{"id":4391,"date":"2021-05-31T07:28:00","date_gmt":"2021-05-31T05:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=4391"},"modified":"2021-05-31T13:34:37","modified_gmt":"2021-05-31T11:34:37","slug":"zwischen-notwehr-und-nett-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2021\/05\/31\/zwischen-notwehr-und-nett-bleiben\/","title":{"rendered":"Zwischen Notwehr und nett bleiben"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Carsten M\u00fcller war in den 90ern lange Zeit T\u00fcrsteher im \u2013 oder besser gesagt vor dem \u2013 Kassablanca in Jena. #Baseballschl\u00e4gerjahre. Dass er auch Eisenm\u00fcller genannt wird, hat Gr\u00fcnde. Dass er vor allem als Einer gilt, der immer freundlich bleibt, hat die besseren Gr\u00fcnde. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wenn man dir Anfang der 90er-Jahre begegnet w\u00e4re \u2013 welcher Jugendkultur h\u00e4tte man dich denn zugeordnet?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich komme eigentlich aus einem sch\u00f6nen Ort im s\u00fcdlichen Sachsen-Anhalt zwischen Jena und Halle. Zur Wende war ich 15. Viele wirtschaftliche und politische Entwicklungen, die man in der Stadt viel h\u00e4rter gemerkt hat, hat man auf dem Land nicht mitbekommen. Auch was die Subkulturen anging nat\u00fcrlich. Das ist ja nicht so wie heute, wo du dich durch YouTube klicken kannst und aus den sozialen Medien Impuls, Impuls, Impuls kriegst. Damals war es eher so: Entweder erreichen dich Dinge durch einen Zufall, oder sie erreichen dich nicht. Als ich bei der Armee war, 1992\/93, habe ich zum ersten Mal Hardcore-Musik geh\u00f6rt. Auf Stube. Madball, Sick of it All. Also, wenn du jetzt nach ner Szene fragst, meine 90er waren doch eher Hardcore und Crossover wie Downset, BodyCount und nat\u00fcrlich Rage against the Machine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">1993 bin ich dann nach Jena gekommen und habe <u><a href=\"https:\/\/www.nationaltheater-weimar.de\/de\/ueber-uns\/ensemble-detail.php?PID=1025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Olli Jahn<\/a><\/u> und <u><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=khflNWActhg&amp;ab_channel=KassablancaJenaKassablancaJena\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Smoking Joe<\/a><\/u> kennengelernt. Als Anfang der 90er diese ganze Crossover-Welle hochkam, da hatten die beiden mit Ed aus Chicago und Franco auch ne Crossover Band, die sich <u><a href=\"https:\/\/soundcloud.com\/user-125884034\/party-killing-service\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Party Killing Service<\/a><\/u> nannte. Und f\u00fcr die bin ich damals Bus gefahren, habe die B\u00fchne aufgebaut und mit meinem Kumpel Uwe auch bei Konzerten daf\u00fcr gesorgt, dass es nett ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Was hei\u00dft das?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Na manchmal hast du ja bei Konzerten Menschen, die das Konzerterlebnis anders interpretieren als die anderen G\u00e4ste. Und wir haben dann dabei geholfen, den richtigen Weg zu finden, der manchmal auch nach drau\u00dfen f\u00fchrte, damit die anderen G\u00e4ste ein wirklich gutes Konzerterlebnis haben konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Auf Tour hast du praktisch Rausschmei\u00dfer gemacht in Clubs, f\u00fcr die du gar nicht gearbeitet hast? <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ja. Joe war damals mit Ingrid Sebastian (<u><a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/11\/16\/hafen-im-sturm\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sozialarbeiterin im Kassa<\/a><\/u>) zusammen. Als das Kassa hier an seinem jetzigen Standort aufmachte \u2013 erstmal nur der Turm, die Halle war damals noch Baustelle, da hat Inge mich gefragt, ob ich denn nicht noch einen Nebenverdienst brauche zum Studium. Ich hab gleich ja gesagt, denn ich hatte den Job vorher auch schon gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wie kam das?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich war 18. Eigentlich wollte ich nur zur Disko in den Nachbarort, nach Billroda, gehen. Das war damals noch ganz klassisch im Dorfgasthof. Unten Kneipe, im 1.OG der Saal, in dem Disko war. Es hatte einen P\u00e4chterwechsel gegeben, und an dem Abend, an dem die Neuer\u00f6ffnung war, fuhren 20 Autos mit Apoldaer und Weimarer Kennzeichen vor. Aus denen stiegen Glatzen aus, holten Baseballschl\u00e4ger raus und wollten den Saal st\u00fcrmen. Der Kneiper war aber so clever und hatte erstens einen gro\u00dfen Stahlriegel hinter die T\u00fcr einbauen lassen und dann hat er zwei ehemalige Bereitschaftspolizisten der Volkspolizei, die nach der Wende ihren Job verloren hatten, als T\u00fcrsteher eingestellt. Die Glatzen schlugen ein Loch in die T\u00fcr, aber Harald, einer der T\u00fcrsteher, hat den ersten, der durchkam, genommen und ihm mit einem <u><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tonfa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tonfa<\/a><\/u> eine dr\u00fcber gezogen und ihn blutend durch das Loch in der T\u00fcr direkt wieder rausgeschmissen. Oben an den Fenstern standen die 300 Leute vom Saal und haben die Glatzen mit Bierflaschen beschmissen, bis die dann irgendwann wieder in ihre Autos eingestiegen und nach Hause gefahren sind. Das war ein Schl\u00fcsselerlebnis f\u00fcr mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Du meinst, dass es Gegenwehr gab f\u00fcr die Nazis?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ja, das sowieso. Die hatten sich den Abend wahrscheinlich anders vorgestellt. Aber bei uns in der Gegend war auch diese Art des \u00dcberfalls ungew\u00f6hnlich, dieser absolute Zerst\u00f6rungswille. Das war nicht mehr die \u00fcbliche Kneipenschl\u00e4gerei, es war ein Angriff. Das war eine v\u00f6llig neue Qualit\u00e4t. Und vor allem ist auch keine Polizei gekommen. Polizei gab es da quasi nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Und du warst da einfach Gast bei dieser Party?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ja genau. Infolgedessen wurde dann der leerstehende Dorfkonsum gegen\u00fcber vom Gasthof umfunktioniert. Da war dann samstags Training mit Harald. Da ist dann erstmal eine Einlassergruppe aufgebaut worden. Und ich war mit dabei. Wir haben daf\u00fcr gesorgt, dass es im Dorfgasthof wieder sch\u00f6nere Abende gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das ist aber alles sehr zur\u00fcckhaltend formuliert von dir. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das hat einen sehr einfachen Grund. Ich m\u00f6chte nicht, dass es wirkt wie &#8222;Opa erz\u00e4hlt vom Krieg.&#8220; Mich haben Typen immer genervt, die von irgendwelchen &#8222;glorreichen Schlachten&#8220; erz\u00e4hlen. F\u00fcr die meisten Leute ist Gewalt ein Moment, den sie sich nicht freiwillig ausgesucht haben. Und f\u00fcr die meisten Menschen ist eine k\u00f6rperliche Auseinandersetzung ein Moment der Erniedrigung, der f\u00fcr den, dessen Gesichtsknochen zerschlagen, dessen Knie zertreten werden, oft ein lebenslanges Trauma bedeutet. Und daran gibt es absolut nichts Positives.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Was hat der Harald denn mit euch trainiert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In erster Linie Jiu-Jitsu. Das ist auch das, was zu DDR-Zeiten Polizisten gemacht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Auch in Jena waren Clubs und alternative Wohnprojekte regelm\u00e4\u00dfig Ziel von Nazi-Attacken. Viele mussten deshalb aufgeben. Das Kassa \u00fcberlebte diese Angriffe. Warum?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erstens wegen des engen freundschaftlichen Verh\u00e4ltnisses zu den Hermsdorfern, die immer nach Jena gefahren kamen, wenn es im Kassa Probleme mit Glatzen gab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wer sind die Hermsdorfer?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das waren einfach <u><a href=\"http:\/\/www.hermsdorf-regional.de\/kultur\/UAN\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jungs aus Hermsdorf und Umgebung<\/a><\/u>. Das ist erstaunlich, dass es dort in den 90ern, also eigentlich auch auf dem flachen Land, wo du auf der einen Seite Gera mit Glatzen hattest, auf der anderen Jena mit Glatzen, eine Community gab, die alle eher so Punk und Hardcore als Hintergrund hatten. Das war eine Gruppe rund um die Bands <u><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=jwJ3hW4oA7Y&amp;ab_channel=MichaelBike\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ulrike am Nagel<\/a><\/u> und Ugly Hurons, zu der auch einige im besetzten Haus in der Felsenkellerstra\u00dfe eine Verbindung hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Und der zweite Grund?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der zweite Grund ist Didi. Als ich im Kassa damals angefangen habe, da stand so ein gro\u00dfer drahtiger Typ mit Schnauzbart und Glatze am Eingang, eine richtige Kante. An meinem ersten Abend hat er mir eine Videokassette in die Hand gedr\u00fcckt. Darauf war der Film Roadhouse mit Patrick Swayze als Rausschmei\u00dfer. Didi meinte: Pass auf, der Film ist totaler Schei\u00df, aber es gibt drei Regeln da drinne, und die musste halt beim Arbeiten hier wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Welche Regeln waren das?<\/strong><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify\">\n<li>Wenn es k\u00f6rperlich wird, dann m\u00f6glichst immer drau\u00dfen.<\/li>\n<li>Du nimmst nie etwas pers\u00f6nlich, weil es nur dein Job ist.<\/li>\n<li>Immer freundlich sein. Immer!<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify\">Damit kommt man tats\u00e4chlich schon ziemlich weit. Und das hat uns Didi beigebracht. Ohne ihn h\u00e4tte es der Laden nicht so weit geschafft. Vorher war das Thema Einlass wenig koordiniert. Es gab immer irgendjemand, der T\u00fcr gemacht hat, das waren aber nicht unbedingt Leute, die auch eine Identifikation mit dem Kassa gehabt haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Roadhouse  -  Be nice\" width=\"900\" height=\"506\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/bR6T-QjgGcE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Muss ja ein ganz sch\u00f6ner Charakter gewesen sein.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir haben immer gesagt, Didi ist f\u00fcr uns durch die Tiefen des Lebens gegangen, um uns davon zu berichten, damit du nicht selbst dort hingehen musst. Didi war nach dem Abitur und abgeschlossener Ausbildung Kampfschwimmer bei der NVA, musste dann aufh\u00f6ren wegen eines Tauchunfalls. Dann hat er versucht zu fl\u00fcchten und wurde erwischt. Wegen bewaffneter Republikflucht \u2013 seine Bewaffnung war ein simples Taschenmesser \u2013 sa\u00df er dann sieben Jahre im Knast, davon ein Jahr in Brandenburg in Einzelhaft, was ihn als Typen nat\u00fcrlich gepr\u00e4gt hat. Aber solche Typen machen es am Ende aus. Didi ist f\u00fcr mich nach wie vor eine der pr\u00e4gendsten Begegnungen in meinem Leben. Das ist manchmal schwer zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Waren das die Geschichten, die er erz\u00e4hlt hat?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nee, Geschichten k\u00f6nnen dir Viele erz\u00e4hlen. Wenn Didi gearbeitet hat, musste er sich einfach nur oben auf die Galerie stellen und in den Saal reingucken. Da konnte man sehen, wie Menschen mit Charisma fokussieren k\u00f6nnen. Man wusste einfach, Didi ist da, und da ist an dem Abend Ruhe. Das Tolle am Kassa, generell, war, dass du hier die M\u00f6glichkeit hattest, \u00fcber den eigenen Tellerrand zu gucken. Durch die Art von K\u00fcnstlern, die da waren, durch die Vielf\u00e4ltigkeit, die da war, aber auch durch die Unterschiedlichkeit der Menschen, die sich hier getroffen haben. Das ist damals eine absolute Besonderheit gewesen, nicht nur in Jena, sondern allgemein im Osten zu dieser Zeit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f2-didiprivat-1000x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4395\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f2-didiprivat-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f2-didiprivat-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f2-didiprivat-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f2-didiprivat.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>T\u00fcrsteherlegende: Didi. | \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>So wie du das jetzt erz\u00e4hlst, ist das eine Aneinanderkettung gl\u00fccklicher Zuf\u00e4lle, die dazu gef\u00fchrt haben, dass du T\u00fcrsteher geworden bist. Aber irgendwie gibt es ja auch Gr\u00fcnde, warum einem bestimmte Dinge zufallen. Warum ist gerade das dein Ding geworden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als ich zehn Jahre alt war, gab es in meiner Klasse einen Jungen namens Oliver, dessen ausgew\u00e4hltes Opfer ich war. Daran erinnere ich mich noch gut. In dieser Zeit habe ich aber auch gelernt, mich zu wehren. Und mit zw\u00f6lf habe ich dann einen Zehntkl\u00e4ssler umgehauen. Mir ist damals klar geworden, dass es immer ein physisches Gegengewicht braucht, um eben auf diese nicht selbst gew\u00e4hlte Gewalt antworten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht jeder kann das, sich wehren. Das hat auch nichts damit zu tun, ob du Kampfsport machst oder nicht. Es geht um deine mentale Einstellung. Ich hatte dieses &#8222;Talent&#8220; und habe es eingesetzt, wenn es notwendig war. Vor allem Anfang und Mitte der Neunziger brauchte es eben dieses selbstorganisierte Gegengewicht zu den zahlreichen Idioten dieser Zeit. Und das Gegengewicht im Kassa waren die Hermsdorfer, waren Didi und unsere damalige T\u00fcr-Mannschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jeder von uns hatte in seinen verschiedenen Lebenssituationen, noch vor der Kassa-Zeit, Gewaltexzesse erlebt, die jeglicher Kneipenschl\u00e4gerei-Romantik entbehren, sondern uns einfach nur Grenzen der absoluten k\u00f6rperlichen und seelischen Unversehrtheit aufgezeigt haben. Auch wenn wir uns heute mit den Jungs treffen, sprechen wir eigentlich nie \u00fcber diese Momente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Warum nicht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Weil das keine Erinnerungen sind, die es wert sind, Erinnerungen zu sein. Das einzig Positive ist im R\u00fcckblick, dass es uns gelungen war, im Kassa einen R\u00fcckzugsraum f\u00fcr Menschen zu schaffen, die damals kaum R\u00fcckzugsr\u00e4ume hatten. Egal, ob Goth, Punk, Queer oder jeder und jede Andere, die aus irgendeinem Grund an anderen Orten Jenas damit rechnen mussten, zusammengeschlagen oder bel\u00e4stigt zu werden \u2013 das Kassa war f\u00fcr sie ein Safe-Place und unsere Aufgabe war es, daf\u00fcr zu sorgen, dass es so bleibt. Es musste egal sein, wie jemand aussieht oder welcher Szene er sich zugeh\u00f6rig f\u00fchlt, wichtig war und ist, dass der Mensch dahinter gut ist. Nicht mehr und vor allem nicht weniger. Wer diese Einstellung nicht hatte, wurde nicht in unserer Mannschaft akzeptiert oder wurde erst gar nicht Teil davon. T\u00fcr-Poser waren inakzeptabel. Das Ganze ist ein harter Job und kein Ego-Dancing.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wie oft standest du an der T\u00fcr des Kassa?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Insgesamt zehn Jahre lang habe ich den Job im Kassa, aber auch in anderen Klubs gemacht. Im Schnitt kam ich da auf etwa 100 N\u00e4chte pro Jahr, an denen ich gearbeitet habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Also etwa 1.000 Mal. Das ist &#8217;ne Menge. War das nicht langweilig, stundenlang vor der T\u00fcr zu stehen und die Anderen haben Spa\u00df?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">N\u00f6. Langweilig war das nie. Schon gar nicht, wenn das Haus voll war. Mich hat es gefreut, wenn die Leute Spa\u00df hatten oder meine Kollegen zu sehen. Wir funktionierten auch wirklich als Team sehr gut. Und man macht das ja als Team, und nicht alleine. Da sind sehr unterschiedliche Typen mit dabei gewesen, aber das hat es vielleicht gerade ausgemacht. Wir sind nie als superharte Typen aufgetreten, die mit betonierter Miene an der T\u00fcr stehen. Das war nicht unser Stil. Wir haben uns auf die G\u00e4ste gefreut. Bei der Kulturarena stehe ich noch heute am liebsten hinter der B\u00fchne und freue mich, in gl\u00fcckliche Gesichter zu sehen. Das ist gro\u00dfartig, das ist die Art von Energie, die den Antrieb unserer Arbeit ausmacht und die mir im Moment extrem fehlt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f3-ackiundarndtprivat-1000x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4396\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f3-ackiundarndtprivat-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f3-ackiundarndtprivat-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f3-ackiundarndtprivat-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f3-ackiundarndtprivat.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Acki und Arndt haben ihre sch\u00f6nsten 90er Anz\u00fcge f\u00fcr den Swingabend aus Vaters Schrank geholt. | \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Warum hast du dann aufgeh\u00f6rt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich wurde dann irgendwann m\u00fcde im Kopf. Du musstest dich da ja trotz allem Spa\u00df Nacht f\u00fcr Nacht mit den Problemen anderer Menschen auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wenn da so eine Schlange ist vor der T\u00fcr, checkst du doch bestimmt schon mal aus, wer da steht. Auf was achtet man da?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn du das lange machst, kriegst du ein Bauchgef\u00fchl. Du merkst einfach, ob jemand entspannt ist oder nicht. Wie dir jemand begegnet, ob er dir in die Augen gucken kann, wie er sich verh\u00e4lt. Und dann wei\u00dft du, ist jemand heute gut drauf oder hat er einen schlechten Abend und dann musst du erst nochmal eine direkte Ansprache machen. Meistens, wenn das Leute aus Jena waren, dann kannte man die. Und die kannten uns und dann konnte man viel Stress schon anders l\u00f6sen. Das Physische macht, wenn man seinen Laden gut im Griff hat, am Ende vielleicht 20 oder 30 Prozent aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Was sagst du dann so in einer Gef\u00e4hrderansprache?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das kommt immer auf dein Gegen\u00fcber an. Du erinnerst die Menschen nochmal daran, dass es Benimmregeln gibt. Und manchmal hilft allein das schon. H\u00f6rt sich total einfach an, aber du brauchst nat\u00fcrlich auch Respekt und Vertrauen auf der anderen Seite, damit das auch geh\u00f6rt wird. Und das musst du dir erarbeiten. Wenn du eine Provokation ins Leere laufen l\u00e4sst, tut dem das manchmal mehr weh, als wenn sie von dir rausgeworfen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Und was sind so die typischen Probleme, wo du eingreifen musst?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ab Mitte der Neunziger stand das Glatzenthema gar nicht mehr so im Mittelpunkt. Aber es ging dann wie in allen Clubs, da ist das Kassa auch keine Ausnahme, nat\u00fcrlich auch um das Thema Droge. Da hatten wir immer eine sehr klare Einstellung dazu. Das hie\u00df, alles, was hart ist, hat im Laden nichts zu suchen. Das hei\u00dft nicht, dass man es v\u00f6llig verhindern kann, wir sind ja nicht naiv. Aber das Gesch\u00e4ft hat woanders stattzufinden. Punkt. Und dann ging es auch schon immer darum, dass M\u00e4nner manchmal Frauen gegen\u00fcber nicht die richtige Achtung mitbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wir haben das beide nie explizit erw\u00e4hnt. Aber Stress gibt es eigentlich nur mit M\u00e4nnern, oder?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ja. Zu 99 Prozent. Und was eigentlich noch auff\u00e4lliger ist: Typen nehmen sich total zusammen, wenn sie in weiblicher Begleitung kommen. Weshalb zum Beispiel bei manchen Abenden so mancher Typ, der woanders st\u00e4ndig aus dem Rahmen gefallen ist, sich im Kassa immer benommen hat, weil er wusste, dass hier viele sehr nette Frauen sind. Nichts wirkt disziplinierender auf M\u00e4nner als die Anwesenheit von Frauen. Je mehr Frauen da sind, desto weniger Stress. Auch an der T\u00fcr. Die wunderbare Andrea war die erste feste Frau in unserem Team, aber auch generell an der Kassa-T\u00fcr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wie bist du Mitglied der Werkleitung bei JenaKultur geworden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich hab mich irgendwann Ende der 90er mal f\u00fcr ein Praktikum bei der Kulturarena (KA) beworben. Das war so der Einstieg. Danach war ich vier Jahre B\u00fchnenleiter bei der KA. Sp\u00e4ter habe ich dann bei JenaKultur den Veranstaltungsbereich aufgebaut und seit sechs Jahren bin ich in der Werkleitung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Hast du studiert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ja, Politikwissenschaften hier in Jena und in Siena, Italien, und dann noch ein Zweitstudium im Bereich Marketing.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f4-carstenmuellerchristiangesellmann-1000x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4397\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f4-carstenmuellerchristiangesellmann-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f4-carstenmuellerchristiangesellmann-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f4-carstenmuellerchristiangesellmann-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f4-carstenmuellerchristiangesellmann.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Carsten M\u00fcller | \u00a9 C. Gesellmann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Was von dem, was du in deinem T\u00fcrsteher-Dasein gelernt hast, n\u00fctzt dir jetzt noch was bei deiner Arbeit? Zum Beispiel f\u00fcr eine frustrierende Beratung mit dem Kulturministerium?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Also Didi hat mir beigebracht, dass du den R\u00fccken gerade machen musst im Leben. Dass du f\u00fcr das, was du tust, einstehen musst, egal ob das positiv oder manchmal negativ ist. Ansonsten hast du nach dieser T\u00fcr-Zeit schon eine gewisse Belastbarkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Ruhe weg?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Na ich kann schon sehr unruhig oder besser ungeduldig sein. Aber ich hab manchmal so Situationen, wo ich merke, es l\u00e4uft gerade irgendwas total schei\u00dfe, dann erinnere ich mich aber an das eine oder andere Lebensereignis aus dieser T\u00fcr-Zeit und da wei\u00df ich einfach, das Leben kann dich noch in ganz andere Nischen bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ich glaube, ich wei\u00df was du meinst. Aber das war trotzdem ein bisschen r\u00e4tselhaft&#8230;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn dir jemand mit einem Messer gegen\u00fcber steht, dann macht dir das die Gratwanderung des Lebens deutlich bewusster, als wenn du mal einen schlechten Tag in einem Ministerium gehabt hast. Wenn du sowas erlebt hast, relativieren sich viele Sachen, die einem sonst so im Leben begegnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Das hast du erlebt, dass dich jemand mit dem Messer bedroht hat, hier an der T\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wie kam das?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Da gab es eine Auseinandersetzung zwischen zwei Menschen, der eine hat sich bedroht gef\u00fchlt, hat ein Messer dabei gehabt und stand dann vor mir, weil ich schlichten musste, und war halt einfach auf 180 und hat es dann gegen mich gerichtet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f5-eisenmuellerprivat-1000x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4398\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f5-eisenmuellerprivat-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f5-eisenmuellerprivat-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f5-eisenmuellerprivat-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f5-eisenmuellerprivat.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Sie nannten ihn Eisenm\u00fcller. | \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wie ist das ausgegangen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Situation haben wir zu zweit gel\u00f6st. Das war eigentlich ein Stammkunde damals, der in einer emotionalen Ausnahmesituation war. Wir haben es erstmal geschafft, ihn zu fixieren und ihm das Messer abzunehmen. Und dann haben wir ihn nach Hause geschickt. Nach einer Woche ist er wiedergekommen und hat sich bei uns bedankt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wof\u00fcr hat er sich bedankt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass wir ihn davor bewahrt haben, dass er in der Situation, in der wir eingeschritten sind, m\u00f6glicherweise einen Weg gegangen w\u00e4re, der sein Leben f\u00fcr immer ver\u00e4ndert h\u00e4tte. Das war jemand, der das verstanden hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Habt ihr ihn wieder reingelassen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gibt Leute, die sind aggressiv, weil sie aggressiv sein wollen. Weil sie einfach Bock haben, jemanden kaputtzumachen. Da ist es klar, dass wir sie nicht mehr reinlassen. Bei diesem Typ handelte es sich um jemanden, der in einer Bedr\u00e4ngungssituation war, da gab es eine Vorgeschichte mit einer Schl\u00e4gerei. Das hat sich auch nicht wiederholt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wie wird das eigentlich entschieden, Hausverbot?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gab immer die Montagsrunde im Kassa, wo sowohl die Woche vorbereitet als auch die Wochenenden nochmal ausgewertet wurden. Und da wurden dann auch die &#8222;Spezialf\u00e4lle&#8220; nochmal auf den Tisch gepackt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Also direkt mit Namen, wer was gemacht hat, und wie man damit umgeht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ja. Es gab Leute, die haben ein Jahr Hausverbot gekriegt. Und auch welche, die sind prinzipiell nicht reingekommen. Aber selbst wenn wir Hausverbot erteilt haben, hat derjenige immer die M\u00f6glichkeit bekommen, nochmal das Gespr\u00e4ch mit uns zu suchen. Haben viele nat\u00fcrlich nicht gemacht. Aber die, die mit uns geredet haben und Einsicht gezeigt haben, f\u00fcr die ist das Hausverbot dann meistens verk\u00fcrzt oder gleich wieder aufgehoben worden. Es geht ja um Respekt, wie gesagt. Den bekommt man nicht, indem man der h\u00e4rteste Schl\u00e4ger ist. Irgendeiner ist immer schneller als du. Und Angst und Respekt sind zwei v\u00f6llig unterschiedliche Paar Dinge. Aber du bekommst Respekt, indem du Regeln in einem Laden nachvollziehbar aufstellst, diese vorlebst und Strafen so aussprichst, dass man auch versteht, warum man bestraft wird. Das ist oft nicht einfach, das mussten wir auch erst lernen. Wenn du den Job gut machst, bist du der Schiedsrichter, das neutrale Element. Aber wenn du schei\u00dfe pfeifst, akzeptiert dich auch keiner als Schiedsrichter. Ich meine, wenn du in einen Club gehst, wie nimmst du denn gute Leute an der T\u00fcr wahr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Na im besten Fall, indem ich die gar nicht sehe. Freundlich sein ist immer sch\u00f6n. Nat\u00fcrlich. Ist immer uncool, wenn man an der T\u00fcr angeguckt wird wie: Was willst&#8217;n du hier?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Genau. Bei uns im Team hatte deshalb auch jeder seinen Szeneschwerpunkt. Es gab beispielsweise Leute, die haben immer donnerstags gearbeitet, wenn <u><a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2021\/01\/25\/schaedel-on-the-dancefloor\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dark Wave<\/a><\/u> war. Das war auch wichtig, denn die Leute wussten dann, ah, hier sind Olaf und Acki, und ich kann immer zu denen kommen, wenn was ist, und ich kenne die und das ist ein gutes Gef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f6-olafprivat-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4401\" width=\"306\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f6-olafprivat-2.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f6-olafprivat-2-375x500.jpg 375w\" sizes=\"auto, (max-width: 306px) 100vw, 306px\" \/><figcaption>Olaf | \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\">Ich hab meist die T\u00fcr f\u00fcr die ganzen House- und Technosachen f\u00fcr <u><a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/06\/15\/ich-werd-bloede\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spatz<\/a><\/u> gemacht. Die Gay-House-Reihe gilt heute noch als legend\u00e4r. Oder die ersten Hip-Hop-Partys und Konzerte Ende der 90er. <u><a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/07\/20\/kinder-des-kassa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Organisiert vom gro\u00dfartigen Danny Engel, Ollinger und Ilja und Shame.<\/a><\/u> Es bringt nichts, wenn du jemanden hinstellst, der mit einer bestimmten Szene nichts anfangen kann, dann kriegt er auch keinen Draht zu den G\u00e4sten. Und die G\u00e4ste waren uns immer wichtig. Nachdem wir im Kassa ein Konzert der mongolischen Oberton-S\u00e4nger von Hun-Huur-Tu erlebt hatten, haben Arndt, Alex, Jan, Oli und ich ein Weihnachtskonzert f\u00fcr 200 G\u00e4ste auf Naturv\u00f6lker-Instrumenten gegeben. Als Dankesch\u00f6n von der T\u00fcr f\u00fcr unsere G\u00e4ste. Ich hab den Mitschnitt neulich nach mehr als zwanzig Jahren wieder geh\u00f6rt. Mehr Weihnachtsfrieden ging nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f7-tuersteherweihnachtskonzert1998privat-1000x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4402\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f7-tuersteherweihnachtskonzert1998privat-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f7-tuersteherweihnachtskonzert1998privat-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f7-tuersteherweihnachtskonzert1998privat-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f7-tuersteherweihnachtskonzert1998privat.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>T\u00fcrsteher Weihnachtskonzert 1998. | \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f8-janalexarndtprivat-1000x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4403\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f8-janalexarndtprivat-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f8-janalexarndtprivat-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f8-janalexarndtprivat-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-zwischen-notwehr-und-nett-bleiben-f8-janalexarndtprivat.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Jan, Alex und Arndt. | \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Inzwischen freut man sich ja schon fast drauf, mal wieder abgetastet zu werden.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Clubs fehlen, auf jeden Fall. Es wird Zeit, dass es wieder los geht. Die Herausforderungen, vor denen die Clubs eh alle stehen, sind durch die Pandemie noch gr\u00f6\u00dfer geworden. \u00dcberall, wo ein Laden zumacht, wird es schwer, dass wieder ein neuer aufmacht, egal ob das was Subkulturelles ist oder was Kommerzielleres, gerade noch in einer Stadt wie Jena mit dieser Bauverdichtung. Deswegen gucken wir im Moment schon, dass die Clubs diesen Corona-Winter \u00fcberstehen. Das ist aber nicht einfach. Deswegen ist die rechtliche Anerkennung der Clubs als Kulturorte, die jetzt endlich kommt, extrem wichtig. Vielleicht ist das wenigstens etwas Positives aus dieser Krise, denn die Forderung gab es schon seit Jahren, doch bisher ist die gesellschaftliche Relevanz der Clubs nicht so erkannt worden. Aber ohne Clubs bleibt die junge Kultur auf der Strecke. Egal ob in Jena oder an jedem anderen Ort. Und daf\u00fcr lohnt sich das K\u00e4mpfen noch heute.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-default\" \/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1000x525.jpg\" alt=\"Christian Gesellmann\" class=\"wp-image-2137\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1314x690.jpg 1314w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1320x693.jpg 1320w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Chisrtian Gesellmann | \u00a9 Martin Gommel<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Christian Gesellmann: Das Kassa feierte letztes Jahr seinen 30. Geburtstag! Ein Jahr lang werde ich mich als Stadtschreiber mit den Menschen treffen, die diesen einzigartigen Verein und Club gepr\u00e4gt haben, und ihre Erinnerungen aufschreiben \u2013 und nat\u00fcrlich mit Ihnen\/dir teilen, hier auf diesem Blog,<\/em> <em>auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/christian.gesellmann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/christian.gesellmann\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Instagram<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Welche Geschichten und Erinnerungen verbinden Sie\/verbindest du mit dem Kassablanca? Haben Sie\/ hast du noch irgendwo alte Fotos von Ihnen\/dir und Ihren\/deinen Freunden im Kassa? Ich freue mich auf Post an: <u><a href=\"mailto:allesgute@kassablanca.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">allesgute@kassablanca.de<\/a><\/u><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carsten M\u00fcller war in den 90ern lange Zeit T\u00fcrsteher im \u2013 oder besser gesagt vor dem \u2013 Kassablanca in Jena. #Baseballschl\u00e4gerjahre. 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