{"id":4332,"date":"2021-05-28T07:25:00","date_gmt":"2021-05-28T05:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=4332"},"modified":"2021-05-27T17:30:53","modified_gmt":"2021-05-27T15:30:53","slug":"40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2021\/05\/28\/40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt\/","title":{"rendered":"40 (+1) Jahre \u201eJazz im Paradies\u201c \u2013 Ein Jazz-Wagemut-Projekt"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Im heutigen Gastbeitrag nimmt Sie Martin Breternitz mit auf eine Reise bis zu den Anf\u00e4ngen des heutigen &#8222;<a href=\"http:\/\/www.jazzimparadies.de\/willkommen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jazz im Paradies e.V.<\/a>&#8220; Er beschreibt die ersten Jazz-Konzerte in Jena, die Gr\u00fcndung des Jazzklubs und die Schwierigkeiten, mit denen die Mitglieder des Klubs als Teil einer jugendlichen &#8222;Nischen-Kultur&#8220; in der DDR umgehen mussten.<\/em><br><em>Zum 40. Jubil\u00e4um w\u00fcnschen wir alles Gute und freuen uns auf weitere Veranstaltungen, die aus Jena mittlerweile nicht mehr wegzudenken sind!<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong>0 \u2013 Jazz &#8222;wagen&#8220;? <\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieser Text ruft zu etwas Wagemut auf. Dazu berichtet er vom eigensinnigen Handeln junger Studierender, die hier in Jena Anfang der 1980er Jahre einen Jazzklub gr\u00fcndeten und ihn bis heute aufrechterhalten. Auch wagt er ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Jazzkultur in Zeiten <em>von<\/em>, <em>mit<\/em> und <em>nach<\/em> Corona.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">40 Jahre wird der Jazzklub in Jena nun 2021. Genau genommen werden es tats\u00e4chlich 41 Jahre \u2013 mindestens, denn die Geschichte(n) um und mit Jazz in der Universit\u00e4tsstadt gehen bis an den Anfang der 1950er Jahre zur\u00fcck. Im R\u00fcckblick auf die Wirren und Unsicherheiten des vergangenen Jahres wird die \u201e+1-Rechnung\u201c allerdings nachvollziehbarer (2020 \u2013 \u201edas Jahr der aufgeschobenen Pl\u00e4ne\u201c singt etwa die Berliner <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_5_WQpF6d-U\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">S\u00e4ngerin Dota Kehr<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Einkalkulieren von Lockdowns, Lockerungen und Inzidenzlagen geh\u00f6rt mittlerweile f\u00fcr alle so zum \u201eneuen Normal\u201c, wie Masken, Abstand und Onlinekonferenzen und rechtfertigt eine Jubil\u00e4umsverschiebung allemal. F\u00fcr den kommenden Herbst kann und sollte auf Besserungen f\u00fcr Kulturschaffende gehofft werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Jazz im Paradies, <\/em>seit vier Jahrzehnten Anlaufstelle f\u00fcr Jazzkultur in Jena, pr\u00e4gte die kulturelle und soziale Praxis dieser Musik in Jena in den letzten vier Jahrzenten entscheidend mit. Ein Blick zur\u00fcck.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><em>&nbsp;<\/em><strong>I \u2013 FDJ und Free Jazz \u2013 Der Studentenklub <em>Jazz im Paradies<\/em><\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Dezember 1980 fanden sich etwa ein Dutzend Studierende und Forschende der Friedrich-Schiller-Universita\u0308t zusammen, um in Jena einen Jazzklub zu gr\u00fcnden. Sie nannten sich <em>Jazz im Paradies<\/em> (kurz: <em>JiP<\/em>), der Name verweist auf ihren ersten Veranstaltungsort, das Jugendklubhaus des <em>VEB Jenapharm<\/em> am Rande des Stadteilparks <em>Paradies<\/em>. Im Laufe weniger Wochen und Monate organisierten sie bereits Schallplattenabende, Jazz-Vortra\u0308ge und stets gut besuchte Live-Konzerte mit aus der DDR, der BRD und dem internationalen Raum stammenden Jazzmusikerinnen und -musikern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>JiP<\/em>s Veranstaltungen boten offene Kommunikationsr\u00e4ume, in denen sich junge Menschen \u00fcber Allt\u00e4gliches und, klar, auch Intellektuelles und Musikbezogenes austauschten. Zwangsl\u00e4ufig tauchte der Jazzklub so gelegentlich auf dem Radar der Kreisdienststelle des <em>Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit<\/em> auf und machte auch bei st\u00e4dtischen Kulturverantwortlichen von sich reden. Schon die Gr\u00fcndung von <em>Jazz im Paradies <\/em>stie\u00df auf ein gewisses Misstrauen der Obrigkeit, geschah der Zusammenschluss doch zun\u00e4chst in Eigeninitiative. Die Ortsgruppe des Jenaer <em>Kulturbundes<\/em> \u2013 massenorganisierender Dachverband und Anlaufstelle f\u00fcr zahlreiche kulturelle Vereinigungen in der DDR \u2013 lehnte das Klubvorhaben ab. Auch die <em>FDJ-Hochschulgruppenleitung<\/em> der Universit\u00e4t war eher argw\u00f6hnisch. <em>Kulturbund<\/em> und <em>FDJ<\/em> als sogenannte &#8222;gesellschaftliche Tr\u00e4ger&#8220; waren allerdings obligatorische Voraussetzung gemeinschaftlicher kultureller Bet\u00e4tigungen, ohne die ein &#8222;Klub&#8220;, egal welchem Interesse er gewidmet war, nach DDR-Recht illegal war. Die studentische Jazz-Initiative rettete, dass die \u00f6rtliche <em>FDJ<\/em> wiederum ihrerseits best\u00e4ndig vorzeigbare jugendpolitische Initiativen brauchte. Mit etwas Mut und etwas Dreistigkeit nannte man sich kurzerhand &#8222;Studentenklub&#8220; und reihte sich ein in andere, bereits etablierte kulturelle studentische Initiativen an der <em>FSU<\/em>, wie etwa der bei jungen Jenaerinnen und Jenaern \u00fcberaus beliebten Reihe <em>Musik im H\u00f6rsaal<\/em> (1971 gegr\u00fcndet, feiert der ehemalige Studentenklub gegenw\u00e4rtig \u00fcbrigens sein 50stes Jubil\u00e4um).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Jazzklub, 1981 offiziell erlaubt, erhielt nun eine, wenn auch nicht gerade \u00fcppige Finanzierung durch die Universit\u00e4ts-<em>FDJ<\/em>. Im Gegenzug mussten sie j\u00e4hrliche Finanz- und Programmpl\u00e4ne, &#8222;Kampfprogramme&#8220; und obligatorische Mitarbeit in den regelm\u00e4\u00dfigen monatlichen Sitzungen der FDJ-Gremien ableisten. In einem offiziellen Gru\u0308ndungskommunique\u0301 verdeutlichten die Jenaer Jazzfans ihre intendierten Ziele \u2013 zumindest diejenigen, die sie nach au\u00dfen kommunizierten:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>\u201eAnliegen des Jazzklubs ist es, Freunden des Jazz Gelegenheit zu geben, sich in einer echten Jazz-Atmospha\u0308re \u00fcber die vielseitigen Str\u00f6mungen des modernen Jazz zu informieren. Mit dem Jazzklub soll in Jena, einer Hochburg des Dixieland, eine Veranstaltungsreihe aufgebaut werden, die dem Jazz neue Freunde hinzugewinnt und junge Leute mit den sozialen Aspekten der Jazzmusik vertraut macht.\u201c<\/em><sup><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die eigentlichen Motivationen f\u00fcr den Zusammenschluss unter dem gemeinsamen Nenner \u201aJazz\u2019 lagen f\u00fcr die jungen Jenaer eher anderswo. Vielmehr ging es ihnen darum, sich individuellen Freiraum im sp\u00e4tsozialistischen Staat zu verschaffen.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong>II \u2013 Musiksozialisation und Anf\u00e4nge<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Gr\u00fcndungsmitglieder des Jenaer Jazzklubs, in den 1980er Jahren etwa Mitte, Ende Zwanzig, studierten mehrheitlich naturwissenschaftliche F\u00e4cher an der Jenaer Universit\u00e4t. In ihrer Jugend &#8222;sozialisierten&#8220; sie sich unabh\u00e4ngig voneinander musikalisch mit Jimi Hendrix, <em>Progressive Rock<\/em>, <em>Blues<\/em>, bl\u00e4sergewaltigen <em>Jazz-Rock<\/em>-Bands wie <em>Blood, Sweat &amp; Tears<\/em>, <em>Chicago<\/em>, der <em>Klaus Lenz Modern Soul Big Band<\/em> und zunehmend auch den in den 1970er Jahren avantgardistische Wege beschreitenden DDR-Formationen wie <em>FEZ<\/em>, <em>SOK, Evidence<\/em> und <em>Synopsis<\/em> (dem sp\u00e4teren <em>Zentralquartett<\/em>). Gemeinsam war den Jenaer Jazzfans ein unbestimmter Drang, gegen Ende ihres Studiums etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, das abseits vom sozialistischen Arbeitsalltag und entgegen dem allm\u00e4hlichen Hereinrutschen in gesellschaftliche M\u00fchlen, die f\u00fcr die meisten 40 Jahre Arbeit beim <em>VEB Carl Zeiss<\/em> oder einem anderen Gro\u00dfbetrieb bedeuteten, vonstattengehen sollte. Die verbindende Grundfrage: Das kann\u2019s doch nicht gewesen sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In den 1970ern reisten die Jazzfans zu Jazzfestivals und Konzerten in der gesamten DDR und dem sozialistischen Ausland. Fest im Jahreskalender eingeplante H\u00f6hepunkte, sp\u00e4ter dann meist gemeinsam im Rahmen von <em>Jazz im Paradies <\/em>unternommen<em>,<\/em> waren etwa Besuche der legend\u00e4ren <em>Jazzwerkst\u00e4tten<\/em> in Peitz im damaligen Bezirk Cottbus. Peitz, schon weit vor Gr\u00fcndung von <em>JiP<\/em> als &#8222;Mekka&#8220; der DDR-Jazz-Szene angesehen, bot zahlreichen Jazzfans im Osten dieser Generation Schl\u00fcsselerlebnisse einer spezifischen Lebenswelt und half der Etablierung eines Wir-Gefu\u0308hls von Jazzanha\u0308ngerinnen und Jazzanh\u00e4ngern. Die Festivalreihe in der brandenburgischen Provinz, die teilweise bis zu 3.000 Besucherinnen und Besucher anzog (man sprach vom <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20160304190718\/http:\/www.horch-und-guck.info\/hug\/archiv\/2010-2011\/heft-73\/rezblobel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eWoodstock am Karpfenteich\u201c<\/a>) fand von 1973 bis 1982 statt und wurde weitgehend ohne Einbindung und Eingriff von staatlichen Institutionen durchgef\u00fchrt \u2013 und schlie\u00dflich doch verboten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Jazzfestivals in Prag und Debrecen und insbesondere die internationale Warschauer <em>Jazz Jamboree<\/em> waren f\u00fcr die Jenaer eine Art eskapistisches Abenteuer. Hier gab es exzellente internationale Programme und auf lokalen Schwarzm\u00e4rkten begehrte Platten, die in der DDR nicht erh\u00e4ltlich waren und f\u00fcr die einige bereitwillig ganze Monatsgeh\u00e4lter ausgaben. F\u00fcr ihre Reisen nutzten die Jenaer Jazzfans gegebene Strukturen eigensinnig. Die private Einreise in die VR Polen wurde ab etwa 1980 f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der DDR durch die dortigen politischen Entwicklungen um die <em>Solidarno\u015b\u0107<\/em>-Bewegung erheblich erschwert. <em>JiP<\/em> lie\u00df sich kurzerhand offizi\u00f6se Einladungen eines polnischen Studentenklubs ausstellen, und konnte so doch zu den <em>Jazz Jamborees<\/em> reisen. Die Festivalerlebnisse vermittelten ihnen das Gef\u00fchl, dem reglementierten Alltag in der DDR kurzzeitig zu entkommen und waren zudem wertvolle Inspirationsquellen und letztlich entscheidender Impulsgeber f\u00fcr die jungen Studierenden, selbst Jazzveranstaltungen vor Ort in Jena zu organisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Spezifisch <em>Free Jazz<\/em> wollten sie h\u00f6ren, erleben und bei sich vor Ort veranstalten. So organisierte <em>Jazz im Paradies<\/em> von Beginn an eine gro\u00dfe Bandbreite an Veranstaltungen. Im zweiw\u00f6chigen Turnus gab es Schallplattenabende \u00fcber Jazzmusiker und musikhistorische Vortr\u00e4ge zu Themen wie &#8222;New Orleans und seine Musik&#8220; (im Dezember 1984 von Manfred Blume, Leiter des Jazzklubs Eisenach), &#8222;Blues&#8220; (im Mai 1981, Dr. Mlynski) oder zur &#8222;Geschichte des Jazz&#8220;. Den Schallplattenvortragsabenden \u2013 die Pr\u00e4miere fand am 27. Januar 1981 im Jugendklubhaus des<em> VEB Jenapharm<\/em> zu Miles Davis\u2018 Schaffen der 1970er Jahre von Heiner Kaiser statt \u2013 gingen durch die Referenten intensiv vorbereitete und m\u00fchsam recherchierte Texte und Analysen voraus. Anschlie\u00dfende Gespr\u00e4che zogen sich meist bis tief in die Nacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht nur Musik und Musiker, auch sozialkritische Themen, etwa Aspekte der amerikanischen B\u00fcrgerrechtsbewegung der 1960er und 1970er, bei der Jazz immer eine wichtige Rolle spielte, wurden pr\u00e4sentiert und diskutiert. Exemplarisch hier der Verweis auf eine zweiteilige Vortragsreihe eines Jazzklubmitglieds (Gerold Hildebrand) \u00fcber das <em>Art Ensemble of Chicago<\/em> Anfang der 1980er Jahre (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LG24Todj30o\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Art Ensemble of Chicago [1970]: \u201eCertain Blacks\u201c<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">An Tonquellen und Informationen kamen die Jazzfans allenfalls \u00fcber verschlungene Umwege und weitverzweigte informelle Netzwerke, indem etwa Verwandte aus dem Westen Platten schickten oder gar schmuggelten, bei Freunden und Bekannten Tonb\u00e4nder aufw\u00e4ndig kopiert, oder Originalplatten f\u00fcr horrende Summen auf dem Schwarzmarkt erstanden wurden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"697\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abbildung-1-plakat-mdavis-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4335\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abbildung-1-plakat-mdavis-4.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abbildung-1-plakat-mdavis-4-359x500.jpg 359w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abbildung-1-plakat-mdavis-4-495x690.jpg 495w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption>Ank\u00fcndigungsplakat zu Plattenvortr\u00e4gen \u00fcber Miles Davis, Anfang 1981 im Jugendklubhaus des VEB Jenapharm. | Grafik: Norbert Gladis<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\">Die Hand zum Jenaer Mainstream-Publikum streckte <em>JiP<\/em> alsbald mit Formaten wie etwa einer &#8222;Jazzdisko&#8220; aus, die erste veranstalteten sie am 16. November 1981. Statt Livemusik gab es hier Jazz und Artverwandtes von Schallplatte und Tonband zu h\u00f6ren \u2013 meist ungew\u00f6hnliche, schrille und nur mit viel Willen zur Imagination (be)tanzbare Interpreten und Bands wie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=G0d0rsW9p3I\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Captain Beefheart<\/a> und Frank Zappa. Der Jazzklub veranstaltete Jam Sessions, Workshops und Jazzfilmabende. Nicht selten verkaufte man f\u00fcr Konzerte, besonders jene mit internationaler Beteiligung, um die 300 Eintrittskarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Modern und experimentell hinsichtlich Musik und Konventionen von Publikumseinbindung war auch das erste Konzert <em>JiPs<\/em> im Januar 1981 mit dem <em>Johannes Bauer Trio<\/em>, welches unter den Augen des obligatorisch in offiziellen Veranstaltungsr\u00e4umen gut sichtbar an der Wand angebrachten Honecker-Portraits v\u00f6llig frei improvisierte.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref1\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Musiker bewegten sich w\u00e4hrend des Spielens permanent um die im Halbkreis platzierten Zuschauer, die Trennung von Ausf\u00fchrenden und Zuschauenden aufhebend. Begeistertes Res\u00fcmee eines Klubmitglieds: &#8222;Echte Jazzatmosph\u00e4re kennzeichnete den Abend.&#8220;<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref1\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><\/a>Die gemeinsame Besch\u00e4ftigung mit Jazz im Rahmen des Jenaer Jazzklubs sollte einem damals f\u00fcr Beteiligte gegenw\u00e4rtigen, aber nicht immer exakt zu bestimmendem Gef\u00fchl von Freiheitseinschra\u0308nkung in der DDR der 1980er entgegengestellt werden. Gerade deshalb standen <em>Free Jazz<\/em> und <em>Avantgarde<\/em> hoch im Kurs bei den <em>JiP<\/em>-Mitgliedern. Musikalische Helden waren u.a. Uli Gumpert, G\u00fcnter &#8222;Baby&#8220; Sommer, Konrad &#8222;Conny&#8220; Bauer, Ernst-Ludwig &#8222;Luten&#8220; Petrowsky \u2013 allesamt Vertreter stilistischer Entwicklungen, die in den 1970er Jahren best\u00e4ndig Aufwind, internationale Anerkennung und erheblichen Publikumszuspruch erfuhren.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref1\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die meisten Konzerte organisierten die Jenaer dabei nicht durch Vorgaben und Vertr\u00e4ge der staatlichen <em>Konzert- und Gastspieldirektionen<\/em> (<em>KGD<\/em>), die im Grunde <em>qua Gesetz<\/em> alleiniges Veranstaltungsrecht hatten, sondern mit Hilfe von Kontakten zu wichtigen Szeneorganisatoren wie Ulrich &#8222;Ulli&#8220; Blobel und Peter &#8222;Jimi&#8220; Metag, den Veranstaltern der <em>Jazzwerkstatt<\/em> im brandenburgischen Peitz \u2013 ein quasi inoffizielles, semi-legales Musikmanagement- und semi-privates Veranstaltungswesen innerhalb der eigentlich strikt regulierten Veranstaltungsstrukturen in der DDR.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Durch Blobel und Metag erreichte <em>JiP<\/em> Anfang 1981 das Angebot, erstmals als Veranstalter eine international besetzte Band nach Jena zu holen. Das Konzert des Free-Jazz-Trios <em>Chicago-Wuppertal-Dresden, <\/em>bestehend aus G\u00fcnter &#8222;Baby&#8220; Sommer, Peter Kowald und Leo Smith fand am 18. Februar 1981 im Innenraum des gut gef\u00fcllten Jenaer Planetariums statt. Damit war der Jazzklub als Konzertveranstalter in Jena etabliert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">U\u0308ber die Jahre spielte so im Wesentlichen das <em>Who-is-Who<\/em> der Jazzgro\u0308\u00dfen der damaligen Gegenwart in Jena: Konrad Bauer, <em>Mama Basuto<\/em>, Ulrich Gumpert, Andrea Centazzo, <em>Evidence<\/em>, <em>Bajazzo<\/em>, das <em>Petrowsky-Trio<\/em>, <em>MEDIA NOX<\/em>, Uwe Kropinski, Alan Tomlinson, Joe Sachse, Uschi Bru\u0308ning, Volker Schlott, Aki Takase, <em>Bayon<\/em> und viele mehr. Weil <em>JiP<\/em> \u00fcber keinen festen eigenen Klubraum verf\u00fcgte, wurden Veranstaltungsorte im Stadtgebiet genutzt und Netzwerke st\u00e4ndig erweitert. Veranstaltungsra\u0308ume waren das <em>Jenapharm-Jugendklubhaus<\/em>, Kulturhaus der Glasarbeiter, Planetarium, diverse Physik- und Chemieho\u0308rsa\u0308le, das Stadttheater, die Studentenklubs <em>Schmiede<\/em>, <em>Unikum <\/em>und <em>Rosenkeller<\/em>, die Mensa am Philosophenweg, das Kino <em>Capitol<\/em>, der Probenraum der Jenaer Philharmonie, das <em>Paradiescafe\u0301<\/em>, das Foyer der Ernst-Abbe-Bu\u0308cherei, das <em>Kulturzentrum Lobeda-West<\/em>, das <em>Volkshaus Jena<\/em> und die Aula des Universita\u0308tshauptgeba\u0308udes.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong>III \u2013 Jazzklubs als &#8222;Nische&#8220; <\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Jazzklubs in Gestalt von <em>Arbeits<\/em>&#8211; und <em>Interessengemeinschaften<\/em> gab es in zahlreichen St\u00e4dten der DDR.<sup><a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref1\">[5]<\/a><\/sup> Mal der <em>FDJ<\/em>, mal dem <em>Kulturbund<\/em>, selten auch lokalen Kulturh\u00e4usern zugeh\u00f6rig, waren im Th\u00fcringer Raum Jazzklubs in Eisenach, Erfurt, Weimar, Nordhausen, Ilmenau, Sonneberg und Altenburg, zeitweise auch in Gotha, Gera, M\u00fchlhausen, Bad Salzungen, Saalfeld, P\u00f6\u00dfneck, So\u0308mmerda und Suhl aktiv. Die Jazzklubs waren selbstgew\u00e4hlte Vergemeinschaftungen junger, an Jazzkultur interessierter Menschen, und wirkten sich konkret auf das lokale kulturelle Leben ihres Umfelds aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Alleine in Jena organisierte der Jazzklub j\u00e4hrlich mehr als ein Dutzend Veranstaltungen, andere Jazzklubs ver\u00f6ffentlichten umfangreiche Informationsbl\u00e4tter und holten best\u00e4ndig K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler auch aus dem &#8222;nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet&#8220; (<em>NSW<\/em> = Westen) in ihre Wirkungsorte und erzeugten so best\u00e4ndige Ru\u0308ckkopplungseffekte mit ihrem kulturellen Umfeld. Sie trugen ma\u00dfgeblich zur Jazzkultur in der DDR bei, indem sie st\u00e4ndige Auftrittsmo\u0308glichkeiten vor fast immer zahlreichen Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern boten \u2013 und somit sowohl \u00f6konomische als auch kreativ-performative Plattformen f\u00fcr Jazzkultur darstellten. Bis Ende 1989 z\u00e4hlte man in Jena \u00fcber 160 <em>JiP<\/em>-Jazzveranstaltungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vieles in diesen Szenen war, was man heute <em>DIY<\/em> (<em>Do-it-yourself<\/em>) nennt. Konzertplakate, Veranstaltungsformate, Auswahl und Booking der K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, Konzertvor- und Nachbereitung \u2013 eine im Grunde durchweg &#8222;selbstorganisierte Kulturform&#8220;, wie Susanne Binas etwa im Hinblick auf die selbstbestimmten Praktiken der sogenannten &#8222;anderen Bands&#8220; in der sp\u00e4ten DDR feststellte.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref1\"><sup>[6]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In ihrem Jazzklub suchten die Jenaer Studierenden nach individuellen Freir\u00e4umen und schufen sich &#8222;Nischen&#8220; innerhalb ihres Lebensumfeldes. Die &#8222;Nische&#8220;, zur\u00fcckgehend auf G\u00fcnther Gaus\u2018 Beobachtungen damaliger Lebensverh\u00e4ltnisse in der DDR, dient hier in gleichen Teilen als Selbst- und Fremdbeschreibung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Thomas &#8222;Tommy&#8220; Eckardt, Gr\u00fcndungsmitglied und langj\u00e4hriger Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von <em>JiP<\/em> bilanzierte \u00fcber die empfundene Verortung des Klubs im Stadt- und Kulturleben Jenas der 1980er:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>\u201cKlar wurden wir auch angefeindet. Wir sollten uns auch aufl\u00f6sen, wir waren ja Sammelbecken, theoretisch. Wir waren ja im Wesentlichen, wie alles: Nische. Der ganze Free Jazz in der DDR funktionierte ja auch nur so: als Nische.\u201c<\/em><sup><a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\" data-wplink-edit=\"true\">[7]<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Innerhalb ihrer selbst geschaffene Nische, zu der rund ein Dutzend junger Menschen in Jena geh\u00f6rten, grenzten sie sich im Rahmen geteilter Privatheit von einer bis in den Alltag hinein politisierten \u00d6ffentlichkeit einer &#8222;durchherrschten&#8220; Gesellschaft (Kocka 1994) ab. Die Nische bot Identit\u00e4t, Individualit\u00e4t und erzeugte Gemeinschaftsgef\u00fchl. Etliche dieser musikaffinen Nischen existierten in der sp\u00e4ten DDR, blickt man beispielsweise alleine in Richtung der Fans von Blues, Tramps und den sogenannten &#8222;Kunden&#8220;<sup><a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a><\/sup>, oder auch Heavy Metal-<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a>, New Wave- und Punk-Fans, die in mal mehr, mal weniger gesellschaftlich akzeptierten Randbereichen der DDR-Jugendkultur existierten.<a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abbildung-2-jazz-im-paradies-gruppenfoto-1-1000x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4337\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abbildung-2-jazz-im-paradies-gruppenfoto-1-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abbildung-2-jazz-im-paradies-gruppenfoto-1-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abbildung-2-jazz-im-paradies-gruppenfoto-1-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abbildung-2-jazz-im-paradies-gruppenfoto-1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Gr\u00fcndungsmitglieder von Jazz im Paradies, ca. 1983 (v.l.n.r.): K.-H. G\u00fcnther, Heiner Kaiser, B. Sobeck, nicht bekannt, B. G\u00f6tz, Thomas Eckardt, Dorle Urban, I. Kaiser, L. Sobeck, D. Eichler (verdeckt), Ch. Seeling, Th. Zeth | Foto: D. Urban<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\">Die lokalen und stets \u00fcberregional bestens vernetzten Jazz-Szenen konstituierten sich anhand geteilter Werte, \u00e4hnlicher \u00e4sthetischer Auffassungen und Lebensentw\u00fcrfe, sie orientierten sich jedoch vor allem an gemeinsamen Musikerlebnissen und dem gemeinsamen Interesse an Jazz. Wie andere musikaffine Szenen und Kulturen in der DDR hatten die Jazzklubs eher eine Ausrichtung nach innen und dienten dem Ausbau eigener Individualit\u00e4t und individueller Freir\u00e4ume. Selten wurde hier eine grunds\u00e4tzliche \u00c4nderung der Gesellschaft zum offen ausgetragenen Ziel des eigenen kulturellen Handelns erhoben.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong>IV \u2013 Jazz im DDR-Staatssozialismus<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Jazz galt in der DDR f\u00fcr Jahrzehnte als &#8222;negativ-dekadente&#8220; Musik des &#8222;Klassenfeindes&#8220; USA. Prozesse der Umdeutung von Jazz, etwa als &#8222;authentische nordamerikanische Volksmusik der unterdr\u00fcckten schwarzen Arbeiterklasse&#8220;, die es seit den 1950er und 1960er Jahren gab, gingen insgesamt nur kleinschrittig und langsam voran. Die Musikkultur indes entwickelte sich in der DDR und auch international best\u00e4ndig weiter. Jazzk\u00fcnstlerinnen und -k\u00fcnstler, besonders im <em>Avantgarde<\/em>&#8211; und <em>Free<\/em>-Bereich emanzipierten sich ab den 1960ern von amerikanischen Vorbildern und fanden auch in der BRD und der internationalen Szene hohe Anerkennung. In den 1970ern wandelte sich staatlicher Argwohn in zunehmende Institutionalisierung und Professionalisierung, die neben F\u00f6rderungen zwar auch weitreichende Regulationen mit sich brachte, aber schlussendlich zur Anerkennung von Jazz in der DDR f\u00fchrte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dies sch\u00fctzte allerdings weder Musikerinnen und Musiker noch Fans vor Beobachtung, lokalen Auftrittsverboten, schablonenhaft gef\u00fchrten ideologischen Grundsatzdiskussionen in den zust\u00e4ndigen Ministerien und mitunter strengen Kontrollen durch zentrale und lokale Kulturinstitutionen. Bei Anh\u00e4ngerinnen und Anh\u00e4ngern von Jazz, besonders von <em>Free Jazz<\/em> und <em>Avantgarde<\/em> vermutete der Staat diffuse Protesthaltungen und Gegenpositionen \u2013 womit er letztlich recht hatte. Mit dieser Position generierte die SED jedoch Widerspr\u00fcche und Widerst\u00e4nde meist selbst, wie der Historiker und jetzige Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Dr. Peter Wurschi feststellte: &#8222;Erst durch Ausgrenzung und Kriminalisierung dieser Jugendlichen durch die staatlichen Institutionen (FDJ, Schule, Betrieb, Polizei, etc.) und die Erwachsenenwelt wurden viele der nonkonformen Jugendlichen politisiert.&#8220;<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was staatssozialistische Rahmensetzungen mit Alltags- und Lebenserfahrungen von Jenaer Jazzfans in den 1980ern zu tun hatten, wird sichtbar, nutzt man den Begriff des &#8222;Eigensinns&#8220;.<sup><a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[11]<\/a><\/sup>&nbsp;Eigensinn sucht nicht unbedingt nach Geschichte(n) stilisierten Heldentums oder offenen Kampfes, Ideologietreue oder aktivem Widerstand und beschr\u00e4nkt sich nicht auf dichotome T\u00e4ter- und Opferschemata. Vielmehr r\u00fcckt er den Lebensalltag von (nicht nur) jungen Menschen in der DDR in den Fokus, die nicht immer exakt auf Linie waren. Wie viele nahmen auch die Jenaer Jazzfans jeweilige sozialistische Gegebenheiten und deuteten diese eigensinnig f\u00fcr sich um.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gemeinsam war vielen Jazzfans zu dieser Zeit ein \u00e4hnliches, da grundlegendes Thema: Das Verh\u00e4ltnis zwischen &#8222;Individualit\u00e4t und Kollektivit\u00e4t&#8220;<sup><a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[12]<\/a><\/sup> und die Suche nach Lebensentw\u00fcrfen, die sich staatlichen Eingriffen in pers\u00f6nliche Lebensbereiche entzogen. Es ging selten um direktes Aufbegehren im Sinne von offenem Protest, sondern rief vielmehr eine Art des selbstbestimmten <em>Daneben-Seins<\/em> hervor. Der Jazzjournalist und Autor Dr. Ulrich Steinmetzger illustrierte diese Haltung anhand einer eindr\u00fccklichen Selbstverortung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#8222;Dieses <em>Daneben-Sein<\/em>, das ist ein gro\u00dfer Unterschied. Wenn du <em>gegen<\/em> etwas bist, dann musst du das <em>Dagegen-Sein<\/em> artikulieren in der Sprache derjenigen, gegen die du bist. Du tust das eben mit umgekehrten Vorzeichen, oder mit einer Protesthaltung. Wenn du aber <em>daneben<\/em> bist, versuchst du das einfach zu ignorieren und etwas Anderes zu finden.&#8220;<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong>V \u2013 Repression und U\u0308berwachung<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass Jena in den 1980er Jahren in gewisser Weise unter besonderer beh\u00f6rdlicher Beobachtung stand ist ein offenes Geheimnis, galt Jena doch vielen Kreisen als &#8222;heimliche Hauptstadt&#8220; von Opposition und Friedensbewegung in der DDR.<sup><a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[14]<\/a><\/sup> F\u00fcr Staatssicherheit (MfS) und SED-Parteileitung trugen alle diesem Dunstkreis Zugeordneten den Makel der Subversivita\u0308t, Konterrevolution und eines etwaig gef\u00e4hrlichen, aber unbestimmten Nonkonformismus. Die Jazzkreise \u00fcberschnitten sich dabei durchaus mit oppositionellen Gruppen im Jenaer Raum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In dieser angespannten Atmosph\u00e4re der 1980er Jahre gingen Veranstaltungen von <em>JiP<\/em> nicht immer ohne Repressalien von statten. So hatte der Klub am 4. Juni 1986 eine bereits im Vorfeld ausverkaufte Veranstaltung organisiert, bei der der Free-Jazz-Posaunist Conny Bauer gemeinsam mit der US-amerikanischen T\u00e4nzerin Cheryl Banks im Jenaer Stadttheater auftreten sollte. Aus Angst und einer bef\u00fcrchteten Massenansammlung &#8222;negativer Elemente&#8220; verbot das <em>MfS<\/em> das Konzert im Vorfeld per Telegramm. Nach Absprache mit Bauer entschlossen sich Jazzklub und K\u00fcnstler dazu, das Konzert trotzdem stattfinden zu lassen. Hierzu geh\u00f6rte Mut aller Beteiligten. F\u00fcr den Jazzklub gab es im Nachgang Konflikte mit den Beh\u00f6rden. Bei einer heftigen Anh\u00f6rung wurde Eckardt nach Motiven f\u00fcr sein Verhalten vernommen. Er redete sich heraus und der Klub durfte seine Aktivit\u00e4ten fortsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie schnell dabei staatliches F\u00f6rdern in Fordern und Verbote umschlagen konnte, zeigt etwa auch die wenig bekannte Geschichte der <em>Jenaer Jazztage<\/em>. Ab Anfang der 1980er kuratierte <em>JiP<\/em> hier einen Programmtag (meist <em>Avantgarde<\/em> \u2013&nbsp;nat\u00fcrlich). Die <em>Jazztage<\/em> ihrerseits wurden jedoch bereits seit 1974 in der Universit\u00e4tsstadt veranstaltet. Die Organisationsleitung des Festivals hatte zun\u00e4chst die <em>FDJ<\/em>-Kreisleitung Jena-Stadt, der <em>FDJ<\/em>-Jugendklub des <em>VEB Carl Zeiss<\/em> und die <em>FDJ<\/em>-Hochschulgruppenleitung (<em>HSGL<\/em>) der Universit\u00e4t.<sup><a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[15]<\/a><\/sup> Den ersten Festival-Abend gestalteten <em>Old-Time-<\/em> und <em>Traditional-<\/em>Bands (<em>Old Time Memory Jazz Band<\/em> und <em>Jenaer Dixieland Stompers<\/em>), die zwei folgenden Abende moderne Formationen, auch Jam Sessions wurden angeboten. Dass etwa 2500 Jenaer Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer teilnahmen, sahen die Organisationsverantwortlichen als guten Grund f\u00fcr eine Fortf\u00fchrung des Formates.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ab 1975 organisierte ein ehrenamtliches Organisationskomitee aus engagierten Einzelpersonen und <em>FDJ<\/em>-Leitungen mit dem <em>Rat der Stadt<\/em> die organisatorischen Belange der <em>Jazztage.<\/em> Ank\u00fcndigungen wurden sogar \u00fcberregional in der Tageszeitung <em>Neues Deutschland<\/em> und beim Jugendsender<em> DT 64<\/em> platziert. Die Ausb\u00fcrgerung des kritischen Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 brachte f\u00fcr das ehrenamtliche Komitee erhebliche Probleme mit sich. Au\u00dfer einem verweigerten alle Beteiligten die geforderte Unterschrift zur Bef\u00fcrwortung von Biermanns Ausb\u00fcrgerung, was im Januar 1977 zum Verbot des Komitees &#8222;wegen halbillegaler Gruppenbildung&#8220; f\u00fchrte.<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Den Musikern Uli Gumpert, G\u00fcnter &#8222;Baby&#8220; Sommer und der Formation <em>Media Nox<\/em> wurde kurzfristig f\u00fcr die 1976er Festival-Ausgabe Auftrittsverbot erteilt, das Festival-Programm musste &#8222;kurz vor knapp&#8220; komplett umgeworfen und alle Programme und Plakate neu gedruckt werden. D\u00f6rte Eppelin, die mit einem am Festival beteiligten Zeitzeugen sprach, eruierte f\u00fcr die 1976er Ausgabe der <em>Jazztage: &#8222;<\/em>F\u00fcr die Sessions wurden statt den \u00fcblichen 170 nur 130 Karten verkauft, die anderen waren f\u00fcr Mitarbeiter der Stasi bestimmt.&#8220;<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> In der Folge des direkten Eingreifens durch Parteileitung und Funktion\u00e4re musste sich das Organisationskomitee v\u00f6llig neu gr\u00fcnden und war nun direkt an die <i class=\"\">Abteilung Kultur<\/i> angeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das musikalische Panorama der in Jena in den 1980er Jahren gebotenen Popul\u00e4r-, Mainstream- und Avantgardemusik war erdenklich breit aufgestellt: <em>Jazz im Paradies<\/em> bot intensive konzertante, offene, workshopartige und experimentierfreudige Auseinandersetzungen mit avantgardistischen Str\u00f6mungen von Musik und Kunst, die <em>Dixieland<\/em>-und <em>Traditional<\/em>-Szene florierte in parallelen Ebenen und staatliche Angebote, wie die <em>Jenaer Jazztage<\/em> erg\u00e4nzten sich mit eher an Unterhaltung, <em>Mainstream<\/em>, <em>Blues<\/em> und <em>Folk<\/em> orientierten, stets nur unter gro\u00dfem individuellem Einsatz der beteiligten Akteure erm\u00f6glichten Angeboten von <em>Musik im H\u00f6rsaal<\/em>. Als legend\u00e4r gelten noch heute auch die Darbietungen des Jenaer Pantomime-K\u00fcnstlers Harald Seime, bei denen Jazz und pantomimisches Theater verschmolz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">War Jena also ein &#8222;Paradies&#8220; f\u00fcr Jazzfans? Diese Darstellung differenzieren Zwischent\u00f6ne. Das Gef\u00fchl von \u00dcberwachung und unterstellter Subversivit\u00e4t \u2013 ob bewusst selbst zugeschrieben oder staatlicherseits als Feindbildschablone an die jungen Menschen angelegt, war jedenfalls nicht unbegr\u00fcndet. Ein Auszug einer fr\u00fchen Einsch\u00e4tzung des Jazzklubs aus Akten der Staatssicherheit von Jazzklubmitglied Thomas Eckardt verdeutlicht, dass \u00dcberwachung von Anfang an dazugeh\u00f6rte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#8222;Der Klub entstand durch Eigeninitiative von \u201aJazzanha\u0308ngern\u2019. Aus finanziellen Gru\u0308nden wurde die Hochschulgruppenleitung der Freien Deutschen Jugend (HSGL\/FDJ) an der Friedrich-Schiller-Universita\u0308t (FSU) Jena als gesellschaftlich \u00fcbergeordnete Leitung gew\u00e4hlt. Etwa 50 Prozent der Mitglieder\/Leitungsmitglieder sind keine Angeh\u00f6rigen der FSU. Ein gesellschaftlicher Einfluss ist nicht gegeben. Es werden Konzerte (bis 300 Personen) im Kulturhaus \u201aGlasarbeiter\u2019 und Vortr\u00e4ge zu Lyrik\/Prosa\/Jazz\/Film abgehalten. Besucher sind zum Gro\u00dfteil dekadente Jugendliche und politisch negativ eingestellte Personenkreise. Es bestehen Querverbindungen durch die Leitungsmitglieder zu oppositionellen Kr\u00e4ften in Bereichen des k\u00fcnstlerischen Laienschaffens [&#8230;]. Die Klubleitung ist bestrebt, ihre Arbeit nach au\u00dfen hin zu konspirieren. [&#8230;] Bei Auflaufen weiterer Schwierigkeiten mit der HSGL\/FDJ ist man bestrebt, einen anderen gesellschaftlichen Tr\u00e4ger zu suchen.\u201c<sup><a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[18]<\/a><\/sup><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Letztlich blieb der Jenaer Jazzklub weitestgehend unbehelligt von Ma\u00dfnahmen der Staatssicherheit, obwohl eines der Mitglieder als regelm\u00e4\u00dfiger Informant f\u00fcr die Stasi t\u00e4tig war, wie sich nach der Wende herausstellte. Er lieferte allerdings kaum nennenswerte Berichte zu <em>JiP<\/em> und widmete sich vermutlich anderen Beobachtungsaufgaben innerhalb der Jenaer Universit\u00e4t \u2013 so jedenfalls vermuten es die <em>JiP<\/em>-Mitglieder im Nachhinein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">An anderen Orten der Jazzaktivit\u00e4ten im Mitteldeutschen Raum gingen Eingriffe der Staatssicherheit wesentlich destruktiver von statten, als Beispiele seien hier der Jahrzehnte andauernde &#8222;Operative Vorgang \u201aBlues\u2018&#8220; in Eisenach und die teils in Haftstrafen gipfelnden Eingriffe in den Jazzklub in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) zumindest erw\u00e4hnt.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong>VI \u2013 Jazz in Jena nach 1989\/90<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Der gesellschaftliche Umbruch 1989\/90 ver\u00e4nderte, was Jazz in der DDR f\u00fcr das breite Publikum attraktiv machte und auch die Struktur von <em>Jazz im Paradies<\/em>. Die neue Zeit stellte den ehemaligen <em>FDJ<\/em>-Studentenklub vor grundlegende Fragen: Wie k\u00f6nnen \u00fcberhaupt noch Konzerte veranstaltet werden? Auf welches Finanzierungsmodell sollte der Klub, nun als Verein nach bundesdeutschem Recht, in Zukunft zur\u00fcckgreifen? Das junge Jenaer Konzertpublikum ging, zumindest teil- und zeitweise, anderen kulturellen Interessen und Bed\u00fcrfnissen als Jazzkonzertbesuchen nach. Z\u00fcgig, aber mit erheblichem b\u00fcrokratischem Aufwand organisierte man die Neugr\u00fcndung als <em><a href=\"http:\/\/www.jazzimparadies.de\/willkommen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jazz im Paradies e. V.<\/a><\/em> &nbsp;und organisierte parallel bereits weiter Veranstaltungen, allein 1990 waren es etwa ein Dutzend. Viele Mitglieder und Sympathisanten des damaligen Jazzkreises sind heute noch aktiv. Sie beteiligen sich entweder am Vereinsleben, oder spielen, wie im Falle von Thomas Eckardt als Projektmanager des gr\u00f6\u00dften Jazzfestivals im Freistaat, der <a href=\"http:\/\/www.jazzmeile.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jazzmeile Th\u00fcringen<\/a>, seit vielen Jahren eine Schl\u00fcsselrolle bei der Organisation von Jazz-Veranstaltungen und -Konzertreihen und wirken sich so formativ auf die kulturelle Szene Jenas aus.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\"><strong>VII \u2013 Jazz &#8222;wagen&#8220;.<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Zur\u00fcck in der Gegenwart folgt ein Zukunftsausblick. Nat\u00fcrlich verschlie\u00dft sich der Begriff des &#8222;Wagens&#8220; in diesem Text gegen\u00fcber Auffassungen, die fern jeder wissenschaftlichen Erkenntnis liegen oder gar gegen die letztlich alle sch\u00fctzenden Ma\u00dfnahmen aufrufen. (<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/start\/studierende-in-der-corona-pandemie-alle-leiden-a-c601ac57-e5ca-4a88-908b-b8327a80319b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Alle leiden. Punkt.&#8220;<\/a> schrieb etwa der Spiegel in einer Kolumne Anfang M\u00e4rz).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Kontrast zu in diesem Beitrag umrissenen historischen Bedingungen f\u00fcr kulturelles Handeln zum gegenw\u00e4rtigen gesellschaftlichen Leben in Deutschland unter demokratischen Bedingungen allerdings k\u00f6nnte kaum st\u00e4rker sein, findet letzteres doch in Rahmensetzungen statt, die etwa den damaligen Jazzklubangeh\u00f6rigen \u2013 wie letztlich allen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern der DDR \u2013 nur im bedingten Ma\u00dfe zugeschrieben wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jazz fand dabei im Grunde schon immer im Kontext von Moderne statt (Johnson 2017).<sup><a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[19]<\/a><\/sup> <em>Wie<\/em> und <em>wo<\/em> Jazzkultur zu Progressivit\u00e4t und Ver\u00e4nderung etablierter Strukturen, etwa zu mehr gesellschaftlicher Gerechtigkeit und der Gleichwertigkeit von Kulturen gegenw\u00e4rtig und zuk\u00fcnftig beitragen kann, wird sich zeigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jazz wieder auf die B\u00fchne zu bringen, ist dabei ein wichtiger Schritt. Hierbei k\u00f6nnen gerade die historisch gewachsenen, lokalen Jazzklubs entscheidend beitragen. Die Alltags- und Erfahrungswelt der Jenaer Jazzklubakteure eher <em>neben<\/em> statt <em>gegen<\/em> sozialistische Gesellschaftsrahmungen in der DDR der 1980er Jahre lassen sich historisch zwar umrei\u00dfen, wie in diesem Text in Ans\u00e4tzen unternommen. Besser lassen sich individuelle Lebensgeschichten aber vor Ort erfahren, im Austausch mit den Jenaer Jazzfans, den Musikerinnen und Musikern, und \u2013 hoffentlich, im Rahmen der Hygieneregelungen \u2013 den Besucherinnen und Besuchern. Es ist der Austausch und das gemeinsame Musik-Erleben, das im Sinne der auch heute noch aktiven Jazzorganisatoren von <em>Jazz im Paradies e.V. <\/em>ist. Das gemeinsame Erleben von Jazzkultur <em>live<\/em> und <em>vor Ort<\/em> erm\u00f6glicht Kommunikationsr\u00e4ume, pers\u00f6nliche Begegnungen im Austausch und, nat\u00fcrlich: Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein Grund mehr, der vom Programm <a href=\"https:\/\/www.initiative-musik.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NEUSTART KULTUR der Initiative Musik<\/a> gef\u00f6rderten Veranstaltungsreihe zum 40-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Jenaer Jazzklubs <em>Jazz im Paradies<\/em> im November 2021 selbst beizuwohnen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"707\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abb.-3-jip-plakat-2021-a1-bunt-final-01-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4362\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abb.-3-jip-plakat-2021-a1-bunt-final-01-1.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abb.-3-jip-plakat-2021-a1-bunt-final-01-1-354x500.jpg 354w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-40-1-jahre-jazz-im-paradies-ein-jazz-wagemut-projekt-abb.-3-jip-plakat-2021-a1-bunt-final-01-1-488x690.jpg 488w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2><strong>Programm<\/strong><strong> &#8222;40 Jahre <\/strong><strong><em>Jazz im Paradies \u2013 <\/em><\/strong><strong>ein Wagemut-Projekt&#8220;<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Mittwoch<\/strong><strong>,<\/strong><strong> 22.09.2021 \u2013 TRAFO <\/strong><em>(<\/em><em>Prologveranstaltung<\/em><em>)<br><\/em>&#8222;Der Weg nach Oobliadooh\u201c von Fritz Rudolf Fries, Helmut B\u00f6ttiger \u2013 Lesung und Gespr\u00e4ch<br>G\u00dcNTER &#8222;BABY&#8220; SOMMER trifft den Pianisten SIMON LUCACIU; Moderation: Nancy H\u00fcnger<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Eine Vision ohne Handeln ist ein Tagtraum. Handeln ohne Vision ist ein Albtraum!<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 04.11.2021 <\/strong>startet das Auftaktkonzert mit zwei hochkar\u00e4tig besetzten Trios:<br>BAUER\/BAUER\/NARVESEN &amp; SCHULTZE\/RAINEY\/EHWALD im <strong>Caf\u00e9 Wagner.<\/strong><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Freitag, 05.11.2021<\/strong> finden am gleichen Ort Vortr\u00e4ge, Zeitzeugengespr\u00e4che und Podiumsbegegnungen statt. Bekannte Jazzpublizisten haben sich angesagt, u.a. Rainer Bratfisch, Ralf Dombrowski, Wolfgang K\u00f6nig und Ulrich Steinmetzger.<\/p>\n<p>Konzertabend mit Geburtstags\u00fcberraschungsband<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samstag, 06.11.2021<\/strong> \u2013 <strong>Caf\u00e9 Wagner<\/strong> bietet Konzerte und Gespr\u00e4che zu Zukunftsthemen im Jazz.<\/p>\n<p>Abends Konzert mit <a href=\"https:\/\/jakobmanz.de\/the-jakob-manz-project\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Jakob Manz Projekt<\/a><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sonntag, 07.11. \u2013 Panorama Gastst\u00e4tte Schlegelsberg<br><\/strong>Abschlusskonzert mit Angelika Weiz, Charlie Eitner &amp; Friends.<\/p>\n<p><strong>Der Kartenvorverkauf findet an den bekannten Vorverkaufsstellen sowie der Jena Tourist-Information statt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<p><em>Martin Breternitz, dem wir sehr herzlich f\u00fcr diesen Gastbeitrag danken, studierte Musikwissenschaft an der Universit\u00e4t Leipzig und Hochschule f\u00fcr Musik FRANZ LISZT Weimar. Seit 2017 forscht er an der FSU Jena und HfM Weimar zu Jazz in der DDR aus alltagsgeschichtlichen, biographischen und praxeologischen Perspektiven mit Schwerpunkt auf Jazzklubs, musikalischen Aneignungsformen und Eigensinn von Jazzmusikerinnen und -musikern im Th\u00fcringer Raum 1959-1989.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-default\" \/>\n\n\n\n<p><em>Ganz sicher kennen Sie den Jazz im Paradies e.V., die Jazzmeile Th\u00fcringen und den &#8222;guten Geist&#8220; dahinter, Thomas (Tommy) Eckardt. Wollen Sie auch gratulieren oder Erinnerungen mitteilen? Wir freuen uns \u00fcber Ihr Feedback!<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator is-style-wide\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Dieter Urban (1981): Gr\u00fcndungskommuniqu\u00e9 \u201eJazz im Paradies\u201c. Archiv <em>Jazz im Paradies e.V.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Die bizarre Szenerie h\u00e4lt ein Foto fest, dass in Thomas Eckardts Beitrag in Rainer Bratfischs &#8222;Freie T\u00f6ne&#8220; abgedruckt ist \u2013 Thomas Eckardt (2005): &#8222;Jena: \u201aIllusionen platzen immer \u2013 Tr\u00e4ume werden wahr\u2018 (Yoko Ono)&#8220;, In: Rainer Bratfisch (Hg.): <em>Freie T\u00f6ne. Die Jazzszene in der DDR.<\/em> Berlin: Ch. Links, S. 257.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> Dieter Urban (1981): &#8222;Neu in Jenas Kulturlandschaft: \u201aJazz im Paradies\u2018. Bekanntmachen mit Anliegen und Ausdrucksm\u00f6glichkeiten des Jazz in Wort und Ton&#8220;. Wandzeitungstext. Archiv <em>Jazz im Paradies e.V.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Ausf\u00fchrlich hierzu: Martin Pfleiderer (2018): &#8222;Jazz in Germany&#8220;, In: Francesco Martinelli (Hg.): <em>The History of European Jazz. <\/em><em>The Music, Musicians and Audience in Context. <\/em>Sheffield: Equinox, S. 96-119 &amp; Wolfram Knauer (2019): <em>&#8218;Play yourself, man!&#8216; <\/em><em>Die Geschichte des Jazz in Deutschland. <\/em>Ditzingen: Reclam.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> Man kann von etwa 60 Jazzklubs in der DDR der 1980er Jahre ausgehen \u2013 siehe Rainer Bratfisch (2005: 231-234).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Susanne Binas (1996): &#8222;Die &#8218;anderen Bands&#8216; und ihre Kassettenproduktionen \u2013 Zwischen organisiertem Kulturbetrieb und selbstorganisierten Kulturformen&#8220;, In: Peter Wicke und Lothar M\u00fcller (Hgg.): <em>Rockmusik und Politik. Analysen, Interviews und Dokumente. <\/em>Berlin: Ch. Links, S.48-62.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> Martin Breternitz (2017): <em>Jazz in Jena. Eine musikaffine Szene zwischen Subkultur, Nonkonformismus und gesellschaftlicher Nische in den 1980er Jahren.<\/em> In: Geschichtswerkstatt Jena e.V., Th\u00fcringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Hgg.): &#8222;Gerbergasse 18&#8220;, Ausgabe 02\/2017, Heft 83, Jena, S.38.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> Michael Rauhut \/ Reinhard Lorenz (2008), (Hgg.): <em>Ich hab den Blues schon etwas l\u00e4nger: Spuren einer Musik in Deutschland.<\/em> Berlin: Ch. Links.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> Ausf\u00fchrlich hierzu: Wolf-Georg Zaddach (2018): <em>Heavy Metal in der DDR. Szene, Akteure, Praktiken<\/em>. Bielefeld: Transcript &amp; Florian Lipp (2021): <em>Punk und New Wave im letzten Jahrzehnt der DDR. <\/em>M\u00fcnster: Waxmann.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> Peter Wurschi (2007): <em>Rennsteigbeat: Jugendliche Subkulturen im Th\u00fcringer Raum 1952-1989.<\/em> K\u00f6ln\/Weimar\/Wien: B\u00f6hlau, S. 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[11]<\/a> Im Wesentlichen zur\u00fcckgehend auf Alf L\u00fcdtke (1993): <em>Eigen-Sinn. Fabrikalltag, Arbeitererfahrungen und Politik vom Kaiserreich in den Faschismus<\/em>. Hamburg: Ergebnisse-Verlag.<br>Thomas Lindenberger, der u.a. das Konzept weiterentwickelte, schrieb einen zug\u00e4nglichen Artikel auf <a href=\"https:\/\/docupedia.de\/zg\/Lindenberger_eigensinn_v1_de_2014\">https:\/\/docupedia.de\/zg\/Lindenberger_eigensinn_v1_de_2014<\/a> \u2013 Thomas Lindenberger (2014): &#8222;Eigen-Sinn, Herrschaft und kein Widerstand&#8220;, In: <em>Docupedia-Zeitgeschichte.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[12]<\/a> Hermann Wentker (2009): &#8222;Forschungsperspektiven und -desiderate der DDR-Geschichte&#8220;, In: Daniel Hechler (et al.): <em>Promovieren zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte<\/em>. Berlin: Metropol, S. 27.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[13]<\/a> Martin Breternitz (2017: 41).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[14]<\/a> Vgl. Udo Scheer (1999): <em>Vision und Wirklichkeit. Die Opposition in Jena in den siebziger und achtziger Jahren<\/em>. Berlin: Ch. Links &amp; Ehrhart Neubert \/Thomas Auerbach: <em>Es kann anders werden: Opposition und Widerstand in Th\u00fcringen 1945\u20131989<\/em>. Ko\u0308ln\/Weimar\/Wien: B\u00f6hlau.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[15]<\/a> D\u00f6rte Eppelin (2006): &#8222;Die Jenaer Jazztage 1974-1985&#8220;, In: Gudrun Braune (Hg.): <em>Th\u00fcringer Hefte f\u00fcr Volkskunde<\/em>, Band 12: <em>Jubil\u00e4um und Erinnerung<\/em>. <em>Zur Kultur des Gedenkens in der Gegenwart.<\/em> Erfurt, S.65 &#8211; 77.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[16]<\/a> Ibid., S. 71. Siehe auch: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20140222154540\/http:\/www.horch-und-guck.info\/hug\/fileadmin\/templates\/pdf\/HuG-18-S.30-39.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20140222154540\/http:\/\/www.horch-und-guck.info\/hug\/fileadmin\/templates\/pdf\/HuG-18-S.30-39.pdf<\/a>, S. 32-33.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[17]<\/a> Eppelin (2006: 71).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[18]<\/a> <em>MfS<\/em>, Zentrale Materialablage HA XX\/AKG; BStU, Au\u00dfenstelle Gera, 000076. In: Eckardt (2005: 255-256).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[19]<\/a> Bruce Johnson (2017) (Hg.): <em>Jazz and Totalitarianism<\/em>. New York\/London: Routledge. S. 1.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im heutigen Gastbeitrag nimmt Sie Martin Breternitz mit auf eine Reise bis zu den Anf\u00e4ngen des heutigen &#8222;Jazz im Paradies e.V.&#8220; Er beschreibt die ersten Jazz-Konzerte in Jena, die Gr\u00fcndung des Jazzklubs und die Schwierigkeiten, mit denen die Mitglieder des Klubs als Teil einer &#8222;nischigen&#8220; Jugendkultur in der DDR umgehen mussten.<br \/>\nZum 40. Jubil\u00e4um w\u00fcnschen wir alles Gute und freuen uns auf weitere Veranstaltungen, die aus Jena mittlerweile nicht mehr wegzudenken sind!<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":4337,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,706],"tags":[86,675,734,34,127,736,153,735,130],"class_list":["post-4332","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-kultur-in-jena","tag-foerderung","tag-geschichte","tag-jazz","tag-jena","tag-konzerte","tag-kulturinjena-2","tag-musik","tag-stadt","tag-vereine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4332","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4332"}],"version-history":[{"count":56,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4332\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4796,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4332\/revisions\/4796"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4337"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}