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Bühnenmanager Oliver Jahn sagt Jenas Kulturarena nach 16 Jahren Ade

Abschied Oliver Jahn ©OTZ, T. Zippel

Zu Besuch: OTZ Jena & ihr Arena-Tagebuch

Alles hat seine Zeit! Das ist die einfache Erklärung zu dieser überraschenden Nachricht beim Auftakt der diesjährigen Kulturarena: JenaKultur-Werkleiter Jonas Zipf und sein Vize Carsten Müller verabschieden Olli Jahn (53), der nach 16 Jahren als Bühnenmanager der Kulturarena an den Nachfolger übergibt. Olli Jahn, die Idealbesetzung als Bühnenmanager – er geht. Es gab diesen „Punkt, wo ich die Möglichkeit sah loszulassen und Neues anzufangen“, sagt er im Zeitungsgespräch.

Neu ist seine Anstellung beim Verein Drudel 11 auf einer 50-Prozent-Stelle als Sozialarbeiter; hier steckt er in einem Projekt, das gegen den Rechtsdrall in der Gesellschaft anarbeitet. Und dann der Künstler Olli Jahn! Seine Band-Projekte wollen leben – „Los Banditos“, „Olmar“ (Liedermacherstücke unter Begleitung einer armenischen Geigerin); das Olli-Jahn-Orchester (deutsche Songs, flankiert von Tuba und Gitarre). Oder: „Ich mache weiter sehr viel Theatermusik.“ Dafür steht die Kooperation mit dem DNT Weimar oder mit der Jenaer Theaterhaus-Mannschaft „Wunderbaum“. In deren holländischer Heimat war er nach der Premiere in Rotterdam gerade hollandesweit mit auf Tour, um das in Jena uraufgeführte Kammerstück „Ich bereue“ musikalisch zu begleiten.

David Bowie und Pink Floyd ganz nah

Wo Olli Jahns Bühnenreife herrührt? Der Ansatzpunkt liegt in den Tiefen der DDR. Er und seine Freunde in der Jenaer Band „Airtramp“ kollidierten frontal mit dem betonsozialistischen System. Olli Jahn reiste in den Westen aus – und war in Westberlin Bühnenhelfer bei den Konzerten von David Bowie, Michael Jackson und Pink ­Floyd. Nach Rückkehr in die Jenaer Heimat war er von 1993 an Bühnenhelfer bei der Kulturarena – als Job zur Finanzierung des Studiums der Sozialarbeit. „Ich hab da alle Stationen durchgemacht“ – bis Bühnenmanager Carsten Müller auf der Karriereleiter ein Stück nach oben stieg und an ihn übergab.

Mitarbeit in der Kulturarena – das ist aus Jahns Sicht ein Ding, dem man sich „ganz oder gar nicht“ widmet. „Du gehst da in den Tunnel rein und kommst sieben Wochen später wieder raus. Am Ende bist du sozial etwas verunsichert, weil du aufgesogen wirst von der Intensität des Projekts.“ Ja, es gebe freie Tage. „Aber eigentlich bist du sieben Tage rund um die Uhr dabei.“

Olli Jahn geht „mit gutem Gefühl raus“ und mit Dankbarkeit. Diese vielen Künstler in den 16 Jahren kennengelernt zu haben, das sei doch ein großes Glück für ihn. Immer wieder, so sagt er, habe er Wertschätzung genießen dürfen. Es habe ihn, zugegeben, gefreut, „wenn aus dem Nightliner der Manager der Band ausstieg mich sah und sagte: ‚Ach, Olli! Jetzt kann ja nichts mehr passieren.‘“

Die Kulturarena hat in den Jahren einen „wahnsinnig tollen Stellenwert“ erlangt, sagt Olli Jahn. „Die Welt kommt zu uns und wir strahlen in die Welt hinaus.“ Dabei sei die „Arena“ kein „mechanischer Betrieb“; sie trage bei, dass die Menschen in Kontakt kommen. „Ja, ich sehe hier den politischen Auftrag der ‚Arena‘, mit den anderen Kulturen ein Gefühl für die Welt zu vermitteln.“ Die Musiker seien Botschafter ihrer Länder, die „den Geist der Ethnien und Religionen transportieren“.

Voll und ganz geht Olli Jahn als Musik-Strippenzieher dieser Stadt nicht verloren. Er bleibt künstlerischer Leiter für die Programme des Frühlingsmarktes und des Altstadtfestes. Dass zudem der „Liederfrühling“ in der Friedenskirche sich als Mini-Festival der meistangesagten Liedermacher etabliert hat, verwundert nicht. Der Mitveranstalter heißt Olli Jahn.

OTZ/Thomas Stridde [Jena, 19.07.2019]

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