Grafik mit Herz & Hand und Text "Don't Hate! Debate!

Die EAB Jena zeigt, wie #offengeht

Vielfalt, Diversität, Diversity: Zu diesen Schlagwörtern sowie den damit verbundenen Realitäten gibt es mittlerweile unzählige identitätspolitische Debatten, wissenschaftliche Studien, Stammtisch-Diskussionen und Management-Handbücher. Sie erzeugen sowohl Aufbruchsstimmung und Aktionismus als auch Widerstand und Resignation. Dass sich etwas ändert oder ändern muss, ist vielen klar. Die bundesweite Interkulturelle Woche 2021 vom 26.09. bis zum 03.10.2021 gibt diesbezüglich eine klare Schrittrichtung vor und postuliert: #offengeht.

Auch die Ernst-Abbe-Bücherei Jena (EAB) will vielfältiger werden. Doch wie „geht offen“? Dank der Förderung im Programm 360° ‒ Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft der Kulturstiftung des Bundes geschieht dies auf mehreren Ebenen: Personal wird zu diversen Themen geschult, die Angebote der Bibliothek werden auf ihre Barrierefreiheit überprüft, das Angebots-Portfolio stetig ausgebaut sowie neue Netzwerkpartnerschaften eingegangen. Der Anspruch lautet, wertschätzend mit Unterschieden und Gemeinsamkeiten umzugehen und die eigene Perspektive zu hinterfragen. Die Stadtbibliothek will dazu mit den Menschen in Jena in Dialog treten, den Austausch fördern und die Vielfalt der Bevölkerung besser abbilden.

Thementag am 1. Oktober

Am 1. Oktober 2021 sind im Rahmen der Interkulturellen Woche 2021 neben Aktionen wie Thementischen und Medien-Empfehlungen über Social Media gleich mehrere Veranstaltungen geplant. Dabei liegt der Fokus auf Mehrsprachigkeit und der Frage, wie das Leben in Jena um die Wendezeit für Menschen mit (familiärer) Migrationsgeschichte war. Mit „Geschichten aus dem Hut“ (01.10.2021) bringt die EAB Jena ein Kinderprogramm in die Saaletalschule, bei dem die Erzähler:innen Antje Horn, Annika Füser und Mohammed Kello auf Deutsch, Kurdisch und Arabisch vortragen: ein polyglottes Märchenabenteuer, was den jungen Zuhörer:innen zeigt, wie die Grenzen zwischen Sprachen und Kulturen fantasievoll verschwimmen können.

Für Erwachsene gibt es am Abend ein besonderes Online-Format: „Sprachgeschichten – eine lebendige Bücherei“. Die Fachstelle Interkulturelle Öffnung der AWO und die Naturfreunde Thüringen e. V. veranstalten in Kooperation mit der EAB Jena einen Online-Workshop, bei dem Neugierige alles rund um Mehrsprachigkeit erfahren können: Albanisch, Gebärdensprache, Braille oder Bairisch? Welche Erfahrungen machen Menschen mit ihren Sprachen und Sprechweisen? Auf welche Vorurteile stoßen sie? Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei; eine Anmeldung vorher notwendig (per Mail an: T.Czada@awo-mittewest-thueringen.de).

Den Abschluss dieses besonderen Tages bildet ein Konzert der Band „Thet à Thet“ im Kassablanca Gleis1 mit anschließendem Podiumsgespräch unter dem Titel „Behind the Curtain“ – post-migrantische Perspektiven auf Kultur und Leben in der DDR“. Als Kooperationsprojekt der EAB, des Kassablancas und der „Lokalen Partnerschaft für Demokratie Jena“ werden im Gespräch blinde Flecken bezüglich der migrantischen Lebensrealitäten in der DDR und der Nachwendezeit beleuchtet. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Jenaer Programms „Kein Schlussstrich!“ statt.

Wer gehört dazu?

Mit einer Lesung und einem Gespräch am 7. Oktober 2021 im Jenaer Rathaus zum Buch „Die Farbe meiner Haut“ gibt es eine weitere Perspektive auf die Umbrüche in den 1990er Jahren: ManuEla Ritz spricht mit Dr. Carsta Langner über ihr Leben als Schwarze Frau in der späten DDR. Flankiert werden die individuellen Darstellungen der Anti-Rassismus-Aktivistin mit zeitgenössischen Quellen jener Zeit, die im Rahmen des Forschungsverbunds „Diktaturerfahrung und Transformation“ zusammengetragen wurden.

Neben der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sollen Debatten um Zugehörigkeiten und Definitionsmacht auch ins Hier und Jetzt übertragen werden. Mit dem Film „Stadtgespräch: In Jena Zuhause“ kommen Jenaer Bürger:innen zu Wort, die eine eigene oder familiäre Migrationsgeschichte haben und/oder People of Color sind. In Kooperation mit der Beauftragten für Migration und Integration der Stadt Jena Dörthe Thiele fragt das Projekt Menschen: Ist Jena ihr Zuhause? Was bedeutet das Leben in Jena? Was läuft gut und was schlecht in unserer Stadt? Die Premiere mit anschließender Diskussionsrunde findet am 16. Oktober 2021 um 19.30 Uhr im KuBuS in Lobeda statt. Um eine Voranmeldung unter eab@jena.de wird gebeten.

 „Wer wir sind“ im Lesemarathon

Auch nach der Interkulturellen Woche und dem Symposium „Kein Schlussstrich!“ geht es weiter mit der Frage nach Heimat, Identität und Geschichte: Am 12. November 2021 stellt die Schriftstellerin und Journalistin Lena Gorelik im Rahmen des 27. Lesemarathons ihr Buch „Wer wir sind“ vor, in dem sie autobiografisch über das Ankommen in Deutschland berichtet. 1992 von Russland nach Deutschland immigriert, lässt sie als junges Mädchen ihre Kindheit zurück und wird plötzlich zu „einer Fremden“. In einem anrührenden Ton, schonungslos offenen und äußerst reflektiert nimmt Gorelik die Leser:innen mit auf eine Gefühlsachterbahn zwischen Stolz und Scham, Eigensinn und Anpassung, Fremdsein und Dazugehören. „Wer wir sind“ erzählt leicht und tiefsinnig, wie eine Frau zu sich findet – und wer wir im heutigen Deutschland sind.

Wie würden Sie den Hashtag #offengeht mit Leben füllen?

Wo müssen wir offener werden?

Wir freuen uns auf neue Einsichten, spannende Debatten und auf Sie!

Die Projekte werden gefördert im Programm „360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“ der Kulturstiftung des Bundes. Mit dem Programm unterstützt die Kulturstiftung des Bundes Kulturinstitutionen dabei, sich intensiver mit Migration und kultureller Vielfalt auseinanderzusetzen und neue Zugänge und Sichtbarkeiten für Gruppen der Gesellschaft zu schaffen, die bislang nicht angemessen erreicht wurden. Das Modellprogramm fördert zu diesem Zweck eine Vielfalt von Ansätzen, die auf die diversitätsbezogene Öffnung in den Bereichen Programm, Publikum und Personal zielen. Mehr Informationen unter: www.kulturstiftung-des-bundes.de/360-fonds

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