{"id":1167,"date":"2019-10-16T07:30:08","date_gmt":"2019-10-16T05:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=1167"},"modified":"2019-10-14T10:53:43","modified_gmt":"2019-10-14T08:53:43","slug":"30-jahre-kommunal-gestaltete-kultur-in-jena-erfolge-probleme-und-ein-vorschlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2019\/10\/16\/30-jahre-kommunal-gestaltete-kultur-in-jena-erfolge-probleme-und-ein-vorschlag\/","title":{"rendered":"30 Jahre kommunal gestaltete Kultur in Jena \u2013 Erfolge, Probleme und ein Vorschlag"},"content":{"rendered":"\n<p><em><strong>30 Jahre Friedliche Revolution: Ein R\u00fcckblick auf 30 Jahre Kultur in Jena\u00a0 \u2013 Teil 2 von Dietmar Ebert<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der friedlichen Revolution und in den folgenden Monaten einer \u201efr\u00f6hlichen Anarchie\u201c waren die politisch-ideologischen Schranken im Kulturbereich gefallen. In die \u201eTheaterruine\u201c begann zun\u00e4chst durch kleine Gastspiele Leben einzuziehen. So gastierte das Ulmer \u201eTheater in der Westentasche\u201c mit Ionescos \u201eDie Unterrichtsstunde\u201c. Der Satz: \u201eDie Rosen meiner Gro\u00dfmutter sind so gelb, wie das Gesicht meines Gro\u00dfvaters, der ein Mongole ist\u201c, wurde zum festen Bestandteil meines Zitatenschatzes.<\/p>\n<p>Das Philharmonische Orchester reiste zu Gastspielen nach Erlangen und T\u00fcbingen.<\/p>\n<p>Beide St\u00e4dte verf\u00fcgen \u00fcber kein eigenes Orchester, und das dortige Publikum war begeistert vom Klang unseres Orchesters.<\/p>\n<p>Es schien, als ob Vieles, was wir nie zu hoffen gewagt hatten, nun in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckt war. Das sanierungsbed\u00fcrftige Haus in der Jenergasse 6 wurde kurzzeitig vom KuKuK e. V. bespielt, doch gelang es nicht, im gesamten sanierten Haus, ein sozio-kulturelles Zentrum zu etablieren. Wenn heute im Kellergeschoss und im Garten des sanierten Hauses das Caf\u00e9 \u201eImmergr\u00fcn\u201c betrieben wird, so ist das jedoch ganz im Sinne der damaligen Initiatoren.<\/p>\n<p>Kulturdezernent Klaus Hattenbach, der aus Kassel gekommene Kulturamtsleiter Norbert Reif und der Mitarbeiter im Kulturamt Andreas Ittner ebneten den Weg f\u00fcr das erste Ensemble um Sven Schl\u00f6tcke und Horst J. Lonius, das im Jenaer Theaterhaus ganz auf experimentelles Theater setzte und die Erfolgsgeschichte des sp\u00e4ter in eine gemeinn\u00fctzige GmbH umgewandelten <a href=\"https:\/\/www.theaterhaus-jena.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jenaer Theaterhauses<\/a> begr\u00fcndete.<\/p>\n<p>Norbert Reif war es auch, der gemeinsam mit Lutz Engelhardt auf dem Theatervorplatz die \u201e<a href=\"https:\/\/www.kulturarena.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kulturarena<\/a>\u201c ins Leben rief und ein f\u00fcr die neuen Bundesl\u00e4nder einmaliges \u201eWeltmusikfestival\u201c etablierte, das bis heute im Sommer Abend f\u00fcr Abend viele Menschen auf den Theatervorplatz lockt und Jenas Innenstadt belebt.<\/p>\n<p>Eine lebendige Vereinsszene ist in den 1990er Jahren entstanden, die Vieles in Bewegung gebracht hat. Erinnert sei nur an den Verein \u201eJazz im Paradies\u201c und Tommy Eckardt, den Begr\u00fcnder der Jazzmeile, an die Pantomime-Tage, aus denen ein Festival des Tanztheaters hervor ging, an den Lese-Zeichen e. V. , der in diesem Jahr zusammen mit der <a href=\"https:\/\/www.stadtbibliothek-jena.de\/de\/startseite\/700073\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ernst-Abbe-B\u00fccherei Jena<\/a> nun schon den 25. Lese-Marathon organisiert, an die mittlerweile zu nationaler Bedeutung gelangte <a href=\"https:\/\/www.brassband-blechklang.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Brassband BlechKLANG<\/a> oder das vereinsgetragene radio okj im Schillerhof, das vor wenigen Wochen den 20. Jahrestag seines Sendestarts begehen konnte. Es sind die vielen sozial aktiven Menschen in der gesamten Vereinsszene, die eine Vielzahl von Veranstaltungen organisieren, die Stadt mit Leben erf\u00fcllen und sie f\u00fcr Bewohner wie Touristen so lebens- und liebenswert erscheinen lassen.<\/p>\n<p>Zieht man nach 30 Jahren Bilanz, so kann sich die Kulturentwicklung in Jena wahrlich sehen lassen. Die <a href=\"https:\/\/www.jenaer-philharmonie.de\/willkommen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jenaer Philharmonie<\/a> hat enorm an musikalischer Qualit\u00e4t gewonnen, die Ausstellungen im <a href=\"https:\/\/www.stadtmuseum-jena.de\/de\/startseite\/677121\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stadtmuseum Jena<\/a> werden \u00fcberregional zur Kenntnis genommen, der Neubau f\u00fcr die Ernst-Abbe-B\u00fccherei ist fest geplant, <a href=\"https:\/\/www.mks-jena.de\/de\/startseite\/548415\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Musik- und Kunst-<\/a> wie <a href=\"https:\/\/www.vhs-jena.de\/de\/startseite\/649270\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Volkshochschule Jena<\/a> werden gut besucht und das Jenaer Theaterhaus hat sich zu einer interessanten Experimentalb\u00fchne entwickelt. In der Zeit, als unter der Leitung von Margret Franz sich der \u00dcbergang vom Kulturamt zum st\u00e4dtischen Eigenbetrieb <a href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\">JenaKultur<\/a> vollzog, kamen der Saal im <a href=\"https:\/\/www.volksbad-jena.de\">Volksbad Jena<\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.villa-rosenthal-jena.de\">Villa Rosenthal<\/a> als neue \u201ekulturelle Orte\u201c mit eigenem Profil hinzu. Allerdings musste im Zuge der Volksbadsanierung das \u201eHaus auf der Mauer\u201c aufgegeben und einer Nutzung durch das Studentenwerk \u00fcberlassen werden. Seither mangelt es an R\u00e4umen, die von Vereinen zu bezahlbaren Preisen gemietet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Meiste, was in den letzten 30 Jahren entstanden ist, bietet Grund zur Freude. Doch es gibt nach wie vor ungel\u00f6ste Probleme. Die h\u00f6chst lebendige sozio-kulturelle Szene ist chronisch unterfinanziert. Freie kreative Menschen in der kulturellen Szene haben es schwer, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die \u201ePersonaldecke\u201c in den St\u00e4dtischen Museen ist sehr d\u00fcnn, f\u00fcr wissenschaftliche Arbeit mangelt es an Personal. Auch in der Ernst-Abbe-B\u00fccherei fehlt es an Personal, sodass das \u201eInterimsquartier\u201c in der \u201eAugenklinik\u201c, das mehr als eine Zwischenl\u00f6sung ist, an einem Tag geschlossen bleiben muss.<\/p>\n<p>Nicht alle Bl\u00fctentr\u00e4ume aus dem Jahr 1989 reiften, weil einfach die finanziellen Mittel f\u00fcr ihre Realisierung nicht vorhanden sind. Ein \u201eKunsthaus\u201c f\u00fcr Jena, ob nun als \u201eWohnung f\u00fcr Bilder\u201c (Walter Benjamin) oder als eine Art \u201eCentre Pompidou\u201c, wie es der Maler Joachim Kuhlmann Mitte der 1980er Jahre ins Gespr\u00e4ch brachte, fehlt noch immer. Alan Gilbert, einstiger Chef der New Yorker Philharmoniker, sagte: \u201eNicht alle Leute gehen in Konzerte. Aber eine Philharmonie macht eine Stadt zu einem besseren Ort.\u201c Das Gleiche gilt f\u00fcr ein Kunsthaus.<\/p>\n<p>Schaut man sich die Kulturgeschichte Jenas im 20. Jahrhundert an, so war es \u00fcber Jahrzehnte die Carl-Zeiss-Stiftung, die Wissenschaft und Kunst in Jena gef\u00f6rdert und stadtbildpr\u00e4gende Geb\u00e4ude errichtet hat. Jena geh\u00f6rt zu den St\u00e4dten in Deutschland, die sich wirtschaftlich und wissenschaftlich rasant entwickeln.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Doch entwickelt sich die Kultur in Jena bereits so, dass sie einen sozialen N\u00e4hrboden f\u00fcr Wissenschaft und Wirtschaft darstellt? W\u00e4re es nicht denkbar, dass sich Traditionsunternehmen unserer Stadt und junge, aufstrebende Firmen in Jena und seinem Umland zusammen schlie\u00dfen und eine Stiftung zur Unterst\u00fctzung von Wissenschaft und Kultur gr\u00fcnden? Einen Vorschlag, nach welcher Pers\u00f6nlichkeit des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens unserer Stadt sie benannt werden k\u00f6nnte, kann ich schon jetzt beisteuern!<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><em>Dietmar Ebert<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30 Jahre Friedliche Revolution: Ein R\u00fcckblick auf 30 Jahre Kultur in Jena\u00a0 \u2013 Teil 2 von Dietmar Ebert In der friedlichen Revolution und&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":1172,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,9,10],"tags":[353,336,34,348,345],"class_list":["post-1167","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-jenakultur","category-kulturpolitik","tag-dietmar-ebert","tag-friedliche-revolution","tag-jena","tag-kultur-in-jena","tag-kulturfoerderung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1167"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1167\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1173,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1167\/revisions\/1173"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1172"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}