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Theaterhaus Jena // Rückblick. Ausblick.

Bühnenbild aus Thüringen Megamix

Eine der größten und strahlkräftigsten Kultureinrichtung in Jena in freier Trägerschaft ist das Theaterhaus Jena. „Freie Trägerschaft“ bedeutet hier, dass das Theater nicht an städtische Kultureinrichtungen oder JenaKultur angebunden ist, sondern eigenständig arbeitet und wirtschaftet. Die Stadt Jena und das Land Thüringen unterstützen das Theaterhaus dabei mit einem öffentlichen Zuschuss von etwas mehr als insgesamt 2 Millionen Euro jährlich. Grund genug für uns, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen:

Zu Besuch: Wunderbaum vom Theaterhaus Jena

Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 wechselte die künstlerische Leitung zum holländischen Schauspielerkollektiv Wunderbaum. Unter der künstlerischen Leitung Wunderbaums hat das Theaterhaus ein sehr offensives Programm Richtung Stadt initiiert. Die erste Spielzeit stand unter dem Leitspruch „Thüringen kein Problem.“ und beschäftigte sich in verschiedensten Stückentwicklungen mit Themen der Heimat und Lokalität, was sich auch in einzelnen Titeln aufzeigt, etwa „Thüringen Megamix“ oder „Hallo Jena“. Mit der Programmgestaltung setzt sich das Theaterhaus Jena massiv von der es umgebenden Theaterlandschaft ab. Das klassische und kanonische Repertoire war in der ersten Spielzeit abwesend, stattdessen geht das Theater fragend und forschend in die Stadt und die Probenprozesse hinein und entwickelt neue Stücke, die in dieser Form nur in Jena zu sehen sind. Dabei sind die Themen nah an der Lebensrealität der Stadtgesellschaft, sei es etwa die Auseinandersetzung mit dem Selbstbild Thüringens im „Thüringen Megamix“, die Beschäftigung mit den Körperbildern vor den Schablonen der Lebensreformbewegung, der FKK-Kultur und der Gegenwart in „Nackt“ oder die interkulturellen Herausforderungen der Migration in „hätte, hätte, Fahrradkette“.

 Theaterhaus Jena, Ensemble ©TinaPeißker

Diese Programmierung führt zu einem erstaunlichen und wünschenswerten Phänomen: Statt eines immer selben Stammpublikums generiert jede Vorstellung ihr eigenes Publikum, am Beispiel von „Nackt“ etwa viele Anhänger des FKK, für die eine Beschäftigung mit ihrer Lebensrealität die Hemmschwelle, ins Theater zu gehen, massiv senkt. Auf der Gegenseite profitiert aber nicht nur das Publikum von der persönlichen Ansprache, auch die Spielenden haben im Probenprozess die Möglichkeit, ihr eigenes Material einzubringen und so eine sehr persönliche, interessenbasierte Dimension zu ermöglichen. Deshalb vertraut das Theaterhaus Jena nicht in erster Linie auf das Genie einzelner Regisseur*innen, sondern auf die Stärke des Kollektivs und seiner Schauspielenden.

In diese neue Spielzeit starten wir mit dem Stück „Wo ist das Theater?“, das eine Schriftstellerin, die wir neu kennengelernt haben, für uns geschrieben hat: Anne Jelena Schulte. Ab November zeigt die Regisseurin Lizzy Timmers ihre neueste Arbeit für das Theaterhaus: „Bach – Tanztheater zu den Goldberg-Variationen“, ein Stück mit zwei tollen Musikern aus Belgien sowie Bachs Goldberg-Variationen, die sowohl gespielt als auch getanzt werden. Unser Kinderstück handelt in diesem Jahr von einer unwahrscheinlichen Allianz, das kennen Sie schon von den Holländern in Thüringen. Hier aber geht es um die Allianz zwischen einem Schaf und einem Wolf, der dieses eigentlich fressen wollte. Mit dem Stück „Geht das schon wieder los – White Male Privilege“ beschäftigen wir uns mit Rassismus und den Privilegien, die einigen von uns zukommen, und im Januar entwickeln hashtagmonike im Kassablanca ein Stück über Hexen.

P. S.: Ab kommenden Semester gehen Studierende mit dem neuen Kulturticket über den Semesterbeitrag ohne weitere Zuzahlungen ins Theater! Wie das funktioniert ist erläutert unter: www.stw-thueringen.de

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