{"id":6055,"date":"2022-03-04T07:27:00","date_gmt":"2022-03-04T06:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=6055"},"modified":"2022-03-03T10:33:48","modified_gmt":"2022-03-03T09:33:48","slug":"sag-beim-abschied-leise-servus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2022\/03\/04\/sag-beim-abschied-leise-servus\/","title":{"rendered":"&#8222;Sag&#8216; beim Abschied leise Servus!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<h3>Thomas Vogl, langj\u00e4hriger Kaufm\u00e4nnischer Leiter von JenaKultur, verl\u00e4sst den Eigenbetrieb<\/h3>\n\n\n\n<p><em>Es<\/em> g<em>eh\u00f6rt zum Leben dazu, dass sich Wege trennen und Dinge ver\u00e4ndern. In den letzten beiden Pandemie-Jahren haben wir allerdings so viele markante Kolleg:innen in den Ruhestand verabschiedet, dass sich bei JenaKultur das starke Gef\u00fchl von einem Generationswechsel breit macht. Das ist ganz und gar nichts Schlechtes, im Gegenteil: die Jungen sollen und m\u00fcssen ran, \u00fcberall in der Gesellschaft, denn sie sind die Zukunft. Gleichwohl haben wir diesmal, offen gestanden, eine Tr\u00e4ne im Knopfloch, denn da hei\u00dft es einen verabschieden, der diesen Eigenbetrieb sehr stark mitgepr\u00e4gt und zu dem gemacht hat, was er heute ist<\/em>, eine<em> Erfolgsgeschichte. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir haben mit Thomas Vogl gesprochen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lieber Thomas, kaum zu glauben, dass Du JenaKultur verl\u00e4sst! Du bist, obwohl Du zur Geburtsstunde des Eigenbetriebs ja noch gar nicht dabei warst, sowas wie ein gef\u00fchlter Gr\u00fcndungsvater, vielleicht weil Du JenaKultur in den letzten 15 Jahren ma\u00dfgeblich mit aufgebaut, geformt hast?! Ehe Du Dich nun nur noch den sch\u00f6nen Dingen widmen darfst, m\u00f6chten wir Deine Zeit bei uns noch einmal ein wenig Revue passieren lassen. Erz\u00e4hle noch einmal ein bisschen von jenem wunderbaren Anfang (wann genau), dem welcher Zauber innewohnte? Wie bist Du als &#8222;Wessi&#8220; \u2013 sorry \u2013 auf uns aufmerksam geworden? Was hat Dich zu einer Bewerbung bewogen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich war damals in einer Steuerkanzlei im sch\u00f6nen Schwarzwald besch\u00e4ftigt. Auf eigenen Wunsch hatte ich mein festangestelltes Arbeitsverh\u00e4ltnis in eine Honorarbesch\u00e4ftigung umgewandelt. Ich wollte einfach noch einmal, damals war ich zarte 48 Jahre alt, etwas dazu lernen und brauchte frei gestaltbare Zeit. Anfang der 2000er Jahre begannen die Kommunen nach und nach von der Kameralistik auf die Doppik umzustellen. Mit der doppelten Buchhaltung kannte ich mich aus (behaupte ich einfach mal), mit der Kameralistik \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuf\u00e4llig las ich Mitte 2005 in irgendeinem Journal, dass der Kultureigenbetrieb <a href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">JenaKultur<\/a> (damals hie\u00df der noch KMJ) eine Leitung der Buchhaltung zur Elternzeitvertretung sucht. Das war es! Ein bezahltes Praktikum in einer Kommune.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Vorstellungsgespr\u00e4ch wurde ich von Regina Auerswald (Aui) zu einem Einstellungsgespr\u00e4ch eingeladen. Leider war der TV\u00d6D und\/oder der Eigenbetrieb nicht willens, ein Gehalt zu bieten, das meine Kosten, wie 2. Wohnsitz, Heimfahrten und \u00e4hnliches, abdecken konnte. Schweren Herzens sagte ich ab. Da ich aber immer noch Kameralistik (hier speziell die Umwandlung von Anlageverm\u00f6gen aus der Kameralistik in die Doppik) lernen wollte, bot ich Aui an, bei diesem Thema beratend und unterst\u00fctzend auf Honorarbasis zu helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im November 2005 rief mich der Eigenbetrieb an und fragte nach, ob ich bereit w\u00e4re, f\u00fcr drei Monate eine krankheitsbedingte Vertretung als Kaufm\u00e4nnischer Leiter zu \u00fcbernehmen. Diesmal war die Bezahlung besser, das war ja auch eine &#8222;h\u00f6herwertige Position&#8220; \u2013 wie das so sch\u00f6n hei\u00dft, und ich nahm an.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 01.12.2005 war mein erster Arbeitstag bei JenaKultur \u2013 geplant f\u00fcr ganze 3 Monate. Meine wichtigste Aufgabe sollte die Erstellung der Er\u00f6ffnungsbilanz des Unternehmens auf den 01.01.2005 sein. Bisschen sp\u00e4t, aber was soll&#8217;s. Eine Er\u00f6ffnungsbilanz ist kein gro\u00dfes Hexenwerk, also war das flott erledigt und der Wirtschaftspr\u00fcfer zufrieden. Ende Januar 2006 begann ich mit der Schlussbilanz auf den 31.12.2005. Das war bis zum 28.02.2006, solange lief mein Vertretungsvertrag, nicht zu schaffen, und ich hinterlie\u00df die &#8222;Unvollendete&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 14.04.2006 wurde ich angerufen und gebeten, die Schlussbilanz f\u00fcr 2005 zu beenden. Die Wirtschaftspr\u00fcfer hatten sich f\u00fcr den 2. Mai angek\u00fcndigt. Zum Gl\u00fcck konnte ich einige andere Termine umbuchen und nahm den Auftrag an. In den folgenden 17 Tagen hatte ich keinen einzigen freien Tag, aber die Bilanz wurde fertig.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend wurde mir er\u00f6ffnet, dass JenaKultur eine neue Kaufm\u00e4nnische Leitung sucht und ob ich bis zum Ende des Ausschreibungsverfahrens diese Positionen \u00fcbernehmen k\u00f6nnte. Ich sagte zum 01.06.2006 zu und blieb \u2013 erstmal.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jena sollte ja gar keine Dauerstation in Deinem Leben werden. Und doch bist Du hier h\u00e4ngen geblieben. Wie kam denn das? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;gef\u00fchlt&#8220; unm\u00f6gliche Kombination aus Betriebswirtschaft und Kultur begann mich zu faszinieren, und so habe ich mich kurz vor dem Ende der Ausschreibungsfrist beworben und mich dann auch gegen die Mitbewerber durchgesetzt. Am 01.02.2007 wurde ich als Kaufm\u00e4nnischer Leiter fest angestellt. Selbst damals war mir noch keinesfalls klar, dass dies die letzte Arbeitsstation meines Lebens werden w\u00fcrde. Aber es gab so viel zu tun und, je tiefer ich in die Kultur einstieg, umso spannender wurde es.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/02\/jenakultur-volksbad-eroeffnungjenakultur-sreuter-1000x525.jpg\" alt=\"Thomas Vogl und andere G\u00e4ste bei der feierlichen Er\u00f6ffnung des Volksbads Jena zur JenaKultur-Zentrale 2007\" class=\"wp-image-6090\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/02\/jenakultur-volksbad-eroeffnungjenakultur-sreuter-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/02\/jenakultur-volksbad-eroeffnungjenakultur-sreuter-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/02\/jenakultur-volksbad-eroeffnungjenakultur-sreuter-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2022\/02\/jenakultur-volksbad-eroeffnungjenakultur-sreuter.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Eines der Highlights in 16 Jahren JenaKultur: Thomas Vogl (Mitte) bei der feierlichen Wiederer\u00f6ffnung des Volksbads Jena 2007 | \u00a9JenaKultur, S. Reuter<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Du hast einige Dinge bei JenaKultur gerade in kaufm\u00e4nnischer Hinsicht auf den Weg gebracht, neu eingef\u00fchrt usw. Erz\u00e4hle mal ein wenig \u00fcber Motive und Erfahrungen und Projekte! Nicht immer hast Du ja \u2013 um es gelinde auszudr\u00fccken \u2013 Beifallsst\u00fcrme daf\u00fcr geerntet. Woher hast Du das Selbstbewusstsein genommen, Dinge auch gegen Widerst\u00e4nde durchzusetzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es waren viele kleine Dinge, wie sie im Laufe eines jeden Unternehmens, insbesondere in Zeiten der Digitalisierung \u2013 und die hat nicht erst in den letzten 2 Jahren begonnen \u2013, umgesetzt und umgestellt werden m\u00fcssen. Zwei Eckpfeiler sind allerdings besonders zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Anfang gab es bei JenaKultur kein Controlling. Man war der Meinung, das schafft die kaufm\u00e4nnische F\u00fchrung in Personalunion. Klappt aber nicht. Also habe ich begonnen, mich nach einer Software umzuschauen, die Buchhaltung und Kostenrechnung f\u00fcr 10 verschiedene Buchungskreise (= Unternehmen) aus einer Hand abbilden kann. DATEV konnte das damals nicht und SAP war zu teuer. So sind wir bei CSS gelandet. Die Umstellung auf ein ERP-System war f\u00fcr die Kolleginnen der Buchhaltung nicht einfach. Nach Einf\u00fchrung von CSS machte ich mich daran, eine Kostenstellen- und Kostentr\u00e4gerrechnung aufzubauen. Ich habe mich drei Tage in mein B\u00fcro, damals noch in der Grietgasse, eingeschlossen und die W\u00e4nde mit gro\u00dfen DIN-A1-Plakaten tapeziert. Fragt mal die Kolleginnen der Buchhaltung. Die haben nur den Kopf gesch\u00fcttelt. Dieses System besteht im Gro\u00dfen und Ganzen bis heute (sollte jetzt aber mal gr\u00fcndlich \u00fcberarbeitet werden).<\/p>\n\n\n\n<p>Um das alles auch nutzen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigte es auch ein funktionierendes Controlling. Nach einigem Hin und Her, auch mit der Politik, habe ich es dann geschafft, ab 2010 ein zweik\u00f6pfiges Team aufzubauen. Hier &#8222;half&#8220; auch die einzige finanzielle Krise im Jahr 2009, die der Eigenbetrieb zu \u00fcberstehen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Was jetzt noch fehlte, war ein Materialwirtschaftsprogramm. Diese Systeme arbeiten tagesaktuell, w\u00e4hrend Daten aus der Buchhaltung immer zeitversetzt im Controlling ankommen. Hier erntete ich heftige Kritik. Vom &#8222;gl\u00e4sernen&#8220; Mitarbeiter wurde gesprochen, um mal die heftigen Bezeichnungen mir gegen\u00fcber wegzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Erfolg hat mir recht gegeben. Seit der Einf\u00fchrung von Integris im Jahr 2014 haben wir immer die volle Kontrolle \u00fcber die Budgets und k\u00f6nnen regulierend eingreifen. Voraussetzung daf\u00fcr ist nat\u00fcrlich auch, dass sich alle an die Vorgaben halten. Hier ist in letzter Zeit allerdings eine deutlich sinkende Toleranz gegen\u00fcber der Transparenz zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier hast du auch die Antwort, woher ich das Selbstvertrauen nehme, unangenehme Dinge gegen Widerstand durchzusetzen. Wenn ich von etwas wirklich \u00fcberzeugt bin, wenn ich wei\u00df, dass alle davon profitieren und es der Sache dient, dann mache ich das auch. Klar, kann sowas auch einmal schief gehen, aber hier hat es ja funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neu f\u00fcr Dich war, denke ich, auch die enge Verzahnung mit der Politik. Wie hast Du die erlebt? Wie bist Du in diese Konstellationen und Erfordernisse hineingewachsen?<\/strong><br><br>Gaaaanz langsam. Ich habe zwar schnell gemerkt, dass die meisten Politiker:innen der Kultur und damit JenaKultur sehr gewogen sind, dennoch hatte ich geh\u00f6rigen Respekt vor den Aussch\u00fcssen. Mit der Zeit wurde ich jedoch immer akzeptierter, und damit stieg dann auch die innere Ruhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte diese Gelegenheit nutzen, allen Ausschussmitgliedern sehr herzlich f\u00fcr die 16-j\u00e4hrige gute Zusammenarbeit zu danken und w\u00fcnsche ein weiterhin gl\u00fcckliches H\u00e4ndchen und K\u00f6pfchen bei den Entscheidungen f\u00fcr die Kultur in Jena und vor allem den Eigenbetrieb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In den letzten Jahren hat Dich der <a href=\"https:\/\/engelplatz.jena.de\/de\/startseite\/809530\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bibliotheksneubau<\/a> stark besch\u00e4ftigt. Daneben die digitale Bestandserfassung in den Museen. Und etliches mehr. Erz\u00e4hle mal.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alles was neu ist, fasziniert mich. Deshalb habe ich auch immer versucht, Dinge anzugehen, die ich noch nie gemacht habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war ja auch ca. 18 Monate Direktor der <a href=\"https:\/\/www.stadtbibliothek-jena.de\/de\/startseite\/700073\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ernst-Abbe-B\u00fccherei <\/a>und 6 Monate Direktor der <a href=\"https:\/\/www.mks-jena.de\/de\/startseite\/548415\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Musik- und Kunstschule Jena<\/a>. Es gab bei beiden Einrichtungen Probleme bei der Nachbesetzung der Direktor:innen-Stellen. Bevor v\u00f6lliges Chaos entstehen konnte, habe ich mich, neben meinen Aufgaben als Kaufm\u00e4nnischer Leiter, um die interne Leitung gek\u00fcmmert. Nat\u00fcrlich habe ich mich nie inhaltlich eingebracht, dazu gibt es in beiden Einrichtungen zu viele sehr gute Mitarbeiter:innen. Diese neue Aufgabe und der Einblick in die spannenden Themen haben mir beide Male, neben den anderen Anforderungen, auch viel Spa\u00df gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit den <a href=\"https:\/\/www.museen-jena.de\/de\/startseite\/679372\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">St\u00e4dtischen Museen<\/a> waren wir in Th\u00fcringen die Ersten, die ihren musealen Bestand digitalisiert haben. Der Ansto\u00df dazu war die Verpflichtung der Erstinventur aus dem Gr\u00fcndungsbeschluss von JenaKultur. Wir haben damals gesagt &#8222;wenn schon, denn schon richtig&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und im Jahr 2014 schien es pl\u00f6tzlich m\u00f6glich zu sein, auf dem Engelplatz einen Neubau f\u00fcr die Ernst-Abbe-B\u00fccherei zu errichten. Als ehemaliger Direktor f\u00fchlte ich mich irgendwie berufen, das Projekt auf Werkleiterebene zu begleiten. Nach vielen Vorverhandlungen, Gespr\u00e4chen und Denkprozessen wurde dann im Jahr 2016 der Stadtratsbeschluss zur Errichtung eines neuen Geb\u00e4udes f\u00fcr B\u00fcrgerservice und Bibliothek gefasst. Seitdem verwendete ich einen nicht zu kleinen Anteil meiner Arbeitszeit, um mithelfen zu k\u00f6nnen. Baubesprechungen, Konzepterstellungen, Dienstreisen, Personalgestaltungen und vieles mehr gab und gibt es zu erledigen. Es war nicht immer einfach, alle Kritiker (&#8222;zu teuer&#8220;, &#8222;wozu braucht es noch eine Bibliothek \u2013 es gibt doch Server&#8220;, &#8222;das Geld w\u00e4re woanders besser angelegt&#8220; usw.) von dem, was da entsteht, zu \u00fcberzeugen. Auch das Bibliothekskonzept stie\u00df bei vielen auf Unverst\u00e4ndnis bzw. Unkenntnis. Katja M\u00fcller und ich haben aber immer daran geglaubt und auch gro\u00dfe Teile davon durchgesetzt. Ich bin \u00fcberzeugt (siehe Dinge gegen Widerstand durchsetzen), dass die fertige Bibliothek ein Riesengewinn f\u00fcr die Stadt und deren B\u00fcrger sein wird. Ich freue mich jetzt schon auf die Er\u00f6ffnung im Herbst des n\u00e4chsten Jahres, die ich nat\u00fcrlich auf keinen Fall vers\u00e4umen werde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/06\/jenakultur-baustelle-am-engelplatz-nimmt-gestalt-an-header-1000x525.jpg\" alt=\"Baustelle am Engelplatz\" class=\"wp-image-4490\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/06\/jenakultur-baustelle-am-engelplatz-nimmt-gestalt-an-header-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/06\/jenakultur-baustelle-am-engelplatz-nimmt-gestalt-an-header-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/06\/jenakultur-baustelle-am-engelplatz-nimmt-gestalt-an-header-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/06\/jenakultur-baustelle-am-engelplatz-nimmt-gestalt-an-header.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Die Baustelle am Engelplatz: Nach vielen K\u00e4mpfen nimmt der Neubau f\u00fcr die Ernst-Abbe-B\u00fccherei und den B\u00fcrgerservice immer weiter Formen an. Thomas Vogl war ein wichtiger &#8222;Treiber&#8220; des Gro\u00dfprojekts | \u00a9avocadofilm<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Du bist, verzeih, wenn ich das so sage, nicht vordergr\u00fcndig ein Intellektueller und auch niemand, der immer schon in der Kultur arbeitet. Was bedeutet eigentlich Kultur in all ihren Facetten f\u00fcr Dich? Ist sie aus Deiner Sicht lebensnotwendig; warum, warum nicht? Fragen, die uns sp\u00e4testens seit Corona alle extrem umtreiben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Als Intellektueller wird ein Mensch bezeichnet, der wissenschaftlich, k\u00fcnstlerisch, philosophisch, religi\u00f6s, literarisch oder journalistisch t\u00e4tig ist, dort ausgewiesene Kompetenzen erworben hat und in \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen kritisch oder affirmativ Position bezieht. Dabei ist er nicht notwendigerweise an einen bestimmten politischen, ideologischen oder moralischen Standort gebunden.&#8220; (Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Intellektueller\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>\u2014 Stimmt, das bin ich nicht, aber Kultur ist doch nicht nur f\u00fcr Intellektuelle da, oder? Es gibt die Hochkultur, die Popul\u00e4rkultur, die kulturelle Bildung und noch vieles mehr (Fankultur, Essenskultur, andere Kulturen usw.).<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz gesagt: Kultur ist also in all ihren Facetten wichtig und f\u00fcr alle da und darf auch Spa\u00df machen. Deshalb hat auch jeder Mensch eine andere Beziehung zu Kultur. F\u00fcr mich war und ist vor allem die kulturelle Bildung ein ganz wesentlicher und unverzichtbarer Bereich. Kulturelle Bildung bedeutet Teilhabe, und zwar nicht nur an der Kultur, sondern auch am Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren habe ich gelernt, dass Kultur viel Arbeit macht. Damit meine ich nicht nur die, die auf der B\u00fchne stehen, sondern auch all die anderen, die &#8222;Backstage&#8220; arbeiten, um Kultur \u00fcberhaupt erst zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn Kultur teuer ist und immer wieder nachgefragt wird, ob das denn wirklich alles sein muss, oder ob man das nicht f\u00fcr weniger Geld haben kann, ist sie aus unserem Leben nicht wegzudenken. Erschwerend oder &#8222;Gott sei Dank&#8220; kommt noch hinzu, dass auch hier die oben erw\u00e4hnte unterschiedliche Betrachtung von Kultur bei den Politikern nicht Halt macht. Je nach Gustus soll bei <a href=\"https:\/\/www.jenaer-philharmonie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Philharmonie<\/a> oder der Bibliothek oder der <a href=\"https:\/\/www.vhs-jena.de\/de\/startseite\/649270\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Volkshochschule<\/a> oder, oder, oder gek\u00fcrzt werden. Mal sehen, was die n\u00e4chste Runde bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Weder habe ich mich bei JenaKultur neu erfunden noch muss man die Kultur nach der Pandemie neu erfinden. Ich bezeichne das als Evolution. So, wie ich mich bei JenaKultur weiterentwickelt habe, so wird sich auch die Kultur nach Corona weiterentwickeln. Da habe ich keine Angst.<br><br><strong>JenaKultur ist ohne \u00dcbertreibung eine <a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/15jahre-jenakultur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Erfolgsgeschichte <\/a>geworden. Das ist auch Dein Verdienst. Wo siehst Du dennoch, und das h\u00e4ngt vielleicht stark mit der vorigen Frage zusammen, Entwicklungspotentiale und auch Gefahren, Bedrohungen? Was muss Deine Nachfolgerin aus Deiner Sicht anpacken? Welche Tipps hast Du f\u00fcr sie und die gesamte F\u00fchrungsriege von JenaKultur?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt wird es spannend. Ja, du hast vollkommen recht. JenaKultur ist ein Erfolgsmodell. Bei meinen Treffen mit den Reformbetrieben habe ich immer wieder im bundesweiten Vergleich sehen k\u00f6nnen, wo wir stehen und wie wir teilweise beneidet werden. Zwei Faktoren sind daf\u00fcr von herausragender Bedeutung. Die vierj\u00e4hrige Zuschussvereinbarung mit der finanziellen Sicherheit der Einrichtungen \u00fcber eben diesen Zeitraum und die Personalhoheit. Beides tragendende S\u00e4ulen des Unternehmens, diese m\u00fcssen unbedingt erhalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Entwicklungspotentiale sehe ich in allen Einrichtungen. Hier war die Pandemie ein Beschleuniger. Sie hat dazu gef\u00fchrt, dass sich vor allem im digitalen Bereich sehr viel getan hat. Das gilt es weiter auszubauen, denn das ist nun mal die Zukunft. Wie hei\u00dft es so richtig? Stillstand ist R\u00fcckgang.<\/p>\n\n\n\n<p>Gefahren sehe ich derzeit vor allem in der permanenten \u00dcberlastung des Unternehmens durch Projekte und neue Konzepte. Nein, das ist kein Widerspruch zum vorgenannten, sondern es ist einfach zu viel auf einmal. Die Masse an zus\u00e4tzlicher Belastung \u00fcberfordert den Eigenbetrieb sowohl in finanzieller als auch in personeller Beziehung. Bitte nicht falsch verstehen. Die meisten Dinge, aber nicht alle, sind durchaus richtig und wichtig, nur nicht alle auf einmal.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist in den letzten 12 Monaten aufgefallen, dass ich weniger in solche Projekte involviert war als fr\u00fcher. Zuerst dachte ich, das liegt an dem bevorstehenden Abschied, habe dann aber erkannt, dass es andere Gr\u00fcnde haben muss. In vielen Gespr\u00e4chen wurden mir \u00e4hnliche Eindr\u00fccke geschildert. Das mag vielleicht an der \u00dcberlastung liegen. Man hat einfach keine Zeit, alles detailliert vorzubereiten und alle Beteiligten im Voraus mitzunehmen. Auf jeden Fall muss hier gegengesteuert werden, sonst geht das schief. Ein gro\u00dfer Dampfer f\u00e4hrt nur sicher durch die Weltmeere, wenn die Crew zusammenarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wichtigste f\u00fcr meine Nachfolgerin, Jana Gr\u00fcndig, ist das m\u00f6glichst schnelle Kennenlernen von JenaKultur. Wie tickt das Unternehmen, wo sind die Probleme bei den Finanzierungen, was ist eine notwendige Ausgabe und was nicht. Nat\u00fcrlich haben wir uns dar\u00fcber schon unterhalten, und ich habe viel erz\u00e4hlt. Aber bei einer &#8222;Holding&#8220; wie JenaKultur dauert das entsprechend lange, um in alle Winkel zu sehen. Ich habe dazu auch meine Zeit gebraucht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hast Du Abschiedsschmerz oder gehst Du v\u00f6llig im Frieden, im Reinen mit Dir? Was hast Du nicht geschafft? Gibt es etwas, dass Du bereust? UND: Was wirst Du jetzt machen? Welche privaten Herausforderungen wirst Du noch meistern? Stehst Du uns als Ratgeber gegebenenfalls weiter zur Verf\u00fcgung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich Abschiedsschmerz, schlie\u00dflich habe ich JenaKultur als Baby adoptiert. Ich durfte mithelfen beim Wachsen und Gedeihen, habe beim Aufstehen geholfen, wenn es stolperte und war dabei, als es Laufen lernte. Aber nach 16 Jahren ist es dann auch gut loszulassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man bedenkt, dass keiner der damaligen Werkleitung und Einrichtungsleitung noch dabei ist, kommt man sich fast vor wie ein Fossil. Klar sind auch noch eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen da, die bereits am 1. Januar 2005 mit am Start waren, aber nicht mehr viele.<\/p>\n\n\n\n<p>Yvonne Abraham hat f\u00fcr mich mal nachgeschaut: Beinahe 600 Einstellungen gab es w\u00e4hrend meiner aktiven Zeit, unglaublich. In der gleichen Zeit erhielt JenaKultur \u00fcber 230 Millionen Euro Zuschuss von der Stadt Jena bei Gesamtaufwendungen in H\u00f6he von rund 390 Millionen Euro. Diese gewaltige Summe hatte die kaufm\u00e4nnische Abteilung zu verwalten, zu verbuchen und zu bilanzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich einen finanziell gesunden Eigenbetrieb \u00fcbergebe, gehe ich insoweit im v\u00f6lligen Frieden mit mir. Mission erf\u00fcllt. Aber klar gibt es im Nachhinein auch genug, was ich heute anders und vielleicht besser machen w\u00fcrde. Aber so ist das nun mal, wenn man Entscheidungen, h\u00e4ufig unter Zeitdruck und externer Beeinflussung, treffen muss. Sollte der Eigenbetrieb einmal einen Rat, der auf langj\u00e4hrige Erfahrung beruht, brauchen, so bin ich nat\u00fcrlich gerne bereit hier zu helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht geschafft habe ich die Er\u00f6ffnung der neuen Bibliothek. So ein Projekt braucht halt eine lange Zeit von der Idee, \u00fcber die Planung und die Ausf\u00fchrung bis zur Fertigstellung. Aber ich bin froh dar\u00fcber und stolz darauf, solange dabei gewesen zu sein. Ich bin mir sicher, das &#8222;Bibo-Bauteam&#8220; wird auch weiterhin alles daf\u00fcr geben, um zu diesem Ziel zu kommen. Ich freue mich schon sehr auf die Er\u00f6ffnung, denn es wird eine gro\u00dfartige Bibliothek. Ich w\u00fcnsche allen Beteiligten daf\u00fcr weiter gute Nerven und viel Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich jetzt machen will? Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass ich mir noch etwas von der Welt ansehen m\u00f6chte. Endlich Zeit, in Ruhe zu reisen, ohne schon beim Losfahren auf das Urlaubsende achten zu m\u00fcssen. Vielleicht kommt auch noch mal ein Projekt, wenn mir langweilig werden sollte. Im Moment habe ich dazu aber keine Lust.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu guter Letzt m\u00f6chte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern f\u00fcr ihren hervorragenden Einsatz in den vergangenen Jahren bedanken. Der Erfolg von JenaKultur konnte schlie\u00dflich nur durch sie gelingen. Macht weiter so und &#8222;Andr\u00e0 tutto bene&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Bedanken m\u00f6chte ich aber auch bei den vielen Menschen aus der Stadtverwaltung, den Eigenbetrieben und in der Politik, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Ich denke, alle haben und hatten immer das gleiche Ziel: Erfolg f\u00fcr die Stadt Jena. Und das ist doch auch gelungen, oder?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und wir bedanken uns bei Thomas Vogl und w\u00fcnschen ihm von ganzem Herzen einen erf\u00fcllten (Un)Ruhestand!<\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geh\u00f6rt zum Leben dazu, dass sich Wege trennen und Dinge ver\u00e4ndern. In den letzten beiden Pandemie-Jahren haben wir allerdings so viele markante Kolleg:innen in den Ruhestand verabschiedet, dass sich bei JenaKultur das starke Gef\u00fchl von einem Generationswechsel breit macht. Heute sprechen wir noch einmal mit Thomas Vogl, langj\u00e4hriger Kaufm\u00e4nnischer Leiter des Eigenbetriebs, der ma\u00dfgeblich die bisherige Erfolgsgeschichte von JenaKultur mitgeschrieben hat und nun in den (Un)Ruhestand geht.<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":6072,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,12,9,706,10,18,21,24,22],"tags":[55,34,6,834,348,73,833],"class_list":["post-6055","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-eab","category-jenakultur","category-kultur-in-jena","category-kulturpolitik","category-kunstsammlung","category-romantikerhaus","category-staedtische-museen","category-stadtmuseum","tag-eab","tag-jena","tag-jenakultur","tag-kaufmaennischer-leiter","tag-kultur-in-jena","tag-mitarbeiter","tag-thomas-vogl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6055"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6098,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6055\/revisions\/6098"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6072"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}