{"id":19746,"date":"2026-07-17T07:20:00","date_gmt":"2026-07-17T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=19746"},"modified":"2026-07-16T10:42:55","modified_gmt":"2026-07-16T08:42:55","slug":"von-flamingos-und-schwaenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2026\/07\/17\/von-flamingos-und-schwaenen\/","title":{"rendered":"Von Flamingos und Schw\u00e4nen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Interview mit der K\u00fcnstlerin Zohar Fraiman<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerlei Rosen und Herzen, au\u00dferdem viele Flamingos und Schw\u00e4ne: Die aktuelle Kunstausstellung der <a href=\"https:\/\/www.kunstsammlung-jena.de\/de\/startseite\/678376\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kunstsammlung Jena<\/a> ist voll mit Farben und Symbolen, aber auch mit bekannten Figuren und Gesichtern. Die Besucher:innen k\u00f6nnen beispielsweise Alice im Wunderland, den Filmcharakter Scarlett O\u2019Hara oder den in einen Schwan verwandelten Zeus entdecken. Noch bis zum 20. September 2026 laden die farbenpr\u00e4chtigen Bilder von <a href=\"https:\/\/www.kunstsammlung-jena.de\/de\/\/1042935\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zohar Fraiman<\/a> zu einem Besuch in der Kunstsammlung am Markt in Jena ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u201ePlayers in Paradise\u201c von Zohar Fraiman<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Er\u00f6ffnung der Ausstellung von <a href=\"https:\/\/zoharfraiman.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zohar Fraiman<\/a> erw\u00e4hnte sie, dass die Ankunft am Bahnhof \u201eJena-Paradies\u201c durchaus auch eine Inspiration f\u00fcr ihren Ausstellungstitel \u201ePlayers in Paradise\u201c war. Doch da steckt noch sehr viel mehr hinter dem eing\u00e4ngigen Titel, wie sie in ihrem <a>Interview<\/a>&nbsp;erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In ihren Werken der Ausstellung besch\u00e4ftigt sich Fraiman viel mit dem Digitalen \u2013 und so stecken in ihren Bildern neben unz\u00e4hligen kunsthistorischen Anleihen mindestens genauso viele Anspielungen auf die digitale Welt. Mit dem Geburtsjahrgang 1987 ist sie keine \u201edigital native\u201c, aber trotzdem fr\u00fchzeitig in die digitale Welt hineingewachsen, und so hat sie auch sehr viele eigene digitalen Erfahrungen und ein gro\u00dfes Spektrum an Inspirationsquellen f\u00fcr ihre Bilder. Beispielsweise erschlie\u00dfen sich die Bedeutungsebenen des Bildes \u201eGirl You Can\u2019t Post That, 2025\u201c erst dann v\u00f6llig, wenn man Kim Kardashian auf dem Bild erkannt hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"614\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2026\/07\/Ausst-ansicht_Fraiman\u00a9KunstsammlungJena-1000x614.jpg\" alt=\"Einblick in die Ausstellung von Zohar Fraiman in der Kunstsammlung Jena\" class=\"wp-image-19743\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2026\/07\/Ausst-ansicht_Fraiman\u00a9KunstsammlungJena-1000x614.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2026\/07\/Ausst-ansicht_Fraiman\u00a9KunstsammlungJena-500x307.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2026\/07\/Ausst-ansicht_Fraiman\u00a9KunstsammlungJena-768x472.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2026\/07\/Ausst-ansicht_Fraiman\u00a9KunstsammlungJena-1123x690.jpg 1123w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2026\/07\/Ausst-ansicht_Fraiman\u00a9KunstsammlungJena.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick in die aktuelle Ausstellung \u201ePlayers in Paradise\u201c von Zohar Fraiman in der Kunstausstellung Jena inklusive dem Bild \u201eGirl You Can\u2019t Post That, \u00d6l auf Leinwand, 2025\u201c \u00a9 Kunstsammlung Jena<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u201eMir ist wichtig, beide Seiten anzuschauen\u201c: Interview mit Zohar Fraiman<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daher haben wir Zohar Fraiman gefragt, ob sie uns etwas mehr zu ihrer Ausstellung, dem Ausstellungstitel und ihren Werken verraten kann. Im Interview mit der Kunstsammlung Jena verr\u00e4t die K\u00fcnstlerin auch, wie sie zur digitalen Welt steht. Aber lesen Sie selbst:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Der Titel der Ausstellung in der Kunstsammlung Jena tr\u00e4gt den Titel \u201ePlayers in Paradise\u201c \u2013 was verbinden Sie pers\u00f6nlich mit dem Titel?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Gedanken bei dem Titel f\u00fcr die Ausstellung waren bei dem Wort &#8222;Player&#8220;, also Spieler, das mehrere Bedeutungen hat. Zun\u00e4chst steht das Wort \u201ePlayers\u201c f\u00fcr das Spielen an sich, und dar\u00fcber hinaus geht es in meiner zentralen Installations-Arbeit in der Ausstellung um ein Croquet-Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Croquet-Spiel ist ein wichtiges Thema, das sich in der Ausstellung wiederholt und aus dem Kinderbuch-Klassiker \u201eAlice in Wunderland\u201c stammt. Darin zwingt die Herzk\u00f6nigin alle, mit ihr Krocket zu spielen, und Flamingos werden als Schl\u00e4ger benutzt. Dieses Spiel ist dann auch gar nicht spielerisch, denn es herrscht sehr viel Zwang. Dass etwa die Flamingos eine Rolle einnehmen m\u00fcssen, die sie nicht ausf\u00fcllen wollen, ist ein sehr wichtiges Motiv in der Ausstellung \u2013 eine Metamorphose, wenn man so will, die das Tier erf\u00e4hrt. Gleichzeitig sieht man Schw\u00e4ne in der Installation, die Schl\u00e4ger, also auch Teil des Spiels, sein wollen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Players in Paradise ist ein Titel, der zum Nachdenken anregen soll, wenn man die Ausstellung betritt und sich inmitten der Installation bewegt. Er soll sowohl humorvoll sein, aber auch gleichzeitig einen bitter-s\u00fc\u00dfen Nachgeschmack hinterlassen. Und vielleicht bringt er uns dazu, unser digitales Dasein kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Das <a href=\"https:\/\/www.kunstsammlung-jena.de\/de\/\/1042935\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Titelplakat <\/a>zeigt eines Ihrer Gem\u00e4lde mit einem Engel, bei dem sofort ein Kern Ihrer Arbeit deutlich wird: kunsthistorische Elemente werden aufgegriffen und verschmelzen mit unserer Gegenwart. Wie finden Sie die Quellen Ihrer Inspiration?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe klassische Malerei studiert, und nat\u00fcrlich ist die Kunstgeschichte f\u00fcr mich eine sehr wichtige Inspirationsquelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Bild \u201eCupidon\u201c sieht man eine sehr ber\u00fchmte Figur von Caravaggio, den Amor. Ich habe entschieden, ihn mit einer weiteren Figur verschmelzen zu lassen und dar\u00fcber hinaus das ganze Setting zu \u00e4ndern. Die Umgebung k\u00f6nnte ein Zuhause sein mit einer gem\u00fctlichen roten Couch, ein paar Weinfl\u00e4schchen und einer Lampe. Beide Figuren haben einen Pfeil, der ein typisches Attribut f\u00fcr den Cupidon, also Amor, ist. Die Pfeile gehen in Richtung des iPads oder des Screens, den wir auf dem Scho\u00df der Figuren sehen. Darauf befindet sich ein kleines Emoji von einem Engel, das eine Wiederaufnahme des Cupidon-Motivs ist. An dieser Stelle begegnet uns das digitale Leben mit dem Tablet \/ iPad. Auch die Erz\u00e4hlung beschr\u00e4nkt sich nicht einfach nur auf die Kunstgeschichte, denn ich habe die Figur des Amor mit einer weiblichen Figur \u00fcberlagert. Ein wichtiges Detail in der Komposition ist der rechte Fu\u00df, der auf eine Rose tritt und damit suggeriert: \u201eRomance is Dead\u201c, also die Liebe ist tot.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Ihre Werke wirken auf den ersten Blick oft sehr heiter und farbenfroh, aber es versteckt sich darin auch viel Kritik an der digitalen \u201eParallelwelt\u201c. Welche Entwicklungen finden Sie besonders kritisch?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt nat\u00fcrlich positive und negative Aspekte, und man kann das so oder so sehen. Mir ist wichtig, beide Seiten anzuschauen. So haben wir etwa durch die Digitalisierung viele M\u00f6glichkeiten, die wir vorher nicht hatten. In meinen Bildern spiele ich mit diesen Elementen, wie sich die Digitalisierung entwickelt hat \u2013 vor allem in der Popkultur \u2013 und auch, was uns daran st\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Bei allen Gefahren, die es auch gibt, so hat die Digitalisierung nat\u00fcrlich auch an vielen Stellen f\u00fcr Vereinfachung und Vernetzung gesorgt. Wenn Sie auf einmal einen Monat ohne Computer und Smartphone leben m\u00fcssen, was w\u00fcrden Sie am meisten vermissen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, unser Digitalleben ist ein bisschen eine Sucht. Es gibt Momente, vor allem am Anfang, wo man denkt, das vermisse ich und brauche ich, zum Beispiel, um irgendwelche Infos zu googeln. Ich genie\u00dfe es, viele trashige Videos auf YouTube zu sehen oder einfach irgendwelche lustige Cat-Memes oder irgendeine andere Unterhaltung, die auch nicht unbedingt wichtig sind. Ich schaue auch sehr gerne Koch-Videos online. Wenn es einen Monat ohne Computer und Smartphone gibt, wird es irgendwann wie eine Art Di\u00e4t oder ein Entzug, ein \u201eDetox\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann mir vorstellen, dass so ein Digital Detox richtig guttun kann. Und wie gesagt, am Anfang vermisst man es, aber am Ende f\u00fchlt man sich erleichtert, weil unsere Smartphones uns \u00fcberallhin begleiten. Wir sind so abh\u00e4ngig davon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann mich erinnern, in Momenten, wo ich die digitalen Medien wenig benutzt habe, als ich unterwegs war, vielleicht in Urlaub, vielleicht wegen meiner Arbeit, etwa wegen einer Residency, war der Bildschirm, der Screen, auch nicht so pr\u00e4sent. Ich konnte deutlich besser schlafen. Und eigentlich, am Ende war ich auch ohne diese Dinge gl\u00fccklich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ja, wir sind sehr abh\u00e4ngig davon, und im Alltag sind viele Sachen dadurch sehr praktisch. Und das Internet und allgemein digitales Leben sind ein riesiger Teil unseres Alltags geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Danke f\u00fcr das Interview.<\/strong><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Welche Information aus dem Interview hat Sie besonders erstaunt? <em>W\u00fcnschen Sie sich mehr Interviews mit K\u00fcnstler:innen der Ausstellungen in der Kunstsammlung Jena?<\/em><\/em> <em>Senden Sie uns gerne Kommentare. Im Voraus danke daf\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit der K\u00fcnstlerin Zohar Fraiman Allerlei Rosen und Herzen, au\u00dferdem viele Flamingos und Schw\u00e4ne: Die aktuelle Kunstausstellung der Kunstsammlung Jena ist voll&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":19745,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,18],"tags":[287,34,38,1312],"class_list":["post-19746","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-kunstsammlung","tag-ausstellung","tag-jena","tag-kunst","tag-zohar-fraiman"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19746","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19746"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19746\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19775,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19746\/revisions\/19775"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19745"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19746"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19746"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19746"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}