72HUA

… von all den großen Themenjahren, Jubelfeiern, Jahrestagen?

Noch befinden wir uns im Bauhausjahr, 2020 folgen Beethoven- und Hölderlin-Jahr, und schaut man im Kalender nach vorn oder hinten, allenthalben wurden und werden Themenjahre ausgerufen, zu runden Geburts- oder Sterbedaten Prominenter oder zu markanten Jahrestagen historischer Ereignisse. Im Falle des Reformationsjubiläums wurde sogar eine ganze Dekade lang gefeiert. Jeder, der etwas auf sich hält oder hofft, auch eine Scheibe vom jeweiligen Marketingkuchen abzubekommen, fühlt sich bemüßigt mitzumachen. Manchmal werden dafür Bezüge zum Thema geradezu mit der Brechstange hergestellt. In gewisser Weise heiligt der Zweck aber wohl die Mittel. Wenn Themenjahre ausgerufen werden, dienen sie ja auch immer ohne Frage einem edlem Motiv: Sie schaffen „die Gelegenheit, sich aufs Neue mit Altem zu beschäftigen, was […] immer relevant war, aber im Alltag vielleicht keine überragende Rolle mehr spielte. Das ist genauso wie bei privaten Geburtstagen oder an Weihnachten: Selbstverständlich könnte man sich die Zeit und Aufmerksamkeit auch während des restlichen Jahres nehmen, aber es braucht eben den Anlass des runden und ritualisierten Datums.“

Jonas Zipf hat jetzt noch vor dem Ende des aktuellen Themenjahres die Frage nach Sinn oder Unsinn von Themenjahren aufgeworfen, um ins Gespräch mit Ihnen zu kommen. Seinen kompletten Text können Sie übrigens im aktuellen Bauhaus-Programmheft für die zweite Jahreshälfte nachlesen.

72 Hour Urban Action
72 Hour Urban Action © M. Niessner

Ein eigener Weg für Jena?

Was bleibt eigentlich von Themenjahren? Wie nachhaltig sind sie?
Welche Priorität sollte welches Thema haben?
Können wir besser eigene Themen setzen? Werden wir dann durchdringen?

Finden Sie es richtig, auch innerhalb von über uns gekommenen Themenjahren einen eigenen Jenaer Weg zu gehen, den Jonas Zipf ungefähr so beschreibt:

„…Jenas Rolle war und ist es, zeitgemäße Um- und Übersetzungen für Themen zu finden, die andernorts erfunden wurden und werden. Im Zentrum steht dabei das Selbstverständnis einer Stadt und Stadtgesellschaft, die sich als immerzu forschend und suchend stets in der Gegenwart und Zukunft, nicht in Bezug auf die eigene Vergangenheit begreift und inszeniert.“ Das bedeute, Jena müsse zeitgemäße Fragen an ein Thema stellen und zeitgenössische Formate und Formen in der künstlerischen und diskursiven Aneignung finden.

Deutsch-Französisches-Weekend
Deutsch-Französisches-Weekend © Freie Bühne Jena e. V.

Genau das haben wir schon in den letzten Jahren ausprobiert. Entstanden ist das neue Format des künstlerisch-wissenschaftlichen Symposiums (2017 zu Luther, 2018 zu Marx, 2019 zu den Perspektiven unserer modernen Gesellschaften Great Transformation), ein Format, das sich bemüht, Themen, die quasi wissenschaftlich „en vogue“ sind, auch für Otto Normalverbraucher diskutierbar, nachvollziehbar zu machen, künstlerische Übersetzungen zu finden, andere Zugänge zu schaffen…

Entstanden sind auch neue partizipative Formate wie gerade jüngst das Schnell-Architektur-Festival „72 Hour Urban Action“ oder auch „Bewegtes Land“, bei dem 2017 eine ganze Bahnstrecke zur Kulisse für kleine Theaterszenen wurde.

Bewegtes Land
Bewegtes Land © W. Krolop

Entstanden ist eine Reihe von Gesprächsrunden zu virulenten kulturpolitischen Themen.

Uns interessiert:
Nehmen Sie unsere Bemühungen, leidenschaftlich und zeitgemäß zu sein, eigentlich wahr? Welche Themen interessieren Sie? Wie sollten wir sie aus ihrer Sicht anpacken? Wie erreichen wir Sie? Welche Kanäle nutzen Sie?

Wir freuen uns sehr, wenn Sie mit uns ins Gespräch kommen, denn genauso wie Themenjahre kein Selbstzweck sein sollten, sollte Kulturpolitik in einer Stadt für ihre Bürgerinnen und Bürger da sein. Der neukonstituierte Kulturausschuss schickt sich gerade an, die Kulturkonzeption für Jena fortzuschreiben. Dabei werden wir neben anderen kulturellen Playern der Stadt selbstredend mitwirken.

Es wäre hilfreich, wenn Sie, ja, genau Sie, sich einbringen würden.

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