Allgemein Musik- und Kunstschule Jena

Kunst, die lebt – Der Bereich Bildende Kunst an der Musik- und Kunstschule Jena

zu sehen ist der Eingang in ein Zimmer. links ist die offenstehende Tur, an der ein buntes Bild mit der Aufschrift "Malerei und Grafik" steht.

Wenn künstlerisches Arbeiten und Unterrichten zusammenkommen

Zu sehen ist ein Tisch, auf dem Zeitungen als Fabrschutz ausgelegt sind. Außerdem ein Becher mit vielen Pinseln und eine Kinderhand, die danach greift.
© JenaKultur, A. Hub

Was entsteht, wenn Künstler:innen unterrichten, die Kunst nicht nur erklären, sondern selbst mitten im künstlerischen  Prozess stehen? Wenn sie gestalten, experimentieren, scheitern und neu beginnen – jeden Tag aufs Neue?

An der Musik- und Kunstschule Jena ist genau das gelebter Alltag. Der Bereich Bildende Kunst versteht sich nicht als klassischer Unterrichtsraum, sondern als offenes Atelier: ein Ort, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre eigene Bildsprache entdecken können – begleitet von Künstler:innen, die ihre eigene Praxis aktiv leben.

Vielfalt der Fachbereiche – Wege in die Bildende Kunst

Bildende Kunst an der Musik- und Kunstschule Jena ist so vielfältig wie die Menschen, die hier lernen. Angeboten werden Kurse in Malerei & Grafik, Keramik, Kreativem Gestalten sowie Künstlerischer und Kreativer Früherziehung. Diese Bereiche bilden die Grundlage für individuelle künstlerische Wege – vom ersten experimentellen Zugang bis zur vertieften Entwicklung einer eigenen Bildsprache.

Für Schüler:innen mit konkreten beruflichen oder akademischen Zielen kann der Kunstunterricht zudem Raum für eine studienvorbereitende Mappengestaltung und die Bearbeitung von Vorab-Aufgaben im Rahmen von Eignungsprüfungen bieten. Ergänzend dazu sind künftig Blockseminare zur Studienvorbereitung geplant, die diesen Prozess gezielt vertiefen und strukturieren.

Was im Unterricht entsteht, bleibt dabei nicht auf den Atelierraum beschränkt. Viele Arbeiten entwickeln sich weiter, werden Teil größerer Zusammenhänge und finden ihren Weg nach außen – in Projekte, Ausstellungen und Kooperationen, die Kunst sichtbar machen und in den Stadtraum hineinwirken.

Kunst sichtbar machen – Projekte, Ausstellungen und Kooperationen

Ausgewählte Arbeiten aus Malerei und Keramik sind regelmäßig in den wechselnden Hausausstellungen an den Standorten Ziegenhain und Lobeda-Ost sowie im jährlichen Kunstkalender der Musik- und Kunstschule Jena zu sehen. Zudem unterstützt der Kunstbereich schulinterne Produktionen, etwa durch die Gestaltung von Requisiten oder Werbemitteln.

Eine Schaupielaufführung, bei der eine Frau erhöht in der Mitte eines Kreises steht und singt oder spricht. Um sie ehrum auf dem Boden lieben ca. 10 andere Menschen im Fersensitz mit der Stirn zum Boden.
Requisitenbau für die Schauspielaufführung „Wunderland“, Juni 2025 © Tina Peißker                                                                             

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Projekten außerhalb der Schule. So geht es im Pleinair-Unterricht in den Sommermonaten nach draußen. Für 2026 ist das Projekt „mittendrin“ geplant: Bildschöpfungen zu Menschen und Dingen direkt aus dem Alltag. Ziel ist es, sich bewusst aus den eigenen Routinen zu lösen und am Puls der Stadt nach Motiven zu suchen – vom Urban Sketching bis zur Arbeit mit Fundstücken. Eine abschließende Ausstellung macht diese Arbeiten für die Öffentlichkeit sichtbar.

Auch bei Kunstwettbewerben sind die Schüler:innen erfolgreich vertreten, etwa beim jährlich stattfindenden, landesweiten Eva-Maria-Dicken-Preis, dessen ausgewählte Arbeiten im Herzoglichen Museum in Gotha präsentiert werden.

Zahlreiche Kooperationen erweitern den Unterricht um neue Perspektiven: In Zusammenarbeit mit der Jenaer Philharmonie setzen sich Kunstschüler:innen mit Musik auseinander und übersetzen Klänge und Stimmungen in Bilder – etwa inspiriert von Gustav Mahlers 1. Sinfonie oder bei Probenbesuchen mit Skizzenbuch. Impulse kommen auch von Gastkünstler:innen wie dem Lichtkünstler Robert Seidel.

Ebenso eng ist die Zusammenarbeit mit den Städtischen Museen Jena und der Museumspädagogik von JenaKultur. Gemeinsame Projekte, Ausstellungsbesuche und Präsentationen – zum Beispiel im Schaufenster der Museumswerkstatt – machen Kunst direkt erfahrbar und sichtbar im öffentlichen Raum.

Ein Schaufenster mit Ausstellungsstücken (Kleidung, Gemälde, Holzfiguren etc). und ein kleiner Ausschnitt auf den davor liegenden Gehweg mit Passanten
Ausstellung in der Museumswerkstatt anlässlich des Bauhaus Jubiläums 2019 © MKS

Die Künstler:innen hinter dem Unterricht

Was den Bereich Bildende Kunst besonders prägt, sind die Menschen, die hier unterrichten. Alle Lehrkräfte sind aktiv künstlerisch tätig und bringen ihre eigene Praxis unmittelbar in den Unterricht ein.

Petra Lieberenz – Kreatives Gestalten, Kreative Früherziehung, Fachgruppenleitung

Portraitbild von Petra Lieberenz
Petra Lieberenz, Foto privat

Petra Lieberenz studierte Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar und arbeitet seit vielen Jahren als freiberufliche Künstlerin. Seit 2007 unterrichtet sie an der Musik- und Kunstschule Jena und leitet den Bereich Bildende Kunst. Seit 2016 arbeitet sie zudem in einer Ateliergemeinschaft mit dem Jenaer Keramiker Ragnvald Leonhardt, mit dem sie ihre keramischen Arbeiten regelmäßig auf verschiedenen Töpfermärkten und Ausstellungen präsentiert. In ihrer Arbeit verbindet sie experimentelles Arbeiten mit Keramik, Zeichnung und Malerei. Ein offener, prozessorientierter Zugang zur Kunst steht für sie im Mittelpunkt – im eigenen Schaffen ebenso wie im Unterricht. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem in Jena, Berlin, Dornburg und auf Hiddensee.

Beispiele ihrer Arbeiten

alle © Petra Lieberenz

Ekkehard C. Engelmann

Malerei / Grafik

Ekkehard C. Engelmann mal mit weißer Fensterkreide einen Pfeil an ein Fenster
Ekkehard C. Engelmann © Manuela Dix

Das Zeichnen bildet den Kern seiner künstlerischen Arbeit. Nach einem Lehramtsstudium und dem Diplom für Freie Grafik an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale ist Ekkehard C. Engelmann seit vielen Jahren freischaffend tätig und unterrichtet seit 2003 an der Musik- und Kunstschule Jena. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Zeichnung, Schriftkunst und Installation. Diese intensive Praxis prägt auch seinen Unterricht, der genaues Beobachten, handwerkliche Grundlagen und eigenständige Bildfindung miteinander verbindet.

Beispiele seiner Arbeiten

alle © Ekkehard C. Engelmann

Paula Horstmann

Malerei / Grafik, Künstlerische Früherziehung

Die Künstlerin Paula Horstmann vor einer Wand, an der einge Bilder mit verschiedenen Motiven hängen
Paula Horstmann © MKS

Paula Horstmann studierte Kunstpädagogik an der Universität Leipzig und bringt einen zeitgenössischen, interdisziplinären Kunstbegriff in den Unterricht ein. Ihre Arbeit umfasst Malerei, Zeichnung, Typografie, Performance, Buchkunst und konzeptuelle Ansätze. Besonders interessieren sie alltägliche Beobachtungen, ungewöhnliche Perspektiven und das bewusste Innehalten – eine Haltung, die sie neugierig und experimentell an ihre Schüler:innen weitergibt. Seit dem Schuljahr 2025/2026 ist Paula Horstmann Teil des Teams der Musik- und Kunstschule Jena.

Beispiele ihrer Arbeiten

alle © Paula Horstmann

Frank Steenbeck

Keramik / Plastik

Portraitbild von Frank Steenbeck
Frank Steenbeck © Marcel Krummrich

Nach einer Töpferlehre in Bürgel und dem Studium der Bau- und Gefäßkeramik an der Burg Giebichenstein arbeitet Frank Steenbeck seit 1991 als freischaffender Keramiker und Maler in Jena und ist Mitglied im Verband Bildender Künstler Thüringen. Seit 2018 unterrichtet er an der Musik- und Kunstschule Jena. Seine Arbeiten reichen von Keramik und Malerei bis zu Kunst im öffentlichen Raum und sind in Ausstellungen und Sammlungen vertreten. Im Unterricht vermittelt er handwerkliche Erfahrung, Freude am gestalterischen Arbeiten und Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft.

Beispiele seiner Arbeiten

alle © Frank Steenbeck

Kunst als Prozess – gemeinsames Verständnis, individuelle Wege

Zu sehen sind die Künstler:innen  F. Steenbeck, P. Lieberenz und E. Engelmann. Sie stehen vor dem einer buntem Fliesenprojekt an der Wand im Justizzentrum
Fliesenprojekt im Justizzentrum; F. Steenbeck, P. Lieberenz und E. Engelmann, 2020 © MKS

Gemeinsamkeiten: Lernen als offener Prozess

Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte verbindet die vier Lehrkräfte ein gemeinsames Verständnis von bildnerischem Arbeiten: Kunst entsteht nicht als geradliniger Weg zum fertigen Ergebnis, sondern als offener Prozess, der von Neugier, Experiment und der Bereitschaft zum Scheitern und Neubeginn lebt. Paula Horstmann betont, wie wichtig es ist, Fehler nicht zu vermeiden, sondern als Teil des kreativen Entdeckens zu begreifen. Für sie bleibt ein Werk selten endgültig abgeschlossen, sondern wird zum Ausgangspunkt für neue Ideen und Weiterentwicklungen.

Auch Frank Steenbeck versteht künstlerische Arbeit als fortlaufenden Prozess. Das jeweils entstandene Bild ist für ihn kein Endpunkt, sondern der Beginn der nächsten Idee. Zentral ist dabei, den Arbeitsprozess in Bewegung zu halten und den Lernenden zuzutrauen, ihre eigene Neugier sowie ihre Experimentier- und Fehlerbereitschaft realistisch einzuschätzen.

Ekkehard Engelmann ergänzt diese prozessorientierte Haltung um den Gedanken der Bildöffnung. In seinem Unterricht ist das bewusste Nicht-Wissen darüber, wie ein Bild am Ende aussehen wird, ein wesentlicher Bestandteil. Der gestalterische Prozess wird dabei auch zu einer Auseinandersetzung mit inneren Bewertungs- und Kontrollmechanismen. Ziel ist es, einen offenen Denk- und Wahrnehmungsraum zu erreichen, in dem sich der Blick weitet und das Zeichnen als etwas Vertrautes und Haltgebendes erlebt werden kann.

Unterschiede: Persönliche Arbeitsweisen und ihre Wirkung auf Schüler:innen

So ähnlich die Grundwerte auch sind, so unterschiedlich zeigen sich die individuellen Arbeitsweisen der Lehrkräfte – und genau darin liegt ihre besondere Stärke. Ekkehard Engelmanns Unterricht ist eng mit seinem eigenen künstlerischen Schaffen verbunden. Beide sind geprägt von einem spielerisch-gestaltenden Erfinden und einem Sich-Einlassen auf Prozesse mit überraschenden Wendungen und Umwegen. Diese Haltung wirkt für Schüler:innen vor allem durch ihre Authentizität: Kreatives Arbeiten wird nicht erklärt, sondern vorgelebt.

Frank Steenbeck setzt einen klaren Schwerpunkt auf Selbstvertrauen und Hilfe zur Selbsthilfe. Lernen entsteht für ihn vor allem durch eigene Erfahrungen – und durch Fehler, aus denen man wachsen kann. Anstatt umfangreichen theoretischen Input zu geben, reagiert er gezielt auf die jeweilige Situation und unterstützt die Schüler:innen dabei, selbstständig Lösungen zu entwickeln.

Paula Horstmann legt ihren Fokus besonders auf den inneren Umgang mit dem eigenen Bild. Sie ermutigt dazu, bewertende Gedanken – das vorschnelle Abwerten, Rechtfertigen oder Festlegen – bewusst zurückzustellen und der Bildsprache Raum zu geben. Mehrdeutigkeit wird dabei nicht als Unsicherheit verstanden, sondern als kreative Möglichkeit, die offen bleiben darf.

Einen weiteren, klar erkennbaren Akzent setzt Ekkehard Engelmann mit seinem bewussten Gegenpol zur digitalen Beschleunigung. Er versteht seinen Unterricht als eine Art Ruheinsel im schnellen, digitalen Alltag und setzt gezielt auf entschleunigte, handwerkliche Arbeitsprozesse. Seine Leitbegriffe Erfindung, Erweiterung und Entschleunigung bringen diesen Ansatz prägnant auf den Punkt.

Einladung zum Mitmachen – Tag der offenen Tür am 9. Mai 2026

Die Bildende Kunst an der Musik- und Kunstschule Jena versteht sich als offener Raum für Entdeckung, Entwicklung und persönliche Ausdrucksformen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind eingeladen, diesen Raum für sich zu nutzen – unabhängig von Vorerfahrung oder Alter.

Wer neugierig geworden ist, kann die Bildende Kunst ganz unkompliziert kennenlernen:

Beim Tag der offenen Tür der Musik- und Kunstschule Jena am 9. Mai 2026 von 10 bis 16 Uhr gibt es im Bereich Bildende Kunst kleine Mitmachangebote, Einblicke in den Unterricht und Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit den Lehrkräften.

Der Einstieg in den Unterricht ist bei freier Platzverfügbarkeit jederzeit möglich, Schnupperstunden können außerdem vereinbart werden. Weitere Informationen und Beratung erhalten Interessierte in der Verwaltung der Musik- und Kunstschule Jena unter 03641-496610 oder per Mail an mks@jena.de.

Kunst beginnt hier nicht mit dem perfekten Bild – sondern mit dem ersten neugierigen Blick.

Wir bedanken uns für diese tollen Einblicke in die Bildende Kunst der Musik- und Kunstschule, die uns Katrin Paninski und Paula Horstmann in Zusammenarbeit mit den Kunstkolleg:innen der Schule gegeben haben.

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