{"id":10462,"date":"2023-10-20T07:30:00","date_gmt":"2023-10-20T05:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/?p=10462"},"modified":"2023-10-19T15:14:12","modified_gmt":"2023-10-19T13:14:12","slug":"archaeologische-schaetze-aus-jena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/2023\/10\/20\/archaeologische-schaetze-aus-jena\/","title":{"rendered":"Arch\u00e4ologische Sch\u00e4tze aus Jena"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Liebe Leser:innen,<\/em><\/p>\n<p><em>in diesem Beitrag soll es um Bodensch\u00e4tze gehen \u2013 Sch\u00e4tze, die Geschichten erz\u00e4hlen. Arch\u00e4ologie gew\u00e4hrt uns Einblicke in die Vergangenheit und das allt\u00e4gliche Leben der Menschen, die bewusst und unbewusst ihre Spuren hinterlassen haben. Damit gr\u00e4bt sie Wissen aus, welches sonst f\u00fcr immer verloren gegangen w\u00e4re. In der aktuellen Sonderausstellung <a href=\"https:\/\/www.stadtmuseum-jena.de\/de\/\/974699\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eGeschichte aus Gruben und Scherben \u2013 Grabungen im Gebiet der Altstadt von Jena\u201c<\/a> im <a href=\"https:\/\/www.stadtmuseum-jena.de\/de\/startseite\/677121\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stadtmuseum Jena<\/a> werden Fundst\u00fccke von vier ausgew\u00e4hlten Grabungsorten (Eichplatz, Jenergasse, Marktwestseite und Nonnenplan) pr\u00e4sentiert und in den Kontext der st\u00e4dtischen Geschichte gestellt.<\/em><\/p>\n<p><em>Dr. Matthias Rupp, studierter Arch\u00e4ologe, ist Mitarbeiter der <a href=\"https:\/\/rathaus.jena.de\/de\/team-denkmalschutz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unteren Denkmalschutzbeh\u00f6rde Jena<\/a> seit 2002 und war ma\u00dfgeblich bei der Entstehung und Vorbereitung der Ausstellung involviert. In diesem Interview spricht er \u00fcber die Ausstellung, seinen Beruf und seine Motivation, die ihn f\u00fcr seine Arbeit antreibt.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_10461\" aria-describedby=\"caption-attachment-10461\" style=\"width: 1200px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"longdesc-return-10461\" class=\"size-full wp-image-10461\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-1-matthiasruppmatthiasrupp.jpg\" alt=\"Portrait Dr. Matthias Rupp vor einem Denkmal, was einger\u00fcstet ist\" width=\"1200\" height=\"1052\" longdesc=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur?longdesc=10461&amp;referrer=10462\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-1-matthiasruppmatthiasrupp.jpg 1200w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-1-matthiasruppmatthiasrupp-500x438.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-1-matthiasruppmatthiasrupp-1000x877.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-1-matthiasruppmatthiasrupp-768x673.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-1-matthiasruppmatthiasrupp-787x690.jpg 787w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10461\" class=\"wp-caption-text\">privat \u2013 Dr. Matthias Rupp<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Dr. Matthias Rupp, Sie sind Teil des Teams Denkmalschutz. W\u00fcrden Sie uns die Aufgabe der Unteren Denkmalschutzbeh\u00f6rde umrei\u00dfen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Untere Denkmalschutzbeh\u00f6rde ist gem\u00e4\u00df des <a href=\"https:\/\/landesrecht.thueringen.de\/bsth\/document\/jlr-DSchGTH2004rahmen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Th\u00fcringer Denkmalschutzgesetzes<\/a> eine hoheitliche Beh\u00f6rde, deren Aufgabe die Erf\u00fcllung und Durchsetzung eben dieses Gesetzes ist. Daraus ergibt sich eine Anzahl an Pflichtaufgaben. Allen voran steht die Pr\u00fcfung und Bearbeitung von Genehmigungsverfahren an Kulturdenkmalen im gesamten Stadtgebiet. Au\u00dferdem m\u00fcssen Stellungnahmen zu Bauplanungsverfahren, Bauleitplanungen, st\u00e4dteplanerischen Satzungen und Entwicklungspl\u00e4nen abgegeben werden. In vielen F\u00e4llen schlie\u00dft sich daran noch eine begleitende Funktion bei den jeweiligen Projekten an.<\/p>\n<p>Neben diesen gesetzlichen Auflagen sind wir im Bereich der Bildungs- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit aktiv, wie zum Beispiel auch bei der aktuellen Sonderausstellung. Denn letztendlich ist die Effektivit\u00e4t von Denkmalschutz und Denkmalpflege langfristig an die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie zu Ihrem Beruf gefunden und was fasziniert Sie an Ihrem T\u00e4tigkeitsfeld?<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte schon seit meiner Kindheit die Vorstellung, sp\u00e4ter im Bereich der Arch\u00e4ologie zu arbeiten. Und diesen Wunsch habe ich dann versucht, relativ stringent zu verfolgen, auch wenn es zu DDR-Zeiten nicht immer alles genauso geklappt hat, wie man wollte.<\/p>\n<p>Meine Faszination \u00e4hnelte am Anfang wahrscheinlich der vieler anderer Menschen in diesem Berufsfeld \u2013 sprich das Entdeckerfieber und die Suche nach Dingen, die noch nicht bekannt sind oder waren.<\/p>\n<p>Heute ist der einzelne Fund in der Regel f\u00fcr mich nicht mehr das Entscheidende, auch wenn nat\u00fcrlich immer wieder sehr interessante Gegenst\u00e4nde geborgen werden. Umso spannender wurden mit der Zeit die \u00fcbergreifenden Zusammenh\u00e4nge, die sich bei der Auseinandersetzung und dem Vergleichen der Funde ergeben und noch viel mehr \u00fcber das Leben der Menschen damals verraten, als es ein einzelner Gegenstand vermag. Das Einordnen und Auswerten der Funde sind dann letztendlich wie ein Puzzle. Wenn diese Arbeit zu neuen Erkenntnissen f\u00fchrt, das ist wirklich ein sehr sch\u00f6nes Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>F\u00fcr Jena ist die Personalkontinuit\u00e4t in dieser Hinsicht sicher ein Gl\u00fccksfall, denn die jahrzehntelange Besch\u00e4ftigung mit <em>einem<\/em> Forschungsgegenstand, also jenem der Stadtentwicklung aus arch\u00e4ologischer Perspektive, ist heute meist nur noch selten gegeben. Damit ergeben sich \u00fcbergreifende Einblicke in bestimmte Entwicklungen, die uns erlauben, Zusammenh\u00e4nge der hiesigen Stadtgeschichte zu erkennen und diese auch in \u00fcberregionale Entwicklungen einzuordnen.<\/p>\n<p>Der Verlust von gro\u00dfen Teilen der historischen Altstadt durch die Zerst\u00f6rungen im Zweiten Weltkrieg und in den danach folgenden Abrisswellen f\u00fchrte nicht nur zum Verlust eines Teiles der gewachsenen Stadtstruktur. Was durch diese Ereignisse an historisch wertvoller Substanz verloren ging, kann heute kaum mehr abgesch\u00e4tzt werden. Aus arch\u00e4ologischer Sicht boten die gro\u00dfen Freifl\u00e4chen der Kriegsbrachen allerdings umfangreiche M\u00f6glichkeiten, innerst\u00e4dtische Fl\u00e4chengrabungen durchzuf\u00fchren. Vor allem auf dem Eichplatz f\u00fchrte die Entscheidung, diese im Vorfeld der Bauma\u00dfnahmen als vorbereitende Untersuchungen im Zeitraum von drei Jahren durchzuf\u00fchren, zu umfassenden Ergebnissen. Solch ein langer Zeitraum ist f\u00fcr die Arch\u00e4ologie ein absoluter Gl\u00fccksfall.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10458\" aria-describedby=\"caption-attachment-10458\" style=\"width: 1827px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"longdesc-return-10458\" class=\"size-full wp-image-10458\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-2-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer.jpg\" alt=\"Blick in die Ausstellung: Glasgef\u00e4\u00dfe, Keramik, Schild einer Registrierkasse und Pastillen aus der ehemaligen Hofapotheke, Mitte 20. Jahrhundert\" width=\"1827\" height=\"1467\" longdesc=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur?longdesc=10458&amp;referrer=10462\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-2-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer.jpg 1827w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-2-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-500x401.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-2-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-1000x803.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-2-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-768x617.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-2-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-1536x1233.jpg 1536w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-2-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-859x690.jpg 859w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-2-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-1320x1060.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1827px) 100vw, 1827px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10458\" class=\"wp-caption-text\">St\u00e4dtische Museen Jena \u2013 Blick in die Ausstellung: Glasgef\u00e4\u00dfe, Keramik, Schild einer Registrierkasse und Pastillen aus der ehemaligen Hofapotheke, Mitte 20. Jahrhundert<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Sie waren schon an vielen Ausgrabungen beteiligt, besonders in Jena. Gab es dabei ein besonderes Highlight, das Ihnen in Erinnerung geblieben ist?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt nat\u00fcrlich immer wieder sch\u00f6ne Momente, wenn au\u00dfergew\u00f6hnliche Gegenst\u00e4nde gefunden werden. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Fall auf der <a href=\"https:\/\/www.jenakultur.de\/de\/aufgaben_und_service\/denkmal-_und_kunstfoerderung\/lobdeburg\/605875\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lobdeburg<\/a>, bei dem wir eine Adlerapplike gefunden haben, ein vergoldeter kleiner Adler, der auf der Kleidung aufgen\u00e4ht wurde. Diese Objekte sind typisch f\u00fcr einen adelig-h\u00f6fischen Kontext, sie jedoch wirklich zu finden, ist sicher etwas ganz Besonderes.<\/p>\n<p>Zu den St\u00fccken, die mich pers\u00f6nlich aber am meisten ber\u00fchrt haben, geh\u00f6rt der Fund eines kleinen, aus Knochen gefertigten Spielw\u00fcrfels auf der Burg Kirchberg auf dem Hausberg. Diese Dinge treten uns in ihrer Schlichtheit entgegen und ber\u00fchren uns unmittelbar, da sie den Alltag der damaligen Zeit offenbaren. Man kann sich gut vorstellen, wie die W\u00e4chter der Burg ihre Zeit mit W\u00fcrfelspielen verbrachten, um die Langeweile zu vertreiben.<\/p>\n<p><strong>Welche Aufgaben haben Sie im Rahmen der Vorbereitung der Sonderausstellung \u00fcbernommen?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Aufgaben bei der Ausstellungsvorbereitung waren vielf\u00e4ltig und zahlreich. Von den rund 35 in den letzten Jahrzehnten in Jena stattgefundenen arch\u00e4ologischen Untersuchungen sollten jene vorgestellt werden, die auf Grund ihrer Gro\u00dffl\u00e4chigkeit auch am meisten in die \u00d6ffentlichkeit gewirkt haben.<\/p>\n<p>Als \u00f6rtlicher Grabungsleiter habe ich diese Untersuchungen mitverantwortet. Somit hatte ich einen \u00dcberblick \u00fcber die in Frage kommenden Fundst\u00fccke und ihre Ausstellungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen die Besucher:innen aus der Ausstellung mitnehmen? Was k\u00f6nnen sie dort \u00fcber die Stadtgeschichte Jenas erfahren?<\/strong><\/p>\n<p>Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt vor allem auf der Fundpr\u00e4sentation, um dem Publikum zu verdeutlichen, was auf einer Grabung \u00fcberhaupt gefunden wird. Nat\u00fcrlich muss man dazu erg\u00e4nzend sagen, dass in der Regel 95% aller Objekte, die geborgen werden, aus Fragmenten und Bruchst\u00fccken bestehen, die nicht wieder rekonstruiert oder zusammengesetzt werden k\u00f6nnen. In der Ausstellung sehen Sie dagegen fast ausschlie\u00dflich Objekte, die durch gl\u00fcckliche Umst\u00e4nde sehr gut erhalten geblieben sind. Zudem wollten wir die ganze Bandbreite der Objekte und Materialgruppen zeigen und auch andeutungsweise vermitteln, welch restauratorischer und konservatorischer Aufwand dahintersteckt. F\u00fcr die Besucher:innen wird das besonders gut sichtbar in dem f\u00fcr die Ausstellung produzierten Film.<\/p>\n<p>Jena ist hier in gewisser Weise wieder ein Sonderfall. Bis \u00a0zu den Grabungen in den 90ern war n\u00e4mlich nicht bekannt, in welchem Umfang sich im Jenaer Untergrund auch organisches Fundmaterial erhalten hat, da die Bedingungen hierf\u00fcr in unserer Region eigentlich kaum gegeben sind. Tats\u00e4chlich aber konnten sich durch den lange vorhandenen hohen Grundwasserstand Materialien aus Holz und Leder erhalten. Insbesondere in tiefreichenden Gruben, Brunnen oder Latrinen waren die Bedingungen hierf\u00fcr gegeben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10482\" aria-describedby=\"caption-attachment-10482\" style=\"width: 1200px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"longdesc-return-10482\" class=\"size-full wp-image-10482\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-3-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer.jpg\" alt=\"Blick in die Ausstellung Grabungen im Stadtmuseum Jena\" width=\"1200\" height=\"800\" longdesc=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur?longdesc=10482&amp;referrer=10462\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-3-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer.jpg 1200w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-3-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-500x333.jpg 500w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-3-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-1000x667.jpg 1000w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-3-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-3-blick-in-die-ausstellungsmj-paulaseehafer-1035x690.jpg 1035w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10482\" class=\"wp-caption-text\">St\u00e4dtische Museen Jena \u2013 Blick in die Ausstellung<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Haben Sie ein Lieblingsobjekt in der Ausstellung?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich habe ich kein Lieblingsst\u00fcck, denn wie bereits eingangs erw\u00e4hnt, steht f\u00fcr den Arch\u00e4ologen nicht das einzelne Objekt im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Aussage hinter dem Objekt, die es f\u00fcr die gesamte Entwicklung der Stadt hat. Ich finde es sehr viel spannender, zu erfahren, was den Besucher:innen in der Ausstellung am meisten gef\u00e4llt. Oftmals werden hier sehr unterschiedliche Dinge genannt: Die einen erstaunt der Aufbau eines fr\u00fchneuzeitlichen Schuhs, dessen Absatz aus vielen Lagen Leder besteht, und die anderen, dass der Quirl \u00fcber die Jahrhunderte seine \u00e4u\u00dfere Form erhalten hat.<\/p>\n<p>Der Goldring, den die Besucher:innen in der Ausstellung bestaunen k\u00f6nnen, ist nat\u00fcrlich ein Fund, wie man ihn als Arch\u00e4ologe wahrscheinlich nur einmal erleben wird. Das war eine tolle Sache, bei der wir uns bis heute fragen, wie jener \u00fcberhaupt verloren gehen konnte. Wir gehen davon aus, dass dieser sozusagen unabsichtlich in die Grube gewandert ist.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich finde die Daubenkanne ein sehr spannendes St\u00fcck. Solche Gef\u00e4\u00dfe waren fr\u00fcher recht weit verbreitet und wurden von Kleinb\u00f6ttchern aus einzelnen Holzpl\u00e4ttchen, den sog. Dauben, zusammengesetzt. Auch Teller, Schalen und Becher wurden so hergestellt, wie die Ausstellung zeigt. Diese Art der Herstellung ist sicher schon sehr lange bekannt. In Jena ist jedoch von besonderem Interesse, dass diese Formen im 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert in den sog. Bierd\u00f6rfern als Ziegenhainer und Lichtenhainer K\u00e4nnchen eine Renaissance erlebten und teilweise bis heute in Benutzung sind. Unser komplett erhaltenes St\u00fcck hier ist aus der Zeit um 1700 und zeigt dieselben Struktur- und Konstruktionsmerkmale wie jene Ziegenhainer und Lichtenhainer K\u00e4nnchen. An der Kanne offenbart sich also ein sehr sch\u00f6ner Bezug zur \u00f6rtlichen Tradition.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10459\" aria-describedby=\"caption-attachment-10459\" style=\"width: 1200px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"longdesc-return-10459\" class=\"size-full wp-image-10459\" src=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-4-daubenkannematthiasrupp.jpg\" alt=\"Daubenkanne, Fichte und Weide, 17. Jh mit Ma\u00dfstab\" width=\"1200\" height=\"1601\" longdesc=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur?longdesc=10459&amp;referrer=10462\" srcset=\"https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-4-daubenkannematthiasrupp.jpg 1200w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-4-daubenkannematthiasrupp-375x500.jpg 375w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-4-daubenkannematthiasrupp-750x1000.jpg 750w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-4-daubenkannematthiasrupp-768x1025.jpg 768w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-4-daubenkannematthiasrupp-1151x1536.jpg 1151w, https:\/\/blog.jena.de\/jenakultur\/wp-content\/uploads\/sites\/25\/2023\/10\/jenakultur-4-daubenkannematthiasrupp-517x690.jpg 517w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10459\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Matthias Rupp \u2013 Daubenkanne, Fichte und Weide, 17. Jh.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Interview, Herr Dr. Rupp!<\/strong><\/p>\n<p><em>Liebe Leser:innen, wir hoffen, das Interview konnte ihre Neugier f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.stadtmuseum-jena.de\/de\/\/974699\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sonderausstellung<\/a> wecken, und m\u00f6chten Sie herzlich einladen, selbst einen Blick auf die interessanten und au\u00dfergew\u00f6hnlichen Exponate zu werfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wer dar\u00fcber hinaus noch mehr \u00fcber die Jenaer Stadtarch\u00e4ologie und die in der Ausstellung vorgestellten Fundorte erfahren m\u00f6chte, dem sei die Begleitpublikation <a href=\"https:\/\/www.stadtmuseum-jena.de\/de\/publikationen\/992495\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eArch\u00e4ologie in der Altstadt von Jena\u201c<\/a> (ISBN: 978-3-949860-05-8; 15,90 \u20ac) empfohlen.<\/em><\/p>\n<p><em>Genauso lesenswert ist das erste Heft aus der Reihe Jenaer Beitr\u00e4ge zur Denkmalpflege, Baugeschichte und Arch\u00e4ologie mit dem Titel \u201eDie Anf\u00e4nge der Stadt Jena bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts\u201c (ISBN: 978-3-942176-69-9; 8,00\u20ac). Darin beschreibt Dr. Matthias Rupp \u2013 anschaulich untermauert mit Erkenntnissen aus arch\u00e4ologischen Funden \u2013 die fr\u00fche Jenaer Geschichte und die damit einhergehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebensumst\u00e4nde.<\/em><\/p>\n<p><em>Beide B\u00fcchlein k\u00f6nnen \u00fcber das Museum bestellt oder an der Kasse erworben werden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser:innen, in diesem Beitrag soll es um Bodensch\u00e4tze gehen \u2013 Sch\u00e4tze, die Geschichten erz\u00e4hlen. 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