Frau Romeyke vor dem Gebäude der vhs Jena

Josie-Ophelia Romeyke blickt zurück auf ihre Erfahrungen im Freiwilligen Sozialen Jahr an der Volkshochschule Jena.

Die Sonne scheint, die Ferien haben begonnen…
…und mein Freiwilligendienst an der Volkshochschule Jena ist fast vorbei. Eine Woche liegt noch vor mir, dann beginnt ein sehr langer Urlaub für mich.
Zeit, mich umzudrehen und zurückzublicken auf das vergangene Jahr in Jena.
Da ist zunächst das Motto, unter welchem mein Träger, die LKJ Thüringen, dieses Jahr die Freiwilligendienste organisiert hat: „Wir nehmen dich mit.“ Auf eine Reise. Seien es die vielen (geplanten) Bildungsreisen bzw. Seminarwochen oder eben die persönliche Reise zur Selbstfindung. So musste ich sogar jeden Morgen eine kleine Reise antreten, da ich zwischen Erfurt und Jena pendelte.
Das Reisethema war also sehr bezeichnend für mein FSJ.
Und nun ist es wohl an der Zeit, zu schauen, welche „Souvenirs“ ich von den vielen Reisen mitgebracht habe.

Zunächst wäre da natürlich ein Jahr Arbeitserfahrung, ebenso einer der Gründe, warum ich überhaupt ein FSJ aufgenommen habe: Ich wollte herausfinden, was mir im Arbeitsleben wichtig ist und meine Bedürfnisse kennenlernen. Darüber habe ich einige Erkenntnisse gewonnen. So habe ich gemerkt, dass mir Struktur und klare Kommunikation gut tun, sowie eine lösungsorientierte Arbeitsweise, wenn etwa Konflikte auftreten. Hinzu kommt, dass ich nun in der Lage bin, meine Ressourcen besser einschätzen und einteilen zu können.

Wirklich schön fand ich, Teil eines Teams zu sein, dessen Stimme auch gehört und beachtet wird. Auch der Einsatz und die Forderung meiner gestalterischen Fertigkeiten waren angenehm, da ich, fernab von der Benotung und dem Zeitdruck in der Schule, wirklich mein Potential entfalten konnte. Auch wenn ich hier dazu sagen muss, dass es auf Dauer doch etwas viel wurde. Schließlich lagen sehr viele und auch sehr verantwortliche Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit in meinem Arbeitsbereich.

Frau Romeyke an ihrem Arbeitsplatz in der vhs Jena ©JenaKultur

Leider hat mir der Lockdown 3 Monate weiterer Arbeitserfahrung (vor Ort) geraubt – in der Zeit kümmerte ich mich um meine Mappe für das Kunststudium. Dennoch hatte auch das einen positiven Effekt: Die von der LKJ (der Träger meines FSJ) veranstalteten Workshops und Seminare fanden online statt. Dadurch war ich in der Lage, ein paar Tage von zu Hause aus zu arbeiten. Das empfand ich als sehr entlastend. Ich habe also erkannt, dass ich, zumindest teilweise, Home-Office in meinen beruflichen Alltag integrieren möchte.

Abseits des Arbeitsalltages habe ich allerdings auch einiges „mitnehmen“ können, vieles davon habe ich in unseren (unvergesslichen) Seminarwochen gelernt: Auf der ersten Seminarfahrt entdeckte ich meine Liebe zum Improvisationstheater wieder. Zur Erklärung: In meiner Schulzeit belegte ich das Fach „Darstellen und Gestalten“, in welchem wir vielerlei solcher Sachen gemacht haben. Mit dem Besuch des Gymnasiums geriet das jedoch etwas in den Hintergrund. Während der besagten Seminarwoche nahm ich an einem „Präsentationsworkshop“ teil. Zunächst dachte ich, es ginge allgemein um Rhetorik und Vorträge, doch der Fokus lag tatsächlich mehr darauf, sich erst mal selber präsentieren zu können. Angefangen mit ein bisschen Stimmtraining, waren wir schnell bei den Spielarten des Improvisationstheaters. Dazu durften wir lernen, wie wir bestimmte Eigenarten und Figuren darstellen. Wodurch einem schließlich klar wird, mit welcher Gestik/Mimik welcher Effekt bei den Zuschauenden erzielt werden kann.

Abgesehen davon war die 1. Seminarwoche allgemein großartig. Zum ersten Mal hatte unsere Seminargruppe richtig Zeit, sich kennen zu lernen. Und es war eine tolle Truppe: Viele waren selbst bei Theatern eingesetzt und unsere Gruppe war voll von ausdrucksstarken Persönlichkeiten. Gezeichnet von Aufregung, wenig Schlaf und zu viel Kaffee kann ich, allein für diese Seminarfahrten, ein FSJ Kultur von der LKJ als Träger nur empfehlen.
Leider sollte es nur noch eine weitere Seminarwoche im Januar geben, denn die anderen beiden wurden durch den Lockdown „geschluckt“. Bis heute bin ich sehr traurig darüber, es fühlt sich an, als wäre eine unwiederbringliche Zeit einfach verloren gegangen. Ein Umstand, der noch bedauerlicher wird durch die Tatsache, dass unsere 2. Seminarwoche in Volkenroda weit hinter der ersten zurückstand. Wir wussten ja alle nicht, dass diese unsere letzte sein würde.
Jedenfalls war das Wetter grau, nass und kalt, sodass ich mir alsbald eine dicke Erkältung einfing, begünstigt durch meine allergische Reaktion auf die alten Gemäuer des Klosters. Zudem konnte ich dieses Mal nicht in den Workshop, den ich gerne besucht hätte, um einen Kurzfilm zu produzieren. Stattdessen landete ich im Workshop zu Konfliktmanagement, welcher thematisch eben auch weit hinter Kurzfilm und Schwarz-Weiß-Fotografie zurückblieb. Leider waren eben diese Workshops so überlaufen, dass viele ins Konfliktmanagement gedrängt wurden. Im Ergebnis sind wir ziemlich lustlos an die Sache herangegangen. Dafür hatten wir jedoch eine sehr gute und nette Workshopleiterin, welche unsere Lustlosigkeit annahm und die Inhalte unseren Bedürfnissen anpasste. Trotz der unschönen Umstände konnte ich also doch etwas mitnehmen, habe ich doch etwas über gewaltfreie Kommunikation gelernt, was ich bis heute anwenden kann und mich in meinem Umgang mit persönlichen Beziehungen vorangebracht hat. Dennoch war es schade, dass ich, aufgrund der Erkältung, nicht einmal an unseren selbstorganisierten Abendgestaltungen teilnehmen konnte, z. B. dem Improvisations-Abend. Alles in allem keine schöne Woche.

Allgemein schien die Situation im Winter sehr angespannt in meiner Einsatzstelle, es musste viel organisiert und geordnet werden; der Wechsel der Leitung stand kurz bevor. Die Pendelei in einer Jahreszeit mit wenig Licht tat ihr Übriges, sodass ich tatsächlich überlegte, mein FSJ abzubrechen.

Gerade, als sich die Situation jedoch wieder entspannte, kam es zum großen Schnitt: Der Lockdown. Meine freiwillige Kollegin und ich wurden von unserem Dienst für 3 Monate freigestellt, von der LKJ kam die Ankündigung, dass unsere Seminarwochen abgesagt würden.
Wie viele andere auch brauchte ich eine Weile, um den ersten Schock zu überwinden. Ich nutzte die Zeit Zuhause dafür, mich um meine Studienpläne zu kümmern. Wie bereits erwähnt, finde ich es wirklich schade um die verlorene Zeit und auch, dass eine Verlängerung des Freiwilligendienstes nicht möglich ist.
Ein kleiner Lichtblick war jedoch das digitale Abschluss-Seminar, welches doch noch stattgefunden hatte – wenn auch nur im virtuellen Raum. So konnte sich die Seminargruppe wenigstens für 2 Tage wiedersehen. In der Tat war dieses Online-Treffen sehr gelungen und wir haben sogar einen Spieleabend veranstaltet.

Mit meinem Wiedereintritt ins Arbeitsleben Anfang Juni verbrachte ich die übrigen 3 Monate auf Arbeit damit, meine eigenen Projekte voranzubringen, neben den anderen Aufgaben, die ich als Freiwillige zu erfüllen hatte.

Schließlich näherte sich die Zeit des Abschieds, unsere Mitarbeitenden bereiteten meiner Kollegin und mir eine kleine, zugleich aber sehr schöne Abschiedsfeier, auf der uns für unseren Einsatz gedankt wurde. Wir haben uns sehr darüber gefreut, tatsächlich waren die Tränen nicht weit entfernt bei mir. Es war die letzte Woche meiner Mitfreiwilligen, ich würde zu diesem Zeitpunkt noch für 3 weitere Wochen arbeiten, bis ich mich auch endgültig in einen wohlverdienten Urlaub verabschieden darf. Diese letzten Wochen habe ich noch einmal intensiv genutzt, meine Zukunftspläne zu sortieren. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden: Ich habe mich nun entschieden, Kunsttherapie zu studieren. Zunächst will ich allerdings den kompletten September frei nehmen, um danach voller Energie an meiner Bewerbungsmappe weiterzuarbeiten.

Nicht alle Ziele, die ich mir gesteckt hatte, konnte ich erreichen. So musste ich das eigenverantwortliche Projekt, das wir normalerweise im FSJ machen können, aufgrund verschiedenster Faktoren leider fallen lassen. Eigentlich wollte ich ja auch schon während des Dienstes meine Mappe fertig stellen. Dennoch habe ich mein größtes Ziel erreicht: Eine Entscheidung bei der Studienwahl zu treffen. Im Zuge dessen war ich in der Lage, herauszufinden, was mir im Berufsleben wichtig ist und worauf ich achten muss. Diese Erfahrung schätze ich sehr und dafür bin ich sehr dankbar.

Ich hoffe sehr, dass es spätestens 2021 wieder einen Jahrgang an Freiwilligen bei JenaKultur geben wird, damit auch diese die Möglichkeit haben, die tollen Menschen, die meine Reise begleiteten, kennenzulernen sowie sich im FSJ selbst finden zu können.

Für mich war diese Zeit in jedem Fall sehr hilfreich, ich lege allen jungen Menschen, die noch nach Orientierung suchen, nahe, sich selber einmal auf so eine „Reise“ zu begeben.

Wir wünschen Frau Romeyke für ihr Studium und ihren weiteren Lebensweg alles Gute! Haben Sie auch schon einmal vom Freiwilligen Jahr gehört und kennen Sie vielleicht jemanden, für den eine solche Erfahrung genau das Richtige wäre?

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