Elsa-Johanna Staemmler im Porträt
„Die Musik reicht für ein Leben –
Sergej Rachmaninow
aber ein Leben reicht nicht für die Musik.“
Was Rachmaninow einst formulierte, beschreibt treffend den Alltag der 16-jährigen Elsa-Johanna Staemmler. Nach der Schule beginnt für sie ein zweiter Tagesabschnitt: Dann stehen vier Saiten und achtundachtzig Tasten im Mittelpunkt. Geige und Klavier begleiten sie seit ihrer frühen Kindheit und prägen bis heute ihren Weg – einen Weg, der sie von der Musik- und Kunstschule Jena inzwischen bis an renommierte Musikhochschulen und internationale Akademien geführt hat.
Musik von Anfang an
Geboren 2010 in Jena und als viertes von fünf Kindern aufgewachsen, war Elsa-Johanna von klein auf von Musik umgeben. Mit großer Ausdauer probierte sie die Instrumente ihrer älteren Geschwister, und die Faszination der Klangerzeugung wurde, noch vor den ersten formulierten Sätzen, zu ihrer Sprache. Der Wunsch nach einer eigenen Geige wurde zu ihrem dritten Geburtstag mit einer 1/32-Geige erfüllt.




Wenig später wurde die Musik- und Kunstschule Jena für die kommenden 12 Jahre zu einem festen Bestandteil ihres Lebens. Zunächst besuchte sie den Geigenunterricht bei Ingo Geppert, später bei Christin Blumenstein. Eine großartige Vertiefung im musikalischen Alltag entstand ab 2015 durch den Klavierunterricht bei Helga Assing. Über viele Jahre wurde die Musik- und Kunstschule damit zu einem zentralen Ort ihrer musikalischen Entwicklung.

Die Musik- und Kunstschule als Fundament
Rückblickend sieht Elsa-Johanna die Musik- und Kunstschule Jena als Ausgangspunkt ihres bisherigen musikalischen Weges.
„Durch die Musik- und Kunstschule ist mein musikalischer Weg, neben der individuellen Begleitung zu Hause, auf großartige Weise ermöglicht und geprägt worden.
Diese Förderung spiegelt sich beispielsweise in zusätzlichem Förderunterricht, Wettbewerbsvorbereitungen und Vorspielmöglichkeiten bis hin zu einem Konzert als Solistin, gemeinsam mit dem Jugendsinfonieorchester der Musik- und Kunstschule und einem eigenen Klavierabend wider. Auch die an der Musik- und Kunstschule jährlich stattfindenden Klavier- und Kammermusiktage prägten meinen Werdegang. Aus der dortigen Begegnung mit dem Dresdner Klavierprofessor Karl-Heinz Simon erwuchs eine über sechs Jahre andauernde punktuelle, aber sehr konstruktive und inspirierende Zusammenarbeit, die vom VdM (Verband deutscher Musikschulen Thüringen) gefördert wurde.
Das Herzstück bildeten für mich jedoch die wöchentlichen Instrumentalunterrichte bei Helga Assing und Christin Blumenstein. Beide haben mit ihren ganz eigenen Herangehensweisen meine Entwicklung geformt und mich mit unschätzbarem zeitlichen Aufwand und innerer Hingabe unterstützt. Für die große musikalische Freiheit, die klangliche Inspiration und die strukturierte Anleitung bin ich ihnen sehr dankbar.“


Elsa-Johannas Worte machen deutlich, welche Bedeutung neben institutioneller Förderung insbesondere die enge menschliche und musikalische Begleitung durch ihre Pädagoginnen hatte. Daraus entstand ein Umfeld, das musikalische Entwicklung auf hohem Niveau ermöglichte und zugleich Raum für individuelle Entfaltung bot.
Erfolge und Preise
Dass sich dieser Weg kontinuierlich weiterentwickelte, zeigt ein Blick auf die zahlreichen Stationen der vergangenen Jahre.
Zu den bisherigen Erfolgen zählen unter anderem ein Förderpreis beim Carl-Schroeder-Wettbewerb, dem ein Konzert als Solistin in Mendelssohns Violinkonzert mit dem Loh-Orchester Sondershausen folgte. Elsa-Johanna wurden erste Preise beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in den Kategorien Klavier solo und Streicher Kammermusik zuerkannt. Sie erspielte sich einen 1. Preis beim Internationalen Grotrian-Steinweg-Klavierwettbewerb sowie einen 3. Preis und Sonderpreis beim Bechstein-Wettbewerb in Berlin. Außerdem ist sie Trägerin des Stavenhagenpreises der Stadt Greiz. Hinzu kommen Teilnahmen an der Internationalen Musikakademie Liechtenstein, der Internationalen Sommerakademie Wien sowie am Kammermusikprojekt „Mit Musik – Miteinander“ der Kronberg Academy.
Im vergangenen Jahr erspielte sich Elsa-Johanna beim Bachwettbewerb in Köthen im Fach Klavier den ersten Preis, verbunden mit einer Einladung, zum diesjährigen Köthener Bachfest ein Konzert zu spielen.
Darüber hinaus wurde sie von 2023 bis 2025 durch ein Stipendium des Freistaats Thüringen zur Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher unterstützt.
Musikalisch zweisprachig


Musikalisch gewissermaßen zweisprachig aufgewachsen, sind beide Instrumente für Elsa-Johanna von gleichermaßen essentieller Bedeutung für ihren ganz persönlichen Ausdruck der Musik.
„Es ist für mich vollkommen unmöglich, mich auf ein Instrument festzulegen oder einem den Vorrang zu geben. Von der Verschiedenartigkeit der Klangerzeugung können beide Instrumente voneinander profitieren, und sowohl für die Geige als auch für das Klavier gibt es ein kaum zu überblickendes Repertoire, das ein großartiger Schatz ist und für mich eine unerschöpfliche Perspektive darstellt, der ich gern mit großer Neugier und Spielfreude begegnen möchte.“
Auf dem Weg in die musikalische Zukunft
Inzwischen hat Elsa-Johanna den nächsten Schritt auf ihrem musikalischen Weg gemacht. Nach erfolgreich bestandenen Aufnahmeprüfungen studiert sie im Rahmen eines Jungstudiums sowohl an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig als auch an der Universität der Künste Berlin.
Sie wird heute von Seiji Okamoto im Fach Violine sowie von Professor Lucas Blondeel im Fach Klavier unterrichtet und pendelt dafür regelmäßig zwischen Jena, Leipzig und Berlin. Parallel besucht sie weiterhin das Adolf-Reichwein-Gymnasium, an dem sie im kommenden Jahr ihr Abitur ablegen wird.
Auch die Sommermonate sind von musikalischen Projekten geprägt: Geplant sind die Teilnahme an der Moritzburg Festival Academy mit der Geige sowie ein Meisterkurs der Wilhelm-Kempff-Stiftung im italienischen Positano im Fach Klavier.
Die Musik als innere Kraft
Ein solches Pensum verlangt Disziplin, Ausdauer und tägliche Arbeit. Woher kommt die Motivation?
„Die Motivation liegt für mich in der Musik selbst. Jeden Tag aufs Neue spüre ich, wie viel sie mir geben kann und wie groß der Teil von mir, den die Musik ausmacht, eigentlich ist. Die Kraft kommt dann von selbst.
Dabei liegen mir besonders die Werke Johann Sebastian Bachs am Herzen. Seine Musik ist für mich ein fester Bezugspunkt geworden, dem ich mich am liebsten widme.
Am 5. September diesen Jahres werde ich beim Bachfest in Köthen in einem für mich sehr besonderen Konzert spielen, in welchem ich das folgende kleine Experiment durchführen darf: Zuerst wird die Ciaconna aus der d-Moll-Partita für Solovioline von Johann Sebastian Bach erklingen und unmittelbar danach die Bearbeitung dieses Stückes für Klavier von Ferruccio Busoni. Damit begegne ich demselben musikalischen Gedanken auf beiden Instrumenten und bin schon jetzt sehr gespannt auf diese Herausforderung.
Wichtig ist mir, Menschen durch Musik zu erreichen und zu berühren.“
Die Bedeutung, die Geige und Klavier für Elsa-Johanna haben, wird besonders hörbar, wenn sie selbst musiziert. Die folgenden Aufnahmen geben einen Eindruck davon, mit welcher Ausdruckskraft sie ihre beiden Instrumente zum Klingen bringt:
Eine besondere Botschafterin der Musik- und Kunstschule Jena
Der Weg von Elsa-Johanna Staemmler zeigt eindrucksvoll, wie musikalische Begabung, Leidenschaft, familiäre Unterstützung und engagierte Förderung zusammenwirken können. Von den ersten erste Unterrichtsstunden in der Musik- und Kunstschule Jena bis hin zu internationalen Akademien und dem Jungstudium an renommierten Hochschulen zieht sich eine Konstante durch ihre Entwicklung: die tiefe Begeisterung für die Musik.
Mit ihrer Neugier, ihrem außergewöhnlichen Engagement und ihrer künstlerischen Reife ist sie nicht nur eine bemerkenswerte junge Musikerin, sondern auch eine eindrucksvolle Vertreterin dessen, was musikalische Bildung bewirken kann. Die Musik- und Kunstschule Jena hat ihren Weg begleitet – und wird sicherlich auch künftig mit großem Interesse verfolgen, wohin er sie noch führt.
Wir wünschen Elsa-Johanna Staemmler alles Gute für die Zukunft und bedanken uns bei ihr – nicht nur für die spannenden Einblicke in ihr Musikleben in diesem Blogbeitrag, sondern auch für all die wunderbaren Konzerte! Wir freuen uns auf das, was noch kommt!
