{"id":4194,"date":"2021-05-07T07:30:00","date_gmt":"2021-05-07T05:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=4194"},"modified":"2021-05-06T19:07:03","modified_gmt":"2021-05-06T17:07:03","slug":"nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2021\/05\/07\/nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet\/","title":{"rendered":"Nicht nach vorne und nicht zur\u00fcck?! Vor dem Spiegel der eigenen Nervosit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p><em><strong>Ein Telefonat zwischen Prof. Norbert Frei und Jonas Zipf zur aktuellen politischen Situation<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie kennen sich aus Jena: Der Historiker Norbert Frei und der Kulturpolitiker Jonas Zipf sind sich zuerst im Kontext von Karl Marx \u00fcber den Weg gelaufen. Das war 2018. Jonas Zipf plante ein sogenanntes <a href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\/de\/projekte_und_festivals\/marx-symposium\/787502\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00fcnstlerisch-wissenschaftliches Symposion rund um den 200. Geburtstag von Marx<\/a> und versammelte unterschiedliche Perspektiven aus Kultur und Wissenschaft. Norbert Frei zeigte sich mit einigen geplanten Beitr\u00e4gen ganz und gar nicht einverstanden, und so begann ein zun\u00e4chst kontroverser, aber stets fruchtbarer Dialog zwischen dem Historiker und dem kommunalen Kulturverantwortlichen rund um Erinnerungspolitik und Gedenkkultur. F\u00fcr ihren Beitrag zur Reihe der Corona-Gespr\u00e4che des Werkleiters von<a href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> JenaKultur <\/a>treffen sich die beiden am Tag nach den Landtagswahlen in Baden-W\u00fcrttemberg und Rheinland-Pfalz, also am 15. M\u00e4rz 2021. Die Eindr\u00fccke des Wahlabends sind noch frisch: Im Verlaufe des Telefonats l\u00e4sst sich Norbert Frei \u2013 g\u00e4nzlich entgegen seiner Profession als Historiker und Chronist abgeschlossener geschichtlicher Situationen \u2013 auf eine Spekulation rund um die sehr offene politische Situation mitten in der Pandemie im Superwahljahr 2021 ein<\/em>\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"409\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet-portratfoto-norbert-frei-querformat-copyright-lizenzfrei-fkh-bad-homburg-500x409.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4198\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet-portratfoto-norbert-frei-querformat-copyright-lizenzfrei-fkh-bad-homburg-500x409.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet-portratfoto-norbert-frei-querformat-copyright-lizenzfrei-fkh-bad-homburg-1000x818.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet-portratfoto-norbert-frei-querformat-copyright-lizenzfrei-fkh-bad-homburg-768x628.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet-portratfoto-norbert-frei-querformat-copyright-lizenzfrei-fkh-bad-homburg-1536x1257.jpg 1536w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet-portratfoto-norbert-frei-querformat-copyright-lizenzfrei-fkh-bad-homburg-843x690.jpg 843w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet-portratfoto-norbert-frei-querformat-copyright-lizenzfrei-fkh-bad-homburg-1320x1080.jpg 1320w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2021\/05\/jenakultur-nicht-nach-vorne-und-nicht-zurueck-vor-dem-spiegel-der-eigenen-nervositaet-portratfoto-norbert-frei-querformat-copyright-lizenzfrei-fkh-bad-homburg.jpg 1666w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption>Professor Norbert Frei*<br> Foto: Copyright  FKH Bad Homburg<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jonas Zipf: <\/strong>Hallo Herr Frei?<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei: <\/strong>Hallo Herr Zipf!<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf: <\/strong>Das ist ja sch\u00f6n. Freut mich, dass es klappt.<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei: <\/strong>Mich auch.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> Wo erwische ich Sie denn?<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Wir sind im tiefen Oberbayern angekommen, und das im Grunde genommen schon seit einem Jahr. Eigentlich war es immer nur so eine Wochenend-Variante, die wir erst jetzt im letzten Jahr mehr oder weniger zur Dauervariante gemacht haben.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> Ich habe jetzt viele pers\u00f6nliche Begegnungen mit Leuten, die sich praktisch durch den Lockdown in Situationen zur\u00fcckziehen, in denen sie noch weiterarbeiten k\u00f6nnen. Ich habe gerade vorhin mit meiner Orchesterdirektorin telefoniert, die hier die Gesch\u00e4fte und Geschicke der Philharmonie f\u00fchrt. Sie macht gerade zus\u00e4tzlich eine Ausbildung zur Pferdetherapeutin und verbringt ihre ganze Zeit neben der Arbeit auf dem Pferdehof, quasi von Videokonferenz zum Pferdestall und dann wieder zur\u00fcck. Oder ich denk\u2018 jetzt spontan an Hartmut Rosa, der die meiste Zeit seit letztem M\u00e4rz im Schwarzwald verbringt und nicht mehr hier in Jena vor Ort ist. Also, Herr Frei, wir f\u00fchren eines dieser Gespr\u00e4che, die mir im Moment helfen, diese ganze Zeit \u00fcberhaupt zu \u00fcberstehen, weil ich dadurch mal zu einem gedanklichen Austausch zu den Dingen komme, die gerade um uns herum passieren. Ich bin froh, dass Sie zu einem solchen Gespr\u00e4ch bereit sind. Wir begeben uns daher praktisch in ein offenes Terrain, gedanklich, gemeinsam, das soll so sein.<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Einverstanden.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf: <\/strong>Seit ich im letzten Jahr diese Gespr\u00e4che begonnen habe, hat sich einiges ver\u00e4ndert: Wir sind l\u00e4ngst in einem Modus, in dem abgerechnet und aufgerechnet wird mit Dingen, die schieflaufen; eine Situation, in der sich verschiedene Kr\u00e4fte und Akteure wappnen, wie sie aus der Krise herauskommen. Auch wird immer absehbarer und sichtbarer, wer profitiert und wer besonders gelitten hat. Dar\u00fcber will ich mit Ihnen ins Gespr\u00e4ch kommen. Es geht um das, was sich jetzt in diesem Jahr politisch und gesellschaftlich verschiebt und ver\u00e4ndert. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, manchmal hoffnungsvoll, meistens sehr \u00e4ngstlich. Jetzt haben wir gestern <em>(also am 14. M\u00e4rz 2021 \u2013 Anm. d. Red.)<\/em> zwei Wahlen erlebt, und Herr Habeck sitzt in einer Talkshow und spricht von Tiefenstr\u00f6mungen und von Teilen in unserer Gesellschaft, die das System eigentlich lieber kippen sehen wollen, und ich glaube, dass er damit recht hat, auch wenn die Prozente auf den ersten Blick ja eher Stabilit\u00e4t verraten. Es existiert zwar diese These, dass die, die jetzt regieren, in der Krise die einzigen sind, die sichtbar bleiben und deswegen wieder gew\u00e4hlt werden, aber ich glaube, dass an der Beobachtung der Tiefenstr\u00f6mungen von Habeck tats\u00e4chlich was dran ist. Wir haben von Kipppunkten geredet, letztes Jahr in den Corona-Gespr\u00e4chen, immer wieder davon, dass eine gro\u00dfe Nervosit\u00e4t um uns herum zu beobachten ist. Da w\u00fcrden Sie mir wahrscheinlich recht geben, oder?<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Es ist eine gro\u00dfe Nervosit\u00e4t in uns, das sp\u00fcren wir alle, glaube ich. Irgendwie kommt es mir so vor, als h\u00e4nge unsere Nervosit\u00e4t mit der \u00e4u\u00dferen Immobilit\u00e4t zusammen, mit der wir jetzt seit langem zwangsweise zu tun haben. Dass dies dann auch zu Diagnosen f\u00fchrt, dass es Unterstr\u00f6mungen gebe, das ist durchaus plausibel. Ich frage mich, ob wir wirklich schon in der Situation sind, in der wir diese Unterstr\u00f6mungen auf einen Punkt bringen k\u00f6nnen. Ich finde das gestrige Wahlergebnis ziemlich interessant. Denn es ist ja doch erkennbar, dass in beiden F\u00e4llen, in Rheinland-Pfalz wie auch in Baden-W\u00fcrttemberg, sehr stark Personen gew\u00e4hlt worden sind <em>(Die Wahl fand am Vorabend des Gespr\u00e4chs, am 14. M\u00e4rz 2021 statt \u2013 Anm. d. Red.) <\/em>Es gab einige demoskopische Belege daf\u00fcr, dass viele Menschen Dreyer oder Kretschmann gew\u00e4hlt haben, obwohl sie sich eigentlich anderen Parteien zugeh\u00f6rig f\u00fchlen. Mit anderen Worten: Das Element der Pers\u00f6nlichkeitswahl spielte eine doch betr\u00e4chtliche Rolle. \u00c4u\u00dferlich also dadurch scheinbar viel Stabilit\u00e4t. Aus meiner Sicht ist das Erfreulichste an diesen beiden Wahlergebnissen ja doch die Tatsache, dass die AfD jetzt wieder einstellig ist, zumindest in diesen beiden L\u00e4ndern, dass sie also ersichtlich nicht von der Krise profitiert. Ob man das \u2013 wie das die AfD jetzt gern tut \u2013 mit der Stunde der Exekutive erkl\u00e4ren kann und der Tatsache, dass die Opposition durch das exekutive Handeln gewisserma\u00dfen in den Hintergrund tritt, da w\u00e4re ich noch nicht so sicher. Ich glaube, dass es sehr viel mehr mit dem inneren Zustand der AfD zu tun hat und damit, dass sich in Teilen des rechtsb\u00fcrgerlichen Lagers, das vorher im Westen AfD gew\u00e4hlt hat, Besinnungseffekte zeigen. Das ist erst mal eine gute Nachricht \u2013 auch, weil damit zum ersten Mal der Aufw\u00e4rtstrend, in dem sich die AfD lange befunden hat, gebrochen ist und weil sich gezeigt hat, dass die Mobilisierungseffekte der Corona-Leugner, QAnon-Anh\u00e4nger etc. sich nicht zugunsten der AfD ausgewirkt haben.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Frage ist, wie sich die Verh\u00e4ltnisse im Sommer und im Herbst in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern, die dann w\u00e4hlen, darstellen werden. Vielleicht kommen wir dann zu dem Ergebnis, dass an der Diagnose, wonach sich die AfD von einer ostdeutschen Protest- zu einer ostdeutschen Milieupartei entwickelt, doch mehr dran ist, als uns lieb sein kann. Mit anderen Worten: Ich glaube noch nicht, dass, nur weil die AfD im Westen zur\u00fcckgeht, auch ein R\u00fcckgang im Osten wahrscheinlich ist. Auf der anderen Seite ist klar: Bundespolitisch scheint die AfD ihren H\u00f6hepunkt \u00fcberschritten zu haben. Und das ist in dieser ziemlich gro\u00dfen Verwirrung, die gegenw\u00e4rtig herrscht, schon mal ein gutes Zeichen.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> Da gebe ich Ihnen Recht. Bevor wir aber auf den weiteren Verlauf dieses Jahres kommen und tats\u00e4chlich auch auf die Situation in Th\u00fcringen schauen, was uns beide ja auch wieder direkt betrifft \u2013 Stichwort: \u201eNach der Staatskrise ist vor der Staatskrise\u201c \u2013, m\u00f6chte ich nochmal auf das Wahlergebnis von gestern eingehen. F\u00fcr mich bleibt ganz stark der Wahlkampf-Slogan von Ministerpr\u00e4sident Kretschmann in Baden-W\u00fcrttemberg h\u00e4ngen: \u201eSie kennen mich\u201c. Diesen Gedanken m\u00f6chte ich mal neben die sicherlich zutreffende Hypothese stellen, dass W\u00e4hler:innen in der Krise, in der Pandemie, die handelnde Exekutive st\u00e4rken, weil die auch bei weitem am sichtbarsten ist, bei nicht einge\u00fcbten Wahlkampfformaten im digitalen Raum und dergleichen: Ganz offensichtlich gibt es daneben eine gewisse Sehnsucht in gr\u00f6\u00dferen Teilen der Bev\u00f6lkerung, dass die Dinge stabil bleiben m\u00f6gen. Das ist doch vielleicht das Muster. Ich spreche ja jetzt in Ihnen mit einem Historiker. In der zumindest bundesrepublikanischen Geschichte gab es fast durchgehend eine strukturelle Mehrheit f\u00fcr eine konservative W\u00e4hlerschaft, und es gab \u00e4hnliche Kampagnen wie die von Kretschmann, beispielsweise unter der \u00dcberschrift \u201eKeine Experimente\u201c von Adenauer. Dieses Muster, da w\u00fcrde ich gerne noch etwas tiefer reingehen, das offenbart \u2013 das ist jetzt meine Spekulation \u2013 vielleicht den Wunsch Vieler im Land, dass es nach der Krise so sein m\u00f6ge, wie es davor war. Volkswirtschaftlich ist manchmal die Rede vom V-Effekt: Wir m\u00fcssen jetzt mal runterfahren, alles einfrieren, danach kommt aber alles wieder in Gang, so wie es davor war. Diese Erz\u00e4hlung, dieses Narrativ, f\u00e4llt mir einfach auf, weil es ja zeitgleich, das ist uns, glaube ich, allen bewusst, gro\u00dfe Transformationsthemen gibt. Das sind also zwei Narrative im Vollkontrast: Der Wunsch nach Stabilit\u00e4t einerseits und Corona als Brandbeschleuniger, als Brennglas, als Katalysator, z. B. der Digitalisierung, andererseits. Diese Transformationsthemen w\u00fcrden doch eigentlich eine andere, innovativere politische Energie ben\u00f6tigen. Da entsteht ein echtes Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen: \u201eKeine Experimente\u201c und \u201eSie kennen mich\u201c auf der einen Seite und dem n\u00f6tigen Ver\u00e4nderungsdruck oder auch -wunsch bestimmter Teile der Gesellschaft auf der anderen Seite. Ich glaube z. B., dass es kein Zufall ist, dass wir uns in einer Phase von ganz ausgepr\u00e4gtem Aktivismus befinden: Vor der Krise Fridays for Future und andere, in der Krise dann das gro\u00dfe identit\u00e4tspolitische Thema und Bewegungen wie Black Lives Matter. Wir leben in einer Zeit, in der transformatorische Themen sich in vehementer Art und Weise stellen. Letztlich steht doch, ich benutze das Wort jetzt polemisch: das politische Establishment, das sich gestern eine Best\u00e4tigung abgeholt hat, in einem Widerspruch zu der gesellschaftlichen Transformation und Ver\u00e4nderung, oder?<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Als Historiker w\u00fcrde ich einen Punkt besonders unterstreichen, den Sie gerade genannt haben: Dass dieses Bed\u00fcrfnis nach Stabilit\u00e4t etwas ist, was die Deutschen lange ausgezeichnet hat. Die relativ rasche Stabilisierung der Demokratie als einen Wert an sich zu empfinden, hat das politische Bewusstsein nach 1945 gepr\u00e4gt. \u201eBonn ist nicht Weimar\u201c lautet die ber\u00fchmte Parole, die uns der Schweizer Journalist Fritz Ren\u00e9 Allemann schon 1956 beschert hat, und die \u00fcber Jahrzehnte geradezu gebetsm\u00fchlenartig wiederholt worden ist \u2013 in bestimmten Krisensituationen in beschw\u00f6render Weise, dann aber auch wieder stolz und anerkennend. Ja, tats\u00e4chlich: Bonn ist nicht Weimar geworden. Und insofern gibt es in der Tat diese Linie von Adenauers \u201eKeine Experimente\u201c zu Merkels \u201eSie kennen mich\u201c. Gestern Abend hat Kretschmann auf die Frage, ob er da geklaut habe, l\u00e4chelnd gesagt: \u201eJa klar, warum auch nicht? Das ist ja ein guter Slogan!\u201c Wenn man jetzt aber mal genauer auf die Wahlergebnisse schaut, dann stellt man fest \u2013 da komme ich doch nochmal zur\u00fcck auf die AfD \u2013, dass sie bei den m\u00e4nnlichen W\u00e4hlern der mittleren Generation deutlich am st\u00e4rksten ist, also bei den 30- bis 60J\u00e4hrigen, die zum Teil auch weniger gut gebildet sind. Das fiel mir heute Morgen bei der Zeitungslekt\u00fcre auf: Dass hier die Wertsch\u00e4tzung dieser alten Stabilit\u00e4tserz\u00e4hlung nicht mehr so verf\u00e4ngt, wie das bei den \u00c4lteren offenkundig noch der Fall ist.<\/p>\n<p>Bei den J\u00fcngeren sehen wir \u2013 <em>Fridays for Future<\/em> war Ihr Stichwort \u2013, dass dort die Vorstellung von dem hohen Ver\u00e4nderungsdruck, unter dem wir als Gesellschaft, als globale Gesellschaft, stehen, deutlich ausgepr\u00e4gter ist als bei den \u00c4lteren. Das ist ja auch nicht verwunderlich. Insofern frage ich mich also: Beschleunigt die Krise die Ver\u00e4nderung oder wirkt sie eher retardierend? Ich denke, man muss wirklich genau hinschauen, auf die unterschiedlichen Felder. In manchen Bereichen habe auch ich das Gef\u00fchl, wir w\u00e4ren, ich will nicht sagen: stillgestellt, aber in Vielem gehemmt und nicht so schnell vorw\u00e4rts unterwegs, wie wir uns das vorstellen. Auf der anderen Seite werden die Ver\u00e4nderungsbed\u00fcrfnisse und -notwendigkeiten \u2013 Stichwort Digitalisierung \u2013 dramatisch sichtbar. Und auch die Ungeduld w\u00e4chst an vielen Ecken und Enden. Wir befinden uns jetzt ein Jahr in der Krise, aber die Infrastruktur ist immer noch nicht viel besser geworden. Insgesamt ergibt sich ein sehr gemischtes Bild, wie ich finde. Jedenfalls teilen viele dieses allgemeine, fast schon mit H\u00e4nden zu greifende Unbehagen \u00fcber die Ungewissheit unserer Situation; die Angst, von der Sie eingangs gesprochen haben. Es entsteht aus meiner Sicht aber noch kein klares Bild, wo die Auswege liegen k\u00f6nnten. Ich sehe eher Ausfl\u00fcchte. Zur Vorbereitung auf unser Gespr\u00e4ch habe ich heute Morgen, was ich seit vielen Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten, nicht getan habe, mal in die BILD-Zeitung geblickt, weil ich wissen wollte: Wie wird dort wohl die Tatsache verhandelt, dass Mallorca jetzt ge\u00f6ffnet ist? Meine Phantasie war offensichtlich gro\u00df genug, denn das, was ich vermutet hatte, war da tats\u00e4chlich auf den populistischen Punkt gebracht: \u201eMalle f\u00fcr Alle!\u201c Es geht also um Fluchtbewegungen, sobald sich ein kleiner Lichtblick mitten in der dritten Welle zu zeigen scheint. Das sind nat\u00fcrlich Reflexe des Zur\u00fcck in das Althergebrachte. Mein Gef\u00fchl ist aber, dass sehr, sehr viele eigentlich wissen: Vieles wird nicht mehr so werden, wie es vorher war.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf: <\/strong>\u201eMalle ist alle!\u201c <em>(lacht)<\/em> Da ist ein gro\u00dfer innerer Druck. Sie haben vorhin davon gesprochen, dass die Immobilit\u00e4t ein Treiber dieser Nervosit\u00e4t, dieser mit H\u00e4nden greifbaren Nervosit\u00e4t und Angst ist. Und in der Tat sind viele der W\u00fcnsche nach Lockerungen gepr\u00e4gt davon, dass es wieder so sein m\u00f6ge wie davor. Das mit Mallorca ist daf\u00fcr fast sinnbildlich, das kann man, glaube ich, sehr gut als Sinnbild verstehen.<\/p>\n<p>Jetzt gehen wir mal in die Th\u00fcringer Situation rein. Mein Berufsalltag ist im Moment davon gepr\u00e4gt, dass die Oberb\u00fcrgermeister in Weimar und in Erfurt vehement \u2013 mit gro\u00dfem Druck ihrer innenst\u00e4dtischen H\u00e4ndler im Hintergrund \u2013 fordern, dass Lockerungen und \u00d6ffnungen stattfinden. Das hat die Landesregierung dazu gebracht, dass man jetzt dieses sehr unklare Instrument namens Modellversuche in die neue Grundverordnung mit einpreist, eine Grundverordnung, die \u00fcbrigens noch kaum auf die Stufenlogik von \u00d6ffnungen einzahlt, die vorvergangene Woche von den Ministerpr\u00e4sidenten:innen eigentlich beschlossen wurde. Aber der Inzidenzverlauf in Th\u00fcringen l\u00e4sst auch im Moment einfach nicht mehr zu. Trotzdem gibt es so etwas wie eine \u00d6ffnungsklausel in dieser neuen Grundverordnung, die besagt, dass man wissenschaftlich begleitete Modellversuche unternehmen kann. Sprich, man kann eine Innenstadt hernehmen und sagen: Wir testen regelm\u00e4\u00dfig und etablieren digitale Kontaktnachverfolgung, dann k\u00f6nnen wir mal f\u00fcr vier oder f\u00fcnf Tage aufmachen unter bestimmten Auflagen, die das Gesundheitsministerium gestatten muss. Dabei wissen Alle eigentlich bereits, dass das kaum zu realisieren ist: Es sind zu wenige Tests da \u2013 selbst wenn sie da sind, bleibt unklar und umstritten, wer sie bezahlt \u2013 die digitale Kontaktnachverfolgung ist auch noch nicht da bzw. umstritten, nicht zuletzt bei den Datensch\u00fctzern. Die Schere und Diskrepanz zwischen den Erwartungshaltungen, die auch st\u00e4ndig, ich will sagen: durch Ank\u00fcndigungspolitik vorangetrieben werden, und dem, was dann tats\u00e4chlich gemacht werden kann, wird immer gr\u00f6\u00dfer. Dieses Erwartungs-Sandwich ist ein st\u00e4ndiger Begleiter in der Pandemie, den wir von Anfang an erlebt haben: Abends werden Beschl\u00fcsse gefasst und verlautbart, am n\u00e4chsten Morgen stehen die Menschen vor der T\u00fcr, also ganz buchst\u00e4blich, auch bei uns, bei den Kultureinrichtungen, und erwarten, dass die Dinge sofort umgesetzt sind. Ich habe das Gef\u00fchl, dass diese Art von Ank\u00fcndigungspolitik gerade ihr \u00dcbriges dazu tut, dass sich das System selbst destabilisiert. Das ist ja das, wor\u00fcber wir hier die ganze Zeit sprechen: Wir erleben, wie sich in Talkshows in aller \u00d6ffentlichkeit Politiker:innen gegenseitig beschuldigen; wie ein einziges Kompetenzgerangel zwischen den f\u00f6deralistischen Ebenen um sich greift; wie auf fast populistische Art und Weise Kommunikationsinstrumente genutzt werden: wie unser Ministerpr\u00e4sident Bodo Ramelow nach der Runde der Ministerpr\u00e4sident:innen, aber noch vor der offiziellen Pressekonferenz der Kanzlerin, meint, vor die Presse treten zu m\u00fcssen. Also alles sozusagen Man\u00f6ver und Elemente, die aus meiner Sicht dazu geeignet sind, dieser Nervosit\u00e4t eigentlich begegnen zu wollen, sie aber im Endeffekt dann noch zu verst\u00e4rken, weil noch mehr Unklarheiten in die ganze Situation kommen.<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Ich sehe das ganz genauso. Ich glaube, da sind wir an einem Punkt, den man noch sehr viel grunds\u00e4tzlicher ansehen kann. Der auch \u00fcber das hinausgeht, was gewisserma\u00dfen als Profilierungssucht und Nervosit\u00e4t im Wahljahr gelten kann. Wir sind an diesem Punkt, wo wir wieder und wieder mit einem Strukturwandel der \u00d6ffentlichkeit konfrontiert werden. Das ist ein Thema, das wir jetzt schon seit vielen Jahren erleben, dessen Folgen wir aber noch kaum absch\u00e4tzen k\u00f6nnen: Ich spreche von den Folgen der Tatsache, dass nahezu jede Politikerin und jeder Politiker von einiger Bedeutung meint, sich vornehmlich \u00fcber Twitter \u00e4u\u00dfern zu m\u00fcssen, und mit diesem st\u00e4ndigen wechselseitigen \u00dcberbietungswettbewerb noch zur Krise der klassischen medialen und politischen \u00d6ffentlichkeit beitr\u00e4gt. Dieses Tempo f\u00fchrt dazu, dass\u00a0 angesichts der laufenden dritten Welle gegen jede Erkenntnis, die eigentlich allen zur Verf\u00fcgung steht, in einer wirklich be\u00e4ngstigenden, geradezu widersinnigen Art und Weise, unsinnige Vorschl\u00e4ge gemacht und unsinnige Regeln beschlossen werden. Das alles ist nur noch so zu verstehen, dass es \u2013 abgesehen von der Schreckensphase am Anfang der Pandemie im letzten Sp\u00e4twinter und Fr\u00fchjahr \u2013 offenbar keine funktionierenden M\u00f6glichkeiten mehr gibt, den \u00f6ffentlichen Diskurs, wie soll ich sagen, in verantwortlichen Bahnen zu halten. Es war nicht von ungef\u00e4hr, dass ich die BILD-Zeitung ins Gespr\u00e4ch gebracht habe: Wenn Sie sehen, was ich erst k\u00fcrzlich begriffen habe \u2013 n\u00e4mlich dass die inzwischen mit einem eigenen Fernsehkanal im Internet operieren, und zwar brachial operieren \u2013, dann ist auch leicht erkl\u00e4rlich, dass sich die kurzzeitige R\u00fcckgewinnung von Vertrauen in und Aufmerksamkeit f\u00fcr die traditionellen Medien, die wir am Anfang der Pandemie hatten, leider wirklich nur der Ausnahmesituation verdankte. Trotz mancher neuer Anstrengungen der \u00d6ffentlich-Rechtlichen scheint der Prozess der Aufl\u00f6sung dessen, was wir fr\u00fcher mal b\u00fcrgerliche \u00d6ffentlichkeit genannt haben, weiter ungebremst voranzuschreiten. Die Politik hat \u00fcberhaupt gar kein Gef\u00fchl daf\u00fcr entwickelt, dass sie selbst Treiber dieser Zerst\u00f6rung von rationaler \u00d6ffentlichkeit ist.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> Das ist wirklich beunruhigend. Zumal die Polarisierung hier in Th\u00fcringen ja schon sehr weit vorangeschritten ist und wir die hier kommende Landtagswahl vermutlich als die schwierigste aller Wahlen dieses Jahres erleben werden. Kein Mensch wei\u00df, ob jenseits der AfD oder diesseits der AfD eine Mehrheit m\u00f6glich ist. Sie haben ja vorher gesagt \u201eBonn ist nicht Weimar\u201c, und da musste ich unwillk\u00fcrlich zucken. Sie werden mir als Historiker jetzt wahrscheinlich vehement widersprechen, wenn ich die Situation der ausgehenden Weimarer Republik mit der heutigen Situation vergleiche. Andererseits haben sie viel zu rechten Kontinuit\u00e4ten geforscht und geschrieben. Man k\u00f6nnte in dieser \u00dcberschrift Bonn auch ersetzen mit Berlin und sich dann befragen, wie es weiter geht bzw. in historischer Analogie weiter gegangen ist. Ich will diesen Aspekt jetzt nicht unn\u00f6tig dramatisieren und auch nicht den Pessimismus zu gro\u00df werden lassen, aber: Die Situation in Th\u00fcringen ist extrem volatil, und das will ich nochmal aus der kommunalpolitischen Perspektive spiegeln. Das, was letztes Jahr nach der Ministerpr\u00e4sidentenwahl von Herrn Kemmerich mit den Stimmen der AfD noch moralisch als Dammbruch bezeichnet wurde, bei dem richtigerweise versucht wurde, eine klare Grenze zu ziehen, das ist in der Zwischenzeit weiter vorangeschritten. Ich meine damit nicht nur die Polarisierung oder auch, wie Sie es gerade beschrieben haben, Aufl\u00f6sung einer b\u00fcrgerlichen \u00d6ffentlichkeit, sondern auch die ganz konkrete realpolitische Zusammenarbeit zwischen Akteuren der AfD und Akteuren anderer Parteien auf den kommunalpolitischen Ebenen. Schon nach der letzten Landtagswahl gab es bekanntlich CDU-Landr\u00e4te, die die Frage \u00f6ffentlich gestellt haben, wie eine Zusammenarbeit mit der AfD aussehen kann, und mittlerweile ist das einfach de facto der Fall. Wir erleben das jetzt in Gera mit einem Stadtratsvorsitzenden der AfD, der alle Rechte und Formalia eines Stadtratsvorsitzenden genie\u00dft und auch nutzt oder bei der Diskussion, ob Herr Maa\u00dfen als Direktkandidat f\u00fcr einen Th\u00fcringer Wahlkreis bei der Bundestagswahl antritt. Oder, ich gebe Ihnen ein konkretes Beispiel aus meinem Bereich, wie ein Kollege, der Intendant am Theater in Gera-Altenburg sich im Kulturausschuss der Stadt Altenburg anh\u00f6ren muss, dass das Geld, das \u00fcber Kurzarbeit vom Bund in die Kasse des Theaters gekommen ist, das also eigentlich zur Krisenbew\u00e4ltigung und zur Absicherung der Institution und der Arbeitspl\u00e4tze da ist, an die Kommunen zur\u00fcckzuzahlen sei, weil dieses Theater seinem \u00f6ffentlichen Bildungsauftrag ja sowieso schon l\u00e4ngst nicht mehr gerecht w\u00fcrde und die Bev\u00f6lkerung auch schon lange nicht mehr erreiche. Das ist der Zungenschlag, den die AfD und andere, dort dann auch anscheinend nahezu mehrheitsf\u00e4hig, in die Debatte reinbringen. Da ist dann von Freiheit der Kunst \u00fcberhaupt keine Rede mehr. Es wird geradezu \u00fcbergriffig. Ich mache mir gr\u00f6\u00dfte Sorgen, weil wir genau diese Zungenschl\u00e4ge ab Herbst \u2013 ich habe ja vorhin gesagt: \u201eNach der Staatskrise ist vor der Staatskrise\u201c \u2013 wieder und in versch\u00e4rfter Form zu h\u00f6ren bekommen k\u00f6nnten. Umgekehrt k\u00f6nnten wir allerdings, wenn wir ehrlich sind, eine Partei in der Regierung behalten, die auch nicht \u00fcber jeden Zweifel erhaben ist. Die Vergleiche zwischen rechts und links sind \u00fcberhaupt nicht statthaft, ich bin kein Anh\u00e4nger von Hufeisen- oder Extremismus-Theorien. Aber wir k\u00f6nnen doch zumindest einen gewissen Populismus auch auf der linken Seite erkennen, wie ich finde, auch angesichts des Schlingerkurses in der aktuellen Situation. Das ist alles andere als vertrauenerweckend und demokratiebest\u00e4rkend. Ich habe jedenfalls gr\u00f6\u00dfte Sorgen, wie das in diesem Jahr l\u00e4uft. Die historischen Einordnungen sind mir dabei systematischerweise nicht klar, aber die Parallele ist schon frappierend, dass wir heute eine starke AfD im Freistaat Th\u00fcringen erleben und dass es damals in der Weimarer Republik mit der NSDAP ja auch so war. Jetzt werden Sie wahrscheinlich mal als Historiker sprechen und mich ein bisschen einnorden.<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Nein, ich habe da gerade an diesen Beispielen, die Sie jetzt herangezogen haben, beispielsweise an ihrer Schilderung, wie einem Theatermann begegnet wird, \u00fcberhaupt nichts zu korrigieren. Das ist nicht g\u00e4nzlich anders als in den sp\u00e4ten Zwanziger- oder fr\u00fchen Drei\u00dfigerjahren. Nein, es ist von der Argumentationsstruktur her ganz, ganz \u00e4hnlich. Den Zungenschlag, dass die Stimmen und Erwartungen und Meinungen des Volkes nicht abgebildet w\u00fcrden und dass das ein Argument gegen die Kultur der Republik, gegen die demokratische Kultur ist, das kennen wir aus der Sp\u00e4tphase der Weimarer Republik und insbesondere auch aus den Regionen, in denen die Nationalsozialisten und die V\u00f6lkischen besonders fr\u00fch besonders erfolgreich gewesen sind. Insofern kann ich Ihre Besorgnis nur teilen und auch das, was Sie \u00fcber Populismus von links gesagt haben. Auch da kann man sich \u2013 ohne dass ich da jetzt konkrete Vergleiche ziehen will \u2013 erinnert f\u00fchlen an phasenweise Kooperationen, die es in der Sp\u00e4tphase der Weimarer Republik zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten gegeben hat, etwa beim Blick auf den Berliner BVG-Streik 1932 als dem sicherlich bekanntesten Beispiel. Ja, insofern w\u00fcrde ich tats\u00e4chlich sagen: Eine Th\u00fcringer Regierung unter einem linken Ministerpr\u00e4sidenten ist doppelt aufgerufen, sich dieser Risiken und Gefahren bewusst zu sein.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> Dann lassen sie uns noch ein bisschen nach vorne wenden. Ich habe ja selbst versucht, mir auf die Zunge zu bei\u00dfen, gerade eben, weil unser Sprechen fast nur noch pessimistisch klingt. Sprechen wir also \u00fcber Chancen, wenn es um die Gestaltung von Transformation geht. Wir haben vorhin von Ver\u00e4nderung gesprochen, oder auch von Ver\u00e4nderungsdruck, der auch \u00fcber aktivistische Kreise ausge\u00fcbt wird. Ich spreche in diesem Zusammenhang gern von Transformation, weil dieser Begriff zum Ausdruck bringt, zumindest so wie Karl Polyani ihn eingebracht hat, dass es darum geht, die Kr\u00e4fte und Akteure mitzunehmen und in etwas Neues aufzuheben, wenn man so m\u00f6chte. Das hat also eine inklusive Komponente, wenn man diesen Begriff aufgreift, so, wie ihn ja auch die Soziolog:innen hier an der Jenaer Universit\u00e4t sehr stark machen.<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Ja, wir arbeiten in unserem Verbundprojekt sehr stark mit dem Transformationsbegriff: Transformation, die in der sp\u00e4ten DDR einsetzt und die eben \u00fcber die politische Z\u00e4sur von 1989\/90 hinausgeht. Man k\u00f6nnte ja sagen, dieser Transformationsprozess, der zur\u00fcckreicht bis in die Siebzigerjahre, hat im Osten Deutschlands seitdem nicht mehr wirklich aufgeh\u00f6rt. Das deutet nat\u00fcrlich auch an, dass es eine gewaltige gesellschaftliche Anstrengung ist, die jetzt schon l\u00e4nger als eine Generation \u2013 also in der traditionellen Berechnung von Generationenabfolgen von 30 Jahren \u2013 andauert. Insofern scheint mir die \u00a0Situation mit dieser starken Rechten in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern auch Ausdruck dieses Transformationsprozesses zu sein.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> Jetzt wende ich genau das mal positiv und stellte es in den Gegensatz zur bundesrepublikanischen Vergangenheit und Gegenwart der sog. alten Bundesl\u00e4nder. Ich denke an meine Elterngeneration, die damit aufgewachsen ist, dass sich die Dinge nach dem Krieg vermeintlich erst mal nur zum Positiven gewendet haben, ein st\u00e4ndiger Wachstumstraum der Moderne sozusagen. Meine Eltern haben keine gro\u00dfen Disruptionen erlebt, und meine Generation und die danach schon gar nicht mehr. Im Gegensatz dazu haben Ostdeutsche eine Transformationserfahrung, eine laufende, wie Sie gesagt haben, erlebt. Und vielleicht \u2013 ich will es mal positiv wenden \u2013 ist dieser Teil des Landes besonders pr\u00e4destiniert daf\u00fcr, dieses Ringen um die politische Mehrheit im Sinne der Transformation auszuhalten, auszutragen, weil man eine \u00e4hnliche historische und auch biographische Erfahrung schon gemacht hat. Eines meiner Gespr\u00e4che, die ich gef\u00fchrt habe, ergab sich mit Thomas Oberender, dem Generalintendanten der Berliner Festspiele, der in Jena geboren wurde und den diese ganze Corona-Situation \u2013\u00a0 wohlgemerkt: im Fr\u00fchjahr des letzten Jahres, nicht mehr jetzt, sondern am Anfang der Pandemie\u00a0 \u2013 an das erinnert hat, was er eine Generalpause und Generaldebatte nannte. Also daran, dass es auch Momente des Aufbruchs und der Offenheit 1989\/90 gab, einen m\u00f6glicherweise dritten Weg und \u00c4hnliches zu diskutieren und zu gehen. Er f\u00fchlte sich in der jetzigen Situation daran erinnert. Das w\u00e4re jetzt vielleicht mal ein Punkt, den wir gegen den Pessimismus setzen k\u00f6nnen: Wenn Bev\u00f6lkerungsteile hier im Osten, in Th\u00fcringen und anderswo existieren, die solche Krisenerfahrungen in ihrer Lebenszeit schon mal erlebt\u00a0 und zu Teilen sogar positiv absolviert haben, dann k\u00f6nnte das auch eine Chance sein f\u00fcr das, was Psychologen Resilienz nennen, um durch so eine Krise durchgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Absolut, das w\u00fcrde ich in jedem Fall so sagen. Und ich w\u00fcrde auch noch einmal dick unterstreichen: Wenn ein Viertel der W\u00e4hler in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern die AfD w\u00e4hlt, dann haben wir eben drei Viertel, die sie nicht w\u00e4hlen. Auf diese Trivialit\u00e4t muss man immer wieder hinweisen. Diese drei Viertel, die nicht AfD w\u00e4hlen, sind ja doch genauso wie die anderen 25 Prozent durch diese Transformationserfahrung gegangen, und sei es nur als Kinder oder Heranwachsende. Und die gehen, das w\u00fcrde ich tats\u00e4chlich so sagen, anders in die Zukunft als die Westdeutschen, als der westdeutsche Teil der heutigen bundesdeutschen Gesellschaft. Auf der anderen Seite w\u00fcrde ich sofort hinzuf\u00fcgen: Dieses Gef\u00fchl, dass Sie gerade beschrieben haben und das in den \u00e4lteren Teilen der heutigen westdeutschen Gesellschaft lange vorherrschte, dass es also den Jungen immer besser gehen wird, das verfl\u00fcchtigt sich doch schon seit einiger Zeit. Ja, das war ein jahrzehntelanges Credo \u2013 nach dem Motto: Wenn man nur t\u00fcchtig ist und sich anstrengt, dann kann und darf man Zutrauen in die weitere Entwicklung haben. Ich will nicht sagen, dass dieses Gef\u00fchl v\u00f6llig verschwunden ist, aber doch, dass es durch die Corona-Krise noch einmal schw\u00e4cher wird. Dabei besteht der Unterschied zwischen den jungen Menschen im Osten und denen im Westen weniger in der gesamtgesellschaftlichen Zukunftserwartung, als darin, dass die im Westen immer noch vielfach darauf setzen k\u00f6nnen, dass ihre Eltern Verm\u00f6gen akkumulieren konnten, w\u00e4hrend das im Osten einfach nicht m\u00f6glich war. Ansonsten scheint mir aber der Blick der J\u00fcngeren in Ost und West auf die gesellschaftliche Situation gar nicht so unterschiedlich zu sein.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> Ich greife ihre Formulierung eines sich verfl\u00fcchtigenden Gef\u00fchls auf. Denn sicher gibt es da noch Teile der Gesellschaft, die das alte homogene Gef\u00fchl der Best\u00e4ndigkeit noch tragen. Gestern in der Vorberichterstattung zur Wahlsendung im ZDF, da war ein junger Fu\u00dfg\u00e4nger zu h\u00f6ren, ich glaube in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone von Heilbronn, wenn ich es richtig identifiziert habe: Der sagte, es sei doch alles gut, Opa Winni sei ja noch da. Das passte perfekt zum Slogan \u201eSie kennen mich\u201c, und das war ein j\u00fcngerer W\u00e4hler, vielleicht Mitte 20, der dieses Sicherheits- und Lebensgef\u00fchl in die Kamera spiegelte. Aber bleiben wir beim Begriff der Transformation und versuchen, diesen \u00dcbergang zu begreifen. Etwas, Vieles ver\u00e4ndert sich nun, das alte Opa-Winni-Gef\u00fchl ist im Abschwung begriffen. Insgesamt ist die Situation volatiler geworden, herrscht ein gr\u00f6\u00dferes Gef\u00fchl von Unsicherheit vor. Aber die sog. Gro\u00dfe Transformation wird nur dann gelingen, wenn sich dieses Gef\u00fchlt positiv umwandelt. Dann lautet die Frage, die sich mir stellt: Welchen \u00e4u\u00dferen politischen Ausdruck findet dieser Gef\u00fchlswandel? Wir haben ja gesagt, ich binde das jetzt zur\u00fcck und komme nochmal, gleichsam in einer Kreisbewegung, zum Ausgangspunkt des Gespr\u00e4chs zur\u00fcck: Wir sprechen im Kontext eines Superwahljahrs, eines Wahljahres, das einerseits, k\u00f6nnte man sagen, vom Timing her zum denkbar ung\u00fcnstigsten Zeitpunkt kommt. Wir br\u00e4uchten jetzt Stabilit\u00e4t in der Exekutive und keinen Wahlkampf, der das Krisenmanagement besch\u00e4digt. Andererseits k\u00f6nnte man sagen, gerade weil diese transformatorischen Themen so dringend anstehen, ist es der perfekte Zeitpunkt. Weil jetzt die Chance besteht, den politischen Wechsel zu gestalten. Und in der Tat: Wir stehen \u2013 ganz egal, was oder wer kommt \u2013 vor einem epochemachenden Wechsel. Frau Merkel wird nicht mehr weiter Kanzlerin sein, unabh\u00e4ngig davon, was nach ihr passiert. Das ist an f\u00fcr sich schon eine bedeutsame Ver\u00e4nderung. Sie verk\u00f6rpert das Lebensgef\u00fchl, mit dem ich jetzt auch im Wesentlichen, ich bin 38 Jahre alt, mein ganzes Leben verbracht habe. Und das l\u00e4sst sich schon als Fortsetzung des Lebensgef\u00fchls der Generation Golf der Zeiten von Helmut Kohl beschreiben, jener Generation der Sicherheit, Geborgenheit und Best\u00e4ndigkeit. Ich spreche von einem Lebensgef\u00fchl als Kind, als Jugendlichem und jungem Erwachsenem, der kein anderes Land, keine andere Gesellschaft erlebt hat, als das unter Kohl und Merkel. Denn zwischen Beiden gab es im Wesentlichen praktisch die Fortsetzung derselben Politik, nur unter anderem Vorzeichen oder anderer \u00dcberschrift, namens Rot-Gr\u00fcn. Die Zeit steht still in einer kondensierten, zugespitzten Form. Damit meine ich nicht nur Corona, aber Corona spitzt die schon vorhandene Zust\u00e4ndlichkeit zu: Nichts geht nach vorn, nichts geht zur\u00fcck. Man f\u00fchlt sich wie vor dem Spiegel in dem ber\u00fchmten Film \u201eUnd t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Murmeltier\u201c. H\u00f6hepunkt und sinnbildliche Zuspitzung der Politikzeit von Frau Merkel. Doch jetzt kommt eine Ver\u00e4nderung. Die gro\u00dfe Frage lautet: Wie geht es weiter? Welchen \u00e4u\u00dferlichen politischen Ausdruck findet diese Transformation? Lassen sie uns noch ein bisschen spekulieren.<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Ja, in der Tat, subjektiv erleben wir momentan das Gef\u00fchl des totalen Stillstandes, aber faktisch sind doch ungeheure Prozesse im Gang. Wir wissen das zwar, und es wird ja auch kommuniziert. Es tritt nur nicht so sehr an die Oberfl\u00e4che, da dort die immer gleichen Corona-Informationen vorherrschen. Denken sie aber nur an den dramatischen Wandel, der einem Kernst\u00fcck der deutschen Wirtschaft, n\u00e4mlich der Automobilindustrie, ins Haus steht beziehungsweise der l\u00e4ngstens im Begriffe ist. Oder nehmen Sie die Digitalisierung: Wie trotz allen Gekr\u00e4chzes \u00fcber die Unvollkommenheit aller m\u00f6glichen Akteure die digitale Infrastruktur jetzt vorangetrieben wird und vor allem, in welcher nahezu die gesamte Gesellschaft erfassenden Weise die Bedeutung dieser digitalen Infrastruktur jetzt anerkannt wird. Oder auch das Feld der Europapolitik, auf dem sich trotz des st\u00e4ndigen Gem\u00e4kels, trotz der Krise bei der Impfstoffbeschaffung, die Erkenntnis durchsetzt \u2013 und das war f\u00fcr mich ein Lichtblick im vergangenen Jahr \u2013, dass die durch Corona ausgel\u00f6ste \u00f6konomische Krise nur mit der faktischen Anerkennung der Notwendigkeit von Eurobonds zu l\u00f6sen ist. Immerhin hat die ausgehende Bundesregierung hier nochmal einen Paradigmenwechsel vorgenommen, der wahrscheinlich nur mit dem nach Fukushima vergleichbar ist. Insofern gibt es in den Tiefenschichten der Politik dann doch mehr Bewegung als an der Oberfl\u00e4che. Aber klar ist: Im Herbst dieses Jahres werden wir dann auch eine radikal gewandelte Oberfl\u00e4che haben. Und auf dieser Oberfl\u00e4che werden die Gr\u00fcnen eine zentrale Rolle spielen, so oder so; ganz egal, welche Hoffnungen sich jetzt wer macht, wer mit ihnen koalieren kann und darf. Mit den Gr\u00fcnen besteht zumindest eine Chance f\u00fcr eine weitgehende \u00f6kologische Transformation, wie sie seit den sp\u00e4ten Neunzigerjahren nicht mehr gegeben war. Denn dass diese Chance unter Rot-Gr\u00fcn, also nach Kohl und vor Merkel, weitgehend vergeigt worden ist, das sehe ich wie Sie. Und mir scheint auch, dass viel von der Kohl\u2018schen Politik gewisserma\u00dfen unsichtbar von Rot-Gr\u00fcn weitergef\u00fchrt oder sogar vollendet worden ist. Insbesondere wenn wir an die Steuer- und Finanzpolitik, aber auch die Arbeitsmarktpolitik denken.<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> So gesehen, m\u00fcsste es nun doch wirklich eine transformatorische Z\u00e4sur geben. Denn die Kernthemen \u2013 das finde ich sehr richtig beschrieben, und in der Zwischenzeit tats\u00e4chlich durch Corona beschleunigt \u2013 laufen im Hintergrund. Ich m\u00f6chte diesen einen Punkt dabei nochmal herausheben: Dieser Paradigmenwechsel, was die Fiskalpolitik auf europ\u00e4ischer Ebene anbelangt, war ja \u00fcber Jahrzehnte nicht zu denken. Das ist der de-facto-Einstieg in das, was die CDU immer als Haftungsgemeinschaft bek\u00e4mpft hat. \u00dcberhaupt ist im Bereich der Haushaltspolitik einiges in Bewegung gekommen. Bei allen Beschwerden, bei allen berechtigten Kritiken an der Europ\u00e4ischen Union, schlie\u00dft sich daran f\u00fcr mich eine zweite bemerkenswerte Reflexion der europ\u00e4ischen Frage an: Die Erfahrung, dass Grenzen geschlossen wurden, wirkte einigerma\u00dfen traumatisch. Danach gab es pl\u00f6tzlich eine sehr klare Haltung der Mitgliedsstaaten, dass man die Impffrage doch gemeinsam l\u00f6sen m\u00fcsse. Auch das war und ist gerade angesichts der fortw\u00e4hrenden Schwierigkeiten bei der Impfstoffbeschaffung einigerma\u00dfen erstaunlich.<\/p>\n<p>Jetzt will ich das alles kurz b\u00fcndeln und zusammenf\u00fchren: Aus meiner Sicht gibt es drei gro\u00dfe Transformationsfelder, die wir auch benannt haben: Nachhaltigkeit \/ Klimawandel w\u00e4re das erste, Digitalisierung das zweite und das dritte, das haben wir vielleicht so noch nicht benannt aber zumindest gestreift, das bezeichne ich mit Inklusion, also der Frage, wie gesellschaftlicher Ausgleich \u00fcber verschiedene Gruppen und Schichten hinweg weiterhin gelingen kann. Das w\u00fcrde doch jetzt \u2013 lassen Sie uns am Schluss noch weiter spekulieren und zwar gerne anhand der realpolitischen Kr\u00e4fte, die da sind \u2013 fast f\u00fcr das sprechen, was sich gestern am Wahlabend als Tenor hinter vorgehaltener Hand abzeichnete, n\u00e4mlich die Kombination der sog. Ampel: Eine Partei, die ganz stark an der Digitalisierung arbeitet; eine, die f\u00fcr das Klimawandelthema steht, und eine, die vielleicht zumindest in Teilen das Inklusionsthema wiederentdeckt hat. Was meinen Sie? Was kommt da raus, in diesem Jahr?<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Ich m\u00f6chte erst einmal erg\u00e4nzen und best\u00e4tigen, dass wir an den doch massiven Ver\u00e4nderungen in einigen Unterstr\u00f6mungen auch des vergangenen Jahres gesehen haben, dass ihr dritter Punkt der Diversit\u00e4t oder Inklusion, also der st\u00e4rkeren Sichtbarkeit von Minderheiten \u2013 auch vor dem Hintergrund des Stichworts der Identit\u00e4tspolitik, die insbesondere die SPD momentan so plagt \u2013 mit gro\u00dfer Rasanz unter dieser bleiernen Corona-Decke hervortreten. Ich glaube, das werden wir auch im Herbst bei der Bundestagswahl und der anschlie\u00dfenden Kabinettsbildung, ganz egal, wie die Konfiguration am Ende aussehen wird, deutlich erkennen k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen nicht nur pessimistisch sein, sondern wir k\u00f6nnen auch mit einiger Zuversicht sehen, dass die demokratischen Parteien \u2013 da w\u00fcrde ich jetzt keine ausnehmen \u2013 in der Lage sind, diese enormen gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen aufzunehmen, die sich da gerade entwickeln, beispielsweise die st\u00e4rkere Artikulationskraft von gesellschaftlichen Minderheiten. Und um im dritten der von ihnen genannten Felder zu bleiben: Ich hoffe, dass wir auf diesem Weg und in dem Ma\u00dfe, in dem die berechtigten identit\u00e4tspolitischen Anliegen auch tats\u00e4chlich noch st\u00e4rker in der Alltagspolitik ankommen und repr\u00e4sentiert werden, dann auch wieder \u00fcber die gegenw\u00e4rtig zu beobachtenden \u00dcbertreibungen hinwegkommen k\u00f6nnen. Das sollte und muss mit dem ja doch zu erwartenden neuen Spitzenpersonal auch auf den anderen Feldern gelingen!<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> Das ist doch ein perfektes, ein hoffnungsvolles Schluss-Statement. Ich freue mich sehr, dass wir noch den Weg in die Hoffnung gefunden haben. Herr Frei, vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p><strong>Norbert Frei:<\/strong> Vielen Dank Ihnen. Bis zum n\u00e4chsten Mal!<\/p>\n<p><strong>Jonas Zipf:<\/strong> Bis dann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Norbert_Frei\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">*Norbert Frei,<\/a> Historiker, hat den Lehrstuhl f\u00fcr Neuere und Neueste Geschichte an der <a href=\"https:\/\/www.uni-jena.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena<\/a> inne und leitet das <i>Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">&#8212;<\/p>\n<p><em>Geht es Ihnen wie uns und Sie verfolgen die Corona-Gespr\u00e4che deshalb mit Interesse, weil sie es jenseits der pers\u00f6nlichen Befindlichkeiten in der Pandemie verm\u00f6gen, den Blick zu weiten, zu heben und das Gro\u00dfe und Ganze zu reflektieren? Wir freuen uns\u00a0 \u00fcber Ihre Feedbacks und laden sehr herzlich zum Dialog ein!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist das elfte Gespr\u00e4ch, das der Kulturverantwortliche der Stadt Jena Jonas Zipf f\u00fchrt, seit die Pandemie vor mittlerweile mehr als einem Jahr unser Leben fundamental zu ver\u00e4ndern begann. Im Superwahljahr 2021 ist es Zeit dar\u00fcber nachzusinnen, welche Folgen die Pandemie f\u00fcr unsere Demokratie haben k\u00f6nnte, wie wir achtsam mit ihr umgehen. 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