{"id":2056,"date":"2020-04-17T07:07:00","date_gmt":"2020-04-17T05:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=2056"},"modified":"2020-04-16T11:42:40","modified_gmt":"2020-04-16T09:42:40","slug":"systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht-eine-antwort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/04\/17\/systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht-eine-antwort\/","title":{"rendered":"\u201eSystemrelevanz\u201c \u2013 Wer oder was ist \u201esystemrelevant\u201c oder auch nicht? Eine Antwort?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Gastbeitrag von Thomas Eckardt<\/h2>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH sollte mein Blog-Beitrag den Titel bekommen: <br>&#8222;<strong>The Times They Are a Changing \u2013 Die Zeiten \u00e4ndern sich\u201c<\/strong> oder <strong>\u201eDie reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas \u00e4ndert.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(<em>Albert Einstein, dt.-amerik. Physiker, 1879\u20131955<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Dann las ich den Blog-Beitrag von Tilo Schieck (<a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/04\/07\/systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Systemrelevanz\u201c \u2013 Wer oder was ist \u201esystemrelevant\u201c oder auch nicht?<\/a>) zur Klubszenensituation in Jena. Dieser hat mich ermutig auch einige \u00dcberlegungen zur aktuellen Situation einzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ja auch das soll ausdr\u00fccklich angemerkt sein, dem Jazz geht es nach wie vor nicht sonderlich gut in unseren Breiten, das wird oft vergessen &#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"333\" height=\"500\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht-thomaseckardttinapeissker-333x500.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2058\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht-thomaseckardttinapeissker-333x500.jpg 333w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht-thomaseckardttinapeissker-667x1000.jpg 667w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht-thomaseckardttinapeissker-768x1152.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht-thomaseckardttinapeissker-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht-thomaseckardttinapeissker-460x690.jpg 460w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/04\/jenakultur-systemrelevanz-wer-oder-was-ist-systemrelevant-oder-auch-nicht-thomaseckardttinapeissker.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><figcaption>Thomas Eckardt \u00a9Tina Pei\u00dfker<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Aber auch auf einen besonderen Osterspaziergang bin ich aufmerksam geworden. (<a href=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/04\/11\/das-haengt-jetzt-von-uns-ab-was-wir-daraus-machen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Blogbeitrag Jonas Zipf trifft Prof. Dr. Hartmut Rosa<\/a>). Eine wohltuende und auch in der Ausf\u00fchrlichkeit sehr empfehlenswerte Osterlekt\u00fcre.<\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH ist vieles von dem, was ich beitragen wollte, schon gesagt, und dies sehr tiefgr\u00fcndig, gewisserma\u00dfen das wissenschaftliche Fundament, in der sich die aktuellen Gegebenheiten abbilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Also l\u00f6schte ich alles bisher Verfasste, und beschloss einem wohlgemeinten Rat zu folgen.<br>Erst mal Innezuhalten, um mich dann an Roger Willemsens zu erinnern (MUSIK! \u2013 \u00fcber ein Lebensgef\u00fchl). Und pl\u00f6tzlich zeigten sich bemerkenswerte Ann\u00e4herungen an aktuelle Situationen, wie dies so trefflich im Osterspaziergang beschrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gesagt:<\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich \u00fcber die Chancen nach den Krisen schreiben und wie sich Nachkrisenrelevanz darstellen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich dar\u00fcber nachdenken, wie ein \u201e<em>nicht einfach so weiter machen<\/em>\u201c nach der Krise aussehen k\u00f6nnte!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Hoffnung und Chancen auf dem Wegfall des Dauerbetriebes des Belanglosen! Die M\u00f6glichkeit der Unterscheidung von Wichtigen und Unwichtigen k\u00f6nnte es wieder m\u00f6glich machen, zwischen Belanglosem und Bedeutenden zu unterscheiden, wie der Kulturtheoretiker Bazon Brock es ausdr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich nach Werten fragen, die dem Diktat der Eventkultur etwas Best\u00e4ndiges, Dauerhaftes entgegenstellen und damit Qualit\u00e4t statt Quantit\u00e4t den Vorzug geben.<\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich \u00fcber das WIE ein Konkretes gemeinsames Handeln aussehen k\u00f6nnte, eine Diskussion er\u00f6ffnen (gern an: <a href=\"mailto:info@jazzmeile.org\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">info@jazzmeile.org<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich fragen, warum es so schwer ist, bestehende Vorurteile wie z. B. Jazz ist intellektuell, schwer verst\u00e4ndlich, kurz nicht spa\u00dfkompatibel und darum abzulehnen, abzubauen.<br>Leider sind Einsteins Worte\u201c <em>Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil<\/em>\u201c immer noch g\u00fcltig.<\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich der Frage nachgehen, warum Jazz als Kunstform gef\u00e4hrdet und so wenig wertgesch\u00e4tzt wird (zumindest in unserer Region) und woanders als die neue Klassik wahrgenommen wird und auch so gef\u00f6rdert wird! Somit auch die uns\u00e4gliche Einteilung in E und U Musik ad absurdum gef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich daf\u00fcr danken, dass es heute m\u00f6glich ist diese Gedanken zu \u00e4u\u00dfern, und dass uns allen ein wenig Demut gut zu Gesicht st\u00fcnde, im st\u00e4ndigen Verlangen nach dem immer noch spektakul\u00e4reren Event.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Unser Tun ist sicher nicht vordergr\u00fcndig systemrelevant \u2013 daf\u00fcr aber besonders reichlich gl\u00fccksgef\u00fchlrelevant!<\/p><cite>Thomas Eckardt, Jazzmeile Th\u00fcringen<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich nachfragen, warum uns oft das konzentrierte Zuh\u00f6ren von Musik verloren gegangen ist, und damit auch die Chance zu unverhofften spontanen Genuss. Unser Tun ist sicher nicht vordergr\u00fcndig systemrelevant \u2013 daf\u00fcr aber besonders reichlich gl\u00fccksgef\u00fchlrelevant!<\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich das <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/ard\/player\/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzdhYmQ2NDdhLTEwZmMtNGMwOS04YzgwLWNhYWYxYWE1NzU4NQ?devicetype=pc&amp;embedded=true%2F\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Erinnerungstagebuch von Erwin Pelzig<\/a> als \u201eChronist\u201c der Krise anpreisen, und der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass es noch um einige Kapitel erweitert wird. M\u00f6ge. <\/p>\n\n\n\n<p>EIGENTLICH wollte ich \u00fcber meine Wege zum Jazz berichten, und was er auszul\u00f6sen vermag, aber wenn es mir gegeben w\u00e4re, w\u00fcrde ich GANZ SICHER dies genau so ausdr\u00fccken wie es nachfolgend von Roger Willemsen so gro\u00dfartig in Worte gegossene Liebeserkl\u00e4rungen an den Jazz macht!<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;\u201eMan kann sagen, Jazz sei die klassische Musik des 20. Jahrhunderts. Man kann sagen, er sei Ausdruck der Emanzipation von Diskriminierung und politischer Unterdr\u00fcckung. Man kann auch sagen, er enthalte die sch\u00f6nsten Formen existentieller Freiheit, er sei Klima, Atem, Luft von vorn, er synchronisiere das Innenleben des modernen Menschen mit der Gro\u00dfstadt, dem Tempo der Bewegungen, den zerst\u00fcckten Wahrnehmungen, dem Kino, der Erotik. Das alles kann man sagen, und doch wird das Erste, was den empf\u00e4ngt, der in den Jazz eintritt, etwas Grunds\u00e4tzlicheres sein: Das Lebensgef\u00fchl, das Jazz hei\u00dft, entwickelt sich in einem Klima der Wahrhaftigkeit, der Geradlinigkeit, der Evidenz. Es ist k\u00fcnstlerisch zugleich so komplex, und andererseits ist es einsch\u00fcchternd unverbl\u00fcmt, ansteckend \u201alive\u2018 \u2013 am Leben.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;<\/em>\u2026 und weiter schreibt er:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDer Jazz hat sich, wo er sich ernst nahm, nicht einschr\u00e4nken lassen \u2013 von tonalen Gewohnheiten so wenig wie von kommerziellen Spekulationen und Gewissheiten. Er hat einen Raum besetzt, in dem es mehr gibt als ein paar stereotype Dreikl\u00e4nge und einen durchgehaltenen Beat, er hat sich allen Schichten ge\u00f6ffnet und die Bildung einer exklusiven Kunst-Kirche verweigert. Nicht f\u00fcr Eingeweihte allein soll er sein, sondern f\u00fcr Priester, Sklaven, Arbeiter, Gro\u00dfst\u00e4dter, Jugendbewegte, Lyriker, und Impressionisten, er will aus dem Muff evangelischer Wollwaren treten, will nicht Pfeifenraucher Musik sein, nicht an geheimsprachlicher Diskurse vollb\u00e4rtiger Feierabenddozenten erinnern. Direkt will er genommen werden in seinem Ringen um das Gemeinschaftliche in der musikalischen Kommunikation, als Reflex von Erfahrungen, die au\u00dferhalb der Musik liegen, als expressives Massiv!\u201c<br>(Aus: Roger Willemsen &#8222;MUSIK! \u00dcber ein Lebensgef\u00fchl&#8220;)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>P. S.: Nachtrag :<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neuigkeiten der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena. Meldung vom: 3. April 2020, 14:34 Uhr | Verfasser\/in: Ute Sch\u00f6nfelder<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Beschleunigungsgesellschaft hat sich selbst stillgelegt: Gesch\u00e4fte sind geschlossen, der Flug- und Autoverkehr erheblich eingeschr\u00e4nkt, Unternehmen und Dienstleister haben ihre Aktivit\u00e4ten heruntergefahren und das alles innerhalb weniger Wochen. Doch was kommt nach der Coronakrise? Der Soziologe Prof. Dr. Hartmut Rosa sieht die Welt an einer historischen Weggabelung. Entweder bringt uns der Lockdown den Systemzusammenbruch oder es gelingt, auf den Wachstums- und Beschleunigungskurs der Vergangenheit zur\u00fcckzukehren. M\u00f6glich ist aber auch ein dritter Weg: eine Entwicklung, bei der M\u00e4rkte in politisches Handeln und kulturelles Gestalten eingebettet sind. Welche Tendenz sich durchsetzen wird, sieht Rosa offen.<\/em> <strong><em>Frage ist, ob wir uns etwas Neues einfallen lassen oder ob wir so schnell wie m\u00f6glich wieder in die alten Pfade zur\u00fcckkehren.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Liebe Leser,  was meinen Sie??<\/strong><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von Thomas Eckardt EIGENTLICH sollte mein Blog-Beitrag den Titel bekommen: &#8222;The Times They Are a Changing \u2013 Die Zeiten \u00e4ndern sich\u201c&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":2057,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,9],"tags":[473,82,348,496],"class_list":["post-2056","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-jenakultur","tag-corona","tag-kultur","tag-kultur-in-jena","tag-systemrelevanz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2056","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2056"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2056\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2072,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2056\/revisions\/2072"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2057"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2056"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}