{"id":2829,"date":"2020-09-07T07:23:00","date_gmt":"2020-09-07T05:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=2829"},"modified":"2020-09-11T11:33:57","modified_gmt":"2020-09-11T09:33:57","slug":"die-zwei-von-der-bumms-show","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/09\/07\/die-zwei-von-der-bumms-show\/","title":{"rendered":"Die Zwei von der Bumms-Show"},"content":{"rendered":"\n<p><em>&#8222;Ohne Proben ganz nach Oben&#8220;, war das interne Motto der legend\u00e4ren Falkenhorst-Show, mit der Rainald Grebe und Ren\u00e9 Marik im Kassablanca ein St\u00fcck Theater-Geschichte geschrieben haben. Bei unserem Treffen in Berlin erz\u00e4hlen die beiden Star-Comedians, wie sie in Jena gelandet sind, wieso es die wichtigsten Jahre ihrer Karriere wurden \u2013 und weshalb es zu einem unr\u00fchmlichen Ende kam.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihr habt zur gleichen Zeit an der Schauspielschule Ernst-Busch in Babelsberg studiert und dort mit Diplom im Puppenspiel abgeschlossen. Ihr seid fast gleich alt, stammt beide aus der westdeutschen Provinz (Westerwald und Siegerland) und wart zwischen 2000 und 2004 am Theater Jena besch\u00e4ftigt. Beschreibt bitte mal, wann und wie die ersten Begegnungen zwischen euch so waren!<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9 Marik: Ich war im dritten Studienjahr, wir haben Goethes Faust mit Puppen inszeniert. Meine Dozentin war <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Claudia_Bauer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Claudia Bauer<\/a>, die sp\u00e4ter k\u00fcnstlerische Leiterin am Theater Jena geworden ist.<\/p>\n<p>Rainald Grebe: Ich war schon raus aus der Uni.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Aber er hat den Faust gespielt. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tilla_Kratochwil\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tilla Kratochwil<\/a>, die dann auch Schauspielerin in Jena wurde, spielte Gretchen. Und dann gab es drei Mephistos, ich war einer davon. Sp\u00e4ter bei unserer Diplominszenierung war Claudia Bauer ebenfalls Regisseurin. Da war ich Tarzan, Rainald war Clayton und Tilla war Jane.<\/p>\n<p><strong>War das gleich Liebe auf den ersten Blick bei euch?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Ja nat\u00fcrlich, Liebe!<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Ich hab Rainald zuerst gesehen, als er zusammen mit einem <a href=\"https:\/\/buehnen-halle.de\/lars_frank\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Professor, den ich toll fand<\/a>, die \u201cRettung des Weltraumes\u201d gemacht hat, ein Musical, das ich echt gro\u00dfartig fand. Und dann gab es noch&#8230;<\/p>\n<p>Rainald: \u201cAthleten der Herzen.\u201d<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Genau, so eine Freakshow, wo Claudia ebenfalls Regie gef\u00fchrt hat. Ich hatte total Lust mit ihr zusammen zu arbeiten, aber eben auch mit Rainald, weil er ja immer mit dabei war. Und dann haben wir Faust zusammen am Theater in Halle gemacht, haben zum ersten Mal zusammen in einer Bude gewohnt. Ich wei\u00df noch, wie wir da Super 8-Filme vom Flohmarkt zusammengeschnitten haben.<\/p>\n<p><strong>War das euer erstes festes Engagement?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Nee, das war nur f\u00fcr dieses eine St\u00fcck.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Im Hauptstudium geht man immer f\u00fcr eine Inszenierung an ein Theater.<\/p>\n<p><strong>Und was war das dann genau, was so gut funktioniert hat zwischen euch?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Der Geschmack vielleicht?<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Ja? Ja.<\/p>\n<p>Rainald: Dass man ungef\u00e4hr \u00fcber die gleichen Sachen lacht. Das ist es ja meistens. Es war auch eine erfolgreiche Inszenierung, das hilft ja auch. Und dann gab es das Angebot, Jena zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"714\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marikuli-kaufmann-b-714x1000.jpg\" alt=\"Gartenzweg\" class=\"wp-image-2830\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marikuli-kaufmann-b-714x1000.jpg 714w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marikuli-kaufmann-b-357x500.jpg 357w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marikuli-kaufmann-b-768x1075.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marikuli-kaufmann-b-1097x1536.jpg 1097w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marikuli-kaufmann-b-493x690.jpg 493w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marikuli-kaufmann-b.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><figcaption>\u00a9Uli Kaufmann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Ich zitiere mal aus einem <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/842750.die-welt-eine-scheibe.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel aus der Zeitung &#8222;Neues Deutschland&#8220;<\/a> aus dem Januar 2000:<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u201cDie Gesellschafterversammlung des Theaterhauses Jena hat im Fr\u00fchjahr 1999 beschlossen, die Vertr\u00e4ge aller k\u00fcnstlerischen Mitarbeiter zu l\u00f6sen, um eine neue Crew mit einem anderen Konzept zu suchen. Die experimentierfreudige \u00c4sthetik unter Sven Schl\u00f6ttke, in den letzten Jahren umgesetzt vor allem mit der freien Gruppe Theater Mahagoni, hatte sich zwar als Publikumsmagnet bew\u00e4hrt, bewegte sich inhaltlich und formal auf der H\u00f6he der Zeit und wurde also entsprechend mit starkem \u00fcberregionalen Echo belohnt. Doch das basisdemokratische Gremium befand, es m\u00fcsse jetzt mal wieder \u00bbwas anderes\u00ab her. Und auch Schl\u00f6ttke mochte nicht mehr in den alten Strukturen, die seine Entscheidungskompetenz stark einschr\u00e4nkten, arbeiten. Also wurde gek\u00fcndigt, ehe eine Alternative in Sicht war. Klar war nur, sie sollte jung sein, dem Selbstverst\u00e4ndnis des Hauses entsprechend.\u201d<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Die Gesellschafter*innen waren selbst einst Absolventen der Ernst Busch und guckten deshalb dort in die Regieklasse: <em>Wer ist in der Abschlussklasse, wer ist gerade auf dem Sprung?<\/em><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Claudia, die ich als Regisseurin so toll fand, hat sich eine Truppe zusammen gesucht, wo ich zum Gl\u00fcck mit dazu geh\u00f6rt habe. Und Rainald war mit Claudia zusammen damals.<\/p>\n<p><strong>Es gab damals ziemlichen Streit am Theater Jena&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Naja, die waren ja auch sehr lange dort zusammen&#8230;<\/p>\n<p>Rainald: &#8230;acht Jahre&#8230;<\/p>\n<p>Ren\u00e9: &#8230;und Theater zieht oft spezielle Pers\u00f6nlichkeiten an. Profilneurosen findest du da en masse, und dann passiert sowas irgendwann.<\/p>\n<p><strong>Das Theater war an einem Scheideweg angekommen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich zitiere mal aus einem <a href=\"https:\/\/taz.de\/!1294188\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel der Taz<\/a><\/strong><strong> aus dem April 1999:<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>\u201cWichtig war den jungen Gr\u00fcndern (&#8230;) die Utopie von einer gleichberechtigten Theaterarbeit. Das anf\u00e4nglich ausgepr\u00e4gte Mitbestimmungsmodell entwickelte sich dabei zu einem realistischen Mitverantwortungsmodell. Anfangs gab es die w\u00f6chentliche \u201eMatrosensitzung\u201c (das Theaterschiff sollte gemeinsam auf Kurs gebracht werden), es gab Kommissionen f\u00fcr alle m\u00f6glichen Probleme und Entscheidungen. (&#8230;) Es durfte nicht nur jeder jeden kritisieren, es sollte sogar jeder sich folgenreich \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen. \u201eWir waren m\u00e4chtig auf der Suche nach neuen Spielregeln, und es hat auch barbarisch gekracht\u201c, sagt ein Schauspieler im R\u00fcckblick (&#8230;). Doch alle Bem\u00fchungen scheinen vergeblich gewesen zu sein: Die einen beklagen eine dennoch erfolgte Entwicklung zu einer Art Intendantenmodell, die anderen verlangen, diese zu institutionalisieren. Jenseits des Krachs, der nicht nur etwas mit Konzepten, sondern auch etwas mit Personen zu tun hat, zeigt sich an der Entwicklung des Theaterhauses Jena ganz deutlich: Mitbestimmungs- oder Mitverantwortungsmodelle sind harte Knochenarbeit, wenn erst einmal die Begeisterung des Anfangs sich im theatralen Alltagsgesch\u00e4ft behaupten mu\u00df.&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Rainald: Das Schlimme war, dass die immer alles gemeinsam in einem Plenum entschieden. Die haben sich so gestritten, dass sie sich irgendwann gegenseitig aus der Gesellschafterversammlung des Theaters rausklagten. Schlimmste Grabenk\u00e4mpfe!<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Rosenkriege! Aber als wir die ersten Inszenierungen drau\u00dfen hatten, fanden sie die ganz furchtbar. Dann haben sie uns immer erz\u00e4hlt, wie toll das alles am Theater war, damals.<\/p>\n<p>Rainald: Das war denen nicht politisch genug, was wir gemacht haben, zu lustig, zu wurschtig. Die kamen ab und zu vorbei, zu irgendwelchen Sitzungen oder Spielplanvorstellungen. Dann wurde immer schnell geschrien.<\/p>\n<p><strong>Eure Vorg\u00e4nger konnten nicht loslassen?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Jena hat f\u00fcr sein Theater ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Konzept. Es ist eine gGmbH, deren Gesellschafter*innen die Theaterangestellten selbst sind. Und wenn du da Gesellschafter*in bist, kommst du aber auch nicht so einfach wieder raus. Die gGmbH muss ja weiterhin wirtschaften, da h\u00e4ngen auch die F\u00f6rdergelder der Stadt und des Landes dran.<\/p>\n<p><strong>Das Theater \u2013 als gemeinn\u00fctzige GmbH \u2013 hatte damals ein Budget von etwa vier Millionen DM, heute sind es knapp vier Euro Millionen Euro. Es geht als auch um einiges.<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: \u00dcblicherweise haben Theater einen Vertrag mit der Stadt. Der hat eine Laufzeit, und dann redet man irgendwann dar\u00fcber, ob verl\u00e4ngert wird oder nicht. In Jena gab es aber keine Laufzeit, deswegen haben die sich praktisch selber verl\u00e4ngert, oder halt nicht, und wenn man sich nicht mehr mag, oder sich das gegenseitig nicht mehr g\u00f6nnt, dann wird es eben schwierig.<\/p>\n<p><strong>Das Theatermodell in Jena \u2013 hatte das so einen guten Ruf, dass ihr schon wusstet: das macht sich gut auf dem Lebenslauf?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Ich kannte das nicht.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Wir waren frisch von der Schule, hatten \u00fcberhaupt keine Ahnung. Ich war zuvor noch ein Jahr in Halle an einem klassischen Stadttheater, und war echt froh, als ich da wieder weg war. Es war schon echt ein Geschenk, dass wir an so einem kleinen Haus mit einer gro\u00dfen Vision frei schalten und walten konnten, dass wir da kein Abo-Publikum bedienen mussten mit irgendeiner Schei\u00dfe. Dass wir als Truppe zusammen hin sind und geilen Schei\u00df machen konnten.<\/p>\n<p>Rainald: Was hei\u00dft <em>kleines Haus<\/em>? Als ich das erste Mal davor stand, dachte ich, <em>das ist riesig, das kriegen wir nie<\/em>. Ich war da nicht so selbstbewusst.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Nee, ich auch nicht.<\/p>\n<p>Rainald: Gleich nach dem Studium so eine H\u00fctte zu kriegen, das kam mir utopisch vor.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"714\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-3uli-kaufmann-b-714x1000.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2831\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-3uli-kaufmann-b-714x1000.jpg 714w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-3uli-kaufmann-b-357x500.jpg 357w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-3uli-kaufmann-b-768x1075.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-3uli-kaufmann-b-1097x1536.jpg 1097w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-3uli-kaufmann-b-493x690.jpg 493w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-3uli-kaufmann-b.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><figcaption>Ren\u00e9 Marik \u00a9Uli Kaufmann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Ren\u00e9, du hast <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/puppenspieler-rene-marik-der-meister-des-stotternden.970.de.html?dram:article_id=466260\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auch mal gesagt<\/a>, dass es f\u00fcr dich eine gro\u00dfe Befreiung war, nach Berlin zu gehen und die westdeutsche Provinz hinter dir zu lassen. Wie war es, dann in Jena anzukommen?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Das war schon ne krasse Entscheidung. Denn ich hab Berlin geliebt, oder lieb\u2019s auch immer noch. Ich hab damals Haus besetzt, hier in Friedrichshain, und dann wegzugehen, nach Jena \u2013 <em>wo ist das \u00fcberhaupt? Noch nie geh\u00f6rt!<\/em><\/p>\n<p>Rainald: Mir ging\u2019s anders.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Ich hab das nur gemacht, weil ich Bock auf das Theater und die Leute hatte, auf Claudia und die anderen. Nach einem Jahr fand ich es dann auch toll in Jena. Aber erstmal war es so: <em>Theater geil, ansonsten furchtbar<\/em>. Danach hab ich mich in die Stadt verliebt, muss man sagen, bin da auch immer noch gerne und habe da auch immer noch Freunde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"715\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-4uli-kaufmann-715x1000.jpg\" alt=\"Rainald Grebe\" class=\"wp-image-2832\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-4uli-kaufmann-715x1000.jpg 715w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-4uli-kaufmann-357x500.jpg 357w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-4uli-kaufmann-768x1075.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-4uli-kaufmann-1098x1536.jpg 1098w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-4uli-kaufmann-493x690.jpg 493w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-4uli-kaufmann-1320x1847.jpg 1320w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-r-grebe-r-marik-4uli-kaufmann.jpg 1372w\" sizes=\"auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px\" \/><figcaption>Rainald Grebe \u00a9Uli Kaufmann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Rainald, du hast dich selbst mal als \u201c<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/interview-rainald-grebe-eine-bemerkung-faellt-und-zack\/1480714.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Provinzd\u00f6del aus gutem Haus<\/a>\u201d beschrieben, und gesagt, dass du nach Berlin gegangen bist, weil du aus \u201cdieser wohlbeh\u00fcteten westdeutschen Welt\u201d raus wolltest. Wie war dein Ankommen in Jena?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Anders als bei Ren\u00e9, vielleicht weil ich schon l\u00e4nger mit dem Studium fertig war. Wenn man nicht so richtig Arbeit hat, kann Berlin ziemlich schei\u00dfe sein. Wir hatten uns gro\u00dfe Hoffnung gemacht, dass wir als freie Truppe den Weltmarkt erobern, und es passierte: nichts. Wir mussten pl\u00f6tzlich f\u00fcr einen Proberaum bezahlen, jemanden f\u00fcr die Werbung engagieren und so weiter. Man war nur mit organisatorischen Dingen besch\u00e4ftigt. Und dann kackte die erste Inszenierung ab. Es war ziemlich schlimm. Deshalb war das Ankommen in Jena eher so: <em>Ah, es geht was los! D\u00fcrfen wir das denn?<\/em><\/p>\n<p><strong>Du hattest die Schnauze voll von Berlin?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Ich hatte Berlin ziemlich \u00fcber damals, ja. Das war so verwirrend. Alle redeten \u00fcber ihre Projekte und was sie grad machen. <em>Der probt gerade hier und der macht gerade das<\/em>. Und wir hatten nichts, oder wenig. Deshalb war Jena erstmal so ne Befreiung: <em>Ja, jetzt raus hier, Arbeit!<\/em> Ich hab Jena gar nicht so sehr als Provinz gesehen. Meine kleine Vorstadt da bei K\u00f6ln, die war ja noch viel kleiner. Jena hat Geschichte. <em>Und jetzt darf ich hier arbeiten und ich geb alles daf\u00fcr!<\/em>, das war so mein Ansatz. Ich hatte mir \u00fcber das gesamte Haus Gedanken gemacht, wie so ein Dramaturg. Der ich dann ja auch wurde. Also ich hab mich da voll reingehangen und war gl\u00fccklich. Denn Berlin war zu gro\u00df. Und ich verwirrt.<\/p>\n<p><strong>Wolltest du von Anfang an Dramaturg werden, Rainald?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Nee. Aber wir haben in den ersten zwei Jahren zwei Dramaturgen verschlissen. Und dachten, bevor dann wieder irgendjemand herkommt, l\u00f6sen wir das intern. Und ich hatte auch Bock. Ich bin dann ins Oberst\u00fcbchen gegangen und hab da gearbeitet.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Genau, in den Falkenhorst! Das war so ein winziges Dachk\u00e4mmerchen neben dem Malsaal. Das hie\u00df vorher schon so. Und da\u2026<\/p>\n<p>Rainald: &#8230;da hab ich dann Pl\u00e4ne ausgeheckt.<\/p>\n<p><strong>Warum war die Falkenhorst Show eigentlich im Theatercaf\u00e9 und nicht auf der B\u00fchne?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Das war naheliegend. Das Kassa war noch gar nicht auf dem Plan bei uns.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Und war nat\u00fcrlich auch erstmal viel zu gro\u00df. Wir dachten, mal gucken ob \u00fcberhaupt jemand kommt. Aber nach zwei, drei Shows ist das Ding explodiert.<\/p>\n<p>Rainald: Man muss dazu sagen, dass wir auch auch noch eine andere \u201cNebenbei-Reihe\u201d hatten, die hie\u00df \u201cWeltdramatik.\u201d Da hatte der Dramaturg, der damals da war, die Idee: <em>Schauspieler lesen neue Dramatik<\/em>. Auf der Unterb\u00fchne war das. Hat keine Sau interessiert.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Echt, da kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern. Musste ich da auch lesen? Weil ich kann ja nicht lesen.<\/p>\n<p>Rainald: Na, vielleicht warst du befreit. Der Dramaturg war jedenfalls ganz geknickt, dass das nicht l\u00e4uft. Aber unsere Bumms-Show, die wollten alle sehen, haha.<\/p>\n<p><strong>Mit Bumms-Show meinst du die Falkenhorst-Show?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Ja. Das war auch f\u00fcr die Schauspieler gedacht, damit man einmal im Monat einfach loslassen und Bl\u00f6dsinn machen kann.<\/p>\n<p><strong>Das Konzept bestand also aus Outtakes aus den Proben f\u00fcr andere St\u00fccke?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Das hat sich alles nach und nach entwickelt. Aber der Frosch war von Anfang an dabei!<\/p>\n<p><strong>G\u00fcnther Falkenhorst?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Ja. In der Regel gab es ein Thema. Rainald hat das immer ausgeheckt. Und dann hat jeder f\u00fcr sich \u00fcberlegt, was man so machen k\u00f6nnte. Da ich ja eigentlich Puppenspieler bin, aber fast gar nichts mehr mit Puppen machte, hab ich diesen Frosch genommen, der noch aus Studienzeiten bei mir rumlag, und hab den Herrn Falkenhorst genannt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-marik-falkenhorst-1000x525.jpg\" alt=\"Rene Marik mit Falkenhorst und anderen Puppen\" class=\"wp-image-2833\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-marik-falkenhorst-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-marik-falkenhorst-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-marik-falkenhorst-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/09\/jenakultur-die-zwei-von-der-bumms-show-marik-falkenhorst.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Herr Falkenhorst hatte also ein Vorleben?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: An der Ernst Busch hatten wir f\u00fcr ein Szenenstudium mal Romeo und Julia mit vier Kermit-Fr\u00f6schen gespielt. Die hatten wir einfach im Comicladen gekauft. Ich kann keine Puppen bauen, das interessiert mich auch \u00fcberhaupt nicht, also hab ich genommen, was da war.<\/p>\n<p><strong>Und wo kommt der Maulwurf\u2019n her?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Den hat ein d\u00e4nischer Student gebastelt, Nis S\u00f6gart, hier in Jena f\u00fcr das St\u00fcck \u201cDie Eingeborene\u201d von Franz Xaver Kroetz. Der Maulwurf hat es letztlich aber nie auf die B\u00fchne geschafft&#8230;<\/p>\n<p>Rainald: &#8230;das war dann so ein Fall f\u00fcr unsere Resterampe&#8230;<\/p>\n<p>Ren\u00e9: &#8230;Nis hatte mir den da gelassen. Das war ja nur so ein bisschen Pl\u00fcsch und Schaumstoff mit Spaghetti-Armen&#8230;<\/p>\n<p>Rainald: Und dann kam er ganz gro\u00df raus! Die Klammer der Show war ja, dass der Frosch und ich moderieren.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Wobei man sagen muss, Rainald hat haupts\u00e4chlich moderiert, und der Frosch hat ab und zu dazwischen gequakt.<\/p>\n<p>Rainald: Du hast den Anfang gemacht, oder, den <em>Anchorman<\/em>?<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Ja, nicht viel mehr. Aber irgendwann kam dann der Maulwurf dazu, und Kalle, der Eisb\u00e4r. In der Regel war das so, dass ich mir morgens unter der Dusche \u00fcberlegt hab, was ich abends mache, deswegen waren die Requisiten auch alle nur so doof aus Pappe ausgeschnitten. Einmal haben wir versucht, die Falkenhorst-Show zu proben.<\/p>\n<p>Rainald: Die erste Show.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Da hatten wir ein bisschen mehr Zeit.<\/p>\n<p>Rainald: Eine Woche haben wir geprobt.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Und das war furchtbar. Grottenschei\u00dfe. Ab da war das Prinzip: Ohne Proben ganz nach Oben!<\/p>\n<p>Rainald: Also, einmal treffen musste schon sein. Den Ablauf und die Songs einmal durchmachen. Und dann hat sich das \u00fcber die Jahre entwickelt. Wir wurden da richtig gut manchmal. Aber die erste Idee war schon eher, dass das so eine Art Abbruchhalde ist, das stimmt schon, eine Resterampe f\u00fcr das, was wir sonst so machen.<\/p>\n<p><strong>Habt ihr eine Idee, warum gerade das so gut eingeschlagen ist?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Weil es Freude bereitet.<br><br>Ren\u00e9: Ich glaube gerade dadurch, dass es nicht geprobt war. Das hat man nat\u00fcrlich gemerkt. Das war Pleiten, Pech und Pannen. Von vorne bis hinten ging alles schief. Immer. Aber es waren auch immer tolle Leute auf der B\u00fchne, die das retten konnten. Und das war das Besondere, dass du als Zuschauer merkst: das entsteht alles jetzt gerade in diesem Moment, ohne Netz und doppelten Boden, und wird danach nie wieder so passieren. Wir h\u00e4tten nie die gleiche Show nochmal in Zwickau oder Gera spielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Herr Falkenhorst, Kalle und der Maulwurf \u2013 das sind bis heute deine Akteure geblieben.<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Ja, absolut. Kalle war so ein Kuscheltier von Claudia, der lag bei ihr rum und irgendwann hab ich ihn mit eingebaut in die Falkenhorst-Show.<\/p>\n<p><strong>Gab es sp\u00e4ter nie eine \u00e4hnliche Phase in deinem Leben, wo neue Charaktere f\u00fcr deine Solo-Shows entstehen konnten?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Das Ding ist, die Figuren sind mir jede f\u00fcr sich ans Herz gewachsen. Und dann bin ich auch nicht so, dass ich mich hinsetze und \u00fcberlege: <em>Ah, jetzt k\u00f6nnte noch das lustige Wiesel dazukommen, und das k\u00f6nnte dann so und so sein<\/em>. Ich muss irgendwas finden, irgendwas in der Hand haben und denken: <em>Guck mal, das ist ja lustig<\/em>!<\/p>\n<p><strong>Rainald, gab es in deiner Zeit in Jena Dinge, die entstanden sind, die heute noch in deinem Repertoire sind?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Ich hab mein erstes Solokonzert 2004 in Jena gegeben, das <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Neq1R37c_bI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Abschiedskonzert<\/a>, wie dann auch mein erstes Album hie\u00df. Vorher hatte ich nie einen ganzen Abend allein gemacht.<\/p>\n<p><strong>Warum der Umzug ins Kassa?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Das Theatercaf\u00e9 hat einfach nicht mehr ausgereicht, ist aus allen N\u00e4hten geplatzt. Und die B\u00fchne war daf\u00fcr einfach nicht geeignet.<\/p>\n<p>Rainald: Diese Show-Atmosph\u00e4re konnte man da nicht herstellen, so mit trinken und rauchen. Aber das w\u00e4r jetzt die Frage: Wer hat uns damals ins Kassa gebracht? <a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/07\/20\/kinder-des-kassa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vielleicht Ilja<\/a>?<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Oder <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=khflNWActhg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Smoking Joe<\/a>?<\/p>\n<p>Rainald: Also irgendjemand, den wir nicht mehr wissen, hat uns den Weg ins Kassablanca geebnet. Und, wie viel passen da rein? 100, 200? Das war von vornherein immer rappelvoll.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Ich wei\u00df gar nicht, ob es Karten im Vorverkauf gab, auf jeden Fall war da immer eine ewige Schlange, und alle wollten noch irgendwie rein und das war so\u2026<\/p>\n<p>Rainald: &#8230;wie man sich das w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Die Anfangszeit war auch sp\u00e4ter, 9 oder 10 Uhr. Also nicht die klassische Theaterzeit um 8 oder so.<\/p>\n<p><strong>Und wie ist aus Falkenhorst dann Cinehorst geworden?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Irgendwann nach zwei Jahren gingen uns die Themen aus oder so.<\/p>\n<p>Rainald: Es brauchte eine Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Und dann kam Rainald mit der Idee zu Cinehorst: <em>Wir nehmen uns gro\u00dfe Filme vor.<\/em><\/p>\n<p>Rainald: Filme, die man kennt. Dadurch konnte man das etwas strukturierter machen, den Stoff in Kapitel einteilen. Dann kam auch Knut dazu, mein &#8222;Sohn.&#8220; Der war eigentlich Regieassistent bei uns, und dessen Aufgabe war es, zu kiffen. Weil der hatte so eine unglaubliche Lache, wenn der bekifft war.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Und <a href=\"https:\/\/www.thur.de\/philo\/thomas.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Thomas Alster<\/a> kam dann auch noch mit dazu.<\/p>\n<p><strong>&#8230;der Philosoph und \u201cMitarbeiter f\u00fcr Dokumentation und Archiv am Theater Jena\u201d&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Genau. Thomas, der auch leider schon verstorben ist.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Der hat dann auch gesungen. \u201cIn der Moccamilcheisbar\u201d oder so. Das war wirklich grandios! Er ist zu DDR-Zeiten Dozent f\u00fcr Marxismus-Leninismus gewesen, wurde nach der Wende nat\u00fcrlich abgewickelt und dann Sozialhilfeempf\u00e4nger und landete eine ABM-Stelle am Theater, schon vor unserer Zeit. Er musste bei den Treffen der Gesellschafter Protokolle schreiben.<\/p>\n<p>Rainald: Weil sie sich immer so stritten, hatten die sich \u00fcberlegt, jemand muss das aufschreiben. Und da wurde dann der Philosoph Alster angestellt, \u201cModell Ph\u00f6nix\u201d hie\u00df das, und hat B\u00e4nde gef\u00fcllt mit handschriftlichen Notizen. Was dachte der sich da blo\u00df, als er ans Theater kam, um f\u00fcr die Streith\u00e4hne mitzuschreiben? Gelesen hat das keiner. Aber er war da, und wurde zu einem unserer &#8222;merkw\u00fcrdigen&#8220; Menschen auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Vor kurzem war ich \u00fcbrigens in R\u00fcsselsheim und habe mich mit unserem damaligen Jenaer Schauspielkollegen Holger Kraft getroffen. Er hat mir Aufnahmen gezeigt, die er damals im Backstage mit seiner Videokamera gemacht hat.<\/p>\n<p>Rainald: Backstage beim Falkenhorst?<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Ja, alle sch\u00f6n mit Sektchen&#8230;<\/p>\n<p>Rainald: Ich nicht!<\/p>\n<p>Ren\u00e9: &#8230;und v\u00f6llig total dr\u00fcber.<\/p>\n<p><strong>Uuuuh. Kann man die Aufnahmen mal sehen?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Nee, das m\u00f6chte niemand sehen. Das ist nur f\u00fcr uns lustig. Auf den Fotos von damals, das ist merkw\u00fcrdig zu sehen f\u00fcr mich. Sieht aus als w\u00e4ren wir heute hundert Jahre alt, und damals zw\u00f6lf.<\/p>\n<p>Rainald: Das legend\u00e4re Backstage vom Kassa! Die Assel-Sofas und K\u00fchlschr\u00e4nke, das Geschreibsel an der Wand.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"30 Jahre Kassablanca Vol. 1 - Pt.1 - Ilja Gabler\" width=\"900\" height=\"506\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Ng4Q8RhNO7Y?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><em>Video: Ilja Gabler legt im Kassa backstage auf \u2013 mit Einf\u00fchrung von Rainald Grebe. <\/em><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Und das geile Catering immer!<\/p>\n<p>Rainald: Das war nat\u00fcrlich wirklich geil! Der Koch hie\u00df Socke. Ganz fein immer. Opulent!<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Das waren wir aus dem Theater gar nicht gewohnt.<\/p>\n<p><strong>Warum seid ihr dann weggegangen aus Jena?<\/strong><\/p>\n<p>Ren\u00e9: Weil wir mussten.<\/p>\n<p>Rainald: Es gab Streit, tats\u00e4chlich, richtig fiesen Streit.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Intrigen kann man sagen.<\/p>\n<p>Rainald: Eigentlich w\u00e4ren wir noch ein Jahr l\u00e4nger geblieben. Ich dachte, Dramaturg, das kann man drei Jahre machen, dann sind insgesamt auch sechs Jahre um, und dann reichts auch mit der kleinen Stadt. Aber das wurde uns nicht gestattet.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Ich glaube, letztendlich war das einfach ein Fall von ausgepr\u00e4gtem Machismo. Die Gesellschafter haben zusammen Zigarre geraucht und Rotwein getrunken und sind einfach nicht mit Claudia zurecht gekommen.<\/p>\n<p>Rainald: Was ich ganz schlimm fand, die haben dann in die Zeitung gesetzt, es sei \u00fcblich, dass die k\u00fcnstlerische Leitung alle f\u00fcnf Jahre wechselt, und Platz f\u00fcr junge Talente gemacht wird. Das war einfach Fake News, ein Dolch in den R\u00fccken. Wir machten gute Arbeit, und dann sowas.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Das Theater hatte damals eine Auslastung von sowas wie 90 Prozent. Davon tr\u00e4umen andere H\u00e4user. Es gab st\u00e4ndig \u00fcberregionale Presse, wir waren in der Stadt sehr beliebt. Weil alte wei\u00dfe M\u00e4nner mit Befindlichkeiten nicht mit ner starken Frau klar gekommen sind, haben die uns gekantet.<\/p>\n<p>Rainald: Die Falkenhorst-Show mochten die auch nicht. Naja, der Abgang war unr\u00fchmlich.<\/p>\n<p><strong>Ein kurzes Fazit eurer Zeit in Jena?<\/strong><\/p>\n<p>Rainald: Eine tolle Zeit! Ich kam zur\u00fcck nach Berlin und war richtig geerdet. Ich konnte sagen: <em>das mag ich oder mag ich nicht.<\/em> Das war so eine innere St\u00e4rke, eine Normalit\u00e4t im Zugriff auf die Dinge. Das hat mir Jena gegeben.<\/p>\n<p>Ren\u00e9: Jena hat den Grundstein gelegt f\u00fcr alles. Es war eine sehr intensive Zeit, wo man herumprobieren und herausfinden konnte: <em>Wer bin ich, was liegt mir, was will ich?<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1000x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2137\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1314x690.jpg 1314w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1320x693.jpg 1320w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Christian Gesellmann \u00a9Martin Gommel<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Kassa feiert dieses Jahr seinen 30. Geburtstag! Ein Jahr lang werde ich mich als Stadtschreiber mit den Menschen treffen, die diesen einzigartigen Verein und Club gepr\u00e4gt haben, und ihre Erinnerungen aufschreiben \u2013 und nat\u00fcrlich mit Ihnen\/dir teilen, hier auf diesem Blog,<\/em> <em>auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/christian.gesellmann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/christian.gesellmann\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Instagram<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Welche Geschichten und Erinnerungen verbinden Sie\/verbindest du mit dem Kassablanca? Haben Sie\/ hast du noch irgendwo alte Fotos von Ihnen\/dir und Ihren\/deinen Freunden im Kassa? Ich freue mich auf Post an: <u><a href=\"mailto:allesgute@kassablanca.de\">allesgute@kassablanca.de<\/a><\/u><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ohne Proben ganz nach Oben&#8220;, war das interne Motto der legend\u00e4ren Falkenhorst-Show, mit der Rainald Grebe und Ren\u00e9 Marik im Kassablanca ein St\u00fcck&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":2837,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,9,17,26],"tags":[522,508,550,507,82,38,589,590,202,342],"class_list":["post-2829","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-jenakultur","category-kulturpreise-stipendien","category-villa-rosenthal","tag-30-jahre-kassa","tag-kassa","tag-kassablanca","tag-kassablanca-jena","tag-kultur","tag-kunst","tag-rainald-grebe","tag-rene-marik","tag-theater","tag-theaterhaus-jena"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2829"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2829\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2858,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2829\/revisions\/2858"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2837"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}