{"id":1561,"date":"2020-01-31T07:11:00","date_gmt":"2020-01-31T06:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=1561"},"modified":"2020-01-30T16:13:12","modified_gmt":"2020-01-30T15:13:12","slug":"vielfalt-im-fokus-das-orchester-der-jenaer-philharmonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2020\/01\/31\/vielfalt-im-fokus-das-orchester-der-jenaer-philharmonie\/","title":{"rendered":"Vielfalt im Fokus: Das Orchester der Jenaer Philharmonie"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align: justify\">Dass die Jenaer Philharmonie ein vielf\u00e4ltiges Programm an klassischer Musik bietet, ist l\u00e4ngst kein Geheimnis. Doch wie sieht es hinter den Kulissen mit der Vielfalt aus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Unter den knapp 80 Orchestermitgliedern der Jenaer Philharmonie finden sich schlie\u00dflich Menschen mit 19 verschiedenen Nationalit\u00e4ten. So unterschiedlich wie die Instrumente sind auch die Musiker*innen, die sie spielen. Gerade diese Vielfalt macht am Ende die Umsetzung der musikalischen Meisterwerke erst m\u00f6glich. Jedes Instrument, jeder Mensch dahinter, spielt eine wichtige Rolle f\u00fcr das gro\u00dfe Ganze. Doch wie l\u00e4uft das Zusammenspiel im Orchester jenseits von Noten und Taktstock? Wie funktioniert es zwischenmenschlich mit verschiedenen kulturellen Hintergr\u00fcnden und Sprachen? Dr. Julia Hauck, Agentin f\u00fcr Diversit\u00e4t bei JenaKultur, hat bei zwei Musiker*innen nachgefragt:<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kulturelle Unterschiede? Alles eher Typsache<\/h4>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\">Bruno Osinski spielt seit 2014 Tuba im Orchester der Jenaer Philharmonie. Der geb\u00fcrtige Franzose kam vor mehr als zehn Jahren zum Studium nach Deutschland. An Jena mag er, dass die Stadt klein, aber lebendig ist, dass alles gut zu Fu\u00df zu erreichen und die Natur gleich um die Ecke ist. Die kleinen Unterschiede zu seiner Heimat nimmt er mit Humor und sieht das Manchmal-Anderssein eher positiv. Bruno Osinski nimmt sich selbst nicht zu ernst und f\u00fchlt sich in Jena wohl, so der erste Eindruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass die Kommunikation im Orchester komplett auf Deutsch ist, st\u00f6rt ihn nicht. Ohnehin m\u00fcssen alle Musiker*innen im Studium eine Deutsch-Pr\u00fcfung ablegen und am Ende die Sprache ausreichend k\u00f6nnen, um ein Engagement in einem Orchester zu erhalten. Nat\u00fcrlich sind die Sprachkenntnisse im Alltag essentiell \u2013 auch um mehr zu erfahren \u00fcber die Menschen in Jena und deren Geschichten. Gut, dass Bruno flie\u00dfend Deutsch spricht. Aber auch gut, dass einige Kolleg*innen super Franz\u00f6sisch sprechen, sodass das ein oder andere Gespr\u00e4ch auch mal in seiner Muttersprache gef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-bruno-o-cchristoph-beer-queer-1000x525.jpg\" alt=\"Bruno Osinski, Tubist in der Jenaer Philharmonie\" class=\"wp-image-1564\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-bruno-o-cchristoph-beer-queer-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-bruno-o-cchristoph-beer-queer-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-bruno-o-cchristoph-beer-queer-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-bruno-o-cchristoph-beer-queer.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption>Seit 6 Jahren in Jena an der Tuba: Bruno Osinski | \u00a9 Foto: Christoph Beer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\">Zu Missverst\u00e4ndnissen durch Sprachbarrieren kommt es nur selten: wenn mal jemand in Th\u00fcringischem Dialekt einen Witz macht oder \u00e4hnliches. Wirkliche Schwierigkeiten gibt es nicht, im Gegenteil: Bekanntlich kann es auch ein Privileg sein, wenn man das ein oder andere Gespr\u00e4ch einfach ausblenden kann und nicht alles versteht. Nat\u00fcrlich kann es aber auch gleicherma\u00dfen nervig werden, wenn man bei hitzigen Diskussionen nicht so schlagfertig und schnell mitziehen kann wie Muttersprachler*innen. Was sagt der Musiker generell zu kulturellen Unterschieden in der t\u00e4glichen Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen oder auf Gastspielreisen? \u201eAm Ende sind Dinge wie P\u00fcnktlichkeit und Ordnung nicht davon abh\u00e4ngig, wo jemand herkommt, sondern Typsache\u201c, so Bruno Osinski.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit der Zusammenarbeit im Orchester ist der Tubist zufrieden und sieht auch das Programm der Jenaer Philharmonie auf einem guten Weg, was Vielfalt und Offenheit angeht: Neben den traditionellen Konzerten gibt es beispielsweise auch das Projekt <a href=\"https:\/\/www.jenaer-philharmonie.de\/konzert\/six-continents-3.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Six Continents<\/em><\/a> im Volksbad oder Veranstaltungen wie <em>Black Box<\/em> im Kassablanca (Nr. 2. <a href=\"https:\/\/www.jenaer-philharmonie.de\/konzert\/black-box-2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Kaleidoskop<\/em><\/a> am 26.02.2020). Auf die Frage, was er sich von den Jenaer B\u00fcrger*innen f\u00fcr die Philharmonie w\u00fcnscht, antwortet Bruno Osinski gelassen: \u201eEinfach mal neugierig vorbeischauen, auch wenn man uns noch nicht kennt. Ein Gang in die Philharmonie ist entspannter als man denkt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Von Jerewan nach Jena<\/h4>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\">Die Bratschistin Hasmik Karapetyan spielt seit 2013 im Orchester der Jenaer Philharmonie. Die aus Jerewan in Armenien stammende Musikerin kam 2005 zum Studium nach Deutschland, \u201eum Erfahrungen in einem anderen, weltoffenen Land mit einer sehr gro\u00dfen Tradition in der klassischen Musik zu machen\u201c und da sie die M\u00f6glichkeit bekam, \u201ein L\u00fcbeck bei einer sehr renommierten Bratschenprofessorin zu lernen\u201c. Begeistert berichtet Hasmik Karapetyan von der Vielseitigkeit und dem spannenden Mix der verschiedenen Nationalit\u00e4ten und Kulturen, die an deutschen Unis und bei internationalen Musikfestivals zu finden sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"525\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-hasmik-kcchristoph-beer-queer-1000x525.jpg\" alt=\"Hasmik Karapetyan, Bratschistin in der Jenaer Philharmonie, mit ihrem Instrument\" class=\"wp-image-1567\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-hasmik-kcchristoph-beer-queer-1000x525.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-hasmik-kcchristoph-beer-queer-500x263.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-hasmik-kcchristoph-beer-queer-768x403.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2020\/01\/jenakultur-hasmik-kcchristoph-beer-queer.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption> Die Tradition in der klassischen Musik hat sie nach Deutschland gef\u00fchrt: Hasmik Karapetyan | Foto: Marine Azaryan<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\">An Jena mag sie, dass es eigentlich alles gibt: Stadtleben und Natur, Berge und Fluss \u2013 alles direkt vor der Haust\u00fcr. Die Musikerin f\u00fchlt sich in Jena wohl und arbeitet gern f\u00fcr die Philharmonie. Hasmik Karapetyan spricht sehr gut Deutsch und ist beruflich und privat in Deutschland angekommen. Dennoch ist es in Jena ein anderes Leben, ein anderer \u201eRhythmus der Kulturen\u201c \u2013 wenn sie die langen N\u00e4chte im warmen Armenien mit beispielsweise dem fr\u00fchen Schulbeginn am dunklen Morgen in Deutschland vergleicht. \u00dcbrigens: Einen kleinen Einblick in diese Unterschiede d\u00fcrften auch ihre Kolleg*innen bekommen haben, als das Orchester im Herbst 2016 zu einem Gastspiel in Jerewan weilte. Dass einige Dinge anders laufen als in ihrem Heimatland ist f\u00fcr Hasmik Karapetyan normal und nicht unbedingt negativ.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen beschreibt sie als professionell und entspannt. Ein Vorurteil \u00fcber Deutschland kann sie nicht best\u00e4tigen: Distanziert und k\u00fchl geht es im Orchester nicht zu. Es gibt beispielsweise Zeit, um nach dem Konzert den Abend ausklingen zu lassen. \u201eMusiker ist einer der sch\u00f6nsten Berufe der Welt. Aber man muss auch schauen, dass man dem beruflichen Stress die innere Balance entgegensetzt. Der Austausch mit den Kolleg*innen hilft da\u201c, so die Bratschistin. Und auch das Publikum in Jena bekommt die Energie des Orchesters mit, so die Musikerin: \u201eDas Orchester gibt wirklich alles und die Leute merken das.\u201c Die Jenaer Philharmonie bietet mit ihrem Programm einiges an Vielfalt. Ob traditionell oder progressiv \u2013 die Mischung macht es: H\u00f6rbar beispielsweise beim n\u00e4chsten <a href=\"https:\/\/www.jenaer-philharmonie.de\/konzert\/stadtteilkonzert-lobeda-2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stadtteilkonzert in Lobeda<\/a> (Nr. 2 am 26.01.2020), bei dem neben Bach und Beethoven auch Alfred Schnittke auf dem Programm steht. Dort kann man Hasmik Karapetyan mit den Kolleg*innen im Streichtrio dann auch live erleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ob beim Programm, den Instrumenten im Orchester oder eben auch bei den Musiker*innen gilt der Spruch:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Mischung macht\u2018s!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">In der Jenaer Philharmonie funktionieren Interkulturalit\u00e4t und Vielfalt sehr gut und tragen wesentlich zum Charakter des Orchesters bei.<br>Kennen Sie andere Beispiele von erfolgreich gelebter Diversit\u00e4t? Wo sehen Sie noch Nachholbedarf?<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wir freuen uns wie immer \u00fcber Ihre Kommentare!<\/h4>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Jenaer Philharmonie ein vielf\u00e4ltiges Programm an klassischer Musik bietet, ist l\u00e4ngst kein Geheimnis. 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