{"id":16133,"date":"2025-04-11T07:30:00","date_gmt":"2025-04-11T05:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=16133"},"modified":"2025-04-10T11:05:25","modified_gmt":"2025-04-10T09:05:25","slug":"vor-80-jahren-in-jena-bin-ich-zum-zweiten-mal-geboren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2025\/04\/11\/vor-80-jahren-in-jena-bin-ich-zum-zweiten-mal-geboren\/","title":{"rendered":"Vor 80 Jahren: \u201eIn Jena bin ich zum zweiten Mal geboren\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Diese Worte hat Robert Jehoshua B\u00fcchler bei seinem letzten Besuch im April 2009 \u00fcber die Stadt an der Saale gesagt. Wenige Monate sp\u00e4ter ist er in seinem Heimatort <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lehawot_Chawiwa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehavot Haviva<\/a> in Israel gestorben. Im April 1945 war Jena dem damals 16-j\u00e4hrigen Jungen aus <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Topo%C4%BE%C4%8Dany\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Topol\u2018\u010dany<\/a> in der Slowakei unfreiwillig zu seinem Schicksalsort geworden, nachdem er in den Monaten davor zuerst in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/KZ_Auschwitz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Auschwitz<\/a> und dann in Buchenwald ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen musste. Seine Eltern, seine j\u00fcngere Schwester haben Auschwitz nicht \u00fcberlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 10. April 1945 &#8211; das <a href=\"https:\/\/www.buchenwald.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lager Buchenwald<\/a> befand sich schon in Aufl\u00f6sung &#8211; ist Robert B\u00fcchler in den letzten Todesmarsch hineingeraten, der am Abend vom Lagertor losging. Ein gehetzter Weg zum Weimarer G\u00fcterbahnhof, dann ein kurzes St\u00fcck im G\u00fcterzug bis Gro\u00dfschwabhausen, dann nach dem dortigen Tiefflieger-Angriff wieder zu Fu\u00df bis nach Jena: Es war ein Elendszug von mehr als 4.000 an Leib und Seele schwer verletzten Menschen, der sich mitten durch die halbzerst\u00f6rte Stadt hindurchschleppte; viele, die ersch\u00f6pft das Tempo nicht mithalten konnten, lagen ermordet entlang der Strecke. Zur gleichen Zeit konnte das Lager Buchenwald, konnten dort noch etwa 20.000 H\u00e4ftlinge von der US-Army befreit werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die eigene Befreiung ist dem v\u00f6llig ersch\u00f6pften Robert B\u00fcchler erst einen Tag sp\u00e4ter gegl\u00fcckt, an der Fernstra\u00dfe 7 zwischen Eisenberg und Bad K\u00f6stritz. Sp\u00e4ter haben ihn US-Soldaten aufgegriffen und nach Jena zur\u00fcckgebracht. In den Baracken beim Sportgel\u00e4nde in Wenigenjena, die kurz vorher noch der Unterbringung von Zwangsarbeitern der Firma Schott gedient hatten, wurde er in den folgenden Wochen in der Obhut der US-Army gesund gepflegt.<\/p>\n\n\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"798\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2025\/04\/jenakultur-vor-80-jahren-in-jena-bin-ich-zum-zweiten-mal-geboren-zwangsarbeiter-lager-der-firma-schott-in-wenigenjena-1-1000x798.jpg\" alt=\"Luftaufnahme vom 04.04.1945: Unterkunftslager der Firma Schott auf dem Sportgel\u00e4nde Wenigenjena, \u00a9 GeoBasisDE\/TLVermGeo 2014\" class=\"wp-image-16138\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2025\/04\/jenakultur-vor-80-jahren-in-jena-bin-ich-zum-zweiten-mal-geboren-zwangsarbeiter-lager-der-firma-schott-in-wenigenjena-1-1000x798.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2025\/04\/jenakultur-vor-80-jahren-in-jena-bin-ich-zum-zweiten-mal-geboren-zwangsarbeiter-lager-der-firma-schott-in-wenigenjena-1-500x399.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2025\/04\/jenakultur-vor-80-jahren-in-jena-bin-ich-zum-zweiten-mal-geboren-zwangsarbeiter-lager-der-firma-schott-in-wenigenjena-1-768x613.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2025\/04\/jenakultur-vor-80-jahren-in-jena-bin-ich-zum-zweiten-mal-geboren-zwangsarbeiter-lager-der-firma-schott-in-wenigenjena-1-864x690.jpg 864w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2025\/04\/jenakultur-vor-80-jahren-in-jena-bin-ich-zum-zweiten-mal-geboren-zwangsarbeiter-lager-der-firma-schott-in-wenigenjena-1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Luftaufnahme vom 04.04.1945: Unterkunftslager der Firma Schott auf dem Sportgel\u00e4nde Wenigenjena | \u00a9 GeoBasisDE\/TLVermGeo 2014<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n\n\n<p>In seinem zweiten Leben wurde Robert B\u00fcchler Kibbuzgr\u00fcnder, Familienmensch, Historiker, Partner und Mitarbeiter im <a href=\"https:\/\/www.stiftung-gedenkstaetten.de\/themen\/oeffentliche-interventionen\/rundgang-geschichte-bewusst-machen\/geschichte-bewusst-machen-2023\/station-eins\/sponsor-1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Internationalen Buchenwald-Komitee<\/a> &#8211; ein bezwingender Menschenfreund. Vor Jenaer Sch\u00fclern hat er gesagt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eIhr jungen Deutschen tragt keine Schuld. Aber unser Schicksal ist eure Verantwortung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Robert J. B\u00fcchler<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n\n\n<p>Im Jenaer Stadtbild erinnern seit langem die schwarzen Metalltafeln entlang der Strecke an den Todesmarsch, ebenso das Denkmal am Heinrichsberg nahe der Friedenskirche. Durch den Stadtteil Wenigenjena, entlang der Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe, zieht sich seit einiger Zeit eine markante Erinnerungsstrecke an das, was vor 80 Jahren hier geschehen ist: zwei informative Stelen, nahe der Camsdorfer Br\u00fccke und beim Angergymnasium, zwei Gedenkb\u00e4ume im Rahmen des Projekts \u201e1000 Buchen\u201c bei der Br\u00fccke und an der Schlippenstra\u00dfe, das Grabmal f\u00fcr die Ermordeten auf dem Ostfriedhof. Der Kulturausschuss der Stadt Jena hat j\u00fcngst entschieden, der Wegstrecke entlang des Sportgel\u00e4ndes in Wenigenjena den Namen \u201eRobert-J.-B\u00fcchler-Weg\u201c zu gegeben. Damit sind markante Zeichen gesetzt, die an das ganze Ausma\u00df dieses letzten schlimmen Verbrechens der NS-Herrschaft in Jena erinnern. Der Todesmarsch von 1945 und das Schicksal von Robert B\u00fcchler sind ein Teil der Geschichte des Stadtteils Wenigenjena und der Stadt Jena.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-table aligncenter\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">Der Oberb\u00fcrgermeister von Jena, Dr. Thomas Nitzsche, l\u00e4dt die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr den <br><strong>11. April 2025<\/strong> <br>zu einer Gedenkveranstaltung an den Todesmarsch vor 80 Jahren ein. <br><strong>Beginn: 17 Uhr an der Stele beim Angergymnasium<\/strong>. <br>Im Anschluss findet in Anwesenheit der Familie Buchler-Chanash an der n\u00f6rdlichen Seite des Fu\u00dfg\u00e4ngertunnels die feierliche Namensgebung \u201eRobert-J.-B\u00fcchler-Weg\u201c statt.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Wolfgang Rug vom <a href=\"https:\/\/www.sprechende-vergangenheit.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arbeitskreis &#8222;Sprechende Vergangenheit&#8220; e.V.<\/a> f\u00fcr diesen sehr bewegenden Beitrag.<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>P.S. Noch ein besonderer Hinweis: Gerade entsteht in Zusammenarbeit des Arbeitskreises &#8222;Sprechende Vergangenheit&#8220; e.V. und der Stadtverwaltung Jena eine Publikation mit den Lebenserinnerungen von Robert B\u00fcchler und seiner Bedeutung f\u00fcr die Erinnerungskultur der Stadt Jena. Sie soll am 9. November vorliegen.<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Worte hat Robert Jehoshua B\u00fcchler bei seinem letzten Besuch im April 2009 \u00fcber die Stadt an der Saale gesagt. 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