierung und dem daraus resultierenden, unverkennbaren Vintage-Sound. Im Zentrum steht der Namensgeber Matti Klein, der am Wurlitzer E-Piano für die charakteristischen, warmen Akkorde sorgt. Die eigentliche Überraschung ist jedoch seine linke Hand: Klein übernimmt gleichzeitig die Basslinie auf einem extrem seltenen Fender Rhodes Piano Bass aus dem Jahr 1973. Dieser analoge, tiefe Basssound erzeugt ein spürbares, physisches Kribbeln im Raum, das man sonst nur aus der Clubkultur kennt.
Unterstützt wird er von Lars Dieterich, der dem Trio-Sound mit expressiven und zugleich seelenvollen Soli auf dem Tenorsaxofon und der Bassklarinette eine enorme melodische Tiefe verleiht. Das rhythmische Fundament gießt Schlagzeuger André Seidel. Seidel beherrscht die Fähigkeit, selbst komplexe, krumme Metren so elastisch und federnd zu spielen, dass der Funk sofort in die Beine geht. Das Trio ist es gewohnt, das Rampenlicht mit großen Stimmen und Solisten zu teilen. Das beweisen ihre gefeierten Kooperationen und Tourneen mit namhaften Künstler:innen wie dem Pop- und Soulsänger Max Mutzke, der Jazz-Vokalistin Pat Appleton (bekannt durch De-Phazz) oder dem Trompeter Joo Kraus. Bei der Arenaouvertüre fungiert das Trio jedoch nicht als Solist vor einer Begleitband, sondern als gleichberechtigter Sparringspartner für die gesamte Philharmonie.


Von Bizet bis Coldplay: Jenas Musiknachwuchs zeigt, was er kann
Der Samstag (20.06.) überrascht mit einem besonderen Extra: Bereits vor dem Hauptprogramm – Einlass ab 18:00 Uhr, Beginn ab 19:00 Uhr – gehört die Bühne den jungen Ensembles der Musik- und Kunstschule Jena. Das Bläserensemble, das Streichorchester („Orchester 4“) sowie das Jugendsinfonieorchester spannen unter der Leitung von Ingo Lößer-Boyny und Felicitas Ressel einen beeindruckenden stilistischen Bogen: von der feurigen „Aragonaise“ aus Bizets Carmen über die Kinomagie des oscarprämierten Musicals La La Land bis zu orchestralen Arrangements von Alice Merton, Katy Perry und Coldplay. Eine Brücke zwischen den Generationen – und ein eindrucksvoller Beleg für die langjährige Partnerschaft zwischen der Musik- und Kunstschule und der Jenaer Philharmonie.
Starke Partner für die Kultur in Lobeda
Ein Open-Air-Projekt dieser Größenordnung lässt sich nur durch eine funktionierende Gemeinschaft realisieren. Die Arenaouvertüre verdankt ihre Kontinuität vor allem der langfristigen Unterstützung starker Partner vor Ort – allen voran der jenawohnen GmbH sowie der Wohnungsgenossenschaft „Carl Zeiss“ eG. Durch ihr Engagement ermöglichen sie, dass hochwertige Kultur direkt in die Lebensumgebung der Menschen in Lobeda-West getragen wird. Denn die stärksten musikalischen Erlebnisse entstehen dort, wo Institutionen, Künstler und die Menschen der Stadt gemeinsam zusammenkommen.
Die Arenaouvertüre hat in 25 Jahren bewiesen, dass sie jedes Jahr neu überraschen kann – „Soulphonic Adventures“ verspricht, diese Geschichte um ein besonders außergewöhnliches Kapitel zu bereichern.
Wir können es kaum erwarten, dass die Kulturarena Jena startet und sind schon voller Vorfreude. Wie finden Sie das diesjährige Thema für die Arenaouvertüre? Lassen Sie uns in den Kommentaren wissen.
