{"id":547,"date":"2019-04-26T07:18:15","date_gmt":"2019-04-26T05:18:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=547"},"modified":"2019-04-25T15:05:08","modified_gmt":"2019-04-25T13:05:08","slug":"vandalismus-und-kein-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2019\/04\/26\/vandalismus-und-kein-ende\/","title":{"rendered":"Vandalismus und kein Ende&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mehr Respekt f\u00fcr Denkmale und Kunst im \u00f6ffentlichen Raum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fchlingsluft und die ersten warmen Sonnenstrahlen lassen jedermanns Herz h\u00f6her schlagen. Jetzt kann es endlich wieder richtig hinaus in die Natur gehen. Leider beginnt auch damit wieder die Zeit von zunehmendem Vandalismus, Graffitibeschmierungen und Zerst\u00f6rungswut gegen\u00fcber Denkmalen und Kunst im \u00f6ffentlichen Raum. Die Tendenz ist seit Jahren steigend, der Respekt und das Wissen um gemeinschaftliche Werte und \u00f6ffentliche Kulturg\u00fcter scheinbar immer geringer.  <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">JenaKultur<\/a> stellt j\u00e4hrlich eine Summe von ca. 15.000 \u2013 20.000 Euro f\u00fcr die Beseitigung und Pr\u00e4vention von Vandalismussch\u00e4den in das Budget f\u00fcr die Verwaltung und Pflege von Denkmalen und Kunst im \u00f6ffentlichen Raum ein. Auf den ersten Blick scheint das viel Geld zu sein. Ist es aber nicht. Im Gegenteil. Es reicht l\u00e4ngst nicht mehr aus, um alle Sch\u00e4den tats\u00e4chlich ausreichend und zeitnah zu beheben. <\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Jahr wurden 17.000 Euro ausgegeben, allen voran f\u00fcr das Ernst-Abbe-Denkmal, das Hanfried-Denkmal und das Ehrenmal am Friedensberg. Auch dieses Jahr ist bereits kostenintensiv gestartet. So mussten am Friedensbergdenkmal f\u00fcr den ersten Reinigungs- und Pflegegang sieben Stunden Arbeitszeit und ca. 2.300 Euro aufgewendet werden, um alles an M\u00fcll, Verunreinigungen und Glasschutt grundhaft zu ber\u00e4umen. Damit ist ein Gro\u00dfteil der f\u00fcr dieses Denkmal im ganzen Jahr eingeplanten Reinigungskosten bereits in den ersten beiden Fr\u00fchlingsmonaten aufgebraucht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zahlreiche\nBeispiele verdeutlichen die Brisanz<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"630\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2019\/04\/Gro\u00dfeSitzende\u00a9JenaKultur-1.jpg\" alt=\"Gro\u00dfe Sitzende\" class=\"wp-image-573\" \/><figcaption>Gro\u00dfe Sitzende \u00a9JenaKultur<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine Vielzahl an Plastiken sowie Installationen in der Innenstadt und in Lobeda sind beschmiert und m\u00fcssen gereinigt und konserviert werden. Ein Beispiel ist die Betonplastik der \u201eGro\u00dfen Sitzenden\u201c von Karl-Heinz Appelt vor dem Stadtteilzentrum in Lobeda-West. Die drei marmornen Moiren der K\u00fcnstlerin Anne-Katrin Altwein auf der Gr\u00fcnfl\u00e4che hinter dem Paradiesbahnhof in der Oberaue sind dauerhaftes Beispiel f\u00fcr sinnlose Zerst\u00f6rung und Beschmierung (siehe Bild oben).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"630\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2019\/04\/Hanfried\u00a9JenaKultur-CH\u00e4acker.jpg\" alt=\"Hanfried-Denkmal \" class=\"wp-image-549\" \/><figcaption>Hanfried-Denkmal \u00a9JenaKultur, C. H\u00e4cker<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch die Ber\u00e4umung der von Promovenden der Universit\u00e4t Jena geworfenen Kr\u00e4nze am <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\/de\/aufgaben_und_service\/denkmal-_und_kulturfoerderung\/hanfried_denkmal\/605866\" target=\"_blank\">Hanfried-Denkmal<\/a> ist ein Dauerthema. Tradition hin oder her. Fakt ist, dass die sich ansammelnden verwesenden Pflanzen auf Dauer sch\u00e4dlich f\u00fcr die Bronzeskulptur des Universit\u00e4tsgr\u00fcnders sind. Sie m\u00fcssen mit permanentem Aufwand und dauerhaften Kosten entfernt werden, mal ganz abgesehen von m\u00f6glichen Folgesch\u00e4den beim Beklettern dieses Denkmals. Es sei dabei nur an das abgebrochene Schwert vor 3 Jahren erinnert. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"630\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2019\/04\/Ernst-Abbe-Denkmal\u00a9JenaKultur.jpg\" alt=\"Ernst-Abbe-Denkmal \" class=\"wp-image-550\" \/><figcaption>Ernst-Abbe-Denkmal \u00a9JenaKultur<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ziel von Vandalismus ist auch immer wieder das <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Ernst-Abbe-Denkmal (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\/de\/aufgaben_und_service\/denkmal-_und_kulturfoerderung\/ernst-abbe-denkmal\/605861\" target=\"_blank\">Ernst-Abbe-Denkmal<\/a>. Man m\u00f6chte meinen, der Physiker, Sozialreformer und Unternehmer Ernst Abbe sei als einer der Mitbegr\u00fcnder der inzwischen weltber\u00fchmten Zeiss-Werke neben Carl Zeiss hinl\u00e4nglich in dieser Stadt bekannt und sein Denkmal respektiert und geachtet. Aber weit gefehlt. Das permanente Ausma\u00df an Beschmierungen und Verunreinigungen von Fassaden, T\u00fcren und Au\u00dfenfl\u00e4chen, ganz zu schweigen vom Missbrauch als Urinal, k\u00f6nnen nur auf tiefster Unkenntnis und mangelndem Wissen beruhen. Anders ist diese Ignoranz nicht zu erkl\u00e4ren. Jedenfalls kosten die Aufwendungen f\u00fcr Reinigungen, Graffitientfernungen und prophylaktischen Ma\u00dfnahmen im Jahr ca. 5.000 \u2013 7.000 Euro. Erwogen wird jetzt die Einrichtung eines Parks mit einer daf\u00fcr festzusetzenden Parkordnung als eventuell dauerhaft wirksame L\u00f6sung, die potentielle Schadensverursacher nicht nur fernhielte, sondern auch ordnungsrechtliche M\u00f6glichkeiten zum Eingreifen b\u00f6te.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"630\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2019\/04\/Friedensbergdenkmal-Vandalismus\u00a9JenaKultur-CH\u00e4cker-1.jpg\" alt=\"Friedensbergdenkmal\" class=\"wp-image-551\" \/><figcaption>Friedensbergdenkmal \u00a9JenaKultur, C. H\u00e4cker<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch das Denkmal auf dem Friedensberg bietet best\u00e4ndig einen ungepflegten unw\u00fcrdigen Eindruck. Vandalismussch\u00e4den, Graffitibeschmierungen, M\u00fcll, Glasscherben und Reste von Lagerfeuern pr\u00e4gen das Bild. Die urspr\u00fcngliche Nutzung des bei seiner Errichtung von 1926 bis 1929 als offizielle Gedenkst\u00e4tte eines Ehrenhains f\u00fcr die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und 1949 mit der Umwidmung als Friedensmal konnotierten Denkmals wird von der \u00d6ffentlichkeit nicht mehr wahrgenommen. Die einstige Bedeutung wei\u00df heute kaum jemand noch. Missachtung, Desinteresse und grober Umgang, dar\u00fcber hinaus auch Missbrauch durch politische Aktionen sind die Folge, und machen das Denkmal zum \u00c4rgernis f\u00fcr Anwohner und Besucher. Selbstverst\u00e4ndlich wird das Denkmal in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden g\u00e4rtnerisch gepflegt und gereinigt. Dazu z\u00e4hlen der R\u00fcckschnitt von B\u00e4umen, Wildwuchs und Gr\u00fcnfl\u00e4chen sowie die monatliche Bereinigung von M\u00fcll, Scherben und sonstigem Unrat. Auch die nicht selten sehr aufw\u00e4ndig zu betreibende Entfernung von Graffitibeschmierungen geh\u00f6rt zu den immer wiederkehrenden Pflichten. Dies reicht aber leider bei Weitem nicht aus und die Bem\u00fchungen geraten mehr und mehr zu einer Sisyphos-Aufgabe. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"630\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2019\/04\/Kultur-am-Friedensberg\u00a9WolfgangWinkler.jpg\" alt=\"Kultur am Friedensberg\" class=\"wp-image-554\" \/><figcaption>Kultur am Friedensberg \u00a9Wolfgang Winkler<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Beim Friedensbergdenkmal ist es tats\u00e4chlich Zeit f\u00fcr ein Umdenken und m\u00f6glicherweise einen anderen Umgang mit diesem Ort. Die \u00d6ffnung  f\u00fcr alternative kulturelle Nutzungen, wie Theaterauff\u00fchrungen und tempor\u00e4re Kunstausstellungen, scheinen ein erfolgreiches Modell zu sein, um die Akzeptanz des Denkmals vor allem bei j\u00fcngeren Nutzern zu erh\u00f6hen. Gleichzeitig ist die best\u00e4ndige Einbeziehung breiter Bev\u00f6lkerungsteile in die \u00f6ffentliche Diskussion ein wichtiger Schritt. So fand am Volkstrauertag im November 2017 eine \u00f6ffentliche Podiumsdiskussion zum Kriegsgedenken anl\u00e4sslich der Vorbereitungen zum 100. Jahrestag der Beendigung des Ersten Weltkrieges statt, in deren Fokus das Friedenbergdenkmal und seine k\u00fcnftige Nutzung stand. 2018 beging die Stadt dann diesen Jahrestag mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen, bei welchem im November das deutsch-franz\u00f6sische Weekend \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\/de\/projekte_und_festivals\/europaeisches_erinnerungsmosaik\/811421\" target=\"_blank\">Von Feinden zu Freunden. Ein europ\u00e4isches Erinnerungsmosaik<\/a>\u201c im Mittelpunkt stand. Kernpunkte dieses Wochenendes bildeten der Tag der Stadtgeschichte sowie ein europ\u00e4isches Theaterevent mit deutschen, franz\u00f6sischen und ukrainischen Laiendarstellern auf dem Friedensberg.  In diesem und im n\u00e4chsten Jahr findet nun ein k\u00fcnstlerisches Projekt mit einem jungen Berliner K\u00fcnstler statt, dessen Ziel es sein soll, eine dauerhafte k\u00fcnstlerische Intervention innerhalb der Denkmalsanlage zu errichten, die auf subtile Weise f\u00fcr die \u00e4sthetische und historisch vielschichtige Dimension des Ortes sensibilisiert und zu einer verst\u00e4rkten Akzeptanz und einem respektvolleren Umgang mit dem Friedensberg als Gesamtensemble f\u00fchren soll. Das Vorhaben scheint sehr vielversprechend zu sein, bindet es doch \u00fcber zwei Jahre hinweg verschiedene Akteure und Interessengruppen, vor allem auch wieder junge Nutzer, in einen \u00f6ffentlichen Kommunikationsprozess rund um das Denkmal mit ein.  <\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Aufkl\u00e4rung (und mehr Bildung??) scheint generell der richtige Weg  zur Eind\u00e4mmung von Vandalismus und Zerst\u00f6rungswut an Denkmal- und  Kunstobjekten im \u00f6ffentlichen Raum zu sein. Doch wo beginnt diese und  wer ist daf\u00fcr verantwortlich? Eins jedenfalls hilft perspektivisch  gesehen definitiv nicht allein: mehr Geld.  <\/p>\n\n\n\n<p>Evelyn Halm, JenaKultur, Projektmanagement Denkmal- und Kunstf\u00f6rderung <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr Respekt f\u00fcr Denkmale und Kunst im \u00f6ffentlichen Raum Fr\u00fchlingsluft und die ersten warmen Sonnenstrahlen lassen jedermanns Herz h\u00f6her schlagen. 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