{"id":6243,"date":"2022-03-22T07:19:00","date_gmt":"2022-03-22T06:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=6243"},"modified":"2022-03-23T08:22:07","modified_gmt":"2022-03-23T07:22:07","slug":"als-alphatier-ist-man-ungeeignet-fuer-diesen-job","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2022\/03\/22\/als-alphatier-ist-man-ungeeignet-fuer-diesen-job\/","title":{"rendered":"\u201eAls Alphatier ist man ungeeignet f\u00fcr diesen Job\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Mit Headset im Ohr und tausend Sachen im Kopf schwirren sie am Konzertabend umher, alle F\u00e4den laufen bei ihnen zusammen. Heike Faude und Kristjan Schmitt sind die ehemalige und aktuelle Produktionsleitung der <a href=\"https:\/\/www.kulturarena.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kulturarena<\/a> und ich will wissen: Sind sie wie die Spinne im Netz oder einfach gute Vermittler? Wir treffen uns zum Gespr\u00e4ch in der weitl\u00e4ufigen Backstage-Area der Kulturarena \u2013 der mit reichlich Industriecharme hergerichtete Garderoben- und Bar-Bereich im <a href=\"https:\/\/www.theaterhaus-jena.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theaterhaus<\/a>. Die beiden kennen sich gut als Heike und Kristjan, sie wird von ihm immer noch mit \u201eChefin\u201c begr\u00fc\u00dft und auch mir sofort das Du angeboten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was macht eine Produktionsleitung?<\/strong><\/p>\n<p>KRISTJAN: (lacht) Alles!<\/p>\n<p>HEIKE: W\u00e4re auch meine erste spontane Antwort gewesen, alles!<\/p>\n<p>KRISTJAN: Du bist verantwortlich f\u00fcr das gesamte Festival, ben\u00f6tigst den \u00dcberblick und musst einen klaren Kopf behalten und alle beteiligten Gewerke, Kollegen und Kolleginnen immer abholen, einbinden und das Ganze einfach gut durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>HEIKE: Ja, noch globaler beantwortet, k\u00f6nnte man sagen, dass man alles wissen, kennen und erkennen muss \u2013 und das dann <em>verteilen<\/em>. Es ist kein Unterschied, ob du eine Produktionsleitung in der <a href=\"https:\/\/www.villa-rosenthal-jena.de\/de\/startseite\/682774\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Villa Rosenthal<\/a> mit einem Solopianist machst oder ein 3000er Konzert. Der Auftrag ist immer derselbe.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6240\" aria-describedby=\"caption-attachment-6240\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"longdesc-return-6240\" class=\"size-large wp-image-6240\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-faudekulturarenajena-hjohn-1000x525.jpg\" alt=\"Heike Faude sitzt auf einer Couch im Backstage\" longdesc=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur?longdesc=6240&amp;referrer=6243\" width=\"900\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-faudekulturarenajena-hjohn-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-faudekulturarenajena-hjohn-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-faudekulturarenajena-hjohn-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-faudekulturarenajena-hjohn-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-faudekulturarenajena-hjohn-1314x690.jpg 1314w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-faudekulturarenajena-hjohn-1320x693.jpg 1320w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-faudekulturarenajena-hjohn.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6240\" class=\"wp-caption-text\">Heike Faude, langj\u00e4hrige Produktionsleiterin der Kulturarena \u00a9Kulturarena Jena, H. John<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ihr k\u00f6nnt mich gern mal durch euer Jahr f\u00fchren.<\/strong><\/p>\n<p>KRISTJAN: Vor dem Festival ist nach dem Festival. Manchmal laufen Planungen auch \u00fcber mehrere Jahre \u2026<\/p>\n<p>HEIKE: \u2026 wie zum Beispiel Anpassungen an eine Baustellensituation \u2026<\/p>\n<p>KRISTJAN: Ja unbedingt! So richtig Luft gibt\u2019s eigentlich nie. Es gibt manchmal Phasen, in denen hat man ein bisschen mehr Zeit f\u00fcr Recherche. Die Kulturarena sollte 2020 und 2021 ins \u201ekleine Paradies\u201c umziehen \u2013 da gab es viel Vorarbeit. Es gab eine gr\u00fcne Wiese und sonst nichts. Strom, Wasser, Abwasser. Was passiert mit dem Rasen? Ich brauche Toiletten, Gastrost\u00e4nde \u2013 ich muss eine komplette Infrastruktur schaffen. Ich muss alles beleuchten. Ich brauche ein gutes Besucherleitsystem, ein gutes Fluchtwegsystem. Also das ist schon sehr vielf\u00e4ltig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Planung f\u00fcr ein ganzes eigenes Festival liegt jetzt also in der Schublade. Wird da nochmal was draus?<\/strong><\/p>\n<p>KRISTJAN: Gute Frage, das h\u00e4ngt ein bisschen von der Stadtentwicklung ab. Ich fand den Ort ehrlicherweise ganz charmant \u2013 auch wenn jetzt zum 30-J\u00e4hrigen die Kulturarena an dem Ort stattfindet, wo sie entstanden und verortet ist und das ist dann auch einfach sch\u00f6n. Ich komme aus Weimar und war immer neidisch auf Jena und dieses Festival. Sechs Wochen im Sommer in der Stadt mit so einem Programm, mit so einem Line-Up, so vielen K\u00fcnstlern, international aufgestellt. Ich fand das immer toll, das ist was ganz Besonderes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gehen wir vielleicht nochmal zur\u00fcck in den Jahresverlauf, um die Klammer zu schlie\u00dfen \u2026<\/strong><\/p>\n<p>HEIKE: Die erste Phase im Herbst ist so die \u201eFindungs- und Finanzierungsphase\u201c. Man schaut sich das alte Jahr an, stellt neue Antr\u00e4ge, \u00fcberlegt was man vielleicht nachjustieren kann und muss. Dann die Sponsorensuche. Darauf folgt eine recht lange Zeit der Programmphase, jedes Jahr werden neue Erfahrungen eingebracht. Man muss sich mit den Partnern abstimmen: Wann darf ich \u00fcberhaupt ins Theaterhaus, was haben die f\u00fcr Pl\u00e4ne? Oder der <a href=\"https:\/\/film-jena.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Film e.V.<\/a> \u2013 wie arbeiten die n\u00e4chstes Jahr?<\/p>\n<p>Danach kommt die Bewerbungsphase, in der man das Marketing vorbereitet. Und dann kommen flie\u00dfend die logistischen Dinge dazu, f\u00fcr die eigentlich der Begriff Produktionsleitung steht. Da gibt es irgendwann auch den \u201epoint of no return\u201c, du wei\u00dft: Ab jetzt musst du das bis Ende August durchhalten. Du kannst dem nicht mehr entfliehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie viele Menschen m\u00fcsst ihr da koordinieren, wer ist alles an der Arena beteiligt?<\/strong><\/p>\n<p>HEIKE: Es bewegt sich zwischen 100 und 200 w\u00fcrde ich sagen. Das Kernteam besteht aus 30 bis 40 Leuten, die direkt daf\u00fcr angestellt sind. Alle anderen machen die Zuarbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es klingt nach einem Job, bei dem \u2013 egal, wie gut man plant \u2013 immer etwas schief gehen wird.<\/strong><\/p>\n<p>KRISTJAN: Es kommt immer anders.<\/p>\n<p>HEIKE: Ja, das ist die Herausforderung f\u00fcr die Produktionsleitung: Dass es eben <em>nicht<\/em> schief geht. Wenn am Nachmittag der Anruf kommt, dass eine Band im Stau steht, musst du einen k\u00fchlen Kopf bewahren und sagen: Ich lass mir was anderes einfallen.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Ja, als Head hast du immer noch einen Plan B oder C in der Tasche und gehst die Kompromisse ein, die dann eben doch einen guten Ablauf sicherstellen.<\/p>\n<p>HEIKE: Es gibt Jahre, die laufen ohne Programm\u00e4nderung durch und in manchen Jahren ist der Wurm drin. 2017 haben uns vier oder f\u00fcnf Bands abgesagt und einer der neugebuchten Termine wurde uns einen Tag vorher wegen Krankheit wieder abgesagt. Da musst du dir was einfallen lassen. Wir haben was ziemlich Cooles gemacht, ist durch ein Flurgespr\u00e4ch entstanden. Mir spukten einige Bands aus Jena im Kopf rum und dann lief die Bookerin von <a href=\"http:\/\/www.babayagaband.de\/band.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Babayaga<\/a> vorbei. Und einenTag sp\u00e4ter haben sie dann vor 1500, 2000 Leuten gespielt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6237\" aria-describedby=\"caption-attachment-6237\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"longdesc-return-6237\" class=\"size-large wp-image-6237\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-kulturarena-2018jenakultur-cworsch-1000x287.jpg\" alt=\"KulturArena Jena, 2018, sehr viele Menschen feiern und tanzen auf dem Theatervorplatz zur Kulturarena\" longdesc=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur?longdesc=6237&amp;referrer=6243\" width=\"900\" height=\"258\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-kulturarena-2018jenakultur-cworsch-1000x287.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-kulturarena-2018jenakultur-cworsch-500x143.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-kulturarena-2018jenakultur-cworsch-768x220.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-kulturarena-2018jenakultur-cworsch.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6237\" class=\"wp-caption-text\">Kulturarena Jena, 2018 \u00a9JenaKultur, C. Worsch<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie sah eigentlich eure \u00dcbergabe aus, hattet ihr ein gemeinsames Jahr?<\/strong><\/p>\n<p>HEIKE: Kein ganzes Jahr, vielleicht waren es am Ende 4 Monate, 2 Wochen davon Festival. Das w\u00e4re schwierig geworden, wenn da jemand gekommen w\u00e4re, der den Job noch nie gemacht hat.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Ich denke, es hat geholfen, dass ich ein Teamplayer bin. Wenn du dich hier wie ein Alphatier benimmst, mit dem Kopf vorneweg nach dem Motto: \u201eWas ich mir vorgenommen habe, das MUSS jetzt passieren!\u201c \u2013 dann geht das schief. Das gibt es leider immer wieder, aber hier kann ich es mir schlecht vorstellen.<\/p>\n<p>HEIKE: Da sind wir uns vom Naturell sehr \u00e4hnlich, deswegen lief die \u00dcbergabe auch so problemlos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn jemand euren Job so richtig in den Sand gesetzt h\u00e4tte, wie w\u00fcrde ich das als Zuschauer bemerken?<\/strong><\/p>\n<p>HEIKE: Eine Kleinigkeit hab ich immer nicht hingekriegt, das kann ich mal erz\u00e4hlen als lustige Geschichte (beide lachen). Bei ausverkauften Konzerten wurde irgendwann immer die Seife alle. Regelm\u00e4\u00dfig kam unser Alt-Oberb\u00fcrgermeister Albrecht Schr\u00f6ter nach vorn und hat mich darauf hingewiesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Oberb\u00fcrgermeister selbst, nicht schlecht. <\/strong><\/p>\n<p>HEIKE: Ja. Vielleicht ist das kein gutes Beispiel, eigentlich hat man die Aufgabe ja verteilt und es gibt jemanden, der sich k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Ich finde schon. Klar, man hat es abgegeben, aber dann ist auch der Punkt: Wie kontrolliert man das nach? Vielleicht gibt das eine Vorstellung davon, wie voll unser Kopf w\u00e4hrend des Festivals ist. Da tickern so viele Sachen hoch und runter. Ich schlaf immer schlecht und auch sehr d\u00fcnn.<\/p>\n<p>HEIKE: Es gibt viele Fallnetze. Am Ende muss man das Festival auch emotional zusammenhalten. Eine schlechte Arbeit w\u00fcrde sich im Nachgang des Festivals bemerkbar machen, weil niemand mehr Lust darauf h\u00e4tte. Alle w\u00fcrden abspringen. Sehr verheerend w\u00e4re auch, wenn man den richtigen Punkt f\u00fcr den Veranstaltungsabbruch verpennt. Das ist eine reine Erfahrungssache. Ich muss sagen, das Wetter hat sich in den letzten Jahren auch sehr ver\u00e4ndert, ist unberechenbarer geworden.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Absolut, es hat sich ver\u00e4ndert. Vor 10 oder 15 Jahren war das nicht das gleiche Thema. Mittlerweile geht das so schnell. Generell hat die Veranstaltungssicherheit einen viel h\u00f6heren Stellenwert. Man muss nicht gleich mit Woodstock kommen, aber nat\u00fcrlich sind diese Sachen alle so nicht mehr zul\u00e4ssig. Und es sind Ungl\u00fccke passiert in den letzten Jahren, die mit Menschenmassen, Fluchtwegen und Panik zu tun hatten. F\u00fcr die Person, die den Hut aufhat, ist so ein Konzert am Ende kein Genuss. Der Moment, an dem der Soundcheck l\u00e4uft, ist der einzige, bei dem ich mal wirklich zuh\u00f6ren kann, vielleicht ein bis zwei Titel. Aber w\u00e4hrend die G\u00e4ste Spa\u00df haben, bin ich im Tunnel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>(An Heike Faude) War das bei dir genauso?<\/strong><\/p>\n<p>HEIKE: Wenn das nicht so ist, dann machst du deinen Job falsch.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Lieblingsband und in der Menge stehen, das hab ich im Job noch nicht erlebt.<\/p>\n<p>HEIKE: Mich h\u00e4tte man auch nicht mit einem Glas Wein erwischt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auch nicht nach der Zugabe?<\/strong><\/p>\n<p>HEIKE: Da ist noch nichts fertig. Die Zuschauer m\u00fcssen ja noch alle vom Platz. Und die Band hat noch nicht eingepackt.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Ja, wenn die verladen haben und alles ist auf den Null-Zustand f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag gebracht, dann ist mal ein kurzes Innehalten m\u00f6glich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie lange ist denn dann so ein Tag insgesamt?<\/strong><\/p>\n<p>KRISTJAN: Das d\u00fcrfen wir nicht sagen (beide lachen). Am Ende bist du einfach da, den ganzen Tag. Wenn jemand mit einem Problem oder einer L\u00f6sung kommt, die kommen immer zu dir. Und du bist da.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie erlebt ihr nach so einem langen Tag solche Momente wie bei <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/fabermusik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Faber<\/a>, wenn die Band 22 Uhr unplugged noch eine halbe oder ganze Stunde drauflegt?<\/strong><\/p>\n<p>KRISTJAN: Ich find\u2019s sch\u00f6n. Damit kann ich total gut leben. Die Leute gehen super gl\u00fccklich nach Hause und tragen das nach au\u00dfen. Das ist am Ende das, was wir wollen. Das sehe ich als gro\u00dfes Kompliment f\u00fcr unsere Arbeit, wenn sich die K\u00fcnstler so wohlf\u00fchlen, dass sie sowas machen. Wenn die Bands auf vielen gro\u00dfen Festivals so beengt sind, sowohl im Backstage als auch mit ihren 30 bis 60 Minuten auf der B\u00fchne, ist einfach kein Platz f\u00fcr sowas.<\/p>\n<p>HEIKE: Viel schlimmer ist es, wenn die Band nach 45 bis 60 Minuten von der B\u00fchne geht. (Heike lacht, weil Kristjan die H\u00e4nde vors Gesicht geschlagen hat). Du versuchst vielleicht hinter der B\u00fchne kurz mit denen zu reden: \u201eSpielt noch eine Zugabe!\u201c. Aber es ist ein ganz beschissener Moment.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Ja.<\/p>\n<p>HEIKE: Da merkst du richtig, wie dir alles aus den Fingern gleitet. Weil im Kopf der Film gespielt wird, was jetzt alles kommt: Die Zuschauer, die ungl\u00fccklich rausgehen und das sofort am Personal auslassen.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Es ist so ein h\u00e4sslicher Moment, das kann ich nur best\u00e4tigen. Das ist teils auch den gro\u00dfen Festivals geschuldet, bei denen nur die 60 Minuten gehen.<\/p>\n<p>HEIKE: Bei Adam Green war es zum Beispiel so, er ist dann aber nochmal rausgekommen und hat von vorn angefangen.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Bei mir war es bei den Parcels, das haben die Leute extrem gefeiert und es war super. Aber nach 60 Minuten gingen sie von der B\u00fchne und kamen nicht wieder raus. Wir hatten noch eine kleine Vorband, weil wir wussten, da kommt nicht so viel. Aber es ist nat\u00fcrlich schade.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6241\" aria-describedby=\"caption-attachment-6241\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"longdesc-return-6241\" class=\"size-large wp-image-6241\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-schmittjenakulturcworsch-1000x525.jpg\" alt=\"Kristjan Schmitt, Projektleiter KulturArena Jena, steht vor dem Theaterhaus Jena, dem Veranstaltungsort der Kulturarena\" longdesc=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur?longdesc=6241&amp;referrer=6243\" width=\"900\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-schmittjenakulturcworsch-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-schmittjenakulturcworsch-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-schmittjenakulturcworsch-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-schmittjenakulturcworsch-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-schmittjenakulturcworsch-1314x690.jpg 1314w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-schmittjenakulturcworsch-1320x693.jpg 1320w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-schmittjenakulturcworsch.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6241\" class=\"wp-caption-text\">Kristjan Schmitt, Produktionsleiter Kulturarena Jena \u00a9JenaKultur, C. Worsch<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Bei <a href=\"https:\/\/www.giant-rooks.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Giant Rooks<\/a> war es auch mal sehr knapp, sie kamen dann raus und haben \u201aWild Stare\u2018 einfach nochmal gespielt. <\/strong><\/p>\n<p>KRISTJAN: Ja, die haben das ganz transparent gemacht: \u201eWir haben nicht so viel.\u201c In dem Jahr hatten die ja auch einen mega Aufstieg. Die k\u00f6nnten wir heute vermutlich gar nicht mehr machen. Als Einzelkonzert hatten sie auch noch nicht vor 3000 Leuten gespielt, da waren sie hin und weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Findet ihr es schade, dass euer Beruf so unsichtbar bleibt? (Kristjan lacht) Ich meine f\u00fcr die Zuschauer am Abend. <\/strong><\/p>\n<p>KRISTJAN: Ich mach meinen Beruf gern und muss nicht auf der gro\u00dfen B\u00fchne stehen. Ich m\u00f6chte, dass die Arbeit intern gesehen und honoriert wird. Aber zu sagen: \u201eKlatscht mal f\u00fcr mich!\u201c \u2013 das brauche ich nicht.<\/p>\n<p>HEIKE: Am Abend ist es wunderbar, unsichtbar zu sein. Gerade wenn es Probleme gibt (beide lachen). Ansonsten habe ich mich immer ausreichend sichtbar gef\u00fchlt. Wir haben tausend Interviews. Ich glaube, die Einsch\u00e4tzung ist nicht ganz richtig.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Am Ende ist man an so einem Abend schon sichtbar f\u00fcr alle, die Bescheid wissen. Manchmal w\u00fcnsche ich mir einen kleinen Tunnel, in dem ich von A nach B laufen kann, ohne dass dich jemand anquatscht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oder einen Tarnumhang?<\/strong><\/p>\n<p>KRISTJAN: Sowas w\u00e4re ganz hilfreich.<\/p>\n<p>HEIKE: Es ist auch eine Typfrage. Jemand, der sichtbar sein will, kann sich sein Podium holen. Kristjan h\u00e4tte auch vor jedem Konzert eine Ansprache halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Das ist dann wieder diese Alphafrage.<\/p>\n<p>HEIKE: Ich w\u00fcrde die These wagen, dass man als Alphamensch ungeeignet ist f\u00fcr eine Produktionsleitung.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Ja, es gibt auf jeden Fall deutlich mehr Reibung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ich w\u00fcrde die These wagen, dass man auch f\u00fcr das Amt eines russischen Pr\u00e4sidenten als Alphamensch ungeeignet ist. <\/strong><\/p>\n<p>HEIKE: Es gibt Jobs, da f\u00e4llt es weniger auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Letzte Frage: Kulturarbeit in Th\u00fcringen war vermutlich noch nie leicht, in den letzten beiden Jahren nochmal besonders schwierig. Wie schaut ihr unter diesem Stern auf die n\u00e4chsten Jahre der Arena?<\/strong><\/p>\n<p>HEIKE: Meine gr\u00f6\u00dfte Sorge sind sich ver\u00e4ndernde politische Verh\u00e4ltnisse. Den Zuschuss f\u00fcr das Theaterhaus wollte die AfD auf 0 \u20ac k\u00fcrzen. Solche Antr\u00e4ge gibt es im Stadtrat. Die freie Szene oder die, die kritische Kunst machen, sind dadurch nochmal besonders gef\u00e4hrdet. Bei der Kulturarena sehe ich das weniger, da ist man \u2013 egal welcher Str\u00f6mung man angeh\u00f6rt \u2013 eher bereit, das f\u00fcr sich zu nutzen. Ich denke allerdings nicht, dass es allein durch Corona langfristigen Schaden in der Kultur geben wird.<\/p>\n<p>KRISTJAN: Man macht sich ein bisschen Sorgen, dass sich viele Leute andere Jobs gesucht haben. Da m\u00fcssen wir sehen, wie uns das diesen Sommer belasten wird. Einige Druckereien haben zugemacht, manche mit 150-j\u00e4hriger Geschichte. Das ist echt bitter. Eine gro\u00dfe Hoffnung ist, dass wir im Herbst nicht wieder am selben Punkt wie vor zwei Jahren stehen. Ob die erf\u00fcllt wird, wei\u00df keiner. Da h\u00e4tte ich gern mehr Weitblick und mehr Sicherheit.<\/p>\n<p>HEIKE: Ich bin ein bisschen gehemmt seit gestern (gemeint ist der 24.02.22, Tag des russischen Einmarschs in die Ukraine). Mir macht es Sorgen, ob die Welt kippt. Da geht es nicht mehr um Fragen wie \u201eKriegt die Hochkultur mehr als die Subkultur?\u201c. Wenn die Freiheit weg ist, ist alles weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ich danke f\u00fcr eure Zeit und das sch\u00f6ne Gespr\u00e4ch.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-friedrichherrmannjenakultur-cworsch-blog-1000x525.jpg\" alt=\"Friedrich Herrmann Portrait vor Grafiti-Wand\" class=\"wp-image-6320\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-friedrichherrmannjenakultur-cworsch-blog-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-friedrichherrmannjenakultur-cworsch-blog-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-friedrichherrmannjenakultur-cworsch-blog-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/03\/jenakultur-friedrichherrmannjenakultur-cworsch-blog.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>\u00a9C. Worsch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Friedrich Herrmann: 30 Jahre Kulturarena \u2013 was f\u00fcr ein sch\u00f6ner Anlass, um all die Menschen kennenzulernen, die diesem herausragenden Festival \u00fcber die Jahre ihren Stempel aufgedr\u00fcckt haben! Als Stadtschreiber mache ich genau das \u2013 zusammen mit Florian Ernst. Lasst gern Feedback da, hier in den Kommentaren, auf meiner <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/fryherr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Facebookseite<\/a> oder bei <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/fryherr\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Instagram<\/a>. Ich freu mich sehr auf eure Nachrichten!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Headset im Ohr und tausend Sachen im Kopf schwirren sie am Konzertabend umher, alle F\u00e4den laufen bei ihnen zusammen. Heike Faude und&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":6286,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,706,15],"tags":[847,344,178,73],"class_list":["post-6243","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-kultur-in-jena","category-kulturarena","tag-30-jahre-kulturarena","tag-heike-faude","tag-kristjan-schmitt","tag-mitarbeiter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6243","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6243"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6243\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6335,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6243\/revisions\/6335"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6286"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}