{"id":8020,"date":"2023-01-13T07:30:00","date_gmt":"2023-01-13T06:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=8020"},"modified":"2023-01-12T08:46:26","modified_gmt":"2023-01-12T07:46:26","slug":"mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-kuratorin-in-der-kunstsammlung-jena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2023\/01\/13\/mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-kuratorin-in-der-kunstsammlung-jena\/","title":{"rendered":"Mitarbeiter:innen von JenaKultur vorgestellt | Heute: Manuela Dix"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group is-vertical is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8cf370e7 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<p><em>Immer mal wieder stellen wir <em>in unserem Blog<\/em> Mitarbeiter:innen von JenaKultur vor, weil wir glauben, dass man \u201edrau\u00dfen\u201c nicht immer eine Vorstellung hat, wie vielf\u00e4ltig unsere Arbeitsfelder und Profile tats\u00e4chlich sind. Oft werden wir gefragt \u201eWas macht Ihr eigentlich tags\u00fcber?\u201c, dann sind wir sprachlos. Anderseits sind wir zugegebenerma\u00dfen selbst mitunter \u00fcberrascht, wieviel Interessantes und Unterschiedliches wir zu bieten haben: Orchesterwarte, Finanzbuchhalter:innen, Koordinator:innen Lernzentrum Ernst-Abbe-B\u00fccherei, Lehrer:innen Musik- und Kunstschule, Mitarbeiter:innen Veranstaltungsservice, Mitarbeiter:innen (Tourismus)Marketing oder Convention; Mitarbeiter:innen Personal- und Organisationsmanagement, Musiker:innen u.v.m., alles ganz unterschiedliche Berufsbilder, Werdeg\u00e4nge, Ausbildungen, Pers\u00f6nlichkeiten\u2026 <\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><strong>Liebe Frau Dix, Sie sind im innerst\u00e4dtischen Telefonbuch lapidar als \u201eMitarbeiterin Kunstsammlung\u201c ausgewiesen. Wir glauben, das sollten Sie ein wenig erl\u00e4utern. Was genau ist Ihre Aufgabe und was alles h\u00e4ngt an dieser Aufgabe so dran?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMitarbeiterin\u201c ist tats\u00e4chlich ein sehr n\u00fcchterner Begriff, allerdings finde ich es auch schwierig, meine T\u00e4tigkeiten mit einem Wort ad\u00e4quat zu beschreiben. So gibt es etwa in anderen Museen f\u00fcr die Vielzahl an Aufgaben, die ich erledige, mehrere Mitarbeiter:innen. Jedoch kommt der Begriff der Kuratorin dem schon recht nahe.<\/p>\n\n\n\n<p>An erster Stelle unterst\u00fctze ich Erik Stephan im laufenden Ausstellungsbetrieb und in der Betreuung der <a href=\"https:\/\/www.kunstsammlung-jena.de\/de\/startseite\/678376\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kunstsammlung Jena<\/a>. Dar\u00fcber hinaus bin ich verantwortlich f\u00fcr die Social-Media-Kan\u00e4le der Kunstsammlung, und seit letztem Jahr k\u00fcmmere ich mich zudem um eine Bundesfreiwillige. Teilweise \u00fcbernehme ich auch die Vermittlung der Ausstellungen, wenn z. B. keine:r der freien Vermittler:innen zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geh\u00f6ren aber auch zahlreiche praktische T\u00e4tigkeiten zu meinem Aufgabengebiet, die teilweise bis zur eigentlichen H\u00e4ngung reichen, wie bei der aktuellen Ausstellung \u201eVinylikonen\u201c. In dem Falle galt es, den Technikern bei der H\u00e4ngung der \u00fcber 600 Schallplattenh\u00fcllen unter die Arme zu greifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Arbeit umfasst ein breites Spektrum an Aufgaben, was das Arbeiten abwechslungsreich und spannend macht. Es wird nie langweilig und bietet regelm\u00e4\u00dfig neue Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-oska-gutheil-2022-1000x525.jpg\" alt=\"Manuela Dix\" class=\"wp-image-8041\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-oska-gutheil-2022-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-oska-gutheil-2022-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-oska-gutheil-2022-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-oska-gutheil-2022.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Manuela Dix in der von ihr kuratierten Ausstellung mit Oska Gutheil (rechts im Bild) | \u00a9JenaKultur, Foto: Kunstsammlung Jena<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Bitte beschreiben Sie doch ein bisschen Ihren Werdegang.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin 1983 in Gera geboren und in der ostth\u00fcringer Provinz in einem 300-Seelen-Ort nahe Gera aufgewachsen. Das Abitur habe ich 2001 absolviert und anschlie\u00dfend habe ich ein mehrmonatiges Praktikum im Offenen Kanal Gera aufgenommen. Nicht nur habe ich dort den Umgang mit Kameras und Schnitttechnik erlernt, was mir noch heute zu Gute kommt, auch durfte ich einem Filmemacher assistieren, der Kurzbeitr\u00e4ge zu K\u00fcnstler:innen und Ausstellungen produziert hat. Das hat die Idee in mir reifen lassen, mich st\u00e4rker mit Kunst auseinander zu setzen. Letztlich Ausschlag gebend f\u00fcr meine Entscheidung, Kunstgeschichte zu studieren, war das Buch \u201eBilder, die die Welt bewegten\u201c, das mehr oder weniger ber\u00fchmte Kunstwerke vorstellt und mit zahlreichen Hintergrundinfos anreichert. Gefesselt hat mich das Portr\u00e4t von Heinrich VIII und dessen Entstehungsgeschichte. Diese Episoden haben mich so fasziniert, dass ich schlie\u00dflich ein Kunstgeschichtsstudium in Jena aufgegriffen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach meinem Studium habe ich viele Jahre freiberuflich gearbeitet, zu einem gro\u00dfen Teil f\u00fcr die Kunstsammlung Jena, aber auch f\u00fcr andere Th\u00fcringer Kulturinstitutionen, wie etwa die Kunstsammlung Gera, die Kunstvereine in Jena und Gera sowie das Kunsthaus Apolda Avantgarde. Ich habe zahlreiche Texte zu zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstler:innen verfasst, Ausstellungen kuratiert, Laudationen gehalten, Kataloge lektoriert und immer wieder in der Kunstsammlung Jena in verschiedenen Projekten gearbeitet, so z. B. f\u00fcr die Ausstellung \u201eKandinsky am Bauhaus\u201c, im Rahmen des Van de Velde-Jahres und ein dreij\u00e4hriges Projekt zur Provenienzforschung in Jena.<\/p>\n\n\n\n<p>2017 habe ich schlie\u00dflich ein zweij\u00e4hriges Volontariat in der Kunstsammlung erhalten und seit 2021 arbeite ich in den <a href=\"https:\/\/www.museen-jena.de\/de\/startseite\/679372\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">St\u00e4dtischen Museen Jena<\/a> als Mitarbeiterin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wie sind Sie zu JenaKultur gekommen und was war Ihre erste Aufgabe?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich im Herbst 2008 mein Studium abgeschlossen hatte, habe ich mich in der Kunstsammlung f\u00fcr ein Praktikum beworben, das ich Ende Januar 2009 begonnen habe \u2013 und seitdem bin ich mit der Kunstsammlung Jena eng verbunden. In meiner Anfangszeit war die Ausstellung \u201eVon Manet bis Renoir\u201c, gefolgt von der Ausstellung \u201eIn nachbarlicher N\u00e4he. Bauhaus in Jena\u201c zu sehen. Das war f\u00fcr mich als junge Kunsthistorikerin, die sich bis dahin haupts\u00e4chlich mit Kunst in der Theorie besch\u00e4ftigt hatte, eine einmalige Gelegenheit, ganz nah dran sein zu d\u00fcrfen an gro\u00dfartiger Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesen ersten Monaten habe ich unglaublich viel gelernt \u2013 Dinge, die einem im Studium nicht beigebracht werden. Insofern war dieses Praktikum \u00fcberaus n\u00fctzlich f\u00fcr meine weitere Laufbahn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was bleibt von der <a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2021\/05\/26\/provenienzforschung-in-der-kunstsammlung-jena\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Provenienzforschung<\/a>? Gibt es sinnvolle Fortsetzungen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Best\u00e4nde der Kunstsammlung war die Provenienzforschung neben der Gewinnung eines moralischen Siegels eine enorme Wissensanreicherung: Sammlungskontexte wurden erschlossen, Hintergr\u00fcnde zu Personen und zur Geschichte des Hauses konnten hinzugewonnen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Ergebnisse sind dokumentiert und diejenigen Werke, bei denen ein Verdacht auf einen ns-verfolgungsbedingt entzogenen Hintergrund besteht, sind auf der Lost Art-Datenbank zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Moment sind keine Fortsetzungen in Sicht. Aktuell l\u00e4sst sich auf dem Feld der Provenienzforschung eine Konzentration auf koloniale Sammlungskontexte beobachten. Da gibt es meines Wissens in den Best\u00e4nden der Jenaer Sammlungen nicht viel zu erforschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel spannender und wichtiger w\u00e4re f\u00fcr uns (und auch generell) die Aufarbeitung der Sammlungszuw\u00e4chse im Zeitraum der DDR. Wir haben eine gro\u00dfe Anzahl an Werken mit dem Vermerk \u201eaus Staatlichem Eigentum\u201c, was auf eine unrechtm\u00e4\u00dfige Aneignung hinweist. Hier k\u00f6nnte es sich etwa um Beschlagnahmungen von Republikfl\u00fcchtigen handeln. Eine Aufarbeitung dieses Kapitels w\u00e4re enorm wichtig, da in vielen F\u00e4llen die Menschen noch leben, denen Unrecht widerfahren ist und die wertvolle Zeitzeugen darstellen k\u00f6nnten. Eine Provenienzforschung in diese Richtung w\u00fcrde demzufolge einen wertvollen Beitrag zur Wiedergutmachung leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist im Moment von uns leider nicht zu leisten. Der Bund stellt derzeit keine Mittel zur systematischen Aufarbeitung zur Verf\u00fcgung. Es laufen im Bundesgebiet seit Jahren lediglich vereinzelte Projekte zur Grundlagenforschung. Ohne zus\u00e4tzliche finanzielle und personelle Mittel sind wir nicht in der Lage, diese Art der Forschung neben dem Tagesgesch\u00e4ft zu betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sind Sie gut bei JenaKultur angekommen? Was ist vorteilhaft, was eher nachteilig?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, ich habe mich \u00fcber die vielen Jahre gut eingelebt im Museum und bei JenaKultur. Das Arbeiten ist, wie bereits erw\u00e4hnt, abwechslungsreich und das Verh\u00e4ltnis zu den Kolleg:innen geradezu freundschaftlich, was ich als einen gro\u00dfen Vorteil erachte. Positiv ist auch, dass hier ein Klima herrscht, in dem man seine Ideen einbringen kann und in Entscheidungsprozesse integriert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nachteilig empfinde ich die Personalsituation. Wir sind nicht viele in der Kunstsammlung, und wenn jemand ausf\u00e4llt, dann muss, so gut es geht, diese L\u00fccke gef\u00fcllt werden, was nicht immer leicht ist, wenn man sowieso schon einer Arbeit nachgeht, die eigentlich von mindestens zwei Leuten gemacht werden m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sie sind ja sowas wie die rechte Hand von Erik Stephan, der mit der \u00dcbernahme der Leitung der St\u00e4dtischen Museen nicht mehr alleine das Ausstellungsgesch\u00e4ft der Kunstsammlung bewerkstelligen kann. Was sind die Arbeitsfelder in der Kunstsammlung Jena? Welche Bedeutung haben Ausstellungen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Grob umrissen handelt es sich bei den Arbeitsfeldern um die Standards, denen sich die Museen in Deutschland verschrieben haben: Sammeln, Bewahren, Forschen (und Dokumentieren), Vermitteln (und Ausstellen). Neben der Organisation und Durchf\u00fchrung von Ausstellungen ist das in erster Linie die Betreuung der Sammlung. Sammlungen bilden das kulturelle Ged\u00e4chtnis unserer Gesellschaft und sind somit identit\u00e4tsstiftend. In den letzten Jahren hat die Kunstsammlung Jena mehrere umfangreiche Sammlungskomplexe hinzugewonnen. Die Aufnahme, Inventarisierung und Aufbereitung der einzelnen Kunstwerke f\u00fcr Ausstellungen und Publikationen nimmt dabei viel Zeit in Anspruch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausstellungen sind das R\u00fcckgrat von Museen. Sie beleben das Haus und stellen einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung dar. Wenn wir uns mit Kunstwerken besch\u00e4ftigen, setzen wir uns mit der Welt auseinander. Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist unsere aktuelle Ausstellung mit Videos des K\u00fcnstlers Sven Johne, dessen Werke wiederholt um Umbruchsituationen, wie etwa der Zeit um 1989 in Ostdeutschland und deren Einfluss auf die Menschen kreisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kunstsammlung Jena pr\u00e4sentiert ausschlie\u00dflich Wechselausstellungen. Diese halten das Haus lebendig. Durch das wechselnde Programm versuchen wir ein m\u00f6glichst breites Spektrum an Besucher:innen anzusprechen und stetig neue Besuchergruppen hinzuzugewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Sie haben schon einige Ausstellungen kuratiert. Welche genau? Und was bedeutet es: KURATIEREN?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die erste in der Kunstsammlung kuratierte Ausstellung war \u201eDer ewige Wanderer. Henry van de Velde in Jena\u201c im Jahr 2013, die sich auf die Aktivit\u00e4ten des Ausnahmek\u00fcnstlers in der Saalestadt und dessen Umfeld konzentriert hat. Die zweite Ausstellung war eine Retrospektive der Jenaer K\u00fcnstlerin Erika John 2018, deren Nachlass die Kunstsammlung Jena im Jahr 2013 erhalten hatte. Die Aufarbeitung des Nachlasses, an der neben mir noch weitere Personen beteiligt waren, war ein einpr\u00e4gsames Erlebnis vor dem Hintergrund der bewegten Lebensgeschichte dieser viel zu wenig beachteten K\u00fcnstlerin. Die n\u00e4chste Ausstellung war eine \u00dcberblicksschau zu dem nahezu unbekannten K\u00fcnstler Josef Nowinka 2019. Im letzten Jahr durfte ich dann die Ausstellung zu Oska Gutheil betreuen, was eine sehr dankbare Aufgabe war, da die Zusammenarbeit mit Oska viel Spa\u00df gemacht hat. Und schlie\u00dflich habe ich einen Teil der aktuellen Ausstellung \u201eVinylikonen\u201c beigesteuert. Die Schau beruht auf einer Privatsammlung, die bereits in Konstanz gezeigt wurde. Wir haben sie auf unsere R\u00e4umlichkeiten angepasst und um die Kapitel \u201eSchallplatten in der DDR\u201c und \u201edie Schallplattenszene in Jena\u201c erweitert. Diese Erg\u00e4nzungen haben mir viel Freude bereitet, da ich nicht nur mein Wissen \u00fcber Schallplatten vergr\u00f6\u00dfern konnte, sondern auch einige Vertreter der hiesigen Vinyl-Szene kennenlernen durfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus habe ich auch viele weitere Ausstellungen kuratiert, zuletzt die Schau \u201eFlie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge\u201c im Kunstverein Gera im Jahr 2021.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wort Kuratieren stammt vom Lateinischen curare, was so viel hei\u00dft, wie \u201esorgen f\u00fcr, sich k\u00fcmmern um\u201c \u2013 und das ist f\u00fcr mich auch eine ganz passende Umschreibung. Denn eine Ausstellung kuratieren bedeutet f\u00fcr mich tats\u00e4chlich, sich um alle Aspekte zu k\u00fcmmern, die dazu f\u00fchren, dass am Ende ein stimmiges Produkt steht. Die Kuratorin oder der Kurator betreut die Ausstellung von der ersten Idee bis hin zum fertigen Rundgang \u2013 und dar\u00fcber hinaus. Denn die Ausstellung muss ja auch beworben und vermittelt werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-nowinka-2019-1000x525.jpg\" alt=\"Manuela Dix\" class=\"wp-image-8045\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-nowinka-2019-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-nowinka-2019-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-nowinka-2019-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/01\/jenakultur-mitarbeiterinnen-von-jenakultur-vorgestellt-heute-manuela-dix-ae-nowinka-2019.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">In der Ausstellung &#8222;NOWINKA. M\u00e4dchen vor Blumentapete&#8220; 2019\/2020 | \u00a9JenaKultur, Foto: Kunstsammlung<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>Was immer wieder frappiert: wieviel Vorlauf so ein Ausstellungsprojekt braucht. K\u00f6nnen Sie kurz skizzieren, welche Schritte von der Idee bis hin zur Ausstellungser\u00f6ffnung zu gehen sind und welche Zeitl\u00e4ufe man daf\u00fcr in etwa veranschlagen muss?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorlaufzeit kann bis zu mehrere Jahre betragen, je nach Umfang und Art der Ausstellung. Wenn es etwa um Leihgaben bei einem Museum geht, muss die Anfrage mancherorts mindestens ein Jahr vorher geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, ben\u00f6tigt es eine Vielzahl an Prozessen. Nachdem die Idee geboren ist, gilt es ein Konzept zu erstellen, das vor allem auch f\u00fcr F\u00f6rderantr\u00e4ge und Drittmittelakquise wichtig ist. Wie bereits erw\u00e4hnt, m\u00fcssen Leihanfragen gestellt, Leih- und Versicherungsvertr\u00e4ge geschlossen und die Transporte organisiert werden. Soll eine Begleitpublikation erscheinen? Wenn ja, dann muss ein:e Gestalter:in sowie eine Druckerei gefunden werden, Texte geschrieben bzw. Autor:innen gefunden werden. Nebenbei f\u00fchrt man K\u00fcnstler:innengespr\u00e4che, w\u00e4hlt Kunstwerke aus, die am Ende in der Ausstellung kommen sollen, l\u00e4sst gegebenenfalls Fotografien anfertigen, au\u00dferdem m\u00fcssen Drucksachen (Plakat, Faltblatt, Einladungen) angefertigt werden. In der hei\u00dfen Phase, also wenige Wochen vor Ausstellungswechsel, wird ein \u201eFahrplan\u201c f\u00fcr die am Projekt beteiligten Mitarbeiter:innen erstellt, wer wann welche Aufgabe erledigen soll. Wenn dann die Kunstwerke ankommen, ist es soweit: der Ausstellungsaufbau kann beginnen. Zun\u00e4chst werden die Werke ausgepackt und auf ihren Zustand hin \u00fcberpr\u00fcft. Anschlie\u00dfend werden sie auf ihre angedachten Pl\u00e4tze gebracht und dann mit den Technikern die einzelnen H\u00f6hen festgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende stehen Presserundgang und Vernissage, mit denen die vorbereitenden Prozesse zu einem Ende kommen. Viele der Arbeitsschritte laufen parallel ab, und nat\u00fcrlich habe ich in dieser Aufz\u00e4hlung zahlreiche kleinere Arbeiten au\u00dfer Acht gelassen, die noch dazu kommen, die jedoch hier den Rahmen sprengen w\u00fcrden. Und schlie\u00dflich ist es in der Kunst wie im Fu\u00dfball: Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was macht innerhalb eines Projektes den meisten Spa\u00df und was nervt? Wo liegen die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re nat\u00fcrlich gelogen, wenn ich sagen w\u00fcrde, die Arbeit im Museum ist ein einziges Vergn\u00fcgen. In erster Linie ist es der Abwechslungsreichtum, der mir am meisten gef\u00e4llt: Auf der einen Seite der Austausch mit K\u00fcnstler:innen und den Kolleg:innen und auf der anderen Seite das vertiefte Eintauchen in eine k\u00fcnstlerische Position.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber genie\u00dfe ich, bei all dem Stress, der in der Zeit des Ausstellungswechsels herrscht, das Arbeiten auf den Ausstellungsetagen und hier insbesondere das Stellen und Arrangieren der Kunstwerke, die Zusammenarbeit mit den Technikern und unserer Gestalterin \u2013 also die Momente, in denen die Ausstellung sichtbar Gestalt annimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der B\u00fcrokratie liegt meines Erachtens die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung: Antr\u00e4ge stellen, Formulare ausf\u00fcllen, Bestellungen aufgeben usw. Das frisst wahnsinnig viel Zeit und manchmal hat man das Gef\u00fchl, das die eigentliche Arbeit dabei in den Hintergrund ger\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>K\u00f6nnen Sie ein besonderes Erlebnis aus Ihrem Arbeitsalltag nennen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man so lange in einer Institution gearbeitet hat, dann ist das nat\u00fcrlich eine Vielzahl an Erlebnissen, die im Ged\u00e4chtnis bleiben, so z. B. mein erster Besuch bei einem K\u00fcnstler. Das war im Jahr 2009, als ich bei Achim Heidemann auf dem Sofa im Wohnzimmer sa\u00df und er mir sein k\u00fcnstlerisches Werk erl\u00e4utert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer denkw\u00fcrdiger Moment war der Besuch der Galerie Nierendorf in Berlin im Rahmen meiner Provenienzforschung. Ich durfte dort das 100 Jahre alte Lagerbuch auf Hinweise nach Eintragungen zum Jenaer Kunstverein untersuchen. Als pl\u00f6tzlich all die bekannten Namen wie Wassily Kandinsky oder Otto Dix auftauchten, wurde f\u00fcr mich Geschichte pl\u00f6tzlich greifbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr die Kunstsammlung Jena? Warum braucht Jena ein Kunsthaus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche mir f\u00fcr die Kunstsammlung zu allererst mehr Personal, denn das ist es, was am dringendsten ben\u00f6tigt wird: eine:n Mitarbeiter:in und ganz konkret eine:n Kurator:in, die oder der sich langfristig um die Kunstsammlung k\u00fcmmert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das zweite ist das Kunsthaus. Die Kunstsammlung platzt aus allen N\u00e4hten. Vor allem in den letzten Jahren ist die Sammlung um ein Vielfaches gewachsen, und es ist wirklich bedauernswert, dass all diese Kunstwerke im Depot schlummern und sie nur eine Handvoll Menschen zu sehen bekommen. Schlie\u00dflich ist es eine St\u00e4dtische Sammlung, und damit geh\u00f6rt sie auch den B\u00fcrger:innen, die unbedingt in den Genuss dieser Sch\u00e4tze kommen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem Kunsthaus k\u00f6nnte man schlie\u00dflich auch dauerhaft bestimmte Kapitel ausstellen, wie etwa das Thema Provenienzforschung oder das beeindruckende Wirken des ehemaligen Kunstvereins \u2013 das sind alles spannende Themenfelder, die unbedingt pr\u00e4sentiert geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Und last but not least: Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr sich selbst? Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche mir ganz konkret eine Verstetigung meines Vertrages, und ich kann mir durchaus vorstellen, in zehn Jahren noch in Jena t\u00e4tig zu sein. Wie bereits erw\u00e4hnt, ich arbeite sehr gern in der Kunstsammlung und w\u00fcrde gern in den n\u00e4chsten Jahren noch mehr von meinen Ideen, vorzugsweise als Kuratorin der Kunstsammlung, umsetzen \u2013 K\u00fcnstler:innen pr\u00e4sentieren, die mir am Herzen liegen und Themen aufgreifen, die meines Erachtens noch st\u00e4rker ins Licht ger\u00fcckt werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Liebe Frau Dix, herzlichen Dank f\u00fcr das interessante Gespr\u00e4ch und alles Gute!!!<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Und Sie, liebe Leser:innen unseres Blogs: Sagen Sie uns doch bitte, welche Jenaer Kunstausstellung in den letzten f\u00fcnf bis zehn Jahren Sie am meisten beeindruckt hat und warum? Gibt es aus Ihrer Sicht Themen oder K\u00fcnstler:innen, die unbedingt einmal in den Fokus geh\u00f6rten? Und schlie\u00dflich: verfolgen Sie die Debatte um ein Kunsthaus f\u00fcr Jena? Mit welcher Meinung?<br>Wie immer freuen wir uns auf Ihr Feedback.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jenakultur, der st\u00e4dtische Eigenbetrieb f\u00fcr Kultur, Kulturelle Bildung und Tourismus lebt vom Engagement seiner Mitarbeiter:innen. Sie besetzen vielf\u00e4ltige Positionen und beackern unterschiedlichste Aufgabenfelder. Um einen Eindruck zu vermitteln, welchen Herausforderungen sich so ein gro\u00dfer Kulturtanker stellen muss, portr\u00e4tieren wir in unserem Blog immer mal wieder Mitarbeiter:innen. Heute Manuela Dix, Co-Kuratorin in der Kunstsammlung Jena!<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":8039,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,9,18,24],"tags":[287,708,140,751,195],"class_list":["post-8020","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-jenakultur","category-kunstsammlung","category-staedtische-museen","tag-ausstellung","tag-kunsthaus","tag-kunstsammlung","tag-mitarbeiterinnen-bei-jenakultur","tag-staedtische-museen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8020"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8058,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8020\/revisions\/8058"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8039"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}