Heute vorgestellt: Der Freundeskreis der Musik- und Kunstschule Jena e.V.

 

Zahlreiche Einrichtungen haben einen Freundeskreis. Manchmal heißt er zwar nicht so, aber versteht sich als solcher. Wir wollten gern genauer wissen, was so eine Lobbygemeinschaft macht, wie sie arbeitet, wie sie zusammengesetzt ist, was sie ausrichten kann? Deshalb haben wir den Freundeskreis unserer Musik- und Kunstschule Jena gebeten, uns etwas hinter die Kulissen schauen zu lassen.

1. Was ist eigentlich ein Freundeskreis?

Jede und jeder sollte einen Freundeskreis haben. Also Leute, die sich über Erfolge mitfreuen, bei Problemen helfen oder einfach mal beim Umzug mit anpacken. So ungefähr kann man sich auch den Freundeskreis der MKS vorstellen – nur eben als gemeinnützigen Verein.

2. Seit wann gibt es den Freundeskreis der Musik- und Kunstschule Jena?

Die Gründungsveranstaltung, auf der auch die erste Satzung verabschiedet wurde, hat am 15. Mai 1991 stattgefunden. Wir sind also ziemlich genau 30 Jahre alt. Inzwischen waren einige Freundesgenerationen im Vorstand vertreten.

3. Wer hat ihn initiiert und zu welchem Zweck?

Mit der Umwandlung der Volkskunstschule in die Musik-und Kunstschule Jena Anfang der 90er Jahre haben sich auch viele inhaltliche Aufgaben gestellt. Die Schule wurde eine städtische Einrichtung. Damit gingen eine Reihe Änderungen einher. Die Schule hat die Unterstützung der Schüler:innen, Eltern und überhaupt der Menschen in unserer Stadt gebraucht, gesucht und angenommen.

4. Wer ist darin vertreten? Wie viele aktive Mitglieder hat er momentan?

Wichtig ist es für uns, dass sich viele Menschen, die der MKS nahestehen, entscheiden, Mitglied des Freundeskreises zu werden. Ein Freundeskreis mit vielen Mitgliedern ist eine starke Stimme der Schüler:innen und der Eltern. Außerdem hilft uns neben Spenden jeder Mitgliedsbeitrag von 18 Euro jährlich, unsere Vorhaben zu finanzieren. Momentan sind wir fast 200 Mitglieder und wir und auch die Lehrerinnen und Lehrer der MKS werben bei jeder sich bietenden Gelegenheit für weitere. Das Herz unseres Freundeskreises ist der Vorstand mit 8 Mitgliedern. Mitglieder im Vorstand sind: Dr. Jörg Müller (Vorsitzender), Petra Wyrowski, Thomas Ott, Dr. Friedmann Schmidt, Anja Brunkhorst, Doreen Noack, Dr. Thomas Wagner und Andreas Tittmann.

Alle Vorstände haben Kinder, die als Schüler:innen die MKS besuchen oder besucht haben. Wer in den letzten 20 Jahren in einem Orchester der MKS gespielt hat, kennt garantiert ein “Wagnerkind”. Musikalisch darf es bei uns gern jazzig zugehen. Jörg Müller (Tenorsaxophon), Thomas Wagner (Trompete) und Thomas Ott (Posaune) spielen bei den Bigbands “Masters of Muppets” und den “R&B Bees” an der MKS.

Um einen engen Kontakt zur MKS zu pflegen, ist Yvonne Krüger als Direktorin der MKS bei unseren Treffen dabei. Wir kommen im Vorstand regelmäßig monatlich zusammen. Während der Pandemie leider nur virtuell.

5. Was kann ein Freundeskreis wirklich bewegen?

Über 2.000 Schüler:innen aus Jena werden an der Schule im Ziegenhainer Tal, in der Außenstelle Lobeda und in verschiedenen Partnerprojekten in Jena unterrichtet. Die MKS hält ein breites Angebot in Musik und Kunst für alle Jenaer Bürger:innen vor. Mit großem Engagement geben die Lehrer:innen ihre Liebe zur Kunst und ihre Erfahrungen an die Schüler:innen weiter. Es sind hervorragend ausgebildete Künstler:innen, die an der Schule fest angestellt sind oder freiberuflich auf kleiner Honorarbasis für die MKS arbeiten. Kindern und Jugendlichen, die das künstlerische Angebot nutzen, eröffnet sich eine zusätzliche Ebene. Vom Gelernten profitieren sie ihr ganzes Leben. Zu den Schüler:innen zählen aber auch viele Erwachsene. Sie frischen Gelerntes wieder auf, entdecken an der Musik- und Kunstschule Jena ein neues Hobby oder freuen sich, Menschen mit gleichen Interessen zu begegnen und mit ihnen ihre Freizeit zu verbringen.

Als Freundeskreis finanzieren wir jährlich den Zusatzunterricht für begabte Schüler:innen. Viele Schüler:innen nehmen erfolgreich an  Landes- und Bundesmusikwettbewerben teil. Das Talent der Schüler:innen, der Musikunterricht und viele, viele Übungsstunden bilden eine wichtige Grundlage für diesen Erfolg. Wichtig ist uns, wirklich allen Schüler:innen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, wie es so schön heißt “unbürokratisch” die Teilnahme an Aktivitäten der MKS zu ermöglichen. Da genügt in aller Regel ein formloser Antrag an den Vorstand des Freundeskreises. Gern unterstützen wir die Aktivitäten der verschiedenen Ensembles der MKS durch Zuschüsse zu Probenlagern. Darüber hinaus verfügt der Freundeskreis über einen kleinen Fundus an Instrumenten, die wir der MKS leihweise zur Verfügung stellen.

Nicht zuletzt ist der Freundeskreis eine Art Lobbyorganisation der MKS. Regelmäßig muss der Etat der MKS durch JenaKultur beschlossen werden. Wir als Freundeskreis wachen darüber, dass dieser auskömmlich ist. Wenn es nur nach uns ginge, ist da noch ganz viel Luft nach oben. Wichtig ist es insbesondere, mehr und mehr angestellte Lehrer:innen zu beschäftigen, die sich mit der Schule identifizieren und bildnerisches und musikalisches Leben in die Stadt tragen.

6. Wie arbeitet er genau?

Wie gesagt, trifft sich der Freundeskreisvorstand monatlich. In diesen Runden kommen die anstehenden Aufgaben auf den Tisch. Wir treffen uns aber auch auf den diversen Veranstaltungen der MKS oder telefonieren, wenn etwas spontan abzustimmen oder zu organisieren ist.

7. Gab es Projekte, die nur durch das Engagement des Freundeskreises möglich wurden?

Im vergangenen Jahr haben wir im ersten Lockdown uns viel Gedanken gemacht, wie trotz der Schulschließung der Unterricht aufrechterhalten werden kann. Es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine Satzung, die auch Onlineunterricht als mögliche Unterrichtsform vorgesehen hat. Nachdem sich JenaKultur entschieden hatte, den freiberuflich tätigen Lehrer:innen die Fortsetzung des Unterrichts auf der Basis privater Vereinbarungen online fortzusetzen, haben wir als Freundeskreis zugesichert, die Differenz zwischen den üblichen Musikschulgebühren und einem auskömmlichen Honorar der Lehrer:innen bei Bedürftigkeit zu übernehmen. So konnte die Fortsetzung des Unterrichts gefördert werden und die von der Pandemie schwer getroffenen Honorarlehrer:innen unterstützt werden.

Zu einem Klassiker wird sich auch unser Kalender mausern, von dem es 2021 die zweite Ausgabe geben wird. Den bekommen alle unsere Fördermitglieder geschenkt, die mehr als den obligatorischen Mitgliedsbeitrag entrichten. Den Kalender verkaufen wir auch auf Veranstaltungen der MKS, sofern uns nicht gerade eine Pandemie einen Strich durch die Rechnung macht. Das Schöne am Kalender ist auch, dass den Schüler:innen der Kunstklassen ein Podium geboten wird, sich zu präsentieren. Wir sind schon gespannt auf die 2022er Ausgabe.

Der Kalender der MKS mit Arbeiten von Schüler:innen

Apropos Pandemie – eine wichtige und schöne Gelegenheit, uns vorzustellen, ist der alljährliche Tag der offenen Tür an der MKS. Wenn der nicht gerade digital stattfindet, zeichnen wir uns für den kulinarischen Teil des Tages verantwortlich. Dabei bekommen wir Unterstützung von einem Ensemble, welches wir in dem Jahr besonders unterstützen wollen. Da sind schon sehr leckere Kuchen beigetragen worden. Ab sofort nehmen wir Bewerbungen von Ensembles für den Tag der offenen Tür 2022 entgegen.

8. Fließt auch Geld?

Selbstverständlich. Unser Budget ist zwar nicht riesig, wie sich bereits aus der Multiplikation der Mitgliederzahl mit dem Mitgliedsbeitrag errechnen lässt, aber mit ein paar tausend Euro unterstützen wir diverse Aktivitäten der MKS jährlich schon. Dazu kommen Spenden, wie die eines begnadeten Saxophonisten, der die Gäste seines 80sten Geburtstages gebeten hatte, für den Freundeskreis zu spenden.  Wer gern mehr über fließendes Geld wissen will, ist eingeladen, Mitglied zu werden und zur nächsten Mitgliederversammlung zu kommen.

9.  Und konnte, und wenn ja WIE,  der Freundeskreis gerade in dieser komplizierten Pandemielage die Arbeit der Schule unterstützen?

Mit einer von uns unterstützten Petition, die von weit mehr als 1.000 Menschen unterstützt wurde, haben wir bereits im Frühjahr 2020 gefordert, den Musikunterricht an der MKS online fortzusetzen. Bei dieser Gelegenheit sei ausdrücklich den Initiator:innen und den Unterstützer:innen dieser Petition gedankt. Letztlich haben wir eine Änderung der MKS-Gebührensatzung der Stadt erreicht, die auch die Möglichkeit des Onlineunterrichts und des Unterrichts an anderen Orten als denen der Musikschule eröffnet. Diese Möglichkeiten haben der MKS in der zweiten und dritten Coronawelle sehr geholfen und dafür gesorgt, dass zumindest der Einzelinstrumentenunterricht weiterhin stattfinden konnte. Darauf sind wir schon ein bisschen stolz.

10. Gibt es gelegentlich auch Divergenzen zur Schulleitung oder wird immer am gleichen Strang gezogen?

Glücklicherweise wurde die MKS über viele Jahre von hervorragenden Schulleiterinnen geleitet, mit denen es eine Freude (gewesen) ist zusammenzuarbeiten. Sowohl für Friedrun Vollmer, die von 2006 bis Anfang 2018 Direktorin war, als auch mit Yvonne Krüger, die seit Mitte 2019 die Geschicke der MKS leitet, war bzw. ist die Zusammenarbeit ausgesprochen harmonisch. Beide Seiten wissen, was sie aneinander haben. Leider gab es zwischen Frau Vollmer und Frau Krüger eine Art Interregnum. Während der Zeit war der Kontakt zur Schulleitung nicht der Beste. Wir hoffen, dass Frau Krüger uns als Schulleiterin sehr lange erhalten bleibt. Sollte aber wieder mal die Schulleitung ausgeschrieben werden, werden wir uns dafür stark machen, als Interessenvertretung der Schüler:innen und Eltern bei der Besetzung ein Wörtchen mitzureden.

11. Was sind derzeitige Projekte, was Visionen des Freundeskreises für die MKS?

Wie so viele wünschen wir uns, in das Leben der Vorcoronazeit zurückzukehren und unseren Teil an einem reichen künstlerischen Leben an der MKS und in unserer Stadt beitragen zu können. Wir verstehen die MKS nicht als ein nettes Beiwerk, was man sich leisten kann oder auch nicht, sondern als eine Schule, deren Angebot ebenso wichtig für unser Leben ist, wie das der allgemeinbildenden Schulen. Wir treten dafür ein, dass die Schule finanziell so ausgestattet ist, dass gut qualifizierte und hoch motivierte Lehrer:innen dort unterrichten, dass künstlerische Qualität und gelebte Lebensfreude ihren Platz an der Schule ebenso haben wie alle Altersklassen. Die Vision ist, dass jeder Mensch in dieser Stadt zumindest einmal in der Woche eine Melodie spielt oder singt oder einen Pinsel in die Hand nimmt, gern auch öfter.

Der Freundeskreis der Jenaer Musik- und Kunstschule e.V. bei seinem gestrigen Treffen
Der Freundeskreis der Jenaer Musik- und Kunstschule e.V. bei seinem Arbeitstreffen am 13. Juli 2021. V.l.n.r.: Friedemann Schmidt, Thomas Ott, Jörg Müller, Yvonne Krüger, Andreas Tittmann, Anja Brunkhorst, Thomas Wagner. (Foto: privat)

Wir danken sehr herzlich für diesen interessanten Einblick in die Arbeit des Freundeskreises der Musik- und Kunstschule Jena e.V. und wünschen weiterhin Energie, Schaffenskraft und Kreativität bei der Unterstützung der Einrichtung.
Kennen Sie andere tragfähige Lobbymodelle in der Kultur und kulturellen Bildung? Dann stellen Sie diese gern auch vor.

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