Yehudi Menuhin nannte sie das „menschlichste aller Instrumente“
Das vierteljährlich erscheinende Magazin „SeitenKlang“ wird von einer kleinen, engagierten Gruppe von Musiker:innen der Jenaer Philharmonie verantwortet. Gerade diese unmittelbare Perspektive aus dem Orchester heraus verleiht der Publikation ihren besonderen Reiz. Die Beiträge stammen von Menschen, die selbst Teil dieses musikalischen Organismus‘ sind – und eröffnen Leser:innen, die Musik vor allem aus dem Publikum heraus erleben, immer wieder neue Einblicke.
Der aktuelle „SeitenKlang“ Nr. 38 hat, aus unserer Sicht erstmalig, ein Schwerpunktthema und beschäftigt sich mit einer der wichtigen Instrumentengruppe in einem Orchester, den hohen Streichinstrumenten. Geige und Bratsche kann man in der Streicherfamilie fast wie Geschwister ansehen: Die etwas dunkler klingende Bratsche verbindet die helle Geige mit den tiefen Instrumenten Cello und Kontrabass.
Zwischen Einblicken in die handwerkliche Arbeit eines Geigenbaus, praktischen Aspekten des Orchesteralltags und der Vorstellung eines neuen Gesichts in den Reihen der Jenaer Philharmonie entfaltet das Heft ein facettenreiches Bild dieses prägenden Streichinstruments.
Zunächst erfahren wir beim Besuch einer Geigenwerkstatt in Bamberg viel Interessantes über den Geigenbau. Wussten Sie etwa, dass es zweckmäßig ist, einer Geige regelmäßig – fast wie einem Auto – eine Durchsicht angedeihen zu lassen? Dabei werden Lack, Griffbrett, Wirbel und Holz genau nach Schäden hin abgesucht und dann repariert.
Das Griffbrett etwa zeige sich meist abgespielt, indem bei den an den häufig genutzten Tönen kleine Dellen im Holz entstünden, weil die gespielten Metallsaiten ihre Spuren hinterließen. Diese Unebenheiten müssen von Zeit zu Zeit mit dem Hobel ausgeglichen werden.
„Der Musiker muss dann leider wieder von vorne anfangen, seine Intonation auch ohne diese feinen sensorischen ‚Hilfsdellen‘ zu finden.“
Carsten Hoffmann, Geigenbauer
Lesen Sie das Interview mit Veronika Dreysse und Carsten Hoffmann, und Sie werden schnell bestätigt finden, was Sie schon ahnten: Instrumenten- respektive Geigenbau und -reparatur sind eine hohe Kunst, die viel Leidenschaft, Geduld und Kreativität fordert, und jedes Instrument, das in Handarbeit geschaffen wird, hat am Ende einen eigenen Charakter, der sich wiederum mit der Persönlichkeit desjenigen, der oder die es spielt, zu einer einzigartigen Symbiose verbindet.
Wenn sich dann Monika Steinhöfel, sie Bratschistin, mit Torben Jans, er eine sogenannte Erste Geige in der Jenaer Philharmonie, über Pro und Contra von Kinnhalter und Schulterstütze austauschen, staunt man darüber, was man alles noch nicht wusste, etwa wie körperlich anspruchsvoll Musizieren ist, obwohl es doch so anmutig und leicht erscheint. Dabei sind Kraft- und Mobilisationstraining unerlässlich.
Schließlich wird Olessya Skorokhod in den Zweiten Geigen der Jenaer Philharmonie vorgestellt. Niemals würde sie ihre Violine gegen ein anderes Instrument eintauschen wollen.
Im zweiten, kleineren Teil des neuen Magazins wird gefragt, was in einem Orchester eigentlich ein:e Diensteinteiler:in macht? Auch da geben wir zu, dass wir es nicht wussten.
Und über den Blick in die Resonanz auf das Gastspiel der Jenaer Philharmonie am 25. Oktober 2025 in der Dresdner Frauenkirche schließlich kann man sich nur freuen, zeigt sich darin doch, dass unser Orchester wirklich ein wichtiger überregionaler Kulturbotschafter für die Lichtstadt Jena geworden ist.
So freuen wir uns auf die nächsten Konzerte unserer Jenaer Philharmonie und natürlich auch den SeitenKlang 39 mit seinen vertiefenden Einblicken in das uns weitgehend unbekannte Orchesteruniversum.
