Die Lobdeburg von der Seite oben in Jena nach Abschluss der Sanierung im April 2026, Drohnenaufnahme

Die Sanierung der Ruine Lobdeburg ist abgeschlossen – Teil 2

Es ist soweit! Nach umfassender, fast 30jähriger Sanierung und denkmalgerechter Restaurierung kann die mittelalterliche Burgruine der Lobdeburg in Jena endlich der Öffentlichkeit zurückgegeben werden. Lange genug war sie das „Sorgenkind“ der Jenaer Kultur und Denkmalpflege gewesen.

Das Bauwerk, errichtet ab Mitte des 12. Jahrhunderts als repräsentativer Herrschersitz der schwäbisch-fränkischen Herren von Auhausen/ Alerheim, ist ein Zeugnis unserer Geschichte und Identität. Die Territorialherrschaft der Lobdeburger, die als Begründer Jenas gelten, erstreckte sich einst vom Saaletal bis zum nördlichen Thüringer Schiefergebirge und dauerte drei Jahrhunderte an. Die imposanten Mauern der Burgruine beeindruckten bereits Goethe. Heute zählt die Lobdeburg zu den bedeutendsten Kulturdenkmalen auf dem Gebiet der kreisfreien Stadt Jena. Sie liegt auf der kulturellen Erlebnisroute der „Transromanica“ und ist ein touristisches Highlight.

Die Maßnahmen der Grabungen zur archäologischen Untersuchung sowie der substanzerhaltenden Sanierung, fachgerechten Konservierung und wissenschaftlichen Dokumentation in den Jahren ab 1997 bis 2026 umfassten die gesamte Burgruine mit Gründung, Statik, Mauerwerk, Binnenstruktur, historische wie baugeschichtliche Einordnung und Außenanlagen. Ziel war es, die Lobdeburg als eindrucksvolles authentisches Beispiel romanischer Profanarchitektur in Thüringen nicht nur zu erhalten, sondern nach Jahrzehnten Bauzeit für die Öffentlichkeit begeh- und erlebbar zu machen.

Anteil an dieser wahren Mammutaufgabe der Erforschung, Sicherung und Bewahrung der Lobdeburg hatten eine Vielzahl an beteiligten Fachplaner:innen, Architekturbüros, Baufirmen, Restaurator:innen, Steinmetzbetrieben, Fördermittelgebenden, Spender:innen, ehrenamtlich Engagierten sowie Behörden und städtischen Mitarbeitenden, von denen sich viele inzwischen bereits in ihrem beruflichen Ruhestand befinden.

Die Sanierungsmaßnahmen

Mitte der 1990er Jahre begannen die ersten Rettungs- und Sanierungsmaßnahmen mit Hangsicherungsarbeiten, Baumfällungen, Freischnitten und ersten Voruntersuchungen. Mit den zur Verfügung stehenden städtischen Mitteln wurden seit 1999 zunächst kleinere Mauerwerksabschnitte um den zentralen Wohnturm herum – auch Donjon genannt – instandgesetzt. Das Burgtor im Osten konnte im Jahre 2000 herausgearbeitet und eine Wand zum Schutz des stark witterungsgefährdeten Felsens errichtet werden. Darauf folgte 2001 eine Sanierung des nordwestlichen Mauerteils mit anschließendem Zisternenturm. 2002/2003 erhielt die Lobdeburg eine Anstrahlung.

2004 musste der Wohnturm auf dringendes Anraten der Fachleute mit Stahltraversen und so genannten “GEWI-Ankern” notgesichert werden. Die für die Befestigung der Anker notwendigen Kernbohrungen wurden gleichzeitig für videoendoskopische Untersuchungen genutzt, die einen Blick in die Beschaffenheit des Mauerwerks erlaubten.

2005 konnte im unteren Burgbereich der Burgruine die Felssicherung westlich des Donjons mit Hilfe einer Gabionenmauer fertiggestellt werden.

Die stark geschädigten Säulen in den Zwillingsfenstern des Wohnturms wurden 2005 geborgen und 2007 restauriert. Danach bildeten Instandsetzungsarbeiten am Zisternenturm sowie anschließenden Mauerbereichen, weitere Felssicherungen, Frostschutzmaßnahmen und immer wieder kleinere Sicherungsarbeiten, Messbilderfassungen der Schäden, Voruntersuchungen, zum Teil mit aufwändigen Kranbefahrungen am Wohngebäude den Inhalt der Sanierungen.

2012 wurden in Feldversuchen zahlreiche Sanierungsoptionen geprüft und untersucht, um den Instandsetzungsaufwand des zentralen Wohnturms zu erkunden. So sollten unter anderem mögliche Varianten der Steinreinigung und der Mauerkronenabdeckung ermittelt werden. In den Jahren 2017/18 begann dann die grundhafte Sanierung und umfängliche Restaurierung von Donjon und anschließendem Kapellenbau. Ab 2023 bildeten die Planung und Gestaltung des Freigeländes mit Treppenanlagen und einer Aussichtplattform auf dem Zisternenturm schließlich den krönenden Abschluss des Burgerhalts. Die Arbeiten konnten im März 2026 beendet werden.

Archäologische Grabungen und Aufbereitung der Ergebnisse

Alle Maßnahmen wurden immer wieder von archäologischen Grabungen begleitet. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen finden sich in zahlreichen Veröffentlichungen dokumentiert und gipfelten schließlich in einer umfassenden wissenschaftlichen Dissertationsschrift von Dr. Matthias Rupp 2017, die interdisziplinär sowohl die historische Baugeschichte als auch die archäologische Erforschung der Lobdeburg umfasst.

Auf der Burg kann man seit dem Frühjahr 2026 wesentliche Inhalte dieser Ergebnisse auf Informationstafeln aus emailliertem Lavastein mit Text, Fotos und Plänen kompakt nachlesen, die an fünf besonders interessanten Standorten – wie zum Beispiel am Wohnturm, am Zisternenturm sowie am unteren Burgareal – aufgestellt wurden. Ergänzt werden diese Informationstafeln durch drei Panoramatafeln auf der Aussichtsplattform des Zisternenturms.

Fertigstellung und Übergabe an die Öffentlichkeit

Alles in allem flossen im Laufe der drei Jahrzehnte andauernden Sanierung ca. 2,25 Millionen Euro in das gesamte Projekt, davon reichlich 10 Prozent an Fördermitteln und Spenden.

Die feierliche Übergabe der fertig sanierten Lobdeburg findet am 24. April 2026 statt und ist ab 17:30 Uhr mit einem kleinen Fest für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger verbunden. Organisiert wird dieses Fest hauptsächlich vom Verein der Lobdeburg-Gemeinde 1912 e. V., der sich über all die Jahrzehnte der Sanierung ehrenamtlich um die Pflege und Bewahrung der Lobdeburg gekümmert hat.

Es bleibt zu hoffen, dass die Burgruine als beeindruckendes Zeugnis unserer Geschichte in ihrem jetzigen Bestand künftig lange fortbesteht und auch für kommende Generationen ein Ort der Entdeckung, Begegnung und Kultur bleibt.

Wir danken Evelyn Halm für diesen tollen Blogbeitrag sowie allen Bilderlieferant:innen. Unglaublich, wie viele Gewerke, Kraft, Zeit und Geld in eine Sanierung wie diese fließen. Umso mehr sollten Sie sich, liebe Leser:innen vom Ergebnis selbst ein Bild machen – oder waren Sie gar schon da? Wir freuen uns auf Ihre Eindrücke!

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