Allgemein JenaKultur (übergreifend) Smart City

Mitarbeiter:innen vorgestellt: Heute: Marie Legrand

Marie Legrand Portrait

Mission Digitalisierung

Seit November 2023 ist sie als Digitalisierungsbeauftragte bei JenaKultur tätig – eine Position, die es in dieser Form vorher nicht gab, die aber umso wichtiger ist. Denn auch der Kulturbereich steht vor der Herausforderung, sich in einer zunehmend digitalen Welt neu zu positionieren. Marie Legrands Aufgabe ist es, genau diesen Wandel zu begleiten: Prozesse optimieren, digitale Lösungen entwickeln und gleichzeitig sicherstellen, dass Kultur für alle zugänglich bleibt – auch im digitalen Raum. Wir haben Marie Legrand ein paar Fragen gestellt.

Warum gibt es diese Position?

Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie soll den Arbeitsalltag erleichtern, Abläufe effizienter machen und neue Möglichkeiten für Kulturvermittlung und -produktion schaffen. Die Herausforderung dabei: JenaKultur ist ein vielfältiger Eigenbetrieb mit ganz unterschiedlichen Bereichen – von musealen Einrichtungen über die Ernst-Abbe-Bücherei bis hin zu Veranstaltungen oder auch der Musik- und Kunstschule Jena. Entsprechend unterschiedlich sind die Bedürfnisse und Anforderungen an digitale Prozesse. Meine Rolle ist es, all diese Bedarfe zu verstehen, tragfähige Lösungen zu finden und gemeinsam mit den Teams umzusetzen. Denn Digitalisierung braucht unbedingt Verbündete aber auch die Koordination an zentraler Stelle.

Welche Situation hast Du bei JenaKultur vorgefunden?

Als ich hier angefangen habe, gab es bereits viele gute Ansätze und engagierte Menschen, die sich mit Digitalisierungsthemen befasst haben. Doch wie in vielen Organisationen fehlte eine zentrale Struktur, um die vielen einzelnen Projekte miteinander zu verknüpfen, Synergien zu schaffen und eine strategische Ausrichtung voranzutreiben.

Technische Neuerungen bringen oft erst einmal zusätzlichen Aufwand mit sich: Man muss Prozesse hinterfragen, neue Tools erlernen und sich auf veränderte Arbeitsweisen einlassen. Klar begegnet mir auch die Haltung: „Das haben wir schon immer so gemacht!“ – aber mir begegnet auch sehr viel Offenheit und Neugierde auf neue Möglichkeiten. Viele Mitarbeitende sind froh und dankbar, wenn jemand kommt, der sich anhört, wo es Probleme gibt, und mit ihnen gemeinsam Lösungen erarbeitet.

Digitalisierung ist und bleibt meines Erachtens erklärungsbedürftig – nicht nur auf technischer Ebene, sondern auch hinsichtlich des Mehrwerts, den sie für die tägliche Arbeit bringt. Sie soll Abläufe effizienter machen, Synergien schaffen und ermöglichen, dass sich Mitarbeitende auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können.

„Lotsin“ , „Übersetzerin“, „Moderatorin“ – warum ist das wichtig?

Digitalisierung funktioniert nur gemeinsam. Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen den Fachbereichen, der IT und der Verwaltung – als Lotsin, die Orientierung gibt, als Übersetzerin zwischen Technik und Praxis und als Moderatorin, die Menschen an einen Tisch bringt. Denn oft scheitern digitale Projekte nicht an der Technik, sondern an fehlender Kommunikation oder Unsicherheiten im Umgang mit neuen Systemen.

Woran arbeitest Du aktuell?

Der Fokus meiner Arbeit liegt aktuell auf der Binnendigitalisierung – also der internen Digitalisierung von Prozessen und Strukturen. Ziel ist es, Synergien zu schaffen, indem wir – statt isolierte Insellösungen zu nutzen – digitale Lösungen miteinander verknüpfen und Strukturen aufbauen, damit Digitalisierungsprojekte nachhaltig sind und nicht nur punktuell funktionieren.

Die Anforderungen von Stadtverwaltung und Eigenbetrieben sind oft unterschiedlich, weshalb eine enge Abstimmung unerlässlich ist. Besonders wichtig ist dabei der bereichsübergreifende Austausch zwischen den Eigenbetrieben, der Stadt und dem IT-Dienstleister. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt daher auch auf dem strategischen Austausch, der Entwicklung gemeinsamer Digitalisierungsstrategien und der Maßnahmenplanung.

Darüber hinaus spielt für mich auch die Arbeit in Smart City-Projekten wie dem JenOnlex-Projekt eine wichtige Rolle, um innovative Lösungen bereichsübergreifend voranzutreiben.

Und ich stelle mir die Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz (KI) in der Kultur spielen kann und welche Chancen sie für einen Betrieb wie JenaKultur bietet. Ein zentrales Thema derzeit ist der Kompetenzaufbau: Wie können Mitarbeitende auf neue Technologien vorbereitet und befähigt werden, KI sinnvoll in ihren Arbeitsbereichen einzusetzen?

Was hat sich bisher verändert?

Schon in den ersten Monaten konnte ich beobachten, dass sich sowohl technisch als auch atmosphärisch Dinge zum Positiven entwickeln. Es gibt eine wachsende Bereitschaft, digitale Themen anzugehen, und immer mehr Kolleg:innen melden Bedarfe und Ideen aktiv an. Prozesse werden transparenter, es gibt mehr Austausch – und erste Projekte zeigen bereits Erfolge.

Natürlich gibt es auch Grenzen: Der öffentliche Dienst hat seine eigene Geschwindigkeit, und Vorschriften, Regelungen und Abstimmungsprozesse machen Veränderungen oft langsamer, als es die digitale Welt gewohnt ist. Das kann frustrierend sein. Manchmal fühlt es sich an, als wäre ich ein achtarmiger Krake, der an allen Ecken gleichzeitig gebraucht wird – jonglierend zwischen Strategieentwicklung, Prozessoptimierung und der Begleitung digitaler Projekte. Doch genau darin liegt auch der Reiz: Statt Frustration über die Strukturen überwiegt der Antrieb, etwas zu verändern und den digitalen Wandel aktiv mitzugestalten.

Was möchtest Du bis Ende des Jahres erreichen?

Das ist schwer zu sagen. Mein Ziel ist es mittelfristig, digitale Strukturen nachhaltig zu verankern, damit sie nicht nur als Einzelprojekte existieren, sondern langfristig einen echten Nutzen bringen. Ich möchte dazu beitragen, dass Digitalisierung als Chance gesehen wird – und nicht als zusätzliche Belastung.

Mein Ziel ist es, Digitalisierung nicht nur als Reaktion auf technische Entwicklungen zu begreifen, sondern aktiv mitzugestalten. Ich möchte die Themen, mit denen ich mich beschäftige, wirklich verstehen, um sie so weitergeben zu können, dass sie für alle verständlich und anwendbar sind.

Digitalisierung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Akzeptanz neuer Projekte ist umso höher, je besser ihr Mehrwert für die einzelnen Teams sichtbar wird. Daher ist es mir wichtig, nicht einfach nur neue Tools einzuführen, sondern sie gemeinsam mit den Menschen zu entwickeln, die sie später nutzen.

Und persönlich?

Ich liebe das Reisen, entdecke mit Begeisterung neue Technologien und finde es spannend, genau dort zu arbeiten, wo verschiedene Welten aufeinandertreffen – zwischen Kultur und Digitalisierung, zwischen Menschen und Technik, zwischen Ideen und ihrer Umsetzung.

Ich bin „nordisch by nature“, liebe offene und direkte Kommunikation und muss zugeben: Für eine Norddeutsche rede ich ziemlich viel. Aber genau darin liegt für mich der Schlüssel zum Erfolg. Kommunikation schafft Verständnis, verbindet Menschen und hilft, Erwartungen und mögliche Enttäuschungen zu managen.

Was mich in meiner Freizeit antreibt, sind die Themen Female Empowerment und Frauen in der Digitalisierungsbranche. Als Mitgründerin des TOP7 Netzwerks bringe ich mit meinen Mitstreiterinnen in Jena die unterschiedlichsten Persönlichkeiten an einen Tisch und vernetze Frauen in dieser schönen Stadt miteinander. Gerade Frauen in Digitalisierungsberufen zu stärken, ist mir ein wichtiges Anliegen. Denn obwohl sie in vielen Bereichen die digitale Zukunft mitgestalten, sind sie in der Branche immer noch unterrepräsentiert.

Digitalisierung braucht Dialog und Offenheit für Veränderung. Wer sich für digitale Themen interessiert oder eine Idee hat, ist herzlich eingeladen, sich zu melden – denn Digitalisierung gelingt nur gemeinsam.

Liebe Marie, wir danken für dieses Gespräch und wünschen Dir und uns viel Erfolg bei der herausfordernden MISSION DIGITALISIERUNG!

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