{"id":2294,"date":"2020-06-15T07:30:00","date_gmt":"2020-06-15T05:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=2294"},"modified":"2020-06-11T13:03:48","modified_gmt":"2020-06-11T11:03:48","slug":"ich-werd-bloede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/06\/15\/ich-werd-bloede\/","title":{"rendered":"&#8222;Ich werd&#8216; bl\u00f6de!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Als Linie 1 f\u00e4hrt nicht nur die Stra\u00dfenbahn von Winzerla nach Zw\u00e4tzen \u2013 Linie 1 war auch eine westdeutsche Musicalverfilmung, die ab 1989 in den Kinos der DDR gezeigt wurde, damit die Jugend sich davon \u00fcberzeugen kann, wie verlottert, gef\u00fchllos und drogenabh\u00e4ngig die Gesellschaft im kapitalistischen West-Berlin ist. Ein zierlicher junger Mann aus Apolda schaute sich den Film gleich ein halbes Dutzend Mal an, fuhr ein halbes Jahr sp\u00e4ter selbst mit der Linie 1 durch das wiedervereinigte Berlin und wurde zu einem der Pioniere der Technobewegung in Ostdeutschland: Thomas &#8222;Spatz&#8220; Sperling erlebte die ersten Raves im Berliner Tresor, holte weltber\u00fchmte DJs ins wendegraue Th\u00fcringen, organisierte Reisebusse zur Loveparade und Mayday, war Barkeeper im legend\u00e4ren Leipziger Club Distillery, gr\u00fcndete in Jena die Plattenlabel &#8222;Freude Am Tanzen&#8220; und &#8222;Musik Krause&#8220; sowie den Plattenladen &#8222;Fatplastics&#8220; im Schillerg\u00e4\u00dfchen mit. Der &#8222;Spatz&#8220; setzte Jena auf die Landkarte der elektronischen Musik, erm\u00f6glichte Karrieren und organisiert nun seit zwei Jahrzehnten die mond\u00e4ne Mittwochsfeierei &#8222;Sch\u00f6ne Freiheit&#8220; im <a href=\"https:\/\/www.kassablanca.de\/startseite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kassablanca<\/a>. An einem verschlafenen Samstagvormittag bin ich mit ihm die beiden Stationen abgelaufen, an denen das Kassa in Jena Halt gemacht hat, bevor es seinen Platz hinter dem Westbahnhof fand. Zu unserem Interview bringt er mir einen frisch gewaschenen Apfel mit, und erz\u00e4hlt erstmal, wie man als Apoldaer Jugendlicher Weltstars f\u00fcr Partys bucht, wenn man nicht mal ein Telefon hat. <\/em><\/p>\n<p><strong>Also, wie hat das funktioniert?<\/strong><\/p>\n<p>Viele Kontakte zu DJs sind entstanden, weil ich die beim Feiern kennengelernt habe, oder im Hard Wax, einem Plattenladen in Berlin, bei dem wir uns samstags nach dem Clubbesuch oft mit neuer Musik eingedeckt haben, bevor wir wieder nach Hause fuhren. Ich bin dann mit einem Zettel voll Nummern in eine der Telefonzellen an der Post gelaufen zum Beispiel, und hab die abgearbeitet, hab in den Agenturen angerufen, um die K\u00fcnstler zu buchen. 1994 hatte ich erst ein Telefon zuhause. Bis dahin ist das alles \u00fcber das Telefon von irgendjemand gelaufen, oder halt \u00fcber die Telefonzelle. Da kann dann auch keiner zur\u00fcckrufen oder so. Das Booking von <u><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=REpSekxZEzo&amp;list=PLmGWGYesiyiPHAefzM9bKO7XmTQu2a7XR&amp;index=29\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jeff Mills<\/a><\/u> hab ich aus einer Telefonzelle in Apolda gemacht.<\/p>\n<p><strong>Klingt kompliziert. Andererseits konnte man dir dann auch nicht so schnell absagen, wenn einmal was ausgemacht war, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Nee, das gab&#8217;s nicht. Wenn man was ausgemacht hatte, dann stand das. Heute ist das anders, da werden kurzfristig Sachen ge\u00e4ndert, man bekommt eine Mail und muss schnell reagieren. Das ist nicht schlimm. Man arbeitet daf\u00fcr auch schneller heute, man hat alle Infos in seinem E-Mail-Account, fr\u00fcher musste man noch irgendwelche Faxe wegheften und Ordner durchbl\u00e4ttern, wenn man was gesucht hat. Ist einfach eine andere Zeit. Ich war \u2013 glaub ich \u2013 schon immer relativ zuverl\u00e4ssig. 1994 gab es das erste Kassa-Mobiltelefon. Ein echter Knochen. Das hat man nat\u00fcrlich fast nie benutzt, weil es sauteuer war. Ab 1995 hatte ich dann ein eigenes Mobiltelefon. Die Telefonnummer hab ich immer noch.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"598\" height=\"394\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-hardwaxberlin1993mgrosser.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2298\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-hardwaxberlin1993mgrosser.jpg 598w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-hardwaxberlin1993mgrosser-500x329.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 598px) 100vw, 598px\" \/><figcaption>Thomas Sperling, laut TechnoMag einer der \u201cmeist besch\u00e4ftigten Leute der Th\u00fcringer Szene\u201d, ist hier mit Freunden beim Ausflug in den Berliner Plattenladen Hard Wax zu sehen. Thomas ist der zweite von links, das Foto stammt aus dem Jahr 1993. \u00a9M. Gro\u00dfer<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Hast du eigentlich mal \u00fcberlegt, aus Jena wegzuziehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anfang der Neunziger Jahre mal kurz. Da hab ich dr\u00fcber nachgedacht, nach Berlin zu gehen. Mir war klar geworden, dass Techno nicht nur ein Hobby ist, dass ich davon sogar leben kann. Am Anfang war das schwierig in Jena, es gab wenig Publikum f\u00fcr diese Musik, die Szene war sehr klein. Aber Jena hat schon immer einen gro\u00dfen Vorteil gehabt: es gibt hier viele junge Leute. Als meine Partys dann fest im Kassablanca etabliert waren, kamen auch G\u00e4ste, die vielleicht nicht wegen der Musik kamen \u2013 aber wegen ihr blieben. Die Szene wuchs. Heute z\u00e4hlt das Kassa 60.000 Besucher im Jahr. Nur die Kulturarena und das Planetarium haben mehr. Ich will hier jedenfalls nicht wieder wegziehen. Bis ich unter die Erde komme oder ins Pflegeheim. Oder man wei\u00df ja nicht, wie sich das alles entwickelt. Vielleicht ziehe ich auch in eine Mehrgenerationen-WG. Meine Mutter wohnt jetzt in ihrer alten Arbeitsstelle in Apolda. Das ist jetzt ein Pflegeheim, in dem sie eine Zweizimmerwohnung hat. Sowas reicht doch vollkommen. Also mir w\u00fcrden 40 Quadratmeter reichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DJ Motte, der Erfinder der Loveparade, ist gelernter Betonbauer. Auch unsere lokalen Technogr\u00f6\u00dfen wie die Wighnomy Brothers und Metaboman und viele andere, deren Sound durch den Kassa-Kosmos gepr\u00e4gt wurde, haben nicht studiert, sondern zun\u00e4chst einen Beruf gelernt. Du auch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich bin gelernter Zimmerer. Mit Holz zu arbeiten, fand ich spannend. Aber es war am Ende ein Industrieberuf, bei dem das klassische Handwerk nach dem ersten Lehrjahr fast keine Rolle mehr spielte. Ich hab zum Beispiel Schalungen gebaut f\u00fcr das AKW Stendal. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Nach der Lehre habe ich noch zwei Jahre in dem Beruf gearbeitet. Dann hab ich gek\u00fcndigt und wurde Ger\u00fcstbauer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil das dem Beruf noch am n\u00e4chsten kam. Aber irgendwann habe ich zu meinem Chef gesagt: Das ist mir zu anstrengend, zu wenig Geld. Und ich werd&#8216; bl\u00f6de. Das letzte war eigentlich der Hauptgrund. Er wollte mir dann eine Lohnerh\u00f6hung von 40 Pfennig geben oder so. Dann hab ich dort auch gek\u00fcndigt und fing an, Baseballjacken zu n\u00e4hen. Solche Jacken, und Doc Martens, das hat man damals getragen. Nicht nur die Skinheads, auch andere Typen. Davon hab ich dann eine Weile ganz gut gelebt. F\u00fcr eine Jacke hab ich f\u00fcnf Stunden gearbeitet. Das Material hat so 50 bis 100 DDR-Mark gekostet. Und verkauft hab ich sie dann f\u00fcr 300.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was war die Inspiration f\u00fcr dich, f\u00fcr diesen Ausflug in die Mode?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man hat damals generell geschaut, was in England oder den USA getragen wird, Duran Duran oder Depeche Mode zum Beispiel waren modische Vorbilder. Und f\u00fcr mich war auch das Musical &#8222;Linie 1&#8220; sehr einflussreich. Kennst du das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nee.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein Musical, das wird im Berliner Grips-Theater seit Mitte der 80er-Jahre regelm\u00e4\u00dfig aufgef\u00fchrt. Es geht um eine junge Frau, die aus der Provinz nach West-Berlin zieht und dort Punks und Zuh\u00e4lter und Drogen kennenlernt. Es gibt auch einen Film dar\u00fcber, der in den DDR-Kinos lief. Eigentlich sollte damit gezeigt werden, wie schmutzig West-Berlin ist, und wie unmoralisch. Aber das wurde f\u00fcr mich zu einem Schaufenster in den Westen, ich hab den bestimmt ein halbes Dutzend Mal im Kino gesehen, und mir angeguckt, was haben die f\u00fcr Frisuren, was haben die f\u00fcr Klamotten an.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir sind jetzt auf unserem Spaziergang in einem kleinen G\u00e4sschen unterhalb des heutigen Kassablancas angekommen. Hier, am Villengang, zeigt Thomas auf ein gro\u00dfes Geb\u00e4ude mit leuchtend orangenfarbener Fassade und von seinen ersten Erinnerungen an das Kassa, das hier von 1990 bis 1992 sein erstes Domizil hatte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt steht hier ein Pflegeheim statt einem Jugendzentrum. Sch\u00f6ne helle R\u00e4ume. Fr\u00fcher war ein Verlag an dieser Stelle, und der Club der Intelligenz. Nach der Wende hat das Kassa hier seine ersten R\u00e4ume von der Stadt zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen. Das war auch ein Sehnsuchtsort, eine Erf\u00fcllung, dass man hier jetzt Dinge auch erleben kann. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/05\/04\/zieh-dich-doch-mal-ordentlich-an\/\" target=\"_blank\">So wie Frank das auch so sch\u00f6n beschrieben hat<\/a>. Aber das kann dir Alf besser erz\u00e4hlen <em>(Alf-K. Heinicke geh\u00f6rt zum Vorstand des Kassablanca, C.G.)<\/em>. Ich war ja noch gar nicht dabei in den ersten beiden Jahren. Ich kann mich nur erinnern, dass ich mit meiner Freundin einmal zu einem Konzert wollte, und nicht reingekommen bin, weil ausverkauft war. Ich bin dann erst ab etwa Oktober &#8217;91 regelm\u00e4\u00dfig hierhergekommen. Und ab Sommer 1992 hab ich dann regelm\u00e4\u00dfig selbst Veranstaltungen gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie war eigentlich Leben in der DDR f\u00fcr dich so?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Naja, man hat sich arrangiert. Man hat die M\u00f6glichkeiten genutzt, die da waren. Und die, die man nicht hatte, die hatte man halt nicht. Ich bin keiner gewesen, der unbedingt anecken wollte, oder auf die Stra\u00dfe gegangen w\u00e4re, um zu protestieren. Da haben mir die Ambitionen gefehlt. Weil ich auch keinen gro\u00dfen Leidensdruck hatte. Ich habe in einer Kleinstadt gewohnt mit 25.000 Einwohnern. Ich hatte nie den Drang, in den Westen zu wollen, war schon so differenziert, dass ich nicht dachte, dort wartet nun die gro\u00dfe heile Welt auf mich. In der Schule hatte ich auch keinen Stress, selbst wenn ich kritische Fragen stellte. Das ging eigentlich erst mit der Ausbildung los. Da waren so Momente, wo man sich wie im Verh\u00f6r gef\u00fchlt hat, unter Druck gesetzt wurde, sich f\u00fcr drei Jahre f\u00fcr die Armee zu verpflichten zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und hast du es gemacht \u2013 drei Jahre Armee?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich nicht. Ich fand das ja so schon schrecklich genug. \u00dcberleg dir das mal, mit 18 Jahren musst du eineinhalb Jahre lang zur NVA. 18 Urlaubstage in eineinhalb Jahren. Alle sechs Woche etwa ist man dann freitags in den Zug gestiegen und nach Hause gefahren. Und sonntags abends musste man wieder in den Zug und zur\u00fcck in die Kaserne. Also eigentlich hatte man nur einen Tag, um seine Freunde zu sehen. Ich bin froh, dass ich drumrum gekommen bin. Als &#8222;Heimschei\u00dfer&#8220; h\u00e4tte ich da ordentlich drunter gelitten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nach dem <u><a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/05\/04\/zieh-dich-doch-mal-ordentlich-an\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gespr\u00e4ch mit Frank<\/a><\/u> habe ich dar\u00fcber nachgedacht, ob ich Lust gehabt h\u00e4tte, zur Wendezeit ein junger Mensch gewesen zu sein. Ich glaube nicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Wissen von jetzt ist das nat\u00fcrlich schwer vorstellbar. Aber man hat ja keine Wahl, und dann arrangiert man sich. Allein der Zugang zur Musik zum Beispiel. Du hast das Radio gehabt, wo ab und zu mal was kam, was man aufnehmen konnte. Im Jugendkanal DT 64 des DDR-Radios gab es verschiedene Sendungen, die sich mit House und elektronischer Musik besch\u00e4ftigten. Nach der Wende hatte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marusha\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Marusha<\/a> bei <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6HPMleMbIAY\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">DT64<\/a> die Sendung Dancehall. Die war richtig gut, aber es war eben nur eine Stunde in der Woche. Und dann hat man Tapes und Platten untereinander getauscht. Du hast soviel Zeit damit verbracht, dich mit Musik- und Jugendkulturen auseinanderzusetzen, das machen ja Jugendliche heute auch noch, und auch aus denselben Gr\u00fcnden, n\u00e4mlich um die Mauer in den K\u00f6pfen abzubauen. Aber bei uns gab es zus\u00e4tzlich noch eine reale Mauer, um unser Land drum herum. Und das hat alles schwieriger gemacht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"684\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-fan-mit-marusha-kassablancaparadiescafearchiv-rave-strikes-back-1000x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2303\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-fan-mit-marusha-kassablancaparadiescafearchiv-rave-strikes-back-1000x684.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-fan-mit-marusha-kassablancaparadiescafearchiv-rave-strikes-back-500x342.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-fan-mit-marusha-kassablancaparadiescafearchiv-rave-strikes-back-768x525.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-fan-mit-marusha-kassablancaparadiescafearchiv-rave-strikes-back-1008x690.jpg 1008w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-fan-mit-marusha-kassablancaparadiescafearchiv-rave-strikes-back.jpg 1026w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Marusha war eine der einflussreichsten deutschen DJanes, im ehemaligen DDR-Jugendkanal DT64, moderierte die geb\u00fcrtige N\u00fcrnbergerin die Sendung Dancehall, ihr Deb\u00fct Raveland hielt sich 1994 f\u00fcr 24 Wochen in den deutschen Albumcharts (Platz 4). Im Paradiescaf\u00e9 in Jena legte sie 1992 auf. \u00a9Archiv Rave strikes back<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><em>An fahrradfahrenden Familien und turnenden Dudes vorbei haben wir uns nun den Weg in den Paradiespark gebahnt. Hier stehen wir jetzt vor dem Paradiescaf\u00e9.<\/em> &#8222;Das war ja auch zu DDR-Zeiten schon die Top-Location zum Ausgehen&#8220;, sagt Thomas.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nachdem das Kassablanca sein erstes Domizil am Villengang im Sommer 1992 r\u00e4umen musste, wurde das Paradiescaf\u00e9 vor\u00fcbergehend die neue Heimat des Vereins. Bis eure Sachen eines Tages im Sommer 1993 auf der Wiese standen und an der T\u00fcr ein Zettel hing auf dem stand: &#8222;Ab sofort f\u00fchrt das KASSABLANCA hier keine Veranstaltungen mehr durch.&#8220; Was war da los?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich selbst war da gerade in Leipzig in der Distillery. Da kam ein Bekannter auf mich zu und sagte, hier, haste geh\u00f6rt, das Kassa darf keine Veranstaltungen mehr im Paradiescaf\u00e9 machen. Ich hab gesagt: Quatsch. Kann ich mir nicht vorstellen. Da h\u00e4tte mir doch jemand Bescheid gesagt! Ich hab doch n\u00e4chsten Freitag hier eine Party. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marcos_Lopez\" target=\"_blank\">Marcos Lopez<\/a> kommt. Schei\u00dfe! F\u00fcr den P\u00e4chter des Paradiescaf\u00e9 waren wir letztlich keine besonders guten Mieter, denn mit anderen Veranstaltungen lie\u00df sich einfacher Geld verdienen, und mehr Geld. Mit der Frage haben wir uns gar nicht besch\u00e4ftigt. Geld war sekund\u00e4r. Wir wollten uns verwirklichen. Mein einziger Gedanke war: Ich brauche einen neuen Ort f\u00fcr meine Party. Ich war mir sicher, diesmal w\u00fcrden richtig viele Leute kommen. Marcos Lopez nach Jena zu holen, war ein Riesending. Ich bin dann direkt in die Quergasse gegangen, wo einige wohnten, die im Kassa aktiv waren, und wo man sich oft traf. Und tats\u00e4chlich waren auch schon alle da und haben \u00fcberlegt, wie es weitergehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"680\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-marcos-lopez-kassablancavillengangarchiv-rave-strikes-back-680x1000.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2307\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-marcos-lopez-kassablancavillengangarchiv-rave-strikes-back-680x1000.jpg 680w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-marcos-lopez-kassablancavillengangarchiv-rave-strikes-back-340x500.jpg 340w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-marcos-lopez-kassablancavillengangarchiv-rave-strikes-back-469x690.jpg 469w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-marcos-lopez-kassablancavillengangarchiv-rave-strikes-back.jpg 698w\" sizes=\"auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><figcaption>Noch ein Pionier im Kassa: Marcos Lopez moderierte ebenfalls bei DT64, gestaltete den Sound des legend\u00e4ren Berliner Clubs <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tresor_(Club)\" target=\"_blank\">Tresor<\/a> mit. 1993 legte er bei der ersten Party im Kassa auf, nachdem sich der Verein das Geb\u00e4ude am Villengang zur\u00fcckgeholt hatte. \u00a9Archiv Rave strikes back<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In den kommenden Tagen schauten wir uns verschiedene Orte an. Aber letztlich haben wir uns entschlossen, das Geb\u00e4ude im Villengang zur\u00fcckzubesetzen. Denn wir waren ja nur ausgezogen, weil dort Jobs entstehen sollten, 68, um genau zu sein. Das war bei der hohen Arbeitslosigkeit damals nat\u00fcrlich ein Totschlagargument. Aber an dem Geb\u00e4ude war \u00fcberhaupt nichts gemacht worden, von Arbeitspl\u00e4tzen nichts zu sehen. Und unsere Schl\u00fcssel passten noch. Also sind wir rein, h\u00e4ngten ein wei\u00dfes Banner mit schwarzer Schrift vom T\u00fcrmchen herunter, auf dem &#8222;Kulturbesetzung&#8220; stand, bauten die Anlage, Licht und Bar auf, r\u00e4umten Getr\u00e4nke ein, bastelten Deko mit Bannern und Diaprojektionen, so wie wir das gesehen hatten im &#8222;Tresor&#8220; oder im &#8222;Planet&#8220; in Berlin. Und im Keller haben wir versucht, das Wasser wieder anzuschlie\u00dfen. Aber es ging nicht, die Rohre waren geplatzt und lie\u00dfen sich nicht mehr reparieren. Wir haben dann auf die Toilettent\u00fcren mit Edding geschrieben: Bitte nicht schei\u00dfen. Naja. Es waren \u00fcber 600 Leute da. Es wurde geschissen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wieso eigentlich Techno und keine andere Musik?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In meiner Teenagerzeit habe ich viel Wave geh\u00f6rt und die elektronische Musik der 80er Jahre. Techno und House sind gewisserma\u00dfen die Weiterentwicklung und Fortf\u00fchrung dieser Musik gewesen. Wenn man Musik wirklich liebt, dann entwickelt man sich mit ihr auch weiter, die Auseinandersetzung damit endet nicht, wenn man 20 oder 30 ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf dem Weg vom Paradiescaf\u00e9 zum Kassablanca erz\u00e4hlte mir Thomas noch, wieso gerade in Jena und im Umfeld dieses nun 30-j\u00e4hrigen Clubs so viel gro\u00dfartige Musik entstehen konnte, und wie es um die Freude Am Tanzen heute steht. Aber das m\u00fcssen Sie\/musst du nun nicht mehr alles lesen. Denn diese Geschichte gibt es<\/em> <em><u><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/soundcloud.com\/rave-strikes-back\/20-jahre-house-und-techno-in-jena\" target=\"_blank\">zum Anh\u00f6ren<\/a><\/u> mit beat untermalten O-T\u00f6nen der wichtigsten Zeitzeugen und Ruhest\u00f6rer der Jenaer Technogeschichte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>&#8222;Zieh dich doch mal ordentlich an&#8220; \u2013 den Auftakt zu dieser Interviewreihe \u00fcber die Geschichte des Kassablanca k\u00f6nnen Sie\/k\u00f6nnt Ihr <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/05\/04\/zieh-dich-doch-mal-ordentlich-an\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> nochmal nachlesen.<\/li><li>Die Fotos aus den 90ern stammen aus dem einzigartigen Archiv der lokalen Techno-Geschichte <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.rave-strikes-back.de\/\" target=\"_blank\">Rave Strikes Back<\/a>. Sie wurden von Maik Urbansky und Michael Gro\u00dfer gemacht und kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt. Vielen Dank! Das Foto vom aktuellen Thomas Sperling habe ich gemacht. F\u00fcr die Anmerkungen, Anregungen und den Faktencheck vielen Dank an Tino, Alf und Carlos!<\/li><li>Das Kassablanca steht durch die Corona-Krise vor der vielleicht gr\u00f6\u00dften Herausforderung seiner Geschichte. Wenn Sie\/Ihr ein klein wenig helfen k\u00f6nnen\/k\u00f6nnt, den Club am Leben zu erhalten, informieren\/t Sie sich\/Euch auf der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.kassablanca.de\/startseite\/\" target=\"_blank\">Kassa-Homepage<\/a> oder das Livestream-Angebot <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/zwo20.live\/\" target=\"_blank\">Zwo20<\/a> der Jenaer Kulturschaffenden \u00fcber Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Und falls Sie\/ihr unbedingt noch mehr lesen wollen\/wollt, habe ich zum Schluss noch eine echte Perle f\u00fcr Sie\/Euch: ein Interview mit Thomas aus dem Jahr 1995 im \u201cTh\u00fcringer TechnoMag\u201d T-Mag. \u00c4schd Timeless \ud83d\ude09<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"690\" height=\"1000\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-t-sperling-interview-juli1995-technomag-s1-690x1000.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2311\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-t-sperling-interview-juli1995-technomag-s1-690x1000.jpg 690w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-t-sperling-interview-juli1995-technomag-s1-345x500.jpg 345w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-t-sperling-interview-juli1995-technomag-s1-768x1113.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/06\/jenakultur-ich-werd-bloede-t-sperling-interview-juli1995-technomag-s1-1060x1536.jpg 1060w, 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class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1000x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2137\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-c-gesellmannmartin-gommel-1314x690.jpg 1314w, 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Geburtstag! Ein Jahr lang werde ich mich als Stadtschreiber mit den Menschen treffen, die diesen einzigartigen Verein und Club gepr\u00e4gt haben, und ihre Erinnerungen aufschreiben \u2013 und nat\u00fcrlich mit Ihnen\/dir teilen, hier auf diesem Blog,<\/em> <em>auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/christian.gesellmann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Facebook<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/christian.gesellmann\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Instagram<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Welche Geschichten und Erinnerungen verbinden Sie\/verbindest du mit dem Kassablanca? Haben Sie\/ hast du noch irgendwo alte Fotos von Ihnen\/dir und Ihren\/deinen Freunden im Kassa? Ich freue mich auf Post an: <u><a href=\"mailto:allesgute@kassablanca.de\">allesgute@kassablanca.de<\/a><\/u><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Linie 1 f\u00e4hrt nicht nur die Stra\u00dfenbahn von Winzerla nach Zw\u00e4tzen \u2013 Linie 1 war auch eine westdeutsche Musicalverfilmung, die ab 1989&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":2295,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,358],"tags":[522,509,507,510,523],"class_list":["post-2294","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-stadtgeschichtsforschung","tag-30-jahre-kassa","tag-christian-gesellmann","tag-kassablanca-jena","tag-stadtschreiber","tag-thomas-sperling"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2294","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2294"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2294\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2354,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2294\/revisions\/2354"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2295"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}