{"id":2426,"date":"2020-06-24T07:24:00","date_gmt":"2020-06-24T05:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=2426"},"modified":"2020-06-26T11:35:30","modified_gmt":"2020-06-26T09:35:30","slug":"immer-wieder-das-friedensberg-denkmal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/06\/24\/immer-wieder-das-friedensberg-denkmal\/","title":{"rendered":"Immer wieder: Das Friedensberg-Denkmal\u2026"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Das Friedens-Mahnmal auf der ehemals Hainberg genannten Erh\u00f6hung in Jena-West stand in den letzten Jahren immer wieder wegen seines bisweilen unzumutbaren Zustandes negativ in den Schlagzeilen. Erst vor einem reichlichen Jahr hatten wir das Rondell ausf\u00fchrlich zum Thema Vandalismus in diesem Blog behandelt. Kern der \u00c4u\u00dferungen bildete der oftmals ungepflegte und verwahrloste Eindruck, der vielen Nutzern und Anwohnern immer wieder Anlass f\u00fcr Beschwerden bot.<\/em><\/p>\n<p>Vandalismussch\u00e4den, Graffitibeschmierungen, M\u00fcll, Glasscherben und Reste von Lagerfeuern pr\u00e4gen heute das Bild. Die urspr\u00fcngliche Bedeutung &nbsp;des bei seiner Errichtung von 1926 bis 1929 als offizielle Gedenkst\u00e4tte eines Ehrenhains f\u00fcr die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und 1949 mit der Umwidmung als Friedensmal konnotierten Denkmals geriet in der \u00d6ffentlichkeit mehr und mehr in Vergessenheit. Missachtung, Desinteresse und grober Umgang, dar\u00fcber hinaus auch Missbrauch durch politische Aktionen sind die Folge.<\/p>\n<p>Ein \u00f6ffentliches \u00c4rgernis, das ungeachtet regelm\u00e4\u00dfiger Reinigungsma\u00dfnahmen seitens der Stadt das eigentliche Dilemma deutlich macht: Die \u00d6ffentlichkeit wei\u00df heute mit dem einstigen Kriegerdenkmal nichts mehr anzufangen. Die urspr\u00fcngliche, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg manifestierte Nutzung als Friedens-Mahnmal, als Ort des Gedenkens, der Stille und Erinnerung trifft heute ob seiner trutzigen und fast wehrhaft anmutenden Dimension vor allem bei der j\u00fcngeren Generation auf v\u00f6lliges Unverst\u00e4ndnis. Die Folge ist ein katastrophaler Umgang mit dem Denkmal, das zu seiner urspr\u00fcnglichen Funktion als Gedenk- und Erinnerungsst\u00e4tte in krassem Gegensatz steht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"630\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2019\/04\/Friedensbergdenkmal-Vandalismus\u00a9JenaKultur-CH\u00e4cker-1.jpg\" alt=\"Friedensbergdenkmal\" class=\"wp-image-551\" \/><figcaption>Vandalismussch\u00e4den am Friedensberg-Denkmal sind leider ein h\u00e4ufiges \u00c4rgernis \u00a9JenaKultur, C. H\u00e4cker<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Was soll man nun tun? Absperren, \u00dcberwachen, Unsummen an Geld in permanente Sanierungen stecken, Umnutzen, Umgestalten oder gar Abrei\u00dfen?<\/p>\n<p>Und dann ist da noch der Aspekt der Denkmalschutzausweisung. In diesem kulturell wichtigen Sinne m\u00fcsste das Rondell als Denkmalort eigentlich in seinem urspr\u00fcnglichen Zustand erhalten, bewahrt und st\u00e4ndig gepflegt werden \u2013 ein Anspruch, welcher angesichts der permanenten Verm\u00fcllung und Beschmierungen einer Sisyphos-Aufgabe gleichkommt.<\/p>\n<p>Diese Frage werden wir jetzt hier leider nicht beantworten k\u00f6nnen. Daf\u00fcr gibt es inzwischen erfreulicherweise aber auch ein eigenes Projekt, welches sich dieser Problematik widmet und das Denkmal mit vielen Aktionen, Gespr\u00e4chsforen und diskursiven Formaten, die m\u00f6glicherweise in eine dauerhafte k\u00fcnstlerische Intervention gipfeln werden, in die \u00d6ffentlichkeit bringt. Der junge K\u00fcnstler und ehemalige Eduard-Rosenthal-Stipendiat <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Benjamin_Walther\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Benjamin Walther<\/a> aus Berlin hat dazu das Projekt \u201eRe-Constructing Memory\u201c entwickelt, \u00fcber das k\u00fcnftig noch \u00f6fter zu h\u00f6ren und lesen sein wird.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-immer-wieder-das-friedensberg-denkmal-298px-benjamin-walther.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2454\" width=\"466\" height=\"311\" \/><figcaption>Benjamin Walther auf der Ausstellungser\u00f6ffnung IM K\u00c4FIG DER FREIHEIT im Kunstmuseum Wolfsburg, 2016<br>Quelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Benjamin_Walther.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" data-rel=\"lightbox-gallery-xO39bIwJ\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\">Wikimedia<\/a>, Foto: Frau Pixi, Lizenz: <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">CC BY-SA 4.0<\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Fakt ist jedoch: das vernachl\u00e4ssigte Denkmal mit anderen kulturellen Formaten der Nutzung immer wieder in die \u00d6ffentlichkeit zu bringen, ist genau die Strategie, mit der ein Umdenken im Umgang mit dem bis dato unliebsamen Ort m\u00f6glich w\u00e4re. Alternative und teilweise wahrlich unkonventionelle Nutzungen der j\u00fcngeren Vergangenheit zeigen deutlich, dass dies ein richtiger Weg sein k\u00f6nnte, um die Akzeptanz vor allem bei j\u00fcngeren Nutzern zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>So wurde das Denkmal in 2005, 2011, 2017 und 2018 bereits f\u00fcr Kunstausstellungen und Theaterprojekte genutzt. 2017 fand im November am Volkstrauertag&nbsp; eine \u00f6ffentliche Podiumsdiskussion zum Kriegsgedenken anl\u00e4sslich der Vorbereitungen zum 100. Jahrestag der Beendigung des Ersten Weltkrieges statt, in deren Fokus das Friedensberg-Denkmal und seine k\u00fcnftige Nutzung stand. 2018 beging die Stadt dann diesen Jahrestag mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen, bei welchem im November das deutsch-franz\u00f6sische Weekend<a href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\/de\/projekte_und_festivals\/rueckblick\/europaeisches_erinnerungsmosaik\/das_wochenende\/815582.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> \u201eVon Feinden zu Freunden. Ein europ\u00e4isches Erinnerungsmosaik\u201c<\/a> im Mittelpunkt stand. Kernpunkte dieses Wochenendes bildeten der Tag der Stadtgeschichte sowie ein europ\u00e4isches Theaterevent mit deutschen, franz\u00f6sischen und ukrainischen Laiendarstellern auf dem Friedensberg.<\/p>\n<p>Wie k\u00fcrzlich in der Presse bzw. auch auf den Seiten von <a href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\/de\/aufgaben_und_service\/denkmal-_und_kunstfoerderung\/605730\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">JenaKultur<\/a> zu lesen war, wird das ehemalige Kriegerdenkmal in Zeiten von Corona nun auch als Open-Air Probenst\u00e4tte von Jenaer Ch\u00f6ren genutzt. Inzwischen sind es bereits drei Jenaer Ch\u00f6re, die diese wunderbare Gelegenheit nutzen. Die Idee dazu stammt von Maximilian L\u00f6rzer, Chorleiter des <a href=\"https:\/\/psycho-chor.de\/start.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Psycho-Chores e.V.<\/a> der FSU Jena. Der Chor probt seit Anfang Juni zweimal in der Woche, seit letzter Woche dreimal die Woche in den sp\u00e4teren Nachmittags- und Abendstunden in kleineren Gruppen unter freiem Himmel. Voraussetzung ist ein vom Gesundheitsamt gepr\u00fcftes und genehmigtes Hygienekonzept, welches inzwischen bis zu 30 S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger gleichzeitig zul\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-immer-wieder-das-friedensberg-denkmal-chorprobe-psychochor-foto-solveig-menrad4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2430\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-immer-wieder-das-friedensberg-denkmal-chorprobe-psychochor-foto-solveig-menrad4.jpg 960w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-immer-wieder-das-friedensberg-denkmal-chorprobe-psychochor-foto-solveig-menrad4-500x375.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-immer-wieder-das-friedensberg-denkmal-chorprobe-psychochor-foto-solveig-menrad4-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-immer-wieder-das-friedensberg-denkmal-chorprobe-psychochor-foto-solveig-menrad4-920x690.jpg 920w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-immer-wieder-das-friedensberg-denkmal-chorprobe-psychochor-foto-solveig-menrad4-790x593.jpg 790w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption>Mitglieder*innen des Psycho-Chors stecken die Abstandsmarkierungen f\u00fcr die Probe ab \u00a9 Solveig Menrad<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Neben dem Psycho-Chor nutzt ebenso der Studierendenchor der Universit\u00e4t Jena<a href=\"https:\/\/www.studierendenchor.uni-jena.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> \u201eCollegium Vocale\u201c<\/a> unter der Leitung von Fabian Pasewald &nbsp;das Gel\u00e4nde f\u00fcr seine Proben als Open-Air Kulisse. Die Chorteilnehmer kommen zweimal die Woche im Schichtbetrieb von bis zu maximal 30 Teilnehmern abends zusammen. Auch die Jena<a href=\"http:\/\/jena-jubilee-singers.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Jubilee Singers<\/a>, ebenfalls ein Chor der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena, haben inzwischen das Denkmal als Podium f\u00fcr ihre Proben entdeckt.<\/p>\n<p>Wenn perspektivisch keine Alternative in einer geschlossenen R\u00e4umlichkeit gefunden wird, m\u00f6chten die Chors\u00e4ngerinnen und Chors\u00e4nger das Friedensberg-Denkmal f\u00fcr ihre Proben \u00fcber den gesamten Sommer nutzen und hoffen dabei auf weitere Unterst\u00fctzung der Stadt.<\/p>\n<p>Aber gern doch! <strong>Aus der Sicht der Stadt, insbesondere JenaKulturs als \u00f6ffentlichem Nutzer des Denkmals, ist das ein absoluter Gewinn f\u00fcr das ansonsten eher von der \u00d6ffentlichkeit gemiedene Areal und motiviert hoffentlich immer mehr G\u00e4ste und Anwohner dazu, das eine oder andere Mal doch auf den Berg zu steigen, um \u00fcber den Sommer der sch\u00f6nen Chormusik zu lauschen und das Denkmal damit in einem ganz anderen, musikalisch-sinnlichen Licht wahrzunehmen.&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p><strong>In jedem Fall ist es eine Bereicherung. In dem Sinne: Dankesch\u00f6n an die Ch\u00f6re!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Friedens-Mahnmal auf der ehemals Hainberg genannten Erh\u00f6hung in Jena-West stand in den letzten Jahren immer wieder wegen seines bisweilen unzumutbaren Zustandes negativ&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":2429,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,11,9],"tags":[541,98,540,539,91],"class_list":["post-2426","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-denkmale","category-jenakultur","tag-choere","tag-denkmale","tag-friedensberg","tag-kunst-im-oeffentlichen-raum","tag-vandalismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2426","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2426"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2426\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2483,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2426\/revisions\/2483"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2429"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}